Andrea Nahles: So geht Wirtschaft – jetzt auch Professorin

Späte Ehre wird Andrea Nahles zuteil. Die frühere SPD-Vorsitzende wird nun an der Universität Duisburg-Essen im kommenden Semester eine Gastprofessur erhalten. Korrekt: Eine Gastprofessur für Politikmanagement. Dabei stützt sie sich auf immerhin 20 Semester Erfahrung als Studierende. In Bonn hatte sie ihr Studium der neueren und älteren Germanistik sowie der Politikwissenschaft als M.A. abgelegt und ihre offenbar pädagogisch-praktischen oder sogar wissenschaftlich relevanten Fertigkeiten u.a. als Arbeits- und Sozialministerin erworben. Sie gilt als vortragssicher und originell, wie ihre Wortbeiträge („Ätschi bätsch“), die vielzitiert wurden, belegen. Sie werde, so das neu konzipierte Format einer Seminarreihe „Studierenden einmalige Einblicke in die politische Arbeit der Sozialdemokratin bieten“.

Nahles: Gut im Geschäft

Damit ist Andrea Nahles wieder recht gut im Geschäft, wie auch andere Aufträge belegen.

„Die Medien berichten, Andrea Nahles, früher SPD-Bundesvorsitzende, habe wieder einen neuen Job in Brüssel. Bei der EU werde sie „Sonderberaterin“ beim EU-Sozialkommissar Nicolas Schmit. Der wiederum verkündete – was Beobachter als Nahles-Lüge deuten -, sie werde „ehrenamtlich“ daran mitwirken, den sozialen Dialog in Europa, gemeint ist wohl die EU,  und die Rolle der Sozialpartner zu stärken. Ehrenamtlich werde sie dies tun. Dabei fällt die ganze Wahrheit halb unter den Tisch: Denn kurz vor Ende des Monats Juni wurde sie zur Präsidentin der „Bundesanstalt für Post und Telekommunikation“ gewählt. Und das bringt viel Geld. Niemand ist in der Lage, sie auf diesem Wege zu bremsen. Wir berichteten ….

Das Warten hat sich offenbar gelohnt. Nun wird sie zur „Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation“. Diese Behörde wird dem Bundesfinanzministerium zugeordnet, deren Chef Olaf Scholz ist. Für Andrea Nahles eine neue Aufgabe mit einem Jahressalär von über 150.000 Euro. Mit der Post und der Telekommunikation hat sie bis dato noch nicht zu tun gehabt. Außerhalb der Politik sind ihre beruflichen Erfahrungen überschaubar.

1.400 Beschäftigte

Die Behörde beschäftigt gut 1.400 Menschen. Deren Aufgabe ist es, sich um die „Versorgung der Beamten des früheren Staatsunternehmens Deutsche Bundespost“ zu kümmern. Eigenen Angaben zufolge „wächst“ die Versorgungsbehörde sogar noch. Auch wenn die Post inzwischen ebenso wie die Telekom privatisiert worden ist, „steht der Bundesanstalt eine spannende Zukunft mit neuen Chancen und neuen Herausforderungen bevor“. Frau Nahles ist als frühere Arbeitsministerin aber gerade in Versorgungsfragen kompetent, insofern sie die Frührente mit 63 Jahren etabliert hat und sich auch ansonsten um diverse Reformen kümmerte.

Kritiker argwöhnen, Frau Nahles habe einen Versorgungsposten bekommen. Ausgerechnet von Olaf Scholz, der ihr Nachfolger hätte werden wollen, wenn die Partei in der internen Wahl den früheren Hamburger Bürgermeister gewählt hätte. Warum sein Ministerium Frau Nahles ausgesucht hat, wollte das Finanzministerium aus offenbar grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht mitteilen, in Personalfragen äußere man sich nicht. Dass die SPD sich mit diesem Postengeschacher keinen besonderen Gefallen erweist, ist aus Sicht von Kritikern nur zu deutlich. Die SPD hat sich damit bereits mehrfach blamiert…