Läuft: Wolfgang Schäubles Tochter wird ARD-Programmdirektorin

Der Einfluss der Familie Schäuble in Deutschland wächst formal. Christine Strobl, seine Tochter, wird ab 2021 Programmdirektorin der ARD. Christine Strobl ist Journalistin und formal also qualifiziert für diese Position. Sie ist privat zudem verheiratet mit Thomas Strobl, der Vize-Ministerpräsident des Bundeslandes Baden-Württemberg ist. Die Kritik an der Ernennung Christine Strobls entzündet sich nun an genau diesem Umstand: Die Journalistin, die also dann u.a. die Berichterstattung über die Politik mit verantwortet, ist sowohl mit der Landesregierung Baden-Württembergs theoretisch zu verknüpfen als auch mit dem höchsten Amt, das der Deutsche Bundestag vergeben kann.

Frau Strobl selbst hat sich diese Gedanken offenbar auch schon gemacht. Im Januar 2019 sagte Christine Strobl der „Heilbronner Stimme“ gegenüber, sie stünde für das Amt des SWR-Intendanten nicht zur Verfügung. Ihr Mann sei stellvertretender Ministerpräsident Baden-Württembergs, daher, so Frau Strobl, könne sie selbst nicht als Chefin des öffentlichen-rechtlichen Senders dieses Bundeslandes fungieren.

Tagesschau erwähnt Zusammenhänge nicht

Die Kritik an der nunmehr neuen Besetzung entzündet sich unter anderem auch daran, dass keine hinreichende Kritik erfolgt. Frau Strobl würde Programmchefin der ARD, meldete etwa die „Tagesschau“, die zur ARD gehört. Dass es engere Familienbande in die Politik hinein gibt, erwähnt die Nachrichtensendung nicht. „Tichys Einblick“ hat den Finger in eine andere Wunde gelegt. Der Vorgänger von Frau Strobl, Volker Herres, trat in seiner Sache gegen eine Veröffentlichung der Gehälter auf dieser Ebene ein. Von ARD-Intendant Tom Buhrow ist bekannt, dass er 395.000 Euro im Jahr beziehen würde. Frau Strobl ist also nicht verantwortlich dafür, dass der ökonomische Hintergrund dieser etwas unglücklichen familiären Fügung (aus journalistischer Sicht bzgl. der Unabhängigkeit) bis dato nicht bekannt wurde. Zumindest dürfte die Familie Schäuble / Strobl künftig noch größeren Einfluss in der Öffentlichkeit haben.