Die Chemnitz-Lüge: Einsatzkräfte wussten vorher Bescheid

Politik und Polizei haben indirekt davon gesprochen, sie seien von den Ereignissen in Chemnitz überrascht. Sie könnten insofern nichts dafür, dass in den vergangenen Tagen erneut eine Eskalation zu verzeichnen war. So habe die Behörde, so hieß es, mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet. Wirklich? Die Berichte hinter den Kulissen deuten inzwischen auf eine andere Entwicklung hin. Der „Tagesspiegel“ etwa berichtet über einen Hinweis des sächsischen Verfassungsschutzes. Der hatte demnach in einer sogenannten „Lagebewertung“ eingeschätzt, es könnten aus Sachsen insgesamt sowie aus anderen Ländern teils sogar Kampfsportler anreisen. Die angemeldete Demonstration „Sicherheit für Chemnitz“ sprach offenbar auch Hooligans an oder sonstige Mitglieder der sogenannten rechten Szene.

Emotionalisierung hoch

So hieß es auch, dass ein sehr hoher Emotionalisierungsgrad zu erwarten sei. Grund war das „Tötungsdelikt eines deutschen Staatsangehörigkeit“, an dem ein Tatverdächtiger „mit Migrationshintergrund“ beteiligt gewesen sei. Insofern sei die Mobilisierung in ganz Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich, es sei mit einer Teilnahmerzahl in Höhe von 1.000 bis zum mittleren vierstelligen Bereich zu erwarten.

Dabei schloss der Verfassungsbericht auch nicht als, dass die Polizei angegriffen würde oder dass wichtige räumliche Örtlichkeiten angegriffen werden könnten. Dies wären etwa Flüchtlingsunterkünfte oder Wahlkampfbüros.

Auf der anderen Seite wurde auch erwartet, dass Autonome, also Mitglieder aus nominell linken Gruppierungen anreisen würden. Diese seien aus Leipzig, aus Thüringen bis hin zu Niedersachsen erwartbar. Da das Informationsmaterial am Montag bis zur Mittagszeit bei der Polizeidirektion in Chemnitz einging, hätten die Behörden demnach eingreifen können. Nicht nachvollziehbar sei es, dass die Einsatzstärke der Polizei ganz offensichtlich nicht ausgereicht hat.

Die Bundespolitik hat sich dazu bislang trotz der permanenten Kommentare nicht geäußert. Dies wäre auch überraschend, da sich der Vorwurf indirekt auch an die Regierung richten wird, die hinreichend oft Chancen verpasst hat, für Ersatz zu sorgen.