in Umwelt

Von Carey L. Biron – Washington (IPS) – Die USA und Brasilien sind in die letzte Phase der Verhandlungen getreten, die zur Genehmigung der kommerziellen Nutzung genetisch manipulierter Eukalyptusbäume in beiden Ländern führen könnten. Das wäre weltweit die erste Zulassung ihrer Art.

Die brasilianische Regierung wird der Öffentlichkeit aller Voraussicht nach in der ersten Septemberwoche die Gelegenheit geben, sich zu dem Thema zu äußern. Die USA wiederum arbeiten seit Anfang letzten Jahres an einer Umweltverträglichkeitsstudie, die jederzeit vorgelegt werden könnte.

Doch im Gegensatz zur Biotechnologieindustrie sind die Kritiker der Meinung, dass Genbäume die Entwaldung weiter vorantreiben werden. Die Zustimmung würde zudem der Verbreitung dieser genetisch manipulierten Erzeugnisse weiteren Auftrieb geben.

„Sollten Brasilien und USA die kommerzielle Nutzung dieser Bäume autorisieren, werden diese zweifellos auch in andere Länder exportiert werden“, meint Anne Petermann, Geschäftsführerin des ‚Global Justice Ecology Project‘ (GJEP) und Koordinatorin der Kampagne gegen genetisch manipulierte Bäume. Das Netzwerk hatte am 20. August den Beginn einer neuen Kampagne bekanntgegeben. Da Genbäume schneller wachsen als andere und somit mehr einbringen, wird der Druck auf die Wälder steigen, so die Expertin.

Während die USA bereits zwei genetisch manipulierten Obstbäumen grünes Licht gegeben hat, wäre der Gen-Eukalyptus der erste genetisch veränderte Waldbaum, der eine solche Genehmigung bekäme. Ähnliche Gespräche werden derzeit in der Europäischen Union, Australien und anderen Ländern geführt. China wiederum hat bereits mehreren Genbaumarten den Weg aus dem Labor hinaus freigemacht.

Kritik an Plantagenansatz

Der Eukalyptusbaum ist eine besonders lukrative und weltweit am häufigsten gepflanzte Art. Aus seinem Hartholz werden vor allem Zellstoff und Papierprodukte gewonnen. Den USA dürfte im Fall der Autorisierung vor allem an der Herstellung von Pellets gelegen sein, die im Zusammenhang mit der Biotreibstoffproduktion gefragt sind. Allein 2012 stiegen die US-Exporte von Holzpellets um 70 Prozent. Die USA sind derzeit der weltgrößte Hersteller der Pellets.

Die US-Regulatoren entscheiden insbesondere über die Zukunft von zwei Arten von Eukalyptus, die gegen Frost und bestimmte Antibiotika resistent sind und deshalb auch mehr im Norden der Erdkugel ausgebracht werden können. Das heißt, dass an das Frostresistenz-Gen ein weiteres Gen, das umstrittene Antibiotikaresistenz-Markergen ’nptII‘ gekoppelt ist, das bereits in anderen Fällen für Diskussionen darüber sorgte, ob die Ausbringung unvorhersehbare Auswirkungen in der Anwendung von Antibiotika haben wird.

Ein Markergen dient zur Markierung derjenigen Zellen, die bei einer ‚Transformation‘, also einer Veränderung der Erbsubstanz einer Pflanzenzelle, die neuen Gene aufgenommen haben, denn bei einer Transformation werden nur bei einem sehr kleinen Teil der Zellen die neuen Gene eingebaut. Zu diesem Zweck wird das Markergen zusammen mit dem gewünschten Gen übertragen.

Kommen die Zellen anschließend mit dem entsprechend hochdosierten Antibiotikum in Kontakt, überleben nur diejenigen, die das Markergen und mit ihm auch das gewünschte Gen, aufgenommen haben. Dieses Verfahren spart viel Zeit, denn auf das Markergen zu verzichten hieße, daß man die Pflanze eine Weile wachsen lassen müsste, weil man erst dann feststellen könnte, ob die Frostresistenz wirkt.

Bei dem Unternehmen, das um die Genehmigung angesucht hat, handelt es sich um ‚ArborGen‘, das damit wirbt, die Eukalyptusplantagenfläche mit Hilfe der genetisch veränderten Arten vervierfachen zu können.

ArborGen erhofft sich von der Genehmigung eine Verzwanzigfachung seiner Verkaufseinnahmen auf 500 Millionen Dollar bis 2017, wie aus einem umfassenden Bericht hevorgeht, den das Zentrum für Ernährungssicherheit in Washington im letzten Jahr herausgegeben hat. Ebenso erwarten brasilianische Analysten, dass sich der Markt für Eukalyptusprodukte in den nächsten zwei Jahrzehnten um 500 Prozent vergrößern wird.

Doch haben sich die Eukalyptusbäume, die seit Jahren in konventionellen Plantagen in Monokulturen gezogen werden, als besonders problematisch, wenn nicht gar gefährlich herausgestellt. Um wachsen zu können, brauchen sie sehr viel Wasser. Darüber hinaus sind sie invasiv und besonders anfällig für Brände. Während der verheerenden Feuer im US-Bundesstaat Kalifornien in den 1990er Jahren gingen fast drei Viertel der dabei produzierten Hitze von den hochbrennbaren Eukalyptusbäumen aus.

Befürchtet wird ferner, dass die Zulassung der genetisch veränderten Eukalyptusbäume in den USA und in Brasilen dem monokulturellen Anbau zu einem weiteren Höhenflug verhelfen wird.

„Dieses Modell hat sich bereits als extrem negativ für die lokalen Gemeinschaften und die Natur herausgestellt. Es vertreibt die Menschen und schränkt deren Zugang zu ihren Territorien ein. Außerdem führt es zur Vernichtung und Verschmutzung der Wasserressourcen insbesondere im Globalen Süden“, erläutert Winifridus Overbeek, Koordinator der ‚World Rainforest Movement‘, einer Umweltlobbygruppe.

„In Brasilien haben viele dieser Plantagen die Landreform verhindert, die die hungernden Menschen so sehr brauchen, um sich selbst versorgen zu können. Doch der Großteil der in den Baumschulen gezogenen Hölzer ist für den Export bestimmt, damit sie den ständig steigenden Bedarf anderswo decken.“ Overbeek zufolge lehnen brasilianische Bauern die Plantagen mit der Begründung ab, „dass man Eukalyptus nicht essen kann.“

Immer mehr Land für lukrative Hölzer

Trotz des Siegeszuges der digitalen Medien im letzten Jahrzehnt ist die globale Papierindustrie aufgrund des ungeheuren Hungers nach Papier und dessen Produkten ein Koloss geblieben. 2010 bewegte sich die Nachfrage bei um die 400 Millionen Tonnen und könnte auf 500 Millionen Tonnen pro Jahr bis Ende des Jahrzehnts zulegen, wie der WWF berichtet.

Ein häufig bemühtes Argument von ArborGen und Co, das angeblich für die genmanipulierten Bäume und das Plantagensystem spricht, lautet, dass durch den ‚Anbau‘ von Bäumen der Druck auf die Urwälder abnimmt. Tatsächlich wirbt ArborGen mit dem Slogan ‚Mehr Holz. Weniger Land‘.

Doch während die Welt den Plantagenansatz zunehmend akzeptiert, sind die Auswirkungen unübersehbar. Indonesien beispielsweise hat in den vergangenen 50 Jahren den Verlust der Hälfte seiner Wälder in Kauf genommen, um insbesondere die Ausweitung der Ölpalmplantagen zu gestatten.

Nach UN-Angaben haben die Baumschulen ihre durchschnittliche Holzproduktion in den vergangenen zwei Jahrzehnten bis 2010 verdoppelt. Ebenso breiteten sich die Plantagen selbst um etwa 60 Prozent aus.

„Schnell wachsende Bäume zu entwickeln, mag sich zwar ganz nett und hilfreich anhören. Doch ist das Gegenteil der Fall. Die Dinge wertvoller zu machen, bedeutet eine erhöhte Übernahme von Land“, erklärt Petermann vom GJEP. „Gerade in Brasilien konnten wir beobachten, dass eine Zunahme des Holzoutputs pro Hektar zu einer Umwandlung von immer mehr Land führt.“

Vision von einer nachhaltigen Papierwirtschaft

Im Juni hatten mehr als 120 Umweltgruppen weltweit Vorschläge für eine umfassende Nachhaltigkeitsreform im Papiersektor vorgelegt, der eine treibende Kraft hinter der Entwaldung ist. Dieses als ‚Global Paper Vision‘ bekannte Dokument ermuntert Verbraucher und Hersteller, Fasern aus genmodifizierten Organismen eine Absage zu erteilen.

„Theoretisch mag es wahr sein, dass Genbäume nützlich sind“, meint Joshua Martin, Leiter des ‚Environmental Paper Network‘ (EPN), das maßgeblich an dem Visionspapier mitgearbeitet hatte.

„Doch letztendlich geht es um eine technologische Lösung, die in Anbetracht der damit verbundenen bekannten und unbekannten Gefahren falsch ist. Deshalb sind wir für eine Drosselung der Nachfrage als ersten logischen Schritt, bevor wir die Natur manipulieren und natürliche Systeme der Kontaminierung aussetzen.“

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