in Umwelt

Die Genlobby, die verhungernden Kinder und der Erzbischof

Axel Mayer, Geschäftsführer des Regionalverband Südlicher Oberrhein (www.bund-freiburg.de), weist in einer Presseaussendung auf eine Veranstaltung der „Pro-Gentechnik“ Fraktion hin:

Die Gentechnik-Lobbyorganisation mit dem hübschen Namen „Forum Grüne Vernunft“ organisiert von Freitag, 20.07.2012 bis Montag, 23.07.2012 am Hauptportal des Freiburger Münsters, jeweils von 9 – 13 Uhr eine Pro-Gentechnik-Aktion.

Ziel ist es mit dem vorgeschobenen und falschen Argument „Genfood als Waffe gegen den Hunger“ die Gewinn- und Machtinteressen der Genkonzerne zu „maskieren“ und Druck auf die Kirche aus zu üben. Wenn Monsanto, Bayer und Co. vor dem Münster stünden, würde das keinen interessieren. Eine industrienahe „Bürgerinitiative“, die Aktionsformen der Umweltbewegung übernimmt ist presse- und werbewirksamer. Eine „große“ Gegenaktion gäbe der geschickten PR-Aktion den gewünschten medialen Resonanzboden. Dennoch werden Umweltschützer heute am Freiburger Münster auch ihren Standpunkt deutlich machen.

Industrienahe und industriegelenkte „Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen“ nehmen nach amerikanischem Vorbild auch bei uns immer stärker zu. Da gibt es nicht nur das „Forum Grüne Vernunft“, sondern auch den „Umweltverband“ „Entlang des Rheins – aufildurhin“ den die Energiekonzerne EDF und EnBW ins Leben gerufen haben um Akzeptanz für das altersschwache AKW Fessenheim zu schaffen. Es gibt immer einen „Übergangsbereich“ zwischen industriegesteuerten und industrienahen Initiativen.

Der vom „Forum Grüne Vernunft“ und der Genlobby verbreitete Mythos, mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen könne der Welthunger bekämpft werden, hält nach Analysen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einer Überprüfung nicht Stand. Eine BUND-Studie erbrachte das Ergebnis, dass Gentech-Pflanzen mit den genannten Eigenschaften in absehbarer Zeit nicht zur Marktreife kommen werden. Die Gentechnik-Konzerne haben an diesem Thema hauptsächlich ein propagandistisches Interesse. Sie erwirtschaften den Löwenanteil ihres Umsatzes mit chemischen Spritzmitteln. Ihr vorrangiges Interesse ist es, herbizidresistente Pflanzen und dazugehörige Spritzmittel in Kombination zu verkaufen. GVO-Pflanzen werden in der Regel nur auf Großflächen und von Großgrundbesitzern angebaut (zumindest bei den herbizidresistenten Pflanzen ist der einzige Vorteil für den Anbauer, dass sich größere Flächen mit weniger Arbeit bewirtschaften lassen), was in der Folge dazu führt, dass häufig Nahrungspflanzen durch Exportpflanzen – Soja, Energiepflanzen und Baumwolle – ersetzt werden. Dies wiederum führt dazu, dass ein Sahel-Hungerland wie Burkina Faso GVO-Export-Baumwolle anbaut…

Es geht den Konzernen nicht um den Welthunger sondern um Geld, Habgier und Macht. Die Gen-Konzerne, die heute mit dem Argument des Welthungers Greenwash betreiben, versuchen gleichzeitig durch Patente auf Saatgut Monopole auf die landwirtschaftliche Produktion und Ernährung zu erlangen. Die Agrar-Konzerne Monsanto, Syngenta und Bayer verschaffen sich global immer mehr Patentansprüche auf unsere Hauptnahrungspflanzen und bestimmen so die Nahrungsmittelpreise aus denen sie massive Profite ziehen. Der Welthunger ist immer mehr auch eine Folge der Nahrungsmittelspekulation.
Auch eine Recherche der Organisation Foodwatch vom 18.01.2012 zeigt anhand des Beispiels „Golden Rice“ auf, dass die Gentechnik-Industrie ihre Heilsversprechen bislang nicht einlösen konnte. Das „Vorzeigeprojekt“ „Golden Rice“ ist Greenwash und eine geschickte Durchsetzungskampagne, mit der gentechnisch manipulierten Nahrungsmitteln zum Durchbruch verholfen werden soll.

Der Hunger tötet tatsächlich weit mehr Menschen als jeder gegenwärtig geführte Krieg oder Terroranschlag. Diese gerne verdrängte Katastrophe muss auch die Arbeit der Umweltbewegung noch stärker als bisher beeinflussen. Die wichtigste Maßnahme gegen den Hunger ist die Armutsbekämpfung.
Dem Hunger in einem Teil der Welt steht die Über- und Fehlernährung gepaart mit Überkonsum im anderen Teil der Welt entgegen. Es ist mehr als Symbolik wenn die einen an Unterernährung und die anderen an Übergewicht leiden. Wir müssen stärker gegen die hungerfördernde Nahrungsmittelspekulation angehen. Auch im Bereich der nichtgentechnischen, konventionellen Züchtung gab und gibt es Fortschritte gegen den Hunger. Die Gen-Konzerne wollen weltweit den Landwirten das Recht stehlen Saatgut auszusäen, um sich auch hier globale Monopole und Gewinne zu sichern. Auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln tötet Menschen!

Links: Hunger, Gentechnik, Greenwash

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