Der Machtkampf um die Energiereserven der Welt müsste nicht sein

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Bundespräsident Köhler verlor sein Amt, weil er erklärt hatte, deutsche militärische Einsätze im Ausland auch gerechtfertigt sein könnten, wenn es „nur“ um die Sicherheit unserer Versorgung mit den Ressourcen dieser Welt geht. Als vormaliger Leiter des Internationalen Währungsfonds (IWF) kannte er das aber gar nicht anders. Beim von den USA dominierten IWF sah man das doch auch so. Es war offensichtlich, dass Amerika nach den schweren dem II. Weltkrieg folgenden Kriegen in Korea und Vietnam, die der Eindämmung des Kommunismus dienen sollten, seine neuen Kriege im Irak und Afghanistan nur führte, um sich den Ölreichtum des Nahen Ostens zu sichern.

Amerika war in großer Sorge, dass dem Land in absehbarer Zeit Öl und Gas ausgehen würde. Darum schmiedete es Bündnisse mit dem persischen Schah und den wahabitischen Despoten am Golf. Das Land nahm im Beispiel Alaskas auch keine Rücksicht auf umweltpolitische Bedenken gegenüber der landschaftsvernichtenden Ölsandgewinnung. Auch riskanteste Bohrmanöver im Golf von Mexiko begegneten keinen Bedenken. Der katastrophale Ölunfall auf der Plattform Deep Water Horizon war ebenso wenig ein Zufall wie es die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sind. Wer am Abgrund herumturnt, fällt auch schon mal hinein. Aber da lohnt es nicht, besonders die für solche Wirtschaftspolitik Verantwortlichen zu schelten. Halb Kalifornien ist auf unruhiger Erdkruste gebaut. Und in Italien suchen Millionen Menschen ihr Glück in nächster Nähe des Vesuvs.

Um 2000 erwies sich das aus der traditionellen Erdgasförderung bekannte Fracking, mit dem man durch Richt- und Querbohrungen den Zugriff auf tief liegendes Gas bei bestehenden Bohrungen verbesserte, als sehr viel einträglicher, wenn man unter dem Druck von mehreren Hundert Bar Flüssigkeit, das sog. Fracfluid, in das Tiefengestein einpresste. Hier und da beschränken sich die Betreiber auf das Einpressen von Wasser und Sand, sog. Clean Fracking.

Für guten Ertrag sogen aber erst Additive, auch Biocide, die zu massiven Umweltschäden und Gesundheitsschäden führen. Die Bilder und Berichte aus Nord-Dakota und Wyoming über die Zerstörung ganzer Landstriche sind um die Welt gegangen. Wo immer Fracking in den USA lohnt, wird es aber gnadenlos betrieben. Das Land bereitet sich bereits darauf vor, in wenigen Jahren Flüssiggas zu exportieren. Diese neue wirtschaftspolitische Lage räumt den USA heute Freiheiten ein, die zuvor undenkbar wären. Sie können heute sogar dem größten Energielieferanten der Welt, Russland, die Stirn bieten, indem sie Europa anbieten, dass sie es mit Flüssiggas beliefern, wenn Russland im Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine seine Lieferungen nach Westeuropa drosselt. Russland besinnt sich derweil auf neue Abnehmer in Asien. Welch ein Wahnsinn!

In Deutschland wollen die Wasserwirtschaft und die gesamte Bevölkerung vom hydraulischen Fracking absolut nichts wissen. Das kann die vom Volke gewählte Regierung Merkel/Gabriel -wie üblich- nicht davon abhalten, genau das Gegenteil zu tun und den Amerikanern bedingungslos zu folgen. Dabei droht das umweltschädliche Fracking ohnehin durch die Hintertür des unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen den Staaten und der Großindustrie beratschlagten transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) in Deutschland und ganz Europa legalisiert zu werden. Frankreich hat zwar unter Hollande ein gesetzliches Frackingverbot eingeführt, muss das Gesetz aber aufheben, wenn das Freihandelsabkommen in ein paar Jahren umgesetzt wird. Zudem wird ein ganz ähnliches Abkommen zwischen Kanada und der EU schon in ein paar Monaten wirksam, das den großen amerikanischen Unternehmen mit ihren Töchtern in Kanada bereits den Weg zum Fracking in Europa ebnet. Waren lange Zeit die Privatisierung und die Globalisierung die entscheidenden Mittel, die Macht von den halbwegs demokratischen Staaten der Erde auf Private zu verlagern, ist heute die Keule des Freihandels dazu gekommen, mit der die Souveränität der Staaten endgültig ausgehebelt wird.

Die Unterdrückung neuer alternativer Energiegewinnung und -nutzung

Als Merkel in einem unerwarteten Anflug souveräner Macht nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die deutschen Atommeiler abschaltete (wofür der Steuerzahler gegenüber den Betreibern noch schadensersatzpflichtig ist), wiesen EON, RWE, EnBW, Vattenfall und EWE gleich darauf hin, dass der Transport des Windstroms aus dem windreichen Norden den Bau sündhaft teurer großer neuer Stromtrassen erfordern werde. Ohnehin werde der Strom durch die alternativen Energien maßlos verteuert, weil die Grundlast der Energiegewinnung doch von konventionellen Kraftwerken geliefert werden müsste, wenn der Wind wie oft einfach weg bleibt. Im Grund genommen stehen wir in der Situation, dass die konventionellen Kraftwerke (Kohle, Erdgas) zu teuer produzieren. Sie sind nicht ausgelastet, weil sie abgeschaltet werden müssen, wenn viel Windstrom anfällt, der an der Strombörse billig angeboten wird. Die hochtechnischen teuren Riesenwindkraftanlagen rechnen sich dagegen nur, wenn sie massiv gegenüber jeder Konkurrenz subventioniert werden – auch gegenüber allen anderen Wegen der Erzeugung und Nutzung alternativer Energie. Die Riesenräder sind schließlich gegenüber wirklich starkem Winden anfällig. Schon bei Windstärke 12 werden sie abgeschaltet.

Die Karten in der Energiewirtschaft müssten aber schon grundlegend neu gemischt werden, wenn die alternative Gewinnung elektrischer Energie ihren größten Nachteil verlöre. Das täte sie schon, wenn es preiswerte leistungsfähige Stromspeicher gäbe, die den bei strahlender Sonne oder heftigem Wind in überschüssiger Menge erzeugten Strom aufnähmen und ihn dann an die Verbraucher abgäben, wenn es mal bedeckt und windstill ist. Solche Speicher müssten überall im Lande verteilt stehen. Sie würden einen großen Netzausbau überflüssig machen. So wie in Deutschland mit extremer Verspätung an den Bau von Elektroautos herangegangen wurde, so ist die Entwicklung geeigneter Stromspeicher auch über Jahrzehnte liegen geblieben. Auch die Wasserstofftechnik könnte das Problem gelöst haben, sie wurde aber auch nicht ausreichend gefördert. Eine phantastische Lösung wären insbesondere die genialen Lageenergiespeicher des Erfinders Professor Dr. Eduard Heindl, s. http://energiespeicher.blogspot.de/2013/04/ist-der-lageenergiespeicher-realistisch.html. Aber die Politik hält still und tut nichts.

Eine ganz einfache Alternative, die ohne alle Hochtechnologie umzusetzen ist, ist der regionale Einsatz mittlerer Windkraft durch die Nutzung von Windturbinen mit vertikaler Achse (VAWT), der kostengünstig mit am Ort vorhandenen Solaranlagen verbunden werden kann.

Eine Gruppe von Verbrauchern, ein Betrieb, ein Dorf oder ein Stadtteil, die sich an windgünstiger und nicht störender Stelle eine überschaubare Zahl von VAWTs hinstellen, können sich damit von Stromlieferungen über das große Netz unabhängig machen. Die Rotoren können sehr gut in weiten Ebenen oder auf Anhöhen stehen.

Unter den sich wie Kreisel drehenden Rotoren kann der landwirtschaftliche Betrieb ungestört weiter stattfinden. Solche VAWTs passen natürlich auch gut auf Fabrikdächer, nur nicht in die direkte Nähe zu Wohnhäusern (obwohl sie nicht laut sind). Die relativ kleinen Windräder bringen zwar nur einen Bruchteil der Leistung der heutigen Riesenräder. Dass kleine Windräder in größerer Zahl mehr Leistung bringen als ein großes, hat der Windkraftpionier Winter schon in den siebziger Jahren berechnet. Moderne VAWTs erreichen – nach BETZ gemessen- einen sehr respektablen Wirkungsgrad von 40 % gegenüber der theoretisch maximal möglichen Nutzung von 59 %.

Statt 2 Millionen Euro kosten sie aber auch nur schätzungsweise 10.000,00 € das Stück. Sie liefern Strom zu einem im Vergleich unvorstellbar günstigen Preis, weil bei ihnen unabhängig von den geringeren Erstehungskosten folgende heute zu beachtende Kostenfaktoren wegfallen:

Keine Wartungskosten (außer der Überprüfung der Batterien)

  • Kein Abschalten der VAWTs bei starkem Wind
  • Keine Kosten für Aufbau und Unterhaltung des großen Netzes von Überlandleitungen
  • Kein technischer Energieverlust von rd. 30 % beim Transport über weite Strecken
  • Keine Zuzahlungen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
  • Kein Unternehmensgewinn der Energiekonzerne
  • Keine Vorstandsgehälter
  • Keine bevorzugte Bezahlung der Mitarbeiter der Versorgungsunternehmen
  • Keine teuren politischen und militärischen Auseinandersetzungen über Energieressourcen

Gewonnen wird übrigens Gleichstrom, der bis zu 6 km Entfernung praktisch ohne Verlust zur Batterie und zu den Abnehmern transportierbar ist.

Die mittlere Windkraft ist auch aus vielen anderen Gründen eine perfekte Alternative zu den heutigen auf vertikaler Achse gelagerten kirchturmhohen Windrädern, die inzwischen zwischen 100 und 200 Metern hoch sind. Sie zerstören den Anblick jeder Landschaft und wirken erschreckend auf den Menschen. Sie sind zudem sehr laut und verursachen irritierende Schlaglichter. Ornithologen beklagen, dass Raubvögel, die auf der Suche nach Beute am Boden nur nach unten und nicht in Flugrichtung sehen, von den Propellern erschlagen werden. Die etablierte Presse schreibt nicht gern darüber, weil sie nicht weiß, wem sie bei diesem Thema den üblichen vorauseilenden Gehorsam schuldet. Zwar hat sich unsere Regierung zu den alternativen Energien bekannt. Sie rudert aber längst wieder kräftig zurück und setzt trotz des Wissens um die großen Gesundheitsgefahren durch den unkontrollierbaren nanogroßen Feinststaub wieder auf die Kohle- und wenn sie zum Dumpingpreis aus Kolumbien oder West-Virginia kommt, wo unsere Stromkonzerne längst voll vertreten sind.

Eine mögliche Zukunft

Eventuell wäre es möglich, über Crowdfunding die Mittel zu sammeln, die es braucht, um eine erste Gruppe von solchen nur baumhohen Windkraftanlagen, einen zentralen Speicher und die Zuleitungen zu den angeschlossenen Verbrauchern in der Gegend auf die Beine zu stellen. Praktisch wäre es, die erste Anlage in Deutschland vorzuführen. Sie sind natürlich von besonderem Wert in den Teilen der Welt, wo es noch keine Stromversorgung gibt. Aber auch da, wo große Konzerne bis in die letzten Winkel der industrialisierten Länder den Strom transportieren ist die mittlere Windkraft die bessere Lösung.

Über elektrische Energie zu verfügen ist vielleicht künftig einmal von gleicher Bedeutung wie sauerstoffreiche Luft zum Atmen und sauberes Wasser zum Trinken zu haben wie auch über ausreichend gesunde Nahrung zu verfügen. All das könnte zum materiellen Grundrecht der Menschen in aller Welt werden, wenn mit der richtigen Nutzung von Sonne und Wind die Energie nur noch so wenig kostet, dass sie sich jeder leisten kann. Was nutzt dem Menschen denn seine Würde, wenn seine nackte Existenz auf der Kippe steht?! Kostet Energie nicht mehr viel, kann sie der Gewinnung von Trinkwasser aus Meerwasser und der Bewässerung von Agrarflächen dienen.

Ich denke an Crowdfunding für das Projekt der speichergeschützten Windkraft, weil ich festgestellt habe, dass Banken –natürlich! – solche Projekte nicht begleiten, aber auch Bund und Länder für solch simple Dinge keine Wirtschaftsförderung kennen. In unserem tollen Land wird nur Hightech gefördert!

Wie einfach es auch gehen kann, hat im Jahre 2002 ein 14-jähriger Junge namens William Kamkwamba aus Malawi gezeigt, der aus dem alten Fahrrad seines Vaters ein Windrad zusammenbastelte und damit seinem Dorf Strom zum Betrieb von Radios, Fernsehern und Beleuchtung brachte.

William Kamkwamba – http://www.hna.de/nachrichten/politik/kopf-tages-william-kamkwamba-673862.html