D. R. KONGO: Erdölsuche im Virunga-Nationalpark – Naturschutz nur Makulatur

Berlin, 21. März (IPS/SB*) – Das britische Unternehmen ‚SOCO International‘ hat die Erlaubnis der Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DRC) erhalten, im sogenannten Block V des Landes nach Erdöl zu suchen. Dieses Erdölfeld ist in weiten Teilen deckungsgleich mit dem Virunga-Nationalpark, der zugleich Weltnaturerbe ist und auf der Roten Liste der UNESCO steht.

Zwar verpflichtet sich SOCO zur Einhaltung von Umweltstandards, aber das ist bei Erdölgesellschaften üblich und bietet einen breiten Raum für Interpretationen. Da in dem Nationalpark die Explorationsaktivitäten an sich bereits Störfaktor sind, müsste es nicht einmal zu so großflächigen Kontaminationen der Umwelt wie im Nigerdelta kommen, bis dem empfindlichen Ökosystem Schaden zugefügt würde.

Die in London ansässige Nichtregierungsorganisation ‚Global Witness‘ kritisiert die Erdölsuche und hat eigenen Angaben zufolge erreicht, dass die Erdölgesellschaft wenigstens einen Arbeitsplan vorlegt, wie sie weiter vorgehen will. Die Kritik der Organisation richtet sich auch gegen die DRC-Regierung. Sie habe zugesagt, die Erdölsuche im Virunga-Nationalpark so lange auszusetzen, bis eine strategische Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege. Nun seien aber SOCO zwei Genehmigungen zur Weiterarbeit erteilt worden.

EU-Gelder für Parkerhalt

Am 3. Februar 2011 hatte der EU-Abgeordnete Gilles Pargneaux eine Anfrage an die EU-Kommission gerichtet. Er wollte wissen, welche Maßnahmen sie eigentlich wegen der Erdölerschließung im Virunga-Nationalpark erwäge. Immerhin würden im Rahmen des 10. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) zehn Millionen Euro konkret für die Erhaltung dieses Parks freigegeben. Ob die Kommission nicht vorhabe, Druck auf Präsident Kabila auszuüben, der unter Verstoß gegen die kongolesischen Rechtsvorschriften und internationale Übereinkommen, zwei britischen Unternehmen (Dominion Oil und SOCO) die Erdölerschließung gestattet habe.

Der Druck auf die DRC wuchs. Im März 2011 sprach der wohlhabende kongolesische Umweltminister José Endundu ein Moratorium für die Ölsuche aus und sagte die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu. Die wird teilweise von der Europäischen Union finanziert. Mit dem Abschluss des Gutachtens wird erst gegen Ende des Jahres gerechnet.

Das Thema Erdölsuche im Virunga-Nationalpark kocht in letzter Zeit kräftig auf. Nicht nur weil die letzten Berggorillas der Welt, die noch in Freiheit leben, berühmt sind, sondern auch weil es sich um den ältesten Nationalpark Afrikas handelt. Wenn diese Bastion des Naturschutzes fällt, so die Befürchtung, hält die Konzerne nichts mehr davon ab, Rohstoffe abzubauen, wo immer sie wollen.

Die Genehmigungen erlaubten es SOCO, umfänglichere Aktivitäten zu entfalten, als das Fördergebiet lediglich von der Luft aus zu erkunden, schreibt Global Witness. Darüber hinaus habe man aus verlässlichen Quellen erfahren, dass SOCO ein Lager in der Fischergemeinde von Nyakakoma im Herzen des Nationalparks errichten wolle. Seit 17 Jahren macht die britische Nichtregierungsorganisation auf Korruption, Umweltverschmutzungen und die Verletzung der Menschenrechte im Zusammenhang mit dem Abbau von Rohstoffen aufmerksam.

Irreführende Formulierungen

SOCO hingegen gibt sich sehr viel Mühe, die Bedeutung der Erkundungsarbeiten in seinem am 14. März veröffentlichten Arbeitsplan herunterzuspielen, indem es tendenziell harmlos wirkende Formulierungen verwendet. Beispielsweise schreibt das Unternehmen, dass der 7.105 Quadratkilometer große Block V „einen Teil“ des Virunga-Nationalparks und einen Teil des Edwardsees umfasse. Das ist zwar nicht gelogen, ein Blick auf die Karte zeigt jedoch, dass es sich in beiden Fällen um den jeweils bedeutend größeren Teil handelt – von den anderen Blocks im Osten Kongos, die ihrerseits weitere Gebiete des Virunga-Nationalparks abdecken, ganz schweigen.

Außerdem heißt es, dass für die nächsten Monate Untersuchungen der Region aus der Luft geplant sind und erst im Anschluss daran, wenn die Ergebnisse vorliegen, das Unternehmen erwäge, ebenfalls von der Luft aus seismische Messungen des Edwardsees mittels Druckluft vorzunehmen. Alle darüber hinausgehenden Maßnahmen fänden nur statt, wenn die DRC-Regierung sie gestatte. SOCO habe keine direkten Fördermaßnahmen im Virunga-Nationalpark für mindestens die nächsten sechs Monate vorgesehen.

Ein halbes Jahr ist schnell vergangen. SOCO schildert hier einen ganz normalen Vorgang bei der Erkundung von Erdölfördergebieten. Kein Unternehmen wird in einem neu zu erschließenden Block sofort mit schwerem Bohrgerät anrücken und das Gestänge wahllos in den Boden rammen.

Weichen gestellt

Ebenso selbstverständlich, wie in der Branche eine Schritt für Schritt zielgerichtete, mit spezifischeren Methoden betriebene Suche nach geeignet erscheinenden Bohrstellen üblich ist, finden auf jeder Ebene der „Annäherung“ Entscheidungsprozesse zum weiteren Vorgehen statt. Wenn also die Aussicht besteht, dass im Virunga-Nationalpark nennenswerte Mengen Erdöl lagern, dann wurden die Weichen, den Begehrlichkeiten weckenden Rohstoff auch zu fördern, längst gestellt, und es spielt keine Rolle, ob der Zug zwischendurch noch an ein, zwei oder drei Stationen hält, bis er in seinen Zielbahnhof einfährt.

Der Alarmruf von Global Witness ist somit gut begründet. Wobei die Organisation nicht einmal mehr nur den Anfängen wehrt, sondern sich bereits in der Defensive befindet. Regierung und Unternehmen arbeiten Hand in Hand an der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. So dürfte auch der kürzlich von Global Witness an die neue gewählte DRC-Regierung gerichtete Appell, für mehr Transparenz im Bergbau und beim Abbau fossiler Brennstoffe zu sorgen, den Handel mit Mineralien von Konflikten in den östlichen Kivu-Provinzen freizuhalten und das Moratorium auf neue, großmaßstäbliche Waldrodungsrechte zu bewahren, womöglich zu spät kommen.

Kongos Präsident Joseph Kabila hatte dem französischen Ölkonzern Total schon am 27. Dezember vergangenen Jahres die Genehmigung zur Suche nach Erdöl innerhalb des sogenannten Blocks III, der ebenfalls Teile des Virunga-Nationalparks einschließt, ausgestellt. Da scheinen die Weichen in Richtung Rohstoffgewinnung längst gestellt zu sein.

Die Chancen, dass im Osten der DRC Erdöl gefunden wird, gelten als ausgesprochen hoch. In Uganda, unmittelbar jenseits der Grenze, die quer durch den Edwardsee verläuft, sowie im ugandischen Teil des Albertsee, der zum gleichen geologischen Grabenbruch gehört, wird bereits Erdöl gefördert. Uganda wird sogar als das neue Kuwait gefeiert – was die Herausbildung einer schwerreichen Oberschicht betrifft, so scheint der Vergleich nicht überzogen.

SOCO erklärt nun mit Blick auf die Kritik von Global Witness, dass das Gebiet der Vulkanberge, in denen die Berggorillas lebten, nicht zu Block V zähle. Tatsächlich zeigt die von der Erdölgesellschaft veröffentlichte Karte, dass keinerlei Überschneidung zwischen dem Fördergebiet und dem Mikeno-Gorilla-Sektor besteht.

Artenreichtum der Vulkanberge gefährdet

Es geht aber den Kritikern der Erdölförderung nicht allein um diese Tiere. Die Vulkanberge sind äußerst artenreich und ökologisch außergewöhnlich. In dem Nationalpark leben auch Elefanten und Flusspferde, und er bildet das Quellgebiet sowohl für den Kongo als auch den Nil. Inmitten des Parks liegt wiederum der 2.300 Quadratkilometer großen Edwardsee. Dort leben rund 50.000 Menschen, die von einer Ölverschmutzung unmittelbar beeinträchtigt wären.

A Silverback Gorilla is Re-Located to the Forest in Virunga National Park, DRC.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=rrmcg4DbKBM[/youtube]

In Ostkongo herrschen seit vielen Jahren starke soziale Spannungen. Man kann die Großregion als Dauerkonfliktgebiet bezeichnen, in dem Kämpfe von wechselnder Intensität geführt werden. Nun wird durch die Aktivitäten der Erdölgesellschaften noch Öl ins Feuer gegossen, selbst ugandische und kongolesische Soldaten waren am Albertsee schon mal aneinander geraten.

Da die Weltmarktpreise für Erdöl voraussichtlich weiter steigen, wirkt sich das ebenfalls Konflikt verschärfend aus. Die Aussage des Unternehmens, dass es zur „Stabilisierung der Region“ und „zum Anheben des Lebensstandards“ der örtlichen Bevölkerung beitragen könne, verschleiert den Umstand, dass ausgerechnet Erdöl zu den Rohstoffen gehört, für die die Bezeichnung „Rohstofffluch“ erfunden wurde.

Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der im Boden steckende potentielle Reichtum aus der Gewinnung von Erdöl und anderen Rohstoffen der Mehrheit der Bevölkerung üblicherweise lediglich Verarmung und Verelendung beschert, während die örtlichen Machthaber davon profitieren – und natürlich die in der Regel global verankerten Erdölgesellschaften und Bergbaukonzerne.

Michael T. Klare, Professor für Frieden und globale Sicherheit am ‚Hampshire College‘ in den USA, der Mitte März ein Buch zum Thema Wettrennen um die letzten Ressourcen veröffentlicht hat, sagt voraus, dass in Zukunft auch in Regionen nach Erdöl gesucht wird, die bislang vom Zugriff durch die Ölgesellschaften verschont geblieben waren.

Die Zeit des preiswerten Erdöls und damit des Treibstoffs, der in den letzten 65 Jahren den globalen Wohlstand vergrößert habe, sei vorbei, berichtet Klare in einem Gastbeitrag für die Umwelt-Website ‚European Energy Review‘. Es hat ganz den Anschein, als hätte er bei dieser Prognose an die Förderung des schwarzen Goldes im Virunga-Nationalpark gedacht. (Ende/IPS/SB/2012)

*Die Online-Zeitung Schattenblick (SB) ist Kooperationspartner von IPS.
www.schattenblick.de – sozialkritisch-orientiert und täglich aktuell

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