Der Fall Lewandowski

In den letzten Tagen wird BVB Stürmer Robert Lewandowski immer häufiger mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht. In Dortmund reagiert man auf dieses Thema gereizt, kann aber gleichzeitig nicht mit einem glaubwürdigen Dementi aufwarten.

Man wolle mit Lewandowski, der bei Borussia Dortmund noch einen Vertrag bis 2014 habe, verlängern, wird Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Kicker zitiert. Aus dem polnischen Umfeld des Torjägers höre man aber immer klarer, dass sich Lewandowski schon mit Bayern München so gut wie einig sei. Alles nicht weiter ungewöhnlich. Ähnliche Fälle gab es über die Jahre schon genügend. Meistens wurde der kolportierte Wechsel dann irgendwann vollzogen, wenn auch mitunter erst nach langem hin- und her.

Zwei interessante Fragen

Zwei Fragen machen diese Angelegenheit aber interessant. Zum einen darf man sich wundern, warum Lewandowski zu Bayern München möchte, obwohl es angeblich auch zwei englische Spitzenclubs gibt, die an ihm interessiert sind. Zweitens kann man sich fragen, was den deutschen Rekordmeister zu diesem möglichen Transfer bewegt? Gehaltstechnisch dürfte es kaum nennenswerte Unterschiede zwischen einem Angebot von Bayern München und einem Topverein aus der Premier League geben. Heißt einer der Clubs von der Insel Manchester City, dann wird allerdings wohl von dort das größte Angebot eintrudeln.

Robert Lewandowski hat die deutsche Meisterschaft bereits gewonnen, er ist DFB Pokalsieger geworden und zu einem der angesehensten Stürmern Europas gereift. Alles dank des BVB, den er nun zum momentan einzigen sportlichen Rivalen in Deutschland verlassen will?  Und um was genau zu machen? Die Champions League kann man in diesem Jahr vielleicht sogar eher mit Dortmund gewinnen (siehe Auslosung) und wer weiß schon, wie es nächsten Saison läuft?

Warum Bayern?

Hat der Pole wirklich ein konkretes Angebot von der Insel, kann ich seine Wechselabsichten nach Bayern persönlich nicht verstehen. Das Interesse der Münchner ist aber sehr nachvollziehbar. Auf dem ersten Blick haben sie keinen Bedarf für einen weiteren zentralen Stürmer. Der einzige Platz für einen solchen Spieler in der Startformation ist momentan mit dem Kroaten Mario Mandžukić und dem deutschen Nationalstürmer Mario Gomez zweifach exzellent besetzt. Mit Claudio Pizarro hat man dahinter eine sehr anständige Nummer 3, mit der man ohne Bedenken noch einmal für eine Saison verlängern könnte.

Der FCB würde mit Robert Lewandowski einerseits einen weiteren starken Offensivspieler bekommen, auch wenn man ihn nicht zwingend braucht. Vor allem würde man mit diesem Transfer erreichen, die Konkurrenz erheblich zu schwächen. Eine nicht gerade innovative, aber sehr effektive Methode, die man in den letzten Jahrzehnten auch gerne mit Werder Bremen oder Bayer Leverkusen praktizierte. Borussia Dortmund hat aktuell jedenfalls keinen Stürmer, der Lewandowski dauerhaft annähernd ersetzen könnte. Auch wäre es immens schwierig, einen solchen zu finden. Zwei Fliegen mit einer Klappe für die Bayern also.