Champions League: Katastrophale Schiedsrichterleistungen?

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So manch einer machte schon Witze á la „Abseits wird in der Champions-League überhaupt nicht mehr gepfiffen“. Dies drückt sehr simpel die aktuelle Situation aus: Die Schiedsrichter machen einen schwachen Job, vor allem wenn man bedenkt, dass es mittlerweile ein sechsköpfiges Schiedsrichter-Team ist. Deutlich wird dies unter anderem an Bewertungen von kicker.de: Mit Ausnahme von dem Schweden Jonas Eriksson (er pfiff das 0:0 in Malaga) und Carlos Velasco Carballo (Spanien, pfiff das 2:0 in Turin) welche mit 2 bzw. 2,5 bewertet wurden, hagelte es Kritik und schlechte Noten. Stellen wir doch eine kleine „Hall of Shame“ zusammen.

Der Schiedsrichter der Hinrundenpartie „Real Madrid vs. Borussia Dortmund“ Björn Kuipers aus den Niederlanden erhielt vom Kicker die Note 3,5 und kommt damit in der „Hall of Shame“ noch sehr gut weg. Man muss jedoch zugeben, dass diese Bewertung unter Umständen gnädig ist: Harmlose Zweikämpfe auf der Flügelseite um Christiano Ronaldo wurden mit Freistößen bestraft während das teilweise harte Einsteigen vor allem gegenüber Reus nicht gepfiffen wurde. Die Erste Halbzeit war deutlich schlechter als 3,5. Eine Ausnahme bildete die strittige Elfmeter-Szene, die Kuipers jedoch, genau wie die in der 2. Halbzeit, richtig bewertete. Die zweite Halbzeit war durchaus ausgeglichener und auch die Abseits-Situationen wurden immer richtig erkannt, sodass man die Bewertung so stehen lassen kann.

Mark Clattenburg aus England war verantwortlich für die Partie „Juventus Turin vs. FC Bayern München“. Hier fiel vor allem die 2. Halbzeit negativ auf, indem er Fouls falsch bewertete, manche gar übersah (Riberys Foul an Vidal) oder auch zu hart bestrafte (bei Lichtsteiner und/oder Luiz Gustavo). Auch die Abseitsstellung von Mandzukic vor dem 2:0 wurde nicht gesehen, sodass hier mit 5 bewertet wurde, und dies durchaus berechtigt ist.
Das Halbfinale der Bayern gegen den FC Barcelona pfiff Viktor Kassai aus Ungarn. Diesen werten Herren dürften vor allem die deutschen Fans in schlechter Erinnerung behalten: Er pfiff das Halbfinal-Spiel der WM 2010 welches Deutschland gegen Spanien verlor. Nichtsdestotrotz übersah Kassai das Handspiel des spanischen Verteidigers Piqué zu Beginn der Partie, wie auch Gomez Abseitsposition in der 49. Minute, als auch das Foul von Müller, welches maßgeblich zum 3:0 für die Süddeutschen führte. Insgesamt eine schwache Leistung, welche auch der Titel „Welt-Schiedsrichter 2011“ nicht beschönigen kann: 5,5

Manchmal bringen die schlechtesten Schiedsrichter-Leistungen die spannendsten und faszinierensten Partien zustande. So auch hier in der Partie „Malaga gegen Dortmund“. Der Schotte Craig Thomson war genauso geizig im Abseits-Pfeifen wie es das „Schotten-Klischee“ besagt: Sowohl das 2:1 von Eliseu für die Spanier, als auch das 2:3 für die Borussen durch Santana waren Abseits-Situationen die nicht gepfiffen wurden. Neben diesem Geiz wurden zudem einige Zweikämpfe falsch bewertet, sodass der Kicker nur die 6 übrig hatte.

Was bleibt ? Die Frage wie man im Viertel- und Halbfinale des wichtigsten Pokals Europas (wenn nicht gar weltweit) solche Schiedsrichterleistungen dulden kann. Kassai war immerhin „Welt-Schiedsrichter 2011“ und hätte damit theoretisch auch so qualifiziert agieren müssen. Für Björn Kuipers war es eine Premiere ein Halbfinal-Spiel zu pfeifen. 2011 durfte er erstmalig ein Viertelfinale, 2010 ein Achtelfinale pfeifen. Eine Premiere für war Mark Clattenburg das Viertelfinale. Im Vorjahr durfte er sich zum ersten Mal ans Achtelfinale wagen, dieses Jahr erhielt er sogar die Möglichkeit ein Achtel- und ein Viertelfinalspiel zu pfeifen. Bei Thomson verhielt es sich exakt wie bei Clattenburg.

Mal abgesehen davon, dass mit Ausnahme von Kassai, es für die Schiedsrichter eine Premiere war, sollten wir hier vielleicht Gnade walten lassen, jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass diese Schiedsrichter (bis auf Clattenburg) mit die EM 2012 pfiffen und wahrscheinlich auch 2014 beteiligt sein werden. All die „Newcomer“ wie Thomson, Kuipers, aber auch Erisson und Carballo wurden während der Europameisterschaft in der Gruppenphase eingesetzt, Kassai pfiff sogar das WM-Halbfinale 2010, 2012 war auch er nur in der Gruppenphase gesetzt. Kann man solche Schiedsrichter-Leistungen mit WM-Teilnahmen oder Finalspielen belohnen?

Wo waren dann bitte die Schiedsrichter, welche die EM-Finalrunden pfiffen? Howard Webb pfiff das WM-Finale 2010 und in der EM ein Viertelfinale, in der Champions League wurde er zuletzt im Achtelfinale beim 2:2 von Shakhtar Donetsk gegen Borussia Dortmund gesetzt. Der Slowene Skomina (EM-Viertelfinale Deutschland-Griechenland) pfiff zuletzt das Rückspiel der beiden Teams. Auch Cüneyt Çakır (EM-Halbfinale) und Nicola Rizzoli pfiffen wichtige Spiele während der EM, wurden in der Champions-League jedoch seit dem Achtelfinale vorerst ausgelassen. Lannoy, welcher das deutsch-italienische Halbfinale der EM 2012 pfiff wurde sogar nur zu einer einzigen Partie (Viertelfinale Galatasaray vs. Madrid) geladen. Welt-Schiedsrichter 2012 Pedro Proença pfiff in dem letzten halben Jahr kein Champions-League-Spiel.

Wir dürfen gespannt sein wer die Rückspiele und das Finale pfeift. Läuft die Premieren-Nummer weiter, dann dürften Carlos Velasco Carballo und Jonas Eriksson gute Chancen haben (und diese Entscheidung wäre nicht schlecht) oder der Norweger Svein Moen, der dieses Jahr ein Viertelfinalspiel pfiff. Orientiert man sich daran, wer letztes Jahr Achtel-, Viertel- und Finale pfiff so kommt man auf Dr. Felix Brych (der nicht pfeifen darf, da ein deutsches Team in jedem Fall spielt), Björn Kuipers und Kassai, die schon im Halbfinale pfeifen durften. Die EM-Schiedsrichter Howard Webb, Cüneyt Çakır, Damir Skomina und Pedro Proença werden wohl kaum genutzt und auch Paolo Tagliavento und Gianluca Rocchi scheinen dieses Jahr keine große Rolle zu spielen.

Wir dürfen hoffen, dass für die Rückspiele und das Finale gute Schiedsrichter ausgewählt werden und die allgemeine Schiedsrichterleistung besser wird. Diese hat nämlich auch das schöne Spiel der vier deutsch-spanischen Teams verdient.