Was Amerika darf, dürfen wir auch

Obwohl es so nicht beabsichtigt war, ist aus der Reportage über die Exekution in Hebron eines jungen palästinensischen Mannes durch einen israelischen Soldaten, ein Dreiteiler (Teil 1 und Teil 2) geworden. Ich habe es im zweiten Teil bereits geschrieben, dass mich dieser Fall sehr beschäftigt. Und er sollte auch die Menschen in Europa und insbesondere in den angelsächsischen Ländern beschäftigen. Die Demonstration von mehreren tausend Israelis am 19. April am Rabin Square in Tel Aviv für den 19-jährigen El-Or Azarya, dem Todesschützen von Hebron, offenbarte auch eine hässliche Realität über sie selbst.

Auch wenn die Begründung der Menschen angesichts des vorherrschenden Rassismus in Israel bestenfalls fadenscheinig ist, kann man sie dennoch nicht von der Hand weisen: „Die Amerikaner sind die Schlimmsten. Sie zerbomben Krankenhäuser und alles ist gut, niemand sagt was. Nicht nur im Krieg. Die Polizei in den USA schiesst auf Schwarze und alles ist ok.“ Was unausgesprochen blieb, ist das „und wenn wir das gleiche tun, werden wir als Mörder beschuldigt“.
Die Kriege der Amerikaner und der Briten in den letzten Jahren und Jahrzehnten, der Umstand dass kein einziger von ihnen vor ein Strafgericht gestellt oder nicht einmal von der UN sanktioniert wurde, hat natürlich Einfluss auf andere Länder und Gesellschaften. Deshalb ist es auch so wichtig, über solche Dinge zu sprechen, schreiben, singen oder was auch immer. Es kann nicht sein, dass wir die einen für die gleiche Tat rügen oder bestrafen, während wir die anderen einfach ignorieren. Das gilt gerade für uns Europäer, wo wir doch so stolz auf unsere europäisch-humanistischen Werte sind.
Aber zurück zum 19. April auf dem Rabin Square in Tel Aviv. Hier ist die Übersetzung eines Artikels, der bei Muftah.org erschienen ist und das Video über die Demonstration von David Sheen und David Cohen in Worte gefasst hat.

Israels „friedlicher“ Rassismus gegen die Palästinenser

Während die meisten westlichen Liberalen schnell den hemmungslosen Rassismus und Aufhetzung zur Gewalt bei den Auftritten des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump verurteilen, verhöhnen und sich davon distanzieren, haben sie keine Probleme Israel zu unterstützen, einen ethnokratischen Staat der auch zu Rassismus und Gewalt aufruft.

Am 19. April 2016, kamen tausende Israelis auf dem Rabin Square in Tel Aviv zusammen, um für Elor Azarya zu demonstrieren, dem israelischen Soldaten der gefilmt wurde ,wie er einen verwundeten palästinensischen Mann umgebracht hat, und jetzt wegen Totschlags verurteilt wurde. David Sheen und David Cohen haben ein Video veröffentlicht, auf welchem man die energetische Menschen sehen kann, wie sie „Unser Bruder Elor!“ und „Elor, der Held!“ rufen.

 

Wie man in diesem Video hört, haben viele der Anwesenden die Verurteilung von Azarya verurteilt. Sie verwiesen auf die Straffreiheit der Amerikaner bei ausländischen Kriegen und Gewalt gegen Afro-Amerikaner, um jegliche Kritik von Azaryas Verbrechen abzuschirmen. Amerikas Einzigartigkeit und Rassismus ist kaum etwas erstrebenswertes, und doch ist es für Azaryas Unterstützer irgendwie eine Rechtfertigung für seine Tat.
„Wir haben (der internationalen Gemeinschaft) eine offizielle Lizenz gegeben, um uns als Mörder nennen zu lassen“, sagte eine Frau im Video und meint weiter, es wäre besser gewesen die ganze Sache mit Azarya nicht an die grosse Glocke gehängt zu haben. Eine andere Frau applaudierte die gedankenlose und abscheuliche Tat, und behauptete er habe so gehandelt um sein Leben zu retten, obwohl keine unmittelbare Gefahr für ihn bestand. „Wenn ein Soldat erst einmal versteht, dass er wegen Totschlags angeklagt werden kann, wird er das nächste mal zweimal überlegen, und diese Zweifel werden dem Soldaten wahrscheinlich das Leben kosten“, sagte sie.

Ein Mann verglich B`Tselem, die israelische Menschenrechtsorganisation die das (Hebron-) Video veröffentlicht hat, mit den Nazis und drohte die gegenwärtige Regierung stürzen zu wollen, und sie mit einem ultra-rechten Regime zu ersetzen.
Sharon Gal, ein ehemaliges Mitglied des israelischen Parlaments und einer der Organisationen dieser Veranstaltung, bestand darauf, dass die israelische Armee „die moralste Armee der Welt“ ist und beschrieb die Menschenmenge als die „schönste Seite von Israel“. Seine Behauptung wiederlegten gewalttätige anti-arabische Strassengangs, die zu dieser Veranstaltung zugelassen wurden, und extrem abstoßende –  und hoch sexualisierte – anti-arabische Slogans, wie „Wir werden gewinnen und wir werden die Araber ficken! Ole, ole, ole!“ und „Ein Jude ist eine Seele! Ein Araber ist ein Hurensohn!“
Diese Dynamik ist für die tiefe kognitive Dissonanz bezeichnend: man kann nicht in einem Atemzug den militarisierten Rassismus der Israel Defence Force`s unterstützen und rassistische Rhetorik verurteilen.
Währen die Worte „Frieden“ immer wieder während der Veranstaltung gefallen sind, sassen sie unbequem neben rassistischen Slogans und Aufrufen zur Gewalt. Das wurde am Besten während eines Rapsongs veranschaulicht, welcher mit der Hoffnung auf Frieden begann, aber dann schnell in eine pessimistische Feier der Gewalt abgleitete, die unbegreiflicherweise die Israelis als Opfer zeichnete:

Wir standen hier und bauten uns selbst ein Haus
Wir glaubten an die Taube, an Frieden, an den Olivenzweig
Wir standen auf zur Nationalhymne und wir dienten in der Armee
Wir beerdigten unsere Soldaten und wir weinten mit ihren Familien
Wir sind auf unsere Knie gefallen und stehen jetzt wieder auf unseren Füssen
Als wir keine Patronen mehr hatten, kämpften wir mit unseren Fäusten weiter
Genug! Wir haben es verdammt noch mal satt auf den Frieden zu warten!
Ich werde nie wieder davon träumen bis ich sterbe!

Während Palästinenser oft beschuldigt werden die Gewalt anzustacheln, ist es klar, dass in Israel eine gewaltsame Rhetorik grassiert, die man nur mit wenigen Orten der Welt vergleichen kann. Ob es durch die brutale Realität der israelischen Besatzung ist, oder Verbreitung von hasserfüllter anti-arabischer Rhetorik durch die israelische Kultur, Gesellschaft und Regierung ist, stachelt Israel nicht nur zur Gewalt auf, sondern erneuert sie aktiv.

Wie der palästinensisch-amerikanische Gelehrter für Electronic Intifada schrieb:

Mit wenigen Ausnahmen haben prominente zionistische Führer seit dem Anbeginn des kolonialen Zionismus den Wunsch gehabt, Frieden mit den Palästinensern und anderen Arabern zu haben, deren Land sie für die Kolonisierung und Besiedlung vorgesehen haben. Die einzige Sache was Israel verlangt hat, und nach wie vor verlangt, um den Kriegszustand mit den Palästinensern und seinen arabischen Nachbarn zu beenden, ist, dass alle das Recht anerkennen ein rassistischer Staat zu sein, der per Gesetz gegen die Palästinenser und andere Araber diskriminiert, und den eigenen jüdischen Bürgern andere Rechte und Privilegien zugesteht.