in Politik

Die schon fast berühmt-berüchtigte Abteilungsleiterin des US-Aussenministeriums für Europa, Victoria Nuland, war zum erstem Mal seit März wieder zu einem Besuch bei dem Putschistenregime in Kiev. Seit der „F..K the EU“ Eskapade und der Aufdeckung ihrer Rolle im Putsch gegen die Regierung von Janukovitsch, zog es das Aussenministerium offensichtlich vor Nuland aus dem Kritiksturm herauszunehmen und ein bisschen Zeit vergehen zu lassen.

Folgt man den Reisen von amerikanischen Regierungsmitgliedern in diesem Jahr nach Kiev, konnte man feststellen dass jedesmal danach etwas passiert ist. Zuerst war Victoria Nuland zu „Besuch“ und kurze Zeit später wurde der Putsch durchgeführt. Wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, wurden genau jene Figuren eingesetzt die Nuland in dem abgehörten Telefonat an der Macht sehen wollte. Als im April CIA-Direktor John Brennan nach Kiev reiste, startete nur wenige Tage später die Putschistenregierung ihren Feldzug gegen die russischsprachige Bevölkerung im Osten der Ukraine. Dieser Feldzug endete schliesslich im September in einer militärischen Niederlage und wurde durch das Waffenstillstandsabkommen von Minsk vorerst politisch beendet.

Diese militärische Niederlage und das Minsker Abkommen führten dazu, dass das Putschistenregime unter Präsident Petro Poroschenko der Region Donbass einen Sonderstatus zugesprochen hat, was einer weitestgehenden Autonomie gleichkam. Allerdings wurde die Abstimmung im Parlament massiv kritisiert und nicht Wenige sprachen sogar von Betrug und Verrat. Auch die Föderalisten der als „Novorossia“ bezeichneten Region trauen diesem Sonderstatus nicht über den Weg, da sie eine Falle aus Kiev befürchten. Und wie es scheint waren durchaus ihre Zweifel nicht ganz unberechtigt.

Nur zwei Tage bevor Victoria Nuland anreiste, erklärte Präsident Petro Poroschenko bei einem vom Fernsehen ausgestrahlten Besuch einer Kaserne, dass der „Waffenstillstand effektiv dazu genutzt werden muss, um die Verteidigungslinien zu verbessern und die Kampfbereitschaft der Armee zu erhöhen.“ Weiter meinte Poroschenko, dass die Ukraine „ihre Wirtschaft für militärische Zwecke umgelegt hat um alles erdenkliche möglich zu machen, damit die ukrainische Armee stärker wird.“   Wie eine bankrotte Wirtschaft, die nichteinmal die eigenen Energiekosten decken kann um die Bevölkerung einigermassen über den Winter zu bringen, für militärische Zwecke umgelegt werden kann, erläuterte Poroschenko indessen nicht weiter.

Und einen Tag nach Victoria Nuland`s Ankunft in Kiev erklärte Andrey Lysenko, Sprecher des Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrates:

„Wir haben es geschafft unsere im Dienst stehende Ausrüstung aufzurüsten, neue Rüstung zu erhalten, und die Verteidigungsindustrie zu reorganisieren und umzurüsten die Waffen und Reparaturwerkzeug herstellt. Wir haben es auch geschafft unsere (Streit)Kräfte umzugruppieren, tiefe Erkundungsmissionen durchzuführen und neue Informationen über den Feind zu sammeln. Wir haben die dritte Welle der Mobilisation beendet. Wir haben Einheiten ausgetauscht die es gebraucht haben, wir haben (ihnen) die Chance gegeben sich nach den schweren Kämpfen auszuruhen um zurück zur Normalität zurückzukehren.“

Zurück zur Normalität also. Was Lysenko da sagte war nichts weiter als eine Bestätigung, dass die Zeit der Ruhe und Umorganisation der ukrainischen Truppen abgeschlossen ist und dass sie zurück zur „Normalität“ zurückkehren. Das ist nichts weiter als ein Synonym für „zurück zum Kampf“, und dafür brauchte es das OK aus Washington.

Die Rede von Nuland in der Shevchenko-Universität in Kiev vom 07.10.14 will dagegen überhaupt nicht auf den ersten Blick in das Bild dieser öffentlichen Verlautbarungen der Putschistenregierung passen. Viel mehr beteuert Nuland, dass das Minsker Abkommen der richtige Weg nach vorne ist und dass Russland als einzige Partei immer wieder gegen dieses Abkommen verstösst. Doch auf den zweiten Blick gibt es durchaus Übereinstimmungen zwischen der blumig formulierten Rede und der öffentlichen Kriegsvorbereitung der Putschistenregierung. „Donbass muss auch ein Teil der Zukunft der Ukraine sein“, heisst es da zum Beispiel, und „Ihr müsst jetzt für den Frieden kämpfen. Ihr müsst für die Einheit kämpfen.“ Auch die Reaktionen der Studentinnen und Studenten am Ende von Nuland`s Rede deuten daraufhin, dass sie bereit sind dafür zu „kämpfen“ was von ihnen verlangt wird. Die Frage nach dem aufgeworfenen Lösungskonzept der „Finnlandisierung der Ukraine“ wischte Nuland schnell beiseite. Sie meinte dass „die Zukunft die wir für euch wollen, auch die Zukunft ist die wir für Russland wollen.“

Und damit gab sie unbewusst zu, dass die Ukraine Krise von Washington genutzt wird um die Zukunft Russlands so zu gestalten, wie man es haben will. Der Weg dahin läuft aber wie ich im Artikel „Warum Ukraine?“ geschrieben habe unweigerlich über die Ukraine. Aber welche Zukunft sieht denn Washington für Russland vor, oder besser gefragt, wovor fürchtet sich die Supermacht USA?

Einen Hinweis auf diese Frage hat der stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitri Rogozin in einer der beliebtesten TV-Sendungen Russland`s geliefert. (Wer möchte, kann die ganze Sendung mit Rogozin hier anschauen, allerdings mit englischen Untertiteln aber dennoch sehr empfehlenswert!) Es geht bei Russland um die Angst der Vereinigten Staaten von Amerika, dass Russland zu mächtig werden könnte. Wie schon im Falle des Iraks von 1990 als ein US-Regierungsvertreter noch öffentlich zugab, dass nicht die irakische Invasion von Kuwait die wahre Bedrohung darstellt, sondern das was aus dem Irak in 10-20 Jahren werden könnte, steht die USA heute vor dem gleichen Problem. Allerdings ist Russland nicht der Irak wo man einfach losschlagen könnte, dafür bedarf es einer anderen Taktik.

Es ist unter anderem die vorangetriebene Modernisierung der russischen Streitkräfte wovor sich Washington fürchtet. Solange Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion zwar über Nuklearwaffen verfügte, aber die Armee alles andere als modern ausgestattet war, stellte Moskau keine wirkliche Bedrohung für die Expansion des „amerikanischen Reiches“ dar. Doch mit der Aufholung in diesem Bereich und der Umrüstung der Streitkräfte, soll gemäss Rogozin bis 2015 30% der Armee und Marine mit modernsten Waffen ausgestattet sein, und bis 2020 soll der Anteil auf 70% steigen.

Doch nicht nur die Tatsache dass die russische Armee eine strategische Parität mit der US Army erreicht hätte, auch der Export dieser hochmodernen Waffensysteme – ein Milliardengeschäft – ist es wovor sich die USA fürchten. Rogozin selbst behauptet, dass die russischen Systeme viel günstiger werden sollen als die amerikanischen, und dass könnte viele traditionelle US-Waffenimporteure dazu bringen, ihre Verteidigungsstrategien in Zeiten von knappen Haushaltskassen zu überdenken. Und wo sonst liesse sich schneller Geld einsparen als da wo man es ausgibt. Für die USA aber, die ihre Macht nur noch unter der Drohkulisse ihrer Armee aufrecht erhalten kann, käme das einem Albtraum gleich. Die grössten Arbeitgeber der USA sind allesamt im Militärisch-Industriellen-Komplex tätig: es ist der Krieg der sie am Leben hält und den Menschen in den Fabriken Arbeit verschafft. Frieden oder der Einbruch der Rüstungsexporte würde das Land bis ins Mark erschüttern.

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Dein Kommentar

Kommentar

  1. Putin sagte mal in einem Interview, in einzelnen militärischen Bereichen sei Rußland sogar voraus. Welche das seien, sagte er aber nicht.

    Der Umstand, dass russische Sam-Systeme im Jugoslawienkrieg in der Lage waren den Tarnkappenbomber F117 vom Himmel zu holen läßt vermuten, dass die Flugabwehrsysteme recht weit entwickelt sind.

    Dann war da noch der Vorfall mit dem us-Zerstörer neulich im Schwarzen Meer. Elektronische Störsysteme. Ob die Nato da vielleicht hinterher hinkt?

    Auch die Raketentriebwerke, welche sogar schon die Amis zur Raumstation Mir bringen sind zuverlässiger als die Space-Shuttles.

    Natürlich werden die auch noch ein paar Geheimprojekte haben, die sie uns nicht erzählen.

  2. …es ist so traurig,wie die Gesellschaft einfach nur zuschaut und dem „Treiben“ kein Einhalt bittet.Ich hab keine Kinder,doch die die welche haben,stehen mehr in der Schuld des „Nichtstuers“!
    Laßt und auf die Barrikaden steigen und den politischen Verrätern endlich einhalt gebitten!
    Wann wenn nicht jetzt ?