Weltbankpräsident sagt, Präsident Hugo Chavez‘ „Tage seien gezählt“

Paul Dobson  (14. Juni 2012)

Weltbankpräsident Robert Zoellick sagte vorige Woche, dass die Tage des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ökonomisch und politisch „gezählt“ seien nach einer Welle von Nationalisiserungen.

Zoellick sprach unheilverheißend von „einer Gelegenheit, die westliche Hemisphäre zur ersten demokratischen Hemisphäre“ zu machen, indem man den hypothetischen Sturz von Chavez ausnutzt, um anderen Ländern, vor allem Kuba und Nicaragua „schnelle politische Veränderungen“ aufzuzwingen.

Ohne eine Spur von Ironie sprach er davon, wie die USA Lateinamerika „zu einem Platz der Demokratie, Entwicklung und Würde“ machen würden statt einem „von Staatsstreichen, Caudillos und Kokain“.

Ein bisschen viel von einem Land, das die Staatsstreiche organisiert hat, die Caudillos bezahlt hat und das Kokain Jahrzehnte lang gekauft hat, bevor die progressive Bewegung der venezolanischen bolivarianischen Revolution den Kontinent umzuformen begann.
Aber Zoellick unterschätzt vielleicht sein Ziel. Die bolivarianische Revolution hat ungeheure Fortschritte für die Demokratie, Entwicklung und Würde von Venezuela gemacht, gerade indem sie die Macht der ausbeutenden trans- nationalen Gesellschaften herausgefordert hat. Hier brauchen wir uns nur ein Beispiel anzuschauen – Venezuela gegen einen britischen Mann mit dem Spitznamen „Spam“(Schund).

Oder geben wir ihm seinen vollen Titel: Samuel George Armstrong Vestey, dritter Baron Vestey, Leutnant der Schottischen Garde, Peer, ehemaliger Finanzminister und erster Lord des Ordens von St John von Jerusalem, stellvertretender Leutnant von Gloucestershire, Oberstallmeister der Königin, Großoffizier des Königlichen Viktorianischen Ordens.

Er steht an 27. Stelle im englischen Adelskalender, er ist der ex-Ehemann von Prinz Harrys Patentante und Besitzer des 2430 ha Stowell Park-Gutes in Gloucestershire. Wichtiger noch – er ist der Chef der Vestey Gruppe.

Diese Gruppe ist ein britisches Nahrungsmittel-Konglomerat, das 1897 in Liverpool gegründet wurde, das ein Vermögen mit Fleisch machte. 1903 kam es nach Venezuela und kaufte 11 Farmen erstklassigen Landes (im Land mit „A1“ klassifiziert = bestmögliches Ackerland) und gründete die Compania Inglesa Tochtergesellschaft, die ihrerseits Agroflora gründete, den Viehzucht treibenden Teil des Unternehmens.

Das Unternehmen florierte, kaufte Land in einer Reihe anderer Länder von Australien bis China und machte riesige Profite für seine Besitzer William und Edmund Vestey. William gelang es, zum Baron geadelt zu werden trotz des Widerspruchs von König Georg V, der dessen Forderung nach Steuerbefreiung mitten im 1. Weltkrieg irritierend fand.

Als diese Forderung abgelehnt wurde, gingen die Brüder ins Steuerexil nach Argentinien, bevor sie ein heikles, aber legales Projekt mit einem französischen Treuhänderfonds gründeten, der es ihnen ermöglichte, beinahe allen britischen Steuern zu entgehen, bis diese Hintertür 1991 geschlossen wurde. Eine Untersuchung der Sunday Times enthüllte 1978 einmal, dass die Firma gerade einmal 10 £ Steuern auf einen Gewinn von 2.3 Millionen £ bezahlte.

Auf ihrem Höhepunkt wurde es „die reichste Dynastie im Land nach den Windsors“ genannt. Der Biograph Philip Knightley schrieb: „Sie lebten nicht vom Einkommen, sie lebten nicht von den Zinsen ihrer Investitionen. Sie lebten von den Zinsen ihrer Zinsen.“

Geschäfts- und Steuerflucht liefen prima für Williams Nachfolger bis 2001, als die Chavez-Regierung ein neues Landgesetz verabschiedete, das es erlaubte, alle Grundbesitze über 5000 ha zu überprüfen und sie zwangsweise zu enteignen mit Kompensation, wenn sie als inaktiv und ungenutzt befunden wurden oder kein Entwicklungsplan vorlegen konnten.

Spam hatte ein Problem – er besaß 420 000 ha Land in Venezuela und über 130 000 Stück Vieh. Zwölf seiner Farmen überstiegen die 5000 ha – Grenze. Da veranstaltete er eine Ein-Mann-Demo vor Venezuelas Botschaft in London im Februar 2001.

Landbesetzer ließen sich auf seinen Ländereien nieder und begannen, Feldfrüchte anzubauen. Obwohl sie zuvor ungenutztes Land nutzten, gab es Berichte, wonach die landlosen Bauern beschossen und sogar ermordet wurden von Leuten, die vermutlich von Spam bezahlt wurden.

2005 wurde es noch schlimmer für den Tycoon. Die Regierung schickte Truppen auf seine Charcote-Farm und beschlagnahmte 13 000 Stück Vieh. Nach einem Abkommen mit der Regierung erhielt er 2.65 Mill. £ in lokaler Währung als Kompensation für zwei seiner Farmen, die er aufgeben musste.

2008 gab es eine Kontroverse über die Notlage von 400 einheimischen Leuten, die auf seiner Morichito Farm wohnten. Vermittels ihres Vertrages waren sie buchstäblich im Besitz von Spam.

Im Oktober 2010 bekam er das größte von allen Problemen, als Chavez erklärte: „Das gesamte Land der sogenannten Compania Inglesa wird jetzt nationalisiert. Ich will keinen Tag mehr verlieren. Befreit das Land, befreit die Sklavenarbeiter.“

Das bedeutete ca. 300 000 ha Land, alle seine verbliebenen Farmen, und 120 000 Stück Vieh.

Die Zentralbank stellte sofort Gelder bereit, die Farmen aufzukaufen. Chavez betonte: „Wir müssen anerkennen, was privater Besitz ist; wir bestehlen niemanden. Manche Unternehmen bestehen darauf, dass sie in Devisen bezahlen. Nein – wir sind in Venezuela.“

Die Farmen übernahm der Staat und die Jobs der Arbeiter wurden garantiert. Ein Teil des Landes wurde an jene verteilt, die dort lebten oder arbeiteten, um Kooperativen zu bilden, ein Teil fährt mit der Produktion in staatlicher Regie fort und ein Teil wird umgewandelt für Feldfrüchte statt für Viehzucht.

Spam sagte: „Wir haben eine Weile konstruktive Diskussionen mit der venezolanischen Regierung geführt und wir werden im selben Geist fortfahren, um einen freundlichen Abschluss zu finden.“

Diese Diskussionen dauerten schon ein Jahr. Aber im Oktober 2011 scheiterten sie in der Frage der Bezahlung und das Land wurde mit Gewalt übernommen.

Spam wurde Kompensation in der überbewerteten heimischen Währung angeboten, insgesamt 274 Mill. Bolivar (46 Mill. £).

Der arme Spam stand ohne Farmen da.

Viele Ökonomen, Landbesitzer, Viehzüchter und sonstige Großkopfete gerieten wegen dieser Beschlagnahme in Aufruhr. Viele Bauern, Arbeiter, Patrioten und die gewöhnlichen Landbewohner unterstützten sie.

Aber die Regierung betonte, dass Spams Papiere nicht in Ordnung waren – und dass auf alle Fälle, wenn man nur weit genug zurückginge, das Land den Leuten betrügerisch abgenommen worden war.

Es wurde auch daran erinnert, dass 90% des Fleisches von den Farmen in England verkauft wurde. Venezolanisches Land, venozolanisches Vieh, venezolanische Arbeit, aber praktisch kein Fleisch für Venezuela zu einer Zeit, wo das Land 70 % seines Fleischbedarfs importieren muss. Dass dies Land obendrein fruchtbares Land der Klasse A1 war – perfekt für Feldfrüchte und nicht für Viehzucht.

Und dass es schließlich Millionen Venezolaner gab ohne Land, ohne Häuser oder Geschäfte, die nun durch den abwesenden Landbesitzer eine Chance bekämen.

2011 war also das Jahr, in dem die Story von Spam in Venezuela zu Ende ging. Aber keine Sorge – der dritte Baron Vestey führt seine kolonialen Abenteuer weiter in u. a. Australien, Brasilien und China.

Hugo Chávez – Ein Staatsstreich von innen (Doku Venezuela)

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Siehe auch: Chavez sagt, dass Venezuela begonnen habe, Drohnen zu bauen und Kalashnikows zusammenzusetzen; Venezuela hat Milliarden Dollar für russische Waffen und Militärflugzeuge seit 2005 ausgegeben, darunter 24 Sukhoi Kampfflugzeuge, Dutzende Kampfhelikopter und 100 000 Kalaschnikows. „Wir sind ein freies und unabhängiges Land“, sagte Chavez.

Quelle