in USA

Die Wahl zwischen Obama und Romney, die im November stattfinden wird, füllt seit Monaten die Schlagzeilen in den Medien. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie auch regionale Zeitungen die amerikanische Präsidentenfrage mit höchster Priorität verfolgen. Wie dem auch sei, das Ergebnis der Wahl wird zwar genauso die Titelseiten füllen, aber die Einflüsse des neuen Präsidenten, alt oder neu, auf die richtig wichtigen Themen werden überschaubar, sprich gering, bleiben. Eine sehr kontroverse Veröffentlichung der Zahlen des amerikanischen Arbeitsmarktes hatte letzte Woche für Euphorie gesorgt, da gilt es genauer hinzuschauen.

Bevor die Arbeitslosenzahlen, die überraschenderweise unter die von Obama vor seinem Amtsantritt propagierten 8% gefallen sind, genauer analysiert werden, ist die Betrachtung eines anderen sehr heißen Themas in den USA sehr nützlich. Dabei handelt es sich um die ebenfalls vor kurzem veröffentlichen Zahlen des U.S. Department of Agriculture über die Anzahl der Foodstamps-Bezieher sein. Man spricht von Kupons, die in Supermärkten als Zahlungsmittel eingesetzt werden können. Die Anzahl an Foodstamps-Bezieher erreichte sowohl pro Person als auch pro Haushalt ein Allzeithoch.

46,68 Millionen Personen sind derzeit von Foodstamps abhängig. In Haushalten gerechnet sind das mittlerweile 22,54 Mio, die auf Essensmarken zurückgreifen müssen. Alleine im Juli sind 99.500 Haushalte dazugekommen. Diese Zahlen bilden die wirklichen sozialen Verhältnisse wahrscheinlich besser ab als jede andere Kennzahl.

Demokraten feiern

Im September ist die Arbeitslosenzahl auf 7,8% gesunken [1]. Obama sprach offiziell immer davon, dass er am Ende seiner ersten Amtszeit die 8% unterbieten wolle. Das hat er jetzt allem Anschein nach doch noch geschafft. Nach dem ersten Fernsehduell, das nicht wirklich zu Gunsten von Obama verlief, konnte er damit ein paar Wähler, zumindest auf potentieller Ebene, zurückerobern. Für mich ergibt sich ein eindeutiges Bild: Obama sucht nach messbaren Erfolgen für seine erste Amtszeit. Außer dem mysteriösen Tod von Bin Laden, der ohnehin mehr als nur ein Fragezeichen im Raum stehen lässt, kann er nicht wirklich viel für sich auf der Habenseite verbuchen. Ganz im Gegenteil, er hat noch mehr Kriege angefangen, anstatt welche zu beenden, und nicht nur dadurch, aber vor allem dadurch, sind die Staatsschulden auch auf ein Rekordniveau gestiegen. Alles, was er vor seiner Amtszeit eigentlich vermeiden wollte, ist eingetreten. Das spricht nicht gerade für Obamas Wahlversprechen.

Kritiker von Obama glauben bzw. gönnen ihm nicht mal diesen kleinen Etappenerfolg. Jack Welch, ehemals CEO von General Electric, meinte unter anderem: „Unglaubliche Jobzahlen… diese Chicago-Jungs sind zu allem bereit… können nicht diskutieren, daher ändern sie die Zahlen“ [2].

Um die wirklich relevanten Daten in Relation zur Realität darzustellen, könnte folgender Vergleich herangezogen werden. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Veränderungen im Bereich Arbeitslosigkeit und Foodstamps in den letzten fünf Jahren. Es verloren 4,5 Mio Amerikaner ihren Job und zusätzlich haben 21 Mio Foodstamps beantragt. Das ergibt zusammen eine unglaubliche Zahl von 25,5 Mio Menschen, die auf die eine oder andere Art und Weise soziale Einbußen hinnehmen mussten.

Auch wenn wir Herrn Obama Glauben schenken, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Armut in den USA signifikant zugenommen hat. Wir sprechen hier über eine marginale Veränderung im Bezug auf die Arbeitslosenrate von 5,8% bei Obamas Amtsantritt, die die Realität ohnehin nicht abbilden würde. Bei solchen Gesten des Jubels sollte man immer das Ausgangsniveau betrachten, zum Beispiel wo die Zahlen (zum Beispiel) vor der Krise waren. Hinzu kommen immer wieder aufkeimende Zweifel an den offiziellen Arbeitsmarktdaten. Für diejenigen, die in dem Gebiet tiefer recherchieren wollen, kann ich www.shadowstats.com wärmstens empfehlen.

Zum Abschluss ist noch eine andere Zahl relevant, die Obama nicht gerade helfen sollte. Sie passt zu diesem Artikel wie die Faust aufs Auge, weil dadurch gezeigt wird, wie die Realität in Zahlen wirklich aussehen würde, wenn man die richtigen Zahlen zur Leistungsbeurteilung seiner Amtsperiode heranzöge. 61% der netto ausgegebenen US-Staatsanleihen hat nicht China oder Japan gezeichnet, sondern die amerikanischen Notenbank, Federal Reserve, ist in die Bresche gesprungen. Die dafür notwendigen USD wurden einfach aus dem Nichts produziert und die Fed Bilanz entsprechend verlängert [5]. U.S. Treasury Bills sind doch das Sicherste auf der Welt und trotzdem will sie niemand mehr haben. Das nur zum Thema: Obama will die Finanzkrise lösen oder was meint Ihr?

Einzelnachweise (Abfragedatum: 10.10.2012)

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pet_Food_Aisle.jpg
 
  1. http://www.tradingeconomics.com/united-states/unemployment-rate/
  2. http://german.irib.ir/nachrichten/wirtschaft/item/211790-general-electrics-ex-chef-wirft-obama-f%C3%A4lschung-der-arbeitsmarkt-zahlen-vor
  3. http://www.bls.gov/news.release/empsit.nr0.htm
  4. http://www.fns.usda.gov/fns/data.htm
  5. http://de.ibtimes.com/articles/25502/20120403/fed-kauft-61-prozent-der-neuen-us-staatsanleihen.htm

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