in USA

Warum ignorieren Liberale Millionen von nichtamerikanischen Kriegstoten?

Terry Michael

Die mutmaßliche Ermordung von 16 afghanischen Zivilisten durch den Sergeanten der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika Robert Bales wird vom militärisch-industriell-kongresshörigen Medienkomplex hingestellt als isolierte Wahnsinnstat eines einzelnen amerikanischen Soldaten. In Wirklichkeit sind die Opfer in dem Dorf in Kandahar nur die letzten unter den sechs Millionen, die um ihr Leben gebracht wurden in den von Amerika absichtlich geführten Kriegen gegen Korea, Vietnam, Irak und gegen Afghanistan, den zentralasiatischen Friedhof der großen Reiche.

Diese ernüchternde Einschätzung des Todes kommt von John Tirman, dem Vorstand des MIT Center for International Studies (Zentrum für internationale Studien am Technologieinstitut von Massachusetts) und Autor von The Deaths of Others: The Fate of Civilians in America´s Wars (Das Sterben der anderen: das Schicksal der Zivilbevölkerung in Amerikas Kriegen), dessen Argumente vor kurzem in The Washington Post zusammengefasst wurden in dem Artikel „Warum ignorieren wir die Zivilisten, die in Amerikas Kriegen getötet wurden?“

2008 gewählt als Antikriegs-Kandidat der Demokraten wurde Präsident Obama in weniger als einem Jahr von der permanenten Kriegsmaschine vereinnahmt, vor der der ehemalige Präsident (und General) Dwight Eisenhower 1961 das Land in seiner Abschiedsrede warnte, im Jahr, in dem Obama auf die Welt kam. In einer grell aufgemachten Präsentation im Dezember 2009 vor jungen Kadetten in West Point rechtfertigte Obama seine eigene Kriegspolitik in einer Rede, welche erinnerte an das Kriegsgetrommel seines Vorgängers, des Wochenendkriegers George W. Bush, der sich vor dem Einsatz in Vietnam in der Nationalgarde von Texas gedrückt hatte.

Die Wahl Obamas erfolgte gerade zwei Jahre, nachdem die Demokraten die Mehrheit sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus zurückgewonnen hatten, eine Ablehnung der Bush-Regierung und ihres neokonservativen Krieges gegen den Irak durch die Wähler. Wo sind diese Demokraten im Kongress jetzt? Nachdem Obamas Hände seit Afghanistan ebenso blutig sind wie die von Bush im Irak, wenden diese Progressiven und Liberalen ihre Augen ab und halten sich die Ohren zu, wenn die Rede kommt auf den Tod, mit dem Afghanistan von ihrem eigenen Weißen Haus heimgesucht wird.

Nicht anders als ihre „konservativen“ Vorgänger, die das My Lai Massaker in Vietnam und die Folter im Abu Ghraib-Gefängnis aus ihrem kollektiven Gedächtnis zu tilgen versuchten, versuchen diese „Liberalen“ zu verdrängen, wie amerikanische Marines auf tote Moslems urinieren und die Raserei des vier Mal in den Einsatz geschickten Bales in Afghanistan. Sie verschanzen sich hinter dem politischen Deckmantel und der Illusion, dass das nur ein isolierter Vorfall war, ausgeführt von einem einsamen Revolvermann, der in einem abgelegenen afghanischen Dorf Kinder umgebracht hat, während doch Amerika nur das ehrenwerte Ziel verfolgt, die Demokratie zu verbreiten.

Mit einer von der eigenen Ausnahmeposition unserer Rolle als Gute ausgehenden Sichtweise ignorieren wir Amerikaner die völkermörderische Schlächterei, die wir über die Welt in den Jahrzehnten gebracht haben, die vergangen sind, seit der gute Krieg von Amerikas größter Generation ausgefochten worden war. Der Grund dafür ist nicht kompliziert. Die Falkenküken-Eliten, die die Kriege beginnen, propagieren und betreiben, brauchen sich bei der Austragung nicht in Gefahr zu begeben. Die Bushs und Obamas schicken 20-jährige in den Tod in die Wüsten des Mittleren Ostens und in die Berge Zentralasiens, im Dienst für die Kriegsprofiteure der Industrie, die neokonservativen Experten der Denkfabriken und die Kriegsfalken der Leitartikel in den Medien. Betrieben im Namen der „nationalen Verteidigung“ werden offensive Militärausgaben für die Republikaner zur Wohlfahrt für die Konzerne und für die Demokraten zum Arbeitsplatzprogramm.

Gelegentlich, wenn die Treibstoffpreise zu hoch steigen, oder wenn zu viele fahnenbedeckte Kisten in das Leichenschauhaus des Militärs in der Dover Air Force Base in Delaware (dem Heimatstaat das liberalen „Experten“ für Außenpolitik Vizepräsident Joseph Biden) angeliefert werden, lässt eine Mehrheit von Amerikanern die Umfrageinstitute wissen, dass „es die Kriege nicht wert sind.“

Aber dann, wenn das Auge der TV-Kamera blinkt, wenden sich die von Liberalen geführten Massen wieder denen zu, die Barack in der College-Basketballmeisterschaft im März favorisiert oder dem Kleid, das Michelle neulich beim Dinner für den Premierminister trug, den Schoßhund aus dem Vereinigten Königreich. Die Konzerne, Medien und politischen Führer, die dazu beigetragen haben, dass Obama gewählt wurde, schweigen sich aus über den realen Wahnsinn in diesem März, weil sie weder Gewehre tragen noch Flugzeuge fliegen oder die Panzer in Afghanistan steuern und auch niemanden kennen, der das tut.

Während sie den „Kollateralschaden“ ignorieren, begleiten die Amerikaner ihre Führer bei der Beschwichtigung kollektiver Schuld durch Angebote von mehr defizit-finanzierten Leistungen der Regierung zur Wiederherstellung der Gesundheit von psychologisch verwüsteten und physisch verkrüppelten Veteranen. Und die liberalen Demokraten begleiten ihre konservativen republikanischen Kollegen beim leeren Daherplappern von „unsere Soldaten unterstützen.“ (www.antikrieg.com)

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