in USA

Das Unverständnis über die Wahl Donald Trumps scheint vielerorts beinahe greifbar. Ich habe dieses Wahlergebnis auch nicht vorausgesehen, aber es überrascht mich wesentlich weniger, als viele andere. Dafür gibt es zwei Hauptgründe.

Der erste Grund ist das besondere amerikanische Wahlsystem, welches zwar alle vier Jahre für Kopfschütteln sorgt, aber in Anbetracht der Größe der Vereinigten Staaten nicht so absurd ist, wie es gerne dargestellt wird, sobald einem das Endergebnis nicht gefällt. Selbst wenn man nach diesem System bevölkerungsreiche Staaten wie New York, Illinos oder vor allem Kalifornien mit großem Vorsprung gewinnt, ist es zu wenig, sofern man gleichzeitig zahlreiche wichtige „Swing States“ wie Florida, Michigan, Pennsylvania, Ohio und Wisconsin allesamt verliert.

Genau das ist in der Wahl- Nacht geschehen. In der Summe sicherlich nicht erwartbar, aber gleichzeitig nie ein unrealistisches Szenario. Nicht erst seit dem Brexit sollte allen außerdem klar sein, dass die Zuverlässigkeit von Demoskopie nicht gegeben ist, sofern die Margen zu gering sind.

Der zweite Grund ist Hillary Clinton und die Spitze der demokratischen Partei. Sie haben Donald Trump zum Präsidenten gemacht. Sie sind für dieses historische Debakel verantwortlich. Da hilft keine Heulerei über das Wahlrecht oder über dumme, alte, weiße Männer. Der Triumph Trumps wäre vermeidbar gewesen, wahrscheinlich sogar mit Leichtigkeit. Man hätte nur irgendwann verstehen müssen, dass die Abneigung und Ressentiments gegen Clinton eine extrem große Bürde sein würden. Man wollte es nicht einsehen und große Teile der liberalen Medien spielten mit.

Es wurde sich lustig gemacht über den manchmal etwas zerfahrenen, zauseligen Bernie Sanders mit seinen zu linken Ideen. Man setzte lieber auf das Altbewährte, auf das „Weiter so“ und verhinderte die Kandidatur, die sich Sanders mehr als verdient gehabt hätte.

Bedenkt man, dass die demokratische Parteiführung die Vorwahlen nachweislich zugunsten von Clinton beeinflusst hat und Sanders dennoch über 20 Staaten gewann, kann ich etwas Schadenfreude nicht verbergen. Natürlich muss ich dazu alle Gedanken an Trump für einen Moment ausblenden.

Wäre das simple Ziel von Clinton und der Spitze der demokratischen Partei der Sieg und die Verhinderung von Trump gewesen, sie hätten irgendwann Sanders den Weg frei machen müssen. Die Machtbesessenheit von Clinton und zu viel fehlgeleitete Loyalität ihrer Kandidatur gegenüber, haben zum aktuellen Ergebnis geführt. Über Monate zeigten viele Umfragen, Analysen und Experten immer wieder auf, dass Sanders die besseren Chancen gegen Trump gehabt und die Wahl voraussichtlich souverän gewonnen hätte.

Selbstverständlich wären Erfolge in Staaten wie Texas, West Virginia oder Wyoming auch für ihn Utopie gewesen, aber das hätte keine Rolle gespielt. Schaut man sich das Wahlergebnis im Detail an, muss man fest davon ausgehen, dass Sanders alle Staaten, die Clinton gewonnen hat, auch für sich entschieden hätte. Dazu wären mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wenigstens drei der genannten Swing States gekommen. Zum Sieg völlig ausreichend.

Sanders hätte Kompromisse schließen und sich von einigen seiner Ziele schnell verabschieden müssen, wie es Obama und viele andere vor ihm auch taten. Dennoch wäre es unter ihm wesentlich realistischer gewesen, eine etwas sozialere, gerechtere, friedlichere Gesellschaft zu kreieren und die weitere Spaltung des Landes zu verhindern. Unter Clinton völlig unmöglich und unter Trump extrem unwahrscheinlich, selbst wenn dieser nun wöchentlich mehr Kreide frisst als Bugs Bunny Karotten.

Bernie Sanders wäre nicht der Präsident der christlichen Fundamentalisten geworden. Die religiös Verblendeten, die ungeborene Menschen gerne mit Gewalt schützen wollen, während sie Schwule, Lesben, Sozialisten oder Einwanderer aufs Tiefste verachten und mit solch blindem Hass begegnen, wie man ihn vom IS kennt oder jene, die schon vorwurfsvoll „Sozialismus“ brüllen, wenn ein Arzt einem am Knie blutenden Kind kostenlos ein Pflaster reicht?

Nein, die hätte der gebürtige New Yorker auch nicht erreicht. Sehr wohl aber die gemäßigten Wähler, die das sogenannte politische „Establishment“ abstrafen wollten und sich mit Händen und Füßen gegen eine Frau wehrten, die seit Jahrzehnten in den USA die Politik auf höchster Ebene mitbestimmt hat. Wie die Ablehnung und der oft sogar spürbare Hass Frau Clinton gegenüber derart auswuchern konnte, dass diese Menschen für einen rassistischen, sexistischen Milliardär, der in den letzten zwölf Monaten mit Lüge um Lüge und Beleidigung um Beleidigung aufwartete, stimmen konnten? Ja, das darf jede Beobachterin und jeden Beobachter trotzdem sprachlos zurücklassen.

Ich mag Hillary Clinton absolut nicht und ich bin froh, dass sie nicht Präsidentin wird. Isoliert betrachtet. Die Machtgeilheit und dieses Fake-Lächeln ekeln mich an. So authentisch, herzlich und versöhnlich eine Michelle Obama wirkt, so durchchoreografiert, berechnend und beinahe computergesteuert kommt einem Hillary Clinton vor.

Vom „Ja“ zum Irakkrieg, dem Benghazi Debakel, ihrer Wallstreet Nähe bishin zur E-Mail Affäre, gibt es unzählige Ereignisse und Fakten, die gegen sie sprechen. Man kann ihr Scheitern aber nicht isoliert betrachten. Die Menschen haben sich für die deutlich schlechtere von zwei entsetzlich miserablen Alternativen entscheiden. Viele Konsequenzen sind nicht absehbar, einige schon:

As I’m stopped at a gas station this morning, a group of guys yell over: „Time to get out of this country, Apu!“

Day 1.

— Manik R (@ManikRathee) November 9, 2016

Um auf Trump einzugehen, auf die kontinuierliche Marginalisierung von Fakten und die Relativierung von Beleidigungen wie Lügen in ungekanntem Ausmaß, ist heute für mich nicht der richtige Zeitpunkt. In spannenden und beängstigenden Zeiten kann man sich als nächstes immerhin auf die kommende Sendung des fantastischen John Oliver freuen. Nebenbei freue ich mich aktuell aber auch über etwas Anderes: Keine Kinder zu haben.

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Kommentar

  1. Na, immerhin hat uns doch Trump von der Sorge um das Klima befreit. Es ist einfach „Wetter“ (wie er sagte). Ist es nicht wunderbar? So ungefähr wird er alle anderen Probleme auch lösen. Wir blicken also einer glücklichen Zukunft entgegen. (Clinton hätte natürlich de facto nichts anderes gemacht, aber mit mehr Wind).
    Er wird auch dafür sorgen, dass man in Europa GMO-Produkte fröhlich essen wird, denn z.B. Genmais ist einfach Mais. Sieht man, wenn man hinkuckt. Vielleicht sollten wir auch darüber nachdenken, Deutschland durchzufracken, denn Öl ist Öl und Gas ist Gas. Und Geld stinkt nicht.

  2. Hätte, hätte Fahrradkette. All das Gelabere über diesen und jenen Vertreter des Systems ist überflüssig, da es an den realen Problemen vorbeigeht- in den USA ist die Mittelschicht verarmt, während die am Ruder sitzende Elite, im „Fett“ schwimmend, anscheinend nicht nachempfinden kann, dass es dem Rest des Landes schlecht geht und bei der so verraten Bevölkerung extreme Zukunftsangst vorherrscht. Die durch die ungebremste Globalisierung und Digitalisierung freigesetzten Arbeitskräfte sind massenhaft zu Sozialfällen, in einem Land fast ohne Sozialsystemen, geworden. Und die Kriegstreiberin Killary spielt das „Lied vom weiter so“ und will dafür auch noch gewählt werden- da fallen nur „hinters Licht Geführte“ und „Unerfahrene“ drauf rein.

  3. Man sollte keine Artikel unter dem Aspekt schreiben, dass es sicher sei, dass die Welt unter dem Wirrkopf Donald Trump schlechter sein wird als sie es unter der professionellen Kriegstreiberin Hillary Clinton sein würde! So operiert unsere Hochleistungspresse. Da wird es auch nicht besser, wenn man mit guten Gründen darauf hinweist, dass die beste Altenative je Bernie Saunders wäre.

    Von Trump können wir uns auch positiv überraschen lassen, was bei
    Clinton mit tödlicher Sicherheit unmöglich wäre.

    • 1.)Träumt alle weiter. An dem System wird sichso schnell nichts ändern. Auch ein Donald Trump wird daran nichts ändern können. Er hat die Wahlen nur gewonnen weil er mit der Angst und Dummheit der Masse gerechnet hat, und weil man es zugelassen hat. Alles lief nach Plan B.

      2.)Er ist bestimmt nicht so reich geworden weil er ein Robin Hood ist. Er ist ein knallharte Geschäftsmann.

      Eine Krähe hackt dem anderen kein Auge aus. Er werdet sehen. Sein Finanzminster wird aus der Oligarchen Bande kommen.

      • Alles klar. Ich meine die US-Wahl war in vieler Hinsicht k e i n Wettbewerb nach dem Motto: die Massen sind dumm und haben Trump aus Dummheit gewählt, nur die etwas Klügeren wählten Killary. Es ging meiner Meinung nach darum Killary und somit den sicheren 3.Weltkrieg zu verhindern. Ob das mit Trump besser wird, wird sich zeigen, da teile ich die allgemeine Skepsis.

  4. Die Globalisierungsfaschisten sind aus dem Häuschen,
    weil die Wahl nicht zu ihren Gunsten ausgegangen ist .
    Dass sie Demokratie nicht respektieren( LOL : die Demokraten,wie sie sich nennen) , war zu erwarten.
    Die Globalisierungsfaschisten Soros&co setzen nun Alle Mittel , materielle, publizistische und bis zum Aufruhr , ein , den grewählten Präsidenten Trump zu unterminieren.
    Angesichts dieser korrupten und antidemokratischen und brutalen Politik um das Demokraten/Neocons/NWO-Lager wird umso klarer, dass die Wähler in den USA einen politischen Wechsel wollten.

    • Und wenn in der Hochleistungspresse „Rechtspopulisten“ die Spaltung der Gesellschaft vorgeworfen wird, sind es real die pseudolinken Globalisierer, die -leider erfolgreich- die Spaltung der Gesellschaft und die Aushebelung tiefer Wurzeln betreiben.
      Die Globalisierung läuf auf eine kleine Gruppierung mit absoluter Macht hinaus, und einer öden weltweit gleichen Monokultur mit in jeder Beziehung abhängigen Menschenmassen.

    • Ja, was die Globalisierer von Demokratie halten haben wir ja schon an Griechenland deutlich demonstriert bekommen.

      Da wird jetzt ein ganzes Volk systematisch ausgehungert, weil es für die Zockerschulden der Banken bezahlen soll.

      Bernie Sanders hatte von Anfang an viel mehr Stimmen bei den Vorwahlen, er wurde aber durch massiven Wahlbetrug von dem Clinton-Establishment abgesägt. Alleine schon deshalb gönne ich den Demokraten ihre krachende Niederlage von ganzem Herzen. Die haben sie sich redlich verdient.