in USA

Ein ereignisreiches Wochenende zwingt uns, die Aufmerksamkeit auf die Rauchzeichen zu richten.

Von Solomon Mann – Bei den Indianer Nordamerikas bedeutete „ihre Kriegsbeile begraben“ einst, ihre Kämpfe zu beenden. Heute bedeutet es bereits synonym, alte (Kriegs)Technik loszuwerden, ohne noch Geld für die Entsorgung auszugeben.

Donald Trump hielt sein (Twitter)Wort, drosch mit Raketen auf Syrien ein und nannte dabei als Grund „die Anwendung eines chemischen Angriffs durch die syrische Armee gegen „Rebellen“, einfacher – gegen die von den USA in Syrien unterstützten Terroristen. Es muss jedoch gesagt werden, dass dieser Schlag anfangs noch viel stärker beabsichtigt gewesen war: Die USA hatten sich eine Koalition Williger gesucht und dazu Frankreich und Großbritannien einbezogen. Letzterer Staat hat sich deswegen sogar dafür entschieden zu vergessen, dass er ein Parlament hat, weil genau das einen Tag zuvor Schwankungen gezeigt hat und bereit war, „vom anfahrenden Zug abzuspringen“. Allerdings wurden die Verbündeten am Anfang letzter Woche sogar auffällig unruhig.

Zuallererst: Sowohl Frankreich als auch Großbritannien und schließlich der bekannte Falke Chef des Pentagon Mattis – alle haben sich kategorisch geweigert, direkt auf russische Objekte zu feuern. Präsident Macron hat erklärt, dass, wenn Russland nicht vorgewarnt würde, er sich nicht beteiligte. Commander Trump musste einwilligen, dann kam das bestätigend, noch Frau May dazu.

Doch dann: Am Ende der Woche, sind die anhängigen, nur auf des „ehrlichen Gentleman Wortes“ beruhenden „Beweise gegen Assad“ völlig zusammengebrochen.

Russland erklärte nämlich, dass es die gezeigten Ärzte aus dem Video der „Weißen Helmen“ gefunden hat, gemäß US-Verbündeten „Zeugen des unmenschlichen Gasangriffs“, die (sogar namentlich veröffentlicht) erklärt haben, dass die Videos und Fotos, die für die Übergabe an die WHO und alle anderen Fake-Dokumente durch eine ihnen unbekannte, aber augenscheinlich sehr kreativ improvisierende Filmcrew fabriziert worden seien. Gleichfalls erklärten beide, dass es keinesfalls einen Chemiewaffen/Giftgas-Angriff gegeben hätte, sie allerdings nach dem Bombardement Staub- und Rauchentwicklungs-Folgen behandelt hätten.

Die ganze wilde Geschichte ist ein Märchen, nicht wert, darüber ernsthaft zu reden, gar deswegen zu bomben. Das war von Anfang an klar. Aber ein Vorwand die Muskeln zu zeigen, wurde aus innenpolitischen Ablenkungsgründen in den USA, dem UK und Frankreich aller-dringendst benötigt…

Erstens: Der gefälschte „chemische Angriff in Syrien“ war nachweisbar bereits zu dem Zeitpunkt geplant, als ein falscher „Gasangriff“ in Salisbury organisiert worden war. Und selbst wenn wir die Salisbury-Geschichte glauben würden, dann ist

Zweitens: Assad ohne Zweifel bereits Sieger in Ghuta. Der größte Teil der Terroristen verließ die Stadtviertel zusammen mit den zu ihnen gehörenden Familienmitgliedern bereits vor zwei Wochen mit zuvorkommend bereitgestellten Assad-Bussen. Die paar noch verbliebenen Banditen sind jetzt dem Tode geweiht, wenn sie nicht noch irgendwie durch die unterirdisch angelegten weitläufigen Straßensysteme und Notausgänge entkommen können. Also, was macht das für einen militärischen Sinn, ein dummes Chlor-Fass abzuwerfen, wenn man praktisch schon gewonnen hat, wenn man im Vorhinein weiß, es in allerbestem Französisch angesagt bekommen hat, dass einem die ganze Welt, insbesondere die gegnerische, Angriffsvorwände suchende, deswegen das Leben zur Hölle machen würde?

Drittens: Die amerikanischen Massenmedien, durch Lecks bei den Geheimdiensten vorab gefüttert, prophezeiten, dass der neuro-paralytische Giftstoff VX durch Assad-Bomben zur Anwendung kommen würde, in der Modifikation ähnlich wie „Nowitschok“. Darüber quatschten alle US-Zeitungen eine ganze Woche lang bereits zuvor, es war die von der CIA vorhersagte Verwendung von Giftstoffen. Es kam sogar so weit, dass Trump offiziell gewarnt hat, dass von Assad chemische Angriffe angewendet werden würden.

Doch der Skalpell-genaue Schlag der russischen Luftfahrt zerstörte das zuvor mit aufklärerischen Mitteln lokalisierte Gift-Labor und die Lagerhallen der Terroristen. So blieb nichts anderes übrig als nur über ein einsames Fass mit Chlor (nicht mal als chemischer Kampfstoff aufgelistet und daher auch nicht offiziell verboten) zu plappern, um gute Miene zum schlechten Spiel aufrecht halten zu können.

Schließlich Viertens: Russland hatte zuvor eindringlich über vorliegende Beweise des geheimdienstlich westlich geplanten Inszenierens eines Giftanschlags berichtet und selbst wenn der Westen Recht gehabt hätte mit seinem Assad-Giftgasbombardement-Vorwurf, wäre es doch nach dem behaupteten Anschlag möglich gewesen solange abzuwarten bis Experten vom OPCW in Duma angekommen und die erwarteten Beweise hätten liefern können. Diese nicht anders erklärliche Eile weist also eindeutig auf eine Fälschung hin, auf die Absicht, vollendete Tatsachen zu schaffen.

Immer noch machen die USA und Großbritannien nur mit Behauptungen, unbewiesenen und sich stetig ändernden Anschuldigungen, mit erpresserischem Druck und Drang ihre Politik. Kurz gesagt, wie schon immer. Aber es kann nicht mehr lange weiter so andauern. Die noch Zwergen-Opposition in Europa fordert Beweise, aber die gibt es nicht, sonst hätten sie doch seit langem bereits zur Verfügung der Öffentlichkeit gestanden.

Genau wegen dieser Zweifel wollte ein glühender Gegner Russlands, der manchmal sogar schon zum begrenzten Atomkrieg aufgerufen hatte, der pensionierte vier-Sterne-General Jim Mattis in einem dreistündigen Gespräch den Herrn Trump überreden, auf die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung zu warten. Aber Mattis ist eben nur ein ehrlicher General, kein berechnend hetzender Politiker. So gewann also der Herr Bolton, hat die Situation als ein solcher Politiker klarer vertreten.

„Mr. Präsident, wenn Sie zuschlagen wollen, schlagen Sie jetzt zu“ sagte Bolton, „später wird es gar keinen Schlag mehr zu führen geben und darunter würde das Image des Präsidenten leiden.“ Das Image eines Präsidenten der „ansagt und handelt“, und nicht das eines Versagers, der „redet und redet und redet und…“. „Wie die „Präsidentendarsteller zuvor“. Das hat den Herrn Trump natürlich endgültig überzeugt, einen Sofortangriff anzuweisen. Nächstes Problem der Koalition war Israel: Durch eigene Kanäle erklärte Jerusalem, dass es auch Interessen in Syrien hätte, dass es mit mehr als hundert Drohnen eine 24-Stunden-Überwachung all dessen, was für Israel von Interesse ist auf dem Territorium des Feindes führen würde.

Darüber hinaus hat man angedeutet, dass dort eine Menge Israel treu ergebene Menschen seien und dass Israel es sehr ärgerlich finden würde, wenn etwas aus seinem dortigen Eigentum oder sein Aufklärungsnetz leiden würde. Die Koalition hat sofort Israel alle Daten der geplanten Operation übergeben und die vorgesehenen Angriffsumfänge wurden weiter eingegrenzt. Schließlich verlor auch Trump selbst das anfängliche Kriegs-Spiel-Interesse an der Operation und ließ nur zuschlagen, um nicht das Gesicht zu verlieren.

Schließlich, nach langem Kreißen, „gebar der Berg eine Maus“ wie der unsterbliche lateinische Aphorismus sagt. Der Angriff hat stattgefunden. 103 fast schon abgeschriebene „Tomahawk“ haben sich in 50 Minuten auf 8 Ziele verteilt, zerstörten ca. 16 bis 18 Gebäude und verursachten an mehr als 40 Gebäuden Schäden. Syrien hat sich über 3 Tote und mehrere Verwundete durch Bruchstücke beklagt. Keine der ernsthaften militärischen Einrichtungen in Syrien wurde tatsächlich zerbombt. Alle beteiligten Seiten scheinen zufrieden und erklären ihren letztlich davongetragenen Sieg.

Die EU hat einstimmig die Operation unterstützt, dabei Präsident Trump gelobt, dass er es geschafft hat, „keine rote Linie Russlands“ zu überschreiten – guter Junge Donald.

Russland ist glücklich, dass weder es selbst, noch sein Autorität, noch Assad gelitten hat. Obwohl es natürlich die Möglichkeit hat, die Wangen im UN-Sicherheitsrat aufzublasen und die Kommunikation mit China Dank der USA zu erhöhen.

Trump ist glücklich, dass sein Image als „Mann der Tat“ und des „amerikanischen Knüppels“ nicht gelitten haben.

Sogar die Terroristen sind glücklich – ihr härtester Feind wurde geschlagen. Obwohl sie nur kurzfristig glücklich sein können, weil sie schon verstehen, dass der Schlag rein symbolisch war. Sogar die Presse der so genannten „Opposition“ hat den Angriff eine Farce genannt.

Es scheint, dass es in dieser Geschichte nur einen Verlierer gibt, den Iran. Auf dessen Infrastruktur in Syrien kam der stärkste Schlag und der nicht ohne die Hilfe Israels. Die Koordinaten von Israel waren anscheinend eine Gebühr für die Erlaubnis, etwas in der Zone der israelischen Interessen in die Luft zu sprengen. Das ganze verrückte Geschwätz über den „Dritten Weltkrieg“ muss wahrscheinlich bereits aufhören, weil sogar den dickköpfigsten „Wahrsagern“ wahrscheinlich bereits klar ist: Den echten Krieg wünscht keiner. Damit kann die „chemische Krise“, denke ich, als abgeschlossen betrachtet werden.

Eine besondere Erwähnung verdient die Reaktion der Türkei, die zuerst letzte Woche Putin und Trump kritisierte, dass die Beiden ihre eigenen Raketen hochgelobt hätten und nannte beide Großmäuler, die am Rande des Krieges balancierten. Um sich dann nur zwei Tage später zu dem Angriff gegen eigene „Verbündete“ (Iran und Russland) zu bekennen. Viele Beobachter hat das dreifache Händeschütteln – Russlands, des Irans und der Türkei auf der Konferenz in Istanbul am 4. April – in die Irre geführt.

Aber Händeschütteln allein kann diejenigen nicht täuschen, die solche Maßstäbe der Logik und der internationalen Beziehungen an Ereignissen legen, welche den Augen des unaufmerksamen Beobachters verborgen bleiben. Skeptiker können also noch einmal sicherstellen, dass es keine „Union“ zwischen diesen Ländern gibt. Nur einen begrenzten Kreis von gemeinsamen Interessen mit seinen taktischen Erfordernissen. Innerhalb derer sind sie gezwungen zu interagieren und außerhalb derer bleiben sie Gegner.

Die Haltung zum Angriff ist in der Welt verschieden. Von der direkten Ablehnung der Unterstützer und Satelliten Russlands bis hin zur dichten Unzufriedenheit Chinas, Indiens, Israels und der Philippinen. Länder, die Aktivismus und eine starke Position zeigen, sind zu Recht besorgt darüber, dass künftig gemäß des vorliegenden Musters ein paar Länder in der Lage sein werden, sich zu einer Meute zu versammeln um gemeinsam über ein Land herzufallen. Dabei Völkerrecht brechend, diplomatische und gesetzliche Normen verachtend, einseitig zu erklären, dass dieses Land „unrecht hätte, die Schuld anerkennen und still halten müsse“, um im Falle der Weigerung mit „Tomahawks“ auf den Widerständler einzuschlagen.

Dies ist eine sehr schreckliche und erhebliche Bedrohung für die ganze Welt, nicht nur für Russland. Die meisten Länder der Welt haben es bereits erkannt. Sogar der nicht einmal besonders hellsichtige Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, sagte, dass offenbar ein System von Kontrollen und Gegengewichten, die von der Weltgemeinschaft während des Kalten Krieges aufgebaut worden ist, nunmehr endgültig zerstört wurde. Aber er selbst hat den Schlag der Koalition in Syrien befürwortet, was ein UN-Generalsekretär kategorisch einfach nicht tun kann und darf …

… Es scheint so, dass während der Angriffe auf Syrien von den Verbündeten, insbesondere Israel auch „persönliche Rechnungen“ mit dem Iran beglichen hat. Nach Angaben der arabischen Presse wurde ein iranisches Objekt in der Region Aleppo zerstört. Die Operation wurde mit Hilfe von koordiniert arbeitenden Drohnen ausgeführt. Anscheinend wird wohl die Operation in die militärische Geschichte als der erste mehrstufige Fall eines automatischen Angriffs eingehen, wenn sowohl die Aufklärung, als auch die Vorbereitung u n d die Ablenkung u n d die Bombardierung u n d die Tarnung des Abgangs – all das aus der Ferne durch Halbrobots gemacht wurde.

Das Geräusch der explodierenden „Tomahawks“ hat einen weiteren Skandal übertönt: der Außenminister Russlands, Herr Lawrow hat Teile aus dem geheimen Bericht der OPCW veröffentlicht und mit seinen Kommentaren begleitet, aus denen offensichtlich wird: Das Gift, das die Skripals vergiftete, enthielt eine modifizierte britische Komponente von BZ, was laut Lawrow bedeutet, dass genau diese Sorte „Nowitschok“ in Porton Down selbst hergestellt wird, da die sowjetischen Proben diese Komponente nicht enthalten.

Es ist nicht wichtig, wie wahrhaftig die Argumentation Lawrows ist, aber die Tatsache bleibt: die Experten des OPCW haben sich in viele unterschiedliche Meinungen entzweit und das wird von Russland verwendet, um sich von jeglichem Verdacht zu reinigen. Im Prinzip ist das allerdings nicht mehr so schwierig, denn die britische Diplomatie hat bereits so viel Selbsttore geschossen und sich selbst widersprochen, dass jeder kleine Rechtsanwalt die Anschuldigungen vor einem ordentlichen Gericht leichtestens zerschlagen könnte.

Theresa May und das Foreign Office zeigten wieder und wieder unglaubliche Inkompetenz. Sie waren nicht in der Lage, die ob der Primitivität ihres Lügenkonstruktes erwartbar möglichen Gegenangriffe auf das eines Kleinbritanniens zusammengeschrumpfte Image Großbritanniens wenigstens vorherzusehen. Sie zeigten sich bei jeder Attacke der Gegenseite unerwartet hilflos überrascht. Nicht nur das. Sie haben den seit der Iraklüge ohnehin schon schwer angeschlagenen Ruf englischer Geheimdienste und Politiker mit ihren eigenen inkompetenten Antworten, eher Gekeife, noch obendrein zusätzlich beschädigt. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht … !

Zuallererst hatte Theresa May erklärt, dass der Schlag auf Syrien „gesetzlich war und das Ziel erreicht hat“. Seltsam, das ein solch alter Politikfuchs und Anwalt nicht weiß, dass die Behauptung „meine Handlungen waren gesetzlich legal“ in der gerichtlichen Praxis geradezu Eingeständnis der Illegalität dieser Handlungen sind. Denn über Selbstverständlichkeiten brauchte man doch nicht zu reden. Jeder Richter würde der Beklagten May antworten: „Es ist nicht Ihre Zuständigkeit, die Rechtmäßigkeit Ihrer Handlungen zu beurteilen. Wir entscheiden, ob sie rechtmäßig sind, wenn Sie nämlich alle relevanten Unterlagen zu diesem Sachverhalt vorlegen und wahrhaftige Quellen und Zeugen benennen.“

Für jeden Anwalt der Welt bedeutet vor Gericht zu sagen „Ich habe das Gesetz nicht gebrochen“ indirekt ein Geständnis. Ein ähnlicher, bereits gewohnheitsmäßiger Fehler ist dem Foreign Office als Antwort auf die Aussagen von Herrn Lawrow unterlaufen. Statt einer ausführlichen Analyse der Beanstandungen und Benennung von konkreten Unstimmigkeiten, haben die britischen Politiker stattdessen eine wütende Tirade mit einer für das Foreign Office ansonsten untypischen Unhöflichkeit vom Stapel gelassen. Das führt sofort zu der Erkenntnis, dass der unbeherrschte Ärger daher kommt, weil die eigenen Tricks und Winkelzüge durchschaut worden sind. Letzter Rettungsversuch: Wer am lautesten schreit, bekommt vielleicht recht.

Zum Abschluss der Analyse des „indianischen Samstags“ (Tomahawks sind Waffen der Indianer), muss man noch ergänzen: 70 Prozent der Raketen der Amerikaner wurden von den Uralt-Sowjet-Systemen der Luftverteidigung Syriens abgeschossen.

Selbst wenn Syrien die Realität stark schönt, die ersten Tweets der Amerikaner über „40 Raketen, die Ziele in Syrien getroffen haben“ und die folgenden Informationen, dass es insgesamt 103 abgefeuerte Raketen waren, sagen viel aus über die Wertigkeit alter Tomahawks einerseits, andererseits aber die Unverwüstlichkeit russischer Systeme S-200 und der „Pantsir“, wie sie die die Luftverteidigung von Assad verwendete. Analysten bemerken akutes Interesse an den modernsten russischen S-400 und S-500 Systemen, obwohl sie gerade nicht für den Kampf gegen Marschflugkörper bestimmt sind. Ich befürchte, Russlands Waffenschmieden wird eine erhöhte Nachfrage auf den militärischen Märkten erwarten, eine in diesem Fall nicht völlig unbegründete.

Anmerkung:

Dieser Text stammt von Solomon Mann, einem russischen Juden, der in den 90ern nach Israel auswanderte und Wochenanalysen anhand westlicher bzw. israelischer Presse in SmartNews the-solutions-int.com veröffentlicht. Übersetzung: fit4Russland

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