Kommentar: Gezielter Warnschuss in den Kopf – Die Erlöser-Praktiken der US-Polizei

Ich pfeife auf die US-amerikanische Polizei und ihre Probleme, aber dieser Fall erweckt mein rein wissenschaftliches Interesse, so dass ich versuchen werde, ihn bis ins Detail zu zerlegen.

Gestern saß ich in einer Bar und dort lief gerade im Fernsehen das Video, wo einen Bullen aus Minnesota Panik überfiel und er ohne ersichtlichen Grund den Chef der Schulkantine erschoss, einen gesetzestreuen Bürger, der sogar eine Lizenz für Waffenbesitz hatte, aber das war für den Polizisten absolut nicht bedrohlich.

Ich sag dazu noch mehr: Als er dann lange auf die Freundin des Verletzten einkreischte „Nicht anfassen!“, „Hände weg!“ und so weiter, wollte er offensichtlich am meisten in diesem Moment auch sie erschießen, um die Unterschiede ihrer beider sicher recht gegensätzlicher Aussagen zu minimieren. Aber sie versuchte fleißig, ihm dazu keinen Anlass zu liefern, Gründe gab es sowieso keine und er konnte sich nicht dazu entscheiden, sie einfach so vorbeugend abzuschießen, wie den Chef der Schulkantine zuvor. Konsequent inkonsequent.

Polizisten nahmen zwar sofort das Handy der Frau an sich, Belastendes zu löschen, aber sie hat es dennoch geschafft, das den Mord dokumentierende Video auf Facebook zu laden, dank dessen auch wir es uns nun, fassungslos geworden, anschauen können. Dabei verhielt sich die örtliche Polizei zudem vorsätzlich ganz schweinemäßig schweinisch. Sie gaben ihr absichtlich eine falsche Adresse vom Krankenhaus. Während sie suchend zwischen all den dortigen Krankenhäusern umherirrte starb ihr Mann und sie konnte keinen Abschied vom sterbenden Liebsten nehmen.

Der zweite Fall ereignete sich in Baton-Rouge (Louisiana). Dort scheint es eine klare Situation zu sein: Der dicke Schwarze mit der illegalen Waffe in der Tasche; die beiden weißen Polizisten toben und schreien „Er ist bewaffnet!“ und geben dann sofort die Schüsse aus nächster Nähe auf ihn ab. Elton Stirling, der Bandit mit Pistole wurde auf der Stelle getötet; die Polizisten sind vorübergehend suspendiert bis zum Ende der Untersuchung. Ich bin sicher, dass ihnen nichts passiert, weil wenn man diese Situation vom Standpunkt der Einhaltung der Dienstvorschriften bewertet, ist dort alles legal. Es ist so halt passiert und der verstorbene Herr Stirling sollte eben nicht per Waffe auf Leute in der Straße zielen, oder, am besten noch vor Eintreffen der Polizei verschwinden.

Diese Situationen unterscheiden sich somit grundlegend voneinander. Was haben sie aber gemeinsam? Dass die beiden Getöteten Schwarze sind? Dann kann ich Ihnen aber auch eine Menge Verweise auf ebenso idiotisch getötete Weiße geben.

Ein Student wurde auf dem Campus-Parkplatz von einem lokalen Polizei-Hysteriker wegen Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten und der drohte dem Studenten mit seiner Pistole. Der Student, aus irgendeiner Trotzreaktion heraus, sagte so etwas wie: „Und jetzt? Erschießt du mich?“ Der „Officer“ spürte in diesem Moment Angst um sein Leben (obwohl der Student keine Waffe hatte und dazu noch von ganz kleiner und schmächtiger Statur war) und er hat, seiner Angst gehorchend, vorbeugend geschossen. Der Student wurde auf der Stelle getötet. Wegen ordnungswidriger Geschwindigkeitsüberschreitung.

Ein weißer Teenager fuhr mit einem Mädchen ins Drive-through-fast-Food, da fuhr ein Polizist im Auto heran und blockierte ihm die Ausfahrt. Wie der Polizist später fabulierte, hätte der Teenager angeblich versucht, ihn mit seinem Auto einzuquetschen. Aber geschossen wurde nicht durch die Frontscheibe, sondern unerklärlicherweise durch das Seitenfenster und sogar ein bisschen weiter hinten, was bedeutet, dass niemand erklären könnte, wie ihn der Teenager denn hätte seitlich zerdrücken können. Das Mädchen war in der Schusslinie, im Auto wurde etwas Marihuana gefunden und keine Waffen. Der Grund der Aktion war, dass der Polizist den Teenager des Verkaufs von diesem Marihuana verdächtigte. Schön, es später noch generell entlastend im Teenie-Auto finden lassen zu können.

Und dann so was absolut Unerklärliches: In Dallas eröffneten Unbekannte das Feuer auf Polizisten während des Marsches „Black Live Matters“, viele Beamte sind verwundet und fünf sogar getötet worden. Wobei diese Polizisten vorher natürlich nicht auf die Bürger geschossen hatten, sondern es mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% jene Ordnungshüter waren, die ehrlichen Arbeitstiere, die immer die Bürger vor allen Übeln schützten. So ein Fall musste früher oder später einfach passieren. Wer ist schuld?  Die Verbrecher? Waffen?

Nein, in diesem Fall waren Verbrecher und ihre Waffen nur Requisiten. Das Problem hat sich Amerikas Polizei-System wegen seiner Regeln und Grundeinstellung selbst geschaffen. Lange und systematisch. Ich bin sehr weit davon entfernt, die Schuld an allen Polizisten festzumachen. Der größte, der weit überwiegende Teil von ihnen sind absolut ehrliche Leute, die ihr Bestes versuchen, ihre Arbeit gut zu tun. Wie in den meisten anderen Ländern der Welt.

Aber warum begann ein solcher Konflikt zwischen Gesellschaft und ihrer Polizei sich genau in US-Amerika zu entwickeln?

Die brasilianische Polizei arbeitet unter viel gefährlicheren Bedingungen, beispielsweise in den Favelas, ziemlich rechtsfernen Räumen und erschießt dabei hin und wieder auch einen Verbrecher. Es gibt darüber einen ganzen Haufen von Videos, aber worüber gibt es in Brasilien kein Video? Richtig, dort existiert kein Video, wie die Polizisten jemanden drei Stunden lang schikanieren wegen des Verkauf dreier Zigaretten und ihn dabei ganz zufällig und nebenbei am Hals gewürgt haben. Und er hatte sich nicht widersetzt, es war nur die Rede von einer kleinen Geldstrafe. Wieso mussten die Beamten aber dann auf ihm herumtrampeln?

Oder wie der beamtete Fettsack zuerst das Gesicht des Mädchens auf den Asphalt drückt, sie dann umdreht, ihr sein Knie auf den Hals platziert, sie mit Handschellen fesselt, obwohl sie sich nicht wehrt. Unendlich viele und ähnliche solcher Videos stammen gerade aus US-Amerika. In denen 70-jährige Behinderte in Rollstühlen oder zehnjährige Kinder unbedingt und notwendig die Wirkungsweise der Elektroschockpistole kennen und schätzen lernen und so weiter ohne Ende.

Was ist denn da los?

Das Grundproblem ist, dass ausgerechnet die Polizei selbst solche Vorfälle bewirkt, die auf der falschen Idee basieren, dass nicht die öffentliche Ordnung und Sicherheit, sondern „die Sicherheit des Beamten über allem“ stünde. Das führt von Anfang an zur Eskalation jeder Konfliktsituation.

Wieso zur Hölle ist ausgerechnet die „Sicherheit des Beamten“ anstatt die zu gewährleistende Sicherheit der Bürger plötzlich zur Priorität geworden? Nicht die Sicherheit der Bürger, nicht die Einhaltung des Gesetzes, ausschließlich die persönliche Sicherheit des Beamten?

Wenn man zur Polizei arbeiten geht, muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass man eine gefährliche Arbeit hat und gerade deswegen dafür (reichlich) bezahlt wird, dass man zwar Etwas riskiert, aber edel, hilfreich, gut Verbrechen verhindert und das Gesetz, die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren unterstützt. Wie es halt in allen normalen Ländern der Welt gang und gäbe ist.

Wenn man jedoch ein beliebiges Polizisten-Video aus US-Amerika anschaut, kann man regelmäßig mit Erstaunen feststellen, dass keiner mehr zur Eskalation von Konflikten beiträgt als die Polizei selbst. Der ganz normale Wahnsinn der meisten dokumentierten Ereignisse zeigt sich darin, dass hier ein Problemchen einfach nur mit ein paar Worte oder mit ausführlicheren Erläuterungen zu lösen wäre und es nicht notwendig wird, jemanden zu verhaften. Die US-Polizei aber beginnt sofort damit, die Menschen zu Boden zu werfen, sich mit ihren dicken Ärschen auf deren Köpfe zu setzen, jedem Handschellen anzulegen und Befehle zu schreien. Das heißt, sie tut alles, um die Anwesenden bis zum Maximum zu verärgern, bringen den Konflikt bis zum Siedepunkt um sich danach durch die „Einhaltung von Dienstvorschriften“ in aller Unschuld darzustellen. In denen wird jegliches Polizeihandeln mit „Anforderungen der persönlichen Sicherheit“ begründet.

Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Polizisten in London beginnende Clan- Kämpfe in Soho verhinderten. Zwei größere Gruppen von sich feindselig gegenüberstehenden Menschen, ein paar wenige, aber umso cleverere geistig und redegewandte Polizisten, die nicht sofort Verstärkung mit Hunden und Maschinenwaffen anfordern. Freundlichen Tones erläuterten sie den Kontrahenten, dass „Schaut Jungs, jetzt streitet ihr euch und dann müsst ihr mindestens eine Nacht im Gefängnis oder im Krankenhaus verbringen. Braucht ihr das wirklich? Besser, ihr beruhigt euch, geht nach Hause, niemand wird verhaftet, weil bisher, außer Lappalien noch nichts passiert ist“. Die Jungs haben sich dann, so freundlich belehrend gewarnt, langsam beruhigt, sogar entschuldigt, die Bullen sagten „take care“, was heißt, sie haben sich verabschiedet. Das war alles. Kein Blaulicht, keine Zeugen, die mit iPhones herumrennen, kein Polizist schrie vor Angst „Stay back!“

Etwa vor zehn Jahren, als mein jüngerer Bruder noch klein war und schlecht in der Nacht geschlafen hat, blieb ich sozusagen hilfreich dienend nahe seines Betts. Gleichzeitig schaute ich mir die TV-Show „Cops“ an, eine über die Werktage einer normalen Patrouille der Polizei aus verschiedenen Städten und Ortschaften in den USA berichtende.

Nunmehr aber sehe und erkenne ich deutliche, wenn ich mich an die damalige Show erinnere, Unterschiede im Verhalten und den Methoden der damaligen und der der gegenwärtigen US-Polizei:

Damals mussten die Menschen sehr selten mit dem Gesicht nach unten zu Boden geworfen werden. Nur die offensichtlichen Verbrecher betraf das damals und auch nur in manchen Ausnahmesituationen. In allen anderen Fällen forderten die Polizisten zum Beispiel ganz einfach auf, die Hände auf die Motorhaube zu legen. Was ist der Unterschied? Der Unterschied ist die Menschenwürde, von der in fremden, fernen Ländern gemunkelt wird, dass sie unantastbar sei. Die Kommunikation mit der Polizei ist schon ein bisschen eine stressige Situation.

Wenn befohlen wird, „Hände auf die Motorhaube“, dann ist das neutral und verständlich, man muss keine Sorge haben. Aber wenn von einer Person, die bereits genervt ist, verlangt wird, sich hinzulegen, mit dem Gesicht am Boden, nur weil der „Officer“, verdammt, sich so sicherer fühlt, so entsteht sofort der Gedanke „Also Beamter, es ist mir echt egal wie du dich fühlst. du lebst auf meine Kosten, von meinen Steuern und nun verlangst Du von mir, Deinem Finanzier, dass ich vor dir auf dem Bauch kriechen muss!?“ Das heißt, den Startschuss für die Eskalation des Konflikts gibt in den meisten Fällen der Beamte.

Die Beamten heute beginnen sofort herumzukommandieren.
Die Befehle werden sofort derart lauthals geschrien, dass sie für scheinbar für alle rundum verbindlich sind, bis auf den lieben Herrgott. Vielleicht sind das die gesetzmäßigen Polizei- Dienstvorschriften, aber sie sollten in anderer Form ausgedrückt werden. Irgendwo hier beginnt der grundsätzliche Konflikt nach dem zufälligen. Alle haben keine Nerven, alle sind böse. Ein intelligenter Mensch würde mit Phrasen wie „Hey, hey, liebe Leute, wir sollten uns zunächst ein wenig beruhigen und dann sehen wir wie es weiter geht, okay?“ Das heißt, man kann einen Grad Hochanspannung herunterfahren. Stattdessen beginnt der US-Polizist, schreiend seine Befehle abzugeben, die Gegenreaktionen einfach hervorrufen müssen: „Wer bist du überhaupt?“ Die Spannung wächst, der Polizist ruft Verstärkung und weiter ist das Kommende Glückssache, er kann auch jemanden erschießen, weil die Sicherheit des Beamten vor allem vorgeht, selbst eine vermeintliche.

Die kleine verführerische Macht der Uniform, der Waffe, des mit dem Gesicht zu Boden werfen Dürfens lockt geradezu Vollidioten mit häuslichen Minderwertigkeits- Komplexen, diese hier endlich gefahrlos und sogar bezahlt ausleben zu dürfen und können.
Im Ergebnis finden sich bei der Polizei mehr und mehr solcher Typen ein. Gerade die machen die meisten Probleme. Viele sind einfach auf der Suche nach Möglichkeiten, jemanden legal zu erschießen. Sie erleben die Macht als eine die süchtig macht. Zu einem Gott in Uniform zu werden. Erinnern sie sich an den Fall, als ein Obdachloser in New Mexico getötet wurde, weil er angeblich das Messer in der Hand (im Video habe ich Messer nicht gesehen) hatte? Und ich bin mir sicher, dass er deswegen getötet wurde, weil der Schütze mittlerweile an sein AR15, die Braut des Scharfschützen, so viele irgendwelche „leistungserhöhenden“ teuren Zusatzdetails angebaut hatte, dass es mit so einem Zaubergewehr in den Armen unmöglich geworden war, jemanden n i c h t abzuknallen, nicht Gott sein zu dürfen. Arbeit muss sich doch lohnen, oder?

Die gleichen Vollidioten treten einen auf dem Bürgersteig stehenden mageren siebzigjährigen Inder zum Krüppel, der zum Besuch seines Sohnes kam, der nur nicht verstanden hatte, was das junge Großmaul in Uniform vor ihm von ihm will. Infolge dessen ist er bis zum Lebensende gelähmt. Solche Götter in Uniform beginnen aus irgendeinem Wahn einen kleinen älteren Mann an Armen und Beinen zu fesseln, weil seine Dienstnummer abgelaufen war (der Mann arbeitete auf einem Parkplatz für ein Autohaus, dort die Autos von einem auf den anderen Parkplatz umzustellen). Dort ist anfangs die Rede von einer Geldstrafe aber warum zum Teufel muss der Cop deswegen jemanden mit dem Gesicht in den Schlamm nageln? Ich habe keine Ahnung.

Ein weiterer Unterschied zu damals, 10 Jahre zuvor, ist das abgesunkene, extrem niedrige Niveau der Ausbildung und da vor allem körperlicher Ausbildung und sportlichen Trainings.
Dicke Menschen können nun mal nicht schnell und ausdauernd laufen, gar hinterherjagen, sie können nur eins ohne jedes doch nur kostbare Zeit verschwendende Training: Schießen. Das kleine Runde ins große, weiche Runde.

Es gibt zwar intelligente Gesetze, die dann aber für die Selbstverteidigung bei Gesetzverletzungen der Gesetzeshüter missbraucht benutzt werden. Es gibt ein Gesetz darüber, dass der Mitarbeiter (jeder!) nicht persönlich für Entscheidungen und Handlungen verantwortlich ist, die er bei der Ausführung von offiziellen Aufgaben getroffen und ergriffen hat. Das ist ein an sich gutes Gesetz, das den Menschen die Möglichkeit gibt, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen und keine Angst vor Klagen wegen jeder Kleinigkeit haben zu müssen. Aber als Folge trägt die US-Polizei jetzt keine persönliche Verantwortung mehr für ungewollte, tödliche Ergebnisse ihres Handelns. Die US-Polizei überschreitet Befugnisse, jemand stirbt deswegen sinnlos oder landet im Krankenhaus. Sie haben zwar eine Klage am Hals gewinnen aber doch vor Gericht, irgendwelche Entschädigung wird von der Stadt bezahlt, also durch die Steuerzahler. Ob ein Polizist nun jemanden Falschen erschießt oder nicht, ist ihm dann schließlich auch egal.

Ein letztes Beispiel: Am Flughafen Atlanta, reagierte ein Mädchen mit einem Gehirn- Tumor, fast taub und auf einem Auge blind, nicht schnell genug auf die „legitimen Forderungen des Officers“. Neben ihr war ihre Mutter, aber sie wurde weggeschoben, obwohl sie zuvor warnend erklärt hatte, dass ihre Tochter schlecht sieht und fast nichts hört. Aber in diesem Moment befiel die Beamten plötzlich das Gefühl einer Bedrohung ihres kostbaren Beamtenlebens und sie stürzten sich auf das Mädchen, pressten sie mit dem Gesicht auf den Steinboden. Mit allen Konsequenzen. Sie wurden zwar verklagt, aber das ist den sich derart bedroht gefühlt Habenden egal, weil die Schadensersatzsumme aus dem Staats-Budget bezahlt wird. Eine weitere Münze in das Hass-Sparschwein gegen die Polizei.

Die Verstärkung der Hass-Stimmungen in der Gesellschaft gegenüber der Polizei führt dazu, dass sich die Polizei und die Gesellschaft mehr und mehr voneinander entfernen.
Die Menschen beginnen sich zu freuen (nicht alle, aber ziemlich viele), wenn die Polizei zu Schaden kommt. Andererseits bekommen auch „die Bullen“ natürlich das Gefühl, dass sie „allein gegen alle“ stünden und das ist das Schlimmste. Der gemeine Bürger, der einst zu schützende, wird mehr und mehr wie ein Feind behandelt, der besiegt werden muss. Mit allen Mitteln.

Zunehmende Militarisierung: Alle Dienststellen der Polizei bekommen militärische Ausrüstung, alle bilden ihre eigenen SWAT‘s (Special Weapons and Tactics, eine Bezeichnung für taktische Spezialeinheiten). Aber eigentlich haben SWAT‘s nichts mit ihrem eigentlichen Profil zu tun. Die großen Fest- und Geiselnahmen geschehen zwar sehr selten, sind aber Vorwand deren (SWAT) Bildung und Weiterexistenz zu rechtfertigen. Infolge dessen geht der SWAT um vier Uhr morgens in Angriffs- Position, bricht die Tür im Privathaus einer einsamen Tante auf, erschießt ihren Hund, legt sie mit dem Gesicht zu Boden, schreit, legt Handschellen an und zerbricht die Möbel. Ratet mal, warum sie wohl gekommen sind? Al-Qaida zu fangen? Sicher nicht.

Sie kamen im Auftrag der Stadtkommission, um zu kontrollieren, ob das Haus an Gas und Elektrizität angeschlossen ist. Genau das. In normalen Ländern kommt der unbewaffnete Beamte, klopft höflich an und sagt: „Hello, sorry, wir müssen etwas bei ihnen überprüfen, hier ist das Urteil“. Aber hier sind vier hoch motiviert, hoch ausgebildet und hoch bewaffnete SWAT-Kämpfer, dazu sieben Normal-Polizisten in Uniform und ja, ein Gutachter. Genau auf diese Weise werden auch Landwirte überprüft, nicht wegen irgendwelcher Kapitalverbrechen, sondern ob sie mit dem Handel ihrer Produkte nicht vielleicht Regulierungen umgehen und auch vieler anderer Bagatellen wegen mehr.

Nun wirkt sie schädlich, die erwähnte Besorgnis über die „Sicherheit des Beamten“, wie sie formal definiert wird. Das bekannte Video, wo irgendwo mitten auf dem Parkplatz ein betrunkener kleiner Mann mit einem Messer in der Hand auftaucht und um ihn herum sind ein Dutzend dicker Beamter mit Waffen und Hunden. Zuerst schreien sie alle durcheinander auf ihn ein bis dann plötzlich der Erste von ihnen wahnhaft eine Bedrohung der „Sicherheit des Beamten“ erkennen zu können glaubt und sie erschießen ihn, den kleinen angetrunkenen Störer aus all ihren Läufen. Obwohl es zuvor möglich gewesen wäre, einen Hund frei auf ihn draufgehen zu lassen oder einen Gas- oder Elektroschocker zu verwenden. Sie waren doch in Überzahl, eine ganze „Legion“ und der betrunkene Mann stand nicht mal mehr richtig sicher auf seinen Beinen. Des Weiteren stellte sich jedoch gerichtsfest heraus, dass alles in den Grenzen der Dienstvorschriften geblieben war, was nichts anderes heißt, als dass die Polizei sich selbst die Regeln schrieb, schreibt, schreiben wird und genau die einhält.

Eine Frau ruft die Polizei aufgrund der Tatsache, dass ihre nicht ganz normale, psychisch auffällige Verwandte sich relativ schlecht benimmt. Beamte rücken an, ohne verstanden zu haben worum es eigentlich geht, wer wer ist, verprügeln vorsichtshalber die auffällige Frau und bringen sie ins Gefängnis. Sie schreit natürlich, dann wird den Polizisten noch klarer, dass diese Frau wahnsinnig ist, deswegen wird sie von den Kräften des ausnahmslos aus Männern bestehenden Personals entkleidet (aus Sorge um die Sicherheit der Frau und des hilflos gaffend männlichen Personals) und dabei wurden ihr Zähne herausgeschlagen. Damit sie nicht beißen könne? Alles lag in den Grenzen der „Richtlinien der Abteilung“. Die Frau wurde des Widerstands gegen die Staatsgewalt beschuldigt und irgendwelcher weiterer solcher hässlichen Verbrechen. Wieso wollte sie sich denn auch plötzlich nicht entkleiden, im Beisein der Männer, wenn doch „der Beamte es so angewiesen hatte“?

So können doch manche Leute zu denken beginnen: Wenn so was in meiner eigenen Familie passieren würde, würde ich sie ohne den geringsten Zweifel erschießen und nicht erst vor Gericht gehen. So kommen wir ein wenig schneller zur Sache, nicht wahr?

Ich könnte noch jede Menge anderer Faktoren hinzufügen, wie z. B. außergerichtliche Beschlagnahmen, aber damit genug. Die Regeln selbst, nach denen die Polizei spielt, verursachen die Konflikte. Selbsterfüllende Prophezeiungen im schlechtesten Sinn. Die scheinbar normale Besorgnis über die „Sicherheit des Beamten“ kann man unter solchen Umständen als nichts anderes denn Arroganz bezeichnen.

Einen rassistischen Faktor gibt es nicht! Die schwarzen Beamten haben die gleiche Funktion wie die weißen Kollegen: Objektiv gegen alle Störer einzuschreiten. Dass durch die Polizei überdurchschnittlich Schwarze getötet wurden, ist durch banale Kriminalstatistiken zu erklären. Die Kriminalitätsrate unter Schwarzen ist weit höher, deswegen werden sie häufiger und mit mehr Vorsicht kontrolliert. Hätten sich dagegen die Weißen schlechter benommen, dann wären es mehr Getötete unter den Weißen gewesen.

Und wieder zurück zu der Tatsache, dass 99% der Polizisten ehrliche Arbeiter sind, die zum Schutz der Menschen arbeiten. Und darin liegt das ganze Phänomen: Ganz viele gute Leute beginnen im Rahmen der bestehenden Regelung wie schlechte Menschen zu wirken, was zu Abneigung in der Gesellschaft gegen die US-Polizei geführt hat. Das kann man nicht mit einer Propaganda, „Beamte sind immer die Guten“ ändern, weil sie ja wirklich die Guten sind, die Spielregeln unserer Gesellschaften einzuhalten helfen, für Deine, meine und die öffentliche Ordnung und Sicherheit sorgsam Sorge tragen.

Die einzige Lösung ist, endlich die Gesetze zum Guten zu ändern. Das Leben des Polizisten darf nicht über dem von Bürgern stehen. Man könnte als gute Beispiele entweder die russische, britische oder die brasilianische Polizei nennen.

Übrigens, mein Kumpel, der 25 Jahre in der Polizei von Liverpool diente, sagte, dass in den meisten Fällen die Waffe (in Großbritannien sind der Polizei nicht bewaffnet) nur schaden würde. Der unbewaffnete Polizist reduziert von vornherein die Spannung der Situation bei Konflikten. Und bei größeren Problemen kann schnell bewaffnete Verstärkung kommen.

Ich bin kein Anhänger einer generellen Entwaffnung der Polizei, aber das Prinzip ist klar: Man darf die jeweils gegebenen Situationen nicht vom Schlechten zum noch Schlechteren entwickeln, Aufblähen.

Und es entwickelt sich genauso: Die US-Polizei schätzt ihre überdimensionierte Macht und Privilegien fehl ein und macht es dadurch auch für sich selbst nur schlimmer. Und da ist es nun passiert. Ob es nun privat ist oder nicht, eine Gruppe von Idioten hat beschlossen, der Polizei den Vergeltungs-Krieg zu erklären, nachdem sie solche massenhaften Videos über Großmannssucht auf der einen und verletzter Menschenwürde auf der anderen Seite anschauten, ich weiß es nicht. Aber solche Verbrechen sind bereits die Folge täglicher US-polizeilicher öffentlichkeitswirksamer schändlicher Gewaltauftritte.

Der ganze Konflikt wurde von Anfang bis Ende von der Polizei selbst erschaffen. Ich glaube nicht, dass dies die letzte Schießerei war. Es wird noch viele mehr davon geben, wenn die Bullen nicht von selbst drauf kommen, dass und was es notwendig ist, zu ändern.

Quelle: andrey-cruz.livejournal – Übersetzung aus Russischen: fit4Russland