in USA

Sapere aude! „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist eine Aufforderung, die ins Mark geht. Sie klingt simpel, und kann doch alles in Frage stellen. Sie entfaltet erst nach dem zweiten oder dritten Mal lesen ihre volle Wirkung und Tragweite.

Weshalb sollte dieses alte Zitat von Immanuel Kant heute noch Bedeutung haben? Die jüngste Erfahrung zeigt, dass Selbstinszinierer in der politischen Arena großen Zuspruch erfahren, die scheinbar einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte anbieten. Frei nach dem Motto: Je lauter und entschlossener gegen „die da oben“ gewettert wird, desto besser.

Zum anderen kristallisiert sich in der politischen Diskussion immer mehr die Bestrebung heraus, auf die Gefühlsebene zu wechseln. Zuschauer werden emotionalisiert, statt mit den besseren Sachargumenten überzeugt. Donald Trump hat diese Strategie in seinem aktuellen Wahlkampf perfektioniert. Die Terroranschläge von Paris instrumentalisiert er für seine politischen Absichten, die Waffengesetze in den USA zu lockern. Einer begeisterten Masse ruft er zu:

„Niemand hatte Waffen, und sie (die Terroristen, Anm. d. Autors) haben einfach einen nach dem anderen erschossen!“

Nach Trumps Logik wäre solch ein Anschlag in Amerika nicht denkbar gewesen, weil die Attentäter in sekundenschnelle niedergestreckt worden wären. Diese Art der Argumentation wird besonders häufig von Politikern genutzt: Es wird ein wahre Aussage getroffen (die Opfer trugen tatsächlich keine Waffen bei sich) und mit einem bildlichen Gleichnis verknüpft, das sich unausgesprochen in den Köpfen der Zuhörer bildet (Wenn die Opfer Waffen getragen hätten, wäre es nicht so weit gekommen).

Dieser rhetorische Kniff, den für sich allein stehend überflüssigen Satz „Niemand hatte Waffen“ der eigentlichen Aussage voranzustellen, erzeugt ganz automatisch ein Folgebild in den Köpfen der Zuhörer. Doch dieses Folgebild ist meistens irrational wie in unserem Fall, denn natürlich haben die Gäste aus der Konzerthalle auf dem Bataclan keine Waffen bei sich getragen, da das Mitführen von Waffen zu Konzerten glücklicherweise untersagt ist.

Selbst Donald Trump wird wissen, dass sein vorangestellter Satz keinen Mehrwert liefert und einzig und allein dazu gedacht ist, die Denkweise der Zuhörer in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken. Diese „rhetorische Finte“, die auffällig oft in Reden oder Fernsehansprachen von Politikern genutzt wird, funktioniert nur, wenn den Zuhörern nicht genügend Zeit gelassen wird, das Gesagte auf der Stelle zu verarbeiten und zu reflektieren.

Trump ist dies durchaus bewusst, denn er schiebt dem Gesagten direkt eine Forderung nach laxeren Waffengesetzen in den USA hinterher. Offenbar erreicht Trump mit dieser geschickten Beeinflussung sein Ziel: seine Zuhörer jubeln ihm zu. Es ist ihm gelungen, bei den Zuhörern das Bild „In Paris starben 132 Menschen, weil sie keine Waffen bei sich hatten, deshalb benötigen wir dringend laxere Waffengesetze in den USA“ zu etablieren. Dass die Anzahl von Todesopfern aufgrund von Schießereien vermutlich gar ansteigt, wenn mehr Waffen im Umlauf sind, scheint den Zuhörern samt Donald Trump nicht in den Sinn zu kommen. Bei ihnen hat sich das Gleichnis „In Paris gab es Tote, deshalb brauchen wir zum Schutz Waffen“ etabliert. Hat sich ein Gleichnis wie dieses erst einmal etabliert, ist es nur schwer möglich, dieses selbst mit den besseren Argumenten zu widerlegen.

Bedienen wir uns nun- wie von Immanuel Kant gefordert -unserem eigenen Verstand, so müssten wir schnell einsehen, dass diese Art von Inszenierung und Rhetorik ausschließlich darauf aus ist, gesellschaftliche Klischees zu erwecken und ein bestimmtes Meinungsbild zu etablieren.

Der Einsatz von Autoritäten

Man mag von Donald Trump halten was man möchte- als offizieller Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hat er als Redner gegenüber seiner Zuhörerschaft automatisch eine Autorität, die ihm eine gewisse Glaubwürdigkeit verschafft. Egal wie abstrakt oder verworren einige Äußerungen von Trump auch klingen mögen, aus einem rhetorischen Blickwinkel verschafft ihm allein die Tatsache, Präsidentschaftskandidat zu sein, die nötige Autorität, Gehör zu finden.

Eine Autorität, die selbst die Frage nach seinen politischen Fähigkeiten oder  inhaltlicher Sachkenntnis in den Hintergrund stellt, die aufgrund seiner Vergangenheit als Immobilien-Mogul durchaus in Frage gestellt werden könnte. Trump ist bisher nicht auf der politischen Bühne in Erscheinung getreten, weshalb sollte er plötzlich die außerordentlichen Fähigkeiten besitzen, eine Weltmacht wie Amerika zu regieren? Noch immer führt er vor Cruz und Rubio die republikanische Liste der Präsidentschaftskandidaten an.

Mit rationalen Überlegungen lässt sich nicht erklären, weshalb so viele US-Bürger ihm diese Aufgabe zutrauen. An dieser Stelle lohnt sich ein kleiner Ausflug in die Philosophie um zu verstehen, weshalb Entertainer wie Donald Trump trotz ihrem offenbaren Mangel an Sachkenntnis so viel Gehör in der Öffentlichkeit finden. Arthur Schopenhauer hat durchaus Recht, wenn er schreibt:

„Jeder will lieber glauben als urteilen. Man hat also leichtes Spiel, wenn man eine Autorität hat, die der andere akzeptiert.“

Mit seiner Inszenierung als geschäftstüchtiger Milliardär hat sich Trump also eine Autorität geschaffen, die viele Menschen anerkennen und deshalb auch seiner Argumentation folgen. Die Argumente an sich müssen nicht mehr die schlagfertigsten sein, denn ist eine Autorität erst einmal etabliert, so glauben die Zuhörer das Gesagte lieber, als es selbst noch einmal zu reflektieren. Dies ist ein selbstverstärkender Prozess- Schopenhauer betont, dass eine Aussage, die als allgemein angenommen gilt, sehr schnell zur akzeptierten Wahrheit wird.

Dies bedeutet, je mehr Menschen den Ausführungen von Trump Recht geben (auch ohne selbst darüber nachgedacht zu haben), desto wahrscheinlicher wird es, dass auch andere Menschen diese Meinungen annehmen. Denn was viele für „bare Münze“ nehmen, wird schon seine Richtigkeit haben, schreibt Schopenhauer spöttisch. Was hier am Beispiel von Trump im Kleinen skizziert wird, lässt sich einfach auf viele öffentliche Meinungsbildungsprozesse anwenden. Die unterste aller Autoritäten, wenngleich sie auch die am Häufigsten angewendete ist, wird durch den Verweis auf die allgemeine Meinung vorgegeben:

„Was vielen richtig scheint, sagen wir, ist wahr“ (Aristoteles, Nikomachische Ethik).

Doch sollte der selbstdenkende Mensch vorsichtig sein, sobald er auf den Gebrauch von Autoritäten als Argument stößt, denn diese allein bieten noch keinen Hinweis darauf, ob die eigentliche Aussage wahr oder falsch ist. Zusammenfassend lässt sich mit Schopenhauer sagen:

„Die allgemeine Meinung ist, im Ernst gesprochen, kein Beweis, ja nicht einmal ein Wahrscheinlichkeitsgrund ihrer Richtigkeit!“

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23 Kommentare

  1. Demokratische Psycho-Terroristen. Wie erschütterst Du ihr Dominanz-und Unfehlbarkeits-Gehabe?
    Welches Dominanz-Schauspiel genießt Du? Wie optimierst Du Dein Verhalten!?
    Wie könnte Dein Umgang mit den Hiwis der Globalisten – den Feinden des Deutschen Volkes sein?
    Wie könnte Dein Umgang mit Deutschen sein, die es wieder sein wollen…?
    http://www.gehirnwaesche.info/2016/01/16/gratulierst-auch-du-dem-preistr%C3%A4ger-gut-mensch-querdenker-impuls-nr-22/

  2. Trump dumm verkauft die Leute für blöd. So als ob das was ändern würde – rofl.

    So WIE Terroristen ihre Anschläge verüben, würden den Opfern Waffen überhaupt nix nützen. Wenn du aus dem Hinterhalt erschossen wird, wird es schwer mit dem zurückschießen.

    Oder wenn ein vollbsetztes Verkehrsflugzeug in genau das Hochhaus rein fliegt, wo du gerade arbeitest, oder genau der Zug in die Luft fliegt, in dem du zufällig gerade leider fährst. Volksverdummung a la USA.

    Schon schlimm genug, das die Amerikaner solchen Rattenfängern massenhaft auf den Leim gehen.

    • Wobei jetzt noch zu klären wäre, was das eine mit dem anderen zu tun hat.
      Das eine ist einer der vielen Gewalt – und Waffen verliebten Kriegstreiber der US-Republikaner.

      Das andere sind deutsche Politiker und Bürger, die die Politik genau solcher Leute wie Trump hier ausbaden müssen.
      Denn der Krieg in Syrien findet nur statt, weil die Amerikaner ihn wollten und angezettelt haben, so wie fast jeden Krieg in den letzten hundert Jahren.

      Inzwischen raten ja sogar große Finanzinvestoren (Soros) – also dieselben die uns Steuerzahler viel Geld kosten! – uns lieber mit Russland zu verbünden, weil das ein zuverlässigerer Verbündeter ist.

  3. „Mit rationalen Überlegungen lässt sich nicht erklären, weshalb so viele US-Bürger ihm diese Aufgabe zutrauen.“
    Weil es vollkommen egal ist, wer an der Spitze irgendeiner Regierung steht. Wer steht an der Spitze der BRD? Ein Pfarrer und eine Physikerin. Was sind deren Qualifikationen für diese Ämter? Warum ist eine Frau v.d. Leyen Verteidigungsministerin? Leute, es ist einfach egal! Was hat der Friedensnobelpreisträger Obama besser gemacht als George Bush d.J. oder irgendein anderer? In Guantanamo tritt die globale Schutzmacht der Demokratie weiterhin Menschenrechte mit Füßen. Drohnenkriege wurden intensiviert.

  4. Teil 2
    Die Armut ist weiterhin enorm… gut, 9 von 10 US-Amerikanern haben nun eine Krankenversicherung (die ist aber bei weitem nicht mit unserem Verständnis einer solchen zu vergleichen).
    Weiterhin geben Rüstungskonzerne in Presse- und Fernsehlandschaft die (Marsch-)Richtung an und es herrscht de facto Rassentrennung.

  5. Teil 3
    Zum Thema Waffen
    Eine waffenfreie Gesellschaft wäre etwas großartiges und mag funktionieren, wenn wirklich alle ohne Waffen sind… lassen wir mal das Gewaltmonopol des Staates beiseite. Doch diese wird seit Aufhebung der Grenzkontrollen mehr und mehr unterlaufen. Die „bösen Buben“ haben leichtes Spiel sich aufzurüsten und der brave Bürger hat maximal Pfefferspray bei sich. Der Autor bedient sich fleißig des kollektiven Tenors und hämmert auf Trump ein, wirft fleißig mit tollen Zitaten Schopenhauers um sich und bekommt sicherlich von vielen Lesern Zuspruch, aber bemüht euch mal selber um ein Paar Gedanken. Brav mit dem Kopf zu nicken ist ja so schön einfach. In diesem Sinne: Sapere aude!

    • „Eine waffenfreie Gesellschaft wäre etwas großartiges und mag funktionieren, wenn wirklich alle ohne Waffen sind…“
      und genau hier bist du der Argumentation der Waffen-Lobby auf den Leim gegangen. Das nennt man Schein-Logik, weil es im ersten Augeblick logisch klingt aber trotzdem purer Unsinn ist.

      Im Vergleich zu den USA haben wir eine fast waffenlose Gesellschaft und es hat funktioniert. Jedenfalls haben wir hier nicht alle paar Monate eine Massenerschießung in irgendeiner Schule. Die zwei Male wo es wirklich passiert ist. waren Söhne von sogg. „Sportschützen“ die ihre Waffen völlig ungesichert in einer Schlafzimmerschublade haben rumliegen lassen. Wozu braucht eine friedliche Gesellschaft Sportschützen?

      • Mit deiner Antwort entkräftigst du deine Argumente gleich selbst.
        1. Im Vergleich zu den USA.
        Damit vergleichst du eine Gesellschaft, in der es zum Bürgerrecht gehört Waffen zu besitzen, mit einer in der der einfachen Bürger eben nicht dazu berechtigt ist sondern ein berechtigtes Interesse vorweisen muss.
        2. Es >HAT< funktioniert.
        Vergangenheitsform, du sagst es. In Zeiten in denen nur an den Schengenaußengrenzen kontrolliert wird, haben die Angehörigen der organisierten Kriminalität leichtes Spiel.
        und 3. "Jedenfalls haben wir hier nicht alle paar Monate eine Massenerschießung in irgendeiner Schule."
        Also wenn das der Maßstab ist, gute Nacht!

  6. Wo ein Bodybuilder wie Schwarzenegger, ein Schaupieler wie Reagan und ein Erdnussfarmer wie Carter Präsident werden können, kann es auch ein Abzocker aus der Immobilienbranche.

    Der Autor hat Recht, dass wir keinen Respekt vor Menschen haben sollten, nur weil sie ein Amt ergattert haben.

    • Nein, natürlich nicht, warum auch ? Ganz im Gegenteil ! Viele Würdenträger und Amtspersonen bekommen die Würde und das Amt durch unlautere Mittel. Vitamin B, Gefälligkeiten, Klassenethos usw. Also scheinbar muss ich meinen Eltern heut noch dankbar sein : Alles im Anzug, Robe, Kittel, Uniform oder sonstwie geschmückt wurde mit höchster Skepsis betrachtet und wenn möglich gemieden, aber eben nicht aus Respekt sondern aus Mißtrauen ! Ich kenn das garnicht anders u. wundere mich grad über den letzten Satz von Hr. Ehlers !

  7. Meine Güte, auch der US-Präsident ist nur eine Marionette und es spielt keine Rolle wer das wird.
    Die Politik machen andere!
    Gesteuert wird diese Marionette von Leuten wie Brzezinski, Friedman, Kissinger, Albright u.Co.!
    Und wer Marionetten-Präsident wird, das wird im Bohemiam Grove entschieden und nicht an der Wahlurne.

  8. schon wieder solches Geschwafel,seit wann werden denn im US-Wahlkampf Argumente benutzt? Die übliche Muppet Show für die durch die Glotze total verblödelte Masse. Man mag vom Trump denken was man will, im Gegesatz zu seinen Gegner ist er (noch) kein Kriegsverbrecher, unter den Blinden ist ein Einäugige König. Schlechter als seine Vorgänger könnte er gar nicht regieren und übrigens, es spielt überhaupt keine Rolle welche Marionette im WH einzieht, bekanntlich haben dis Amis den besten Kongress, den man kaufen kann.

  9. in Bezug auf die Aussage zum Waffenrecht unterlief dem Autor ein klassischer Denkfehler.
    Trumps Forderung nach Liberalisierung bezieht sich auf legal erworbene Waffen zur Verteidigung gegen die Verwendung von illegalen Waffen durch Kriminelle.
    Scharfe oder liberale Waffengesetze interessieren Kriminelle nämlich nicht.
    Die jährliche Statistik ist eindeutig. In US-Bundesstaaten mit liberalsten Waffengesetzen ist die Kriminalität mit Schusswaffen-Einsatz am niedrigsten, in den Staaten mit besonders scharfen Waffengesetzen am höchsten.