in USA

Eine Einschätzung des Direktors des Russischen Instituts für strategische Studien (Riss), Generalleutnant Leonid Reschetnikow, zur Situation der NATO im Konflikt mit der Russischen Föderation.

Tricksereien der Politiker und die Geradlinigkeit der Militärs

Die Gefahr der aktuellen Situation verdeutlichte General der US-Luftwaffe David Goldfein maximal, der bei der Anhörung im Ausschuss des US-Senats für die Streitkräfte, bei der man die Frage der Einführung einer Flugverbotszone über Syrien diskutierte (wofür sich einige US-Politiker beharrlich einsetzen), der mit seiner Soldaten-Direktheit erklärte: „Da ISIS (Anm. Red.: In der Russischen Föderation verboten) keine Flugzeuge hat, bedeutet das, dass ich eine Genehmigung bekommen muss, russische und syrische Kampfflugzeuge abzuschießen“. Der Militär forderte von Politikern ihre Unterschriften um sich selbst zu schützen, damit er sich nicht irgendwann einsam und allein für seinen Befehl verantworten muss, der unweigerlich zum Krieg mit Russland führen würde.

Die Militärs erkannten eindeutig die List in den Worten der Politiker. Selbst eine Rückkehr zu der Idee, über Syrien eine Flugverbotszone einzuführen ist hervorgerufen durch Mitteilungen, dass die Luftwaffe der syrischen Regierung angeblich Krankenhäuser und Häuser der Zivilbevölkerung bombardiert.

Aber,

Erstens, die Informationen darüber stammen eindeutig von involvierten und interessierten Anti-Regierungs-Quellen.

Zweitens, das ist der Nahe Osten, wo man alle Informationen mindestens durch drei teilen muss und erst dann darauf hoffen kann, dass man zehn Prozent der Wahrheit erfahren hätte.

Und drittens ist da etwas, ein Fakt, den die Militärs aller Armeen, die in die syrischen Ereignisse involviert sind genau kennen: Im Bereich der Boden-Kämpfe in diesem Land gibt es keine „friedlichen“ Bauten und Gebäude mehr. Die Terroristen, gleichgültig gegenüber den Sorgen und Nöten der Bevölkerung bauen ihre Stellungen in den Häusern der Zivilbevölkerung, in Schulen, in Krankenhäusern und überhaupt überall dort hin, wo ihnen dies notwendig erscheint und wo sie sich dadurch hinter Menschenleben und -leibern Deckung verschaffen. Indirekte Geiselnahmen. Also ist aus der Sicht des Militärs die Position des Generals klar und eindeutig: „Ihr müsst es ausdrücklich genehmigen und dann werde ich schießen, auch auf die Russen. Aber wenn dann von denen eine militärische „Antwort“ erfolgt, dann werdet ihr die dafür Verantwortlichen sein“.

Aber aus politischer Sicht bedeuten diese Worte die endgültige Fixierung des neuen Zustandes der gesamten geopolitischen Situation.

Nämlich: Die Aufgabe der Vernichtung der militärischen Kraft der russischen (nuklearen) Großmacht steht auf der Tagesordnung. Es ist dann nicht so wichtig, ob die Politiker sich entscheiden, positiv auf die Generals Anfrage zu reagieren: Allein eine solche Fragestellung an sich bedeutet die Betrachtung eines solchen Instruments, wie das des Krieges, als „letzten Arguments“.

Wir sehen heute im amerikanischen Senat anhand dieser speziellen Anhörungen nichts anderes als die Projektion kommenden Krieges. So etwas gab es seit Anfang der 1970er Jahre nicht mehr, als zwischen der UdSSR und den USA ein Abkommen über die Vermeidung von Zwischenfällen im Meer und im Luftraum darüber unterschrieben worden war. Wenn man das ganz logisch ohne jegliche diplomatische Zweideutigkeit erklären würde, war es ein Abkommen über das Verbot der nicht offiziellen Praktiken zuvor, nämlich der Ausübung von Scheingefechten und der Jagd von Flugzeugen und Schiffen beider Länder gegeneinander, um nicht zur Gefahr eines globalen Konflikts zu führen.

Eine falsche Bewegung, und…

Über dasselbe, über das Bewusstsein eines globalen Krieges als nächster Schritt der zwischen Russland und dem Westen entfalteten Polemik redet Analyst Kyle Mizokami in der Ausgabe von The Week. Der tiefere Sinn seines Artikels ist ein Satz mit verschiedenen Beweisversuchen dafür, dass „Moskau eine fulminante Niederlage der NATO herbeiführen und die baltischen Staaten im Laufe von wenigen Tagen besetzen könne“ und nur 11 baltischen Bataillone sich den 46 russischen die in der Nähe sind nicht zu widersetzen vermögen. Hieraus folgt, sagt der Analyst, es sei unerlässlich, die baltischen Verbündeten mit „indigenen“ Truppen der NATO zu unterstützen, was bedeuten würde, dass „der Konflikt zu einem regelrechten Atomkrieg führen kann“.

Wenn wir uns daran erinnern, dass im Baltikum bereits groß angelegte NATO-Übungen laufen, bei denen, nebenbei bemerkt, ein reiner Vorkrieg mit aggressiven Elementen durchgespielt wird, wie etwa dem Legen von Sprengvorrichtungen in Häfen der zugewiesenen Feinde, dann geht diese Argumentation aus dem theoretischen Bereich über in den rein praktischen. In diese praktizierte Art von Übungen an der Grenze des wahrscheinlichen Gegners…

Eine falsche Bewegung und…

Wie sagte der Experte für Marine-Angelegenheiten, der militärische Chef-Berater des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation, Admiral Ivan Vasiliev:

„Das Meer ist, im Gegensatz zum Gelände, wo es zwischen den Ländern Grenzen gibt, die Zone der unmittelbaren Berührung mit dem wahrscheinlichen Gegner. Buchstäblichin Sichtweite. Deshalb wird das Auftreten von Konfliktsituation hier immer wahrscheinlicher und vor allem gefährlicher sein, direkt in die „heiße Phase“ überzugehen.“
Die Beobachter weisen darauf hin, dass alle Aktivitätender NATO in den baltischen Staaten in das Schema passen, das in einem vor kurzem erschienenen Bericht des bekannten amerikanischen Zentrums für strategische Forschungen RAND vorgelegt wurde. Die Autoren des Berichts unter dem Titel „Stärkung der Abschreckung an den östlichen Grenzen der NATO“ David A. Shlapak und Michael Johnson schlagen insbesondere vor „für die sichere Eindämmung einer russischen Aggression“ in Osteuropa zusätzlich sieben Land-Brigaden zu platzieren, darunter drei schwere Panzerbrigaden, die Unterstützung aus der Luft brauchen und eine Reihe von anderen militärischen Maßnahmen.

Sehr provokant, gemäß politischen Wissenschaftlern, war das Brief-Leck aus den „Tiefen“ des US-Außenministeriums darüber, dass 50 Diplomaten Präsident Barack Obama aufriefen, die Regierungstruppen in Syrien zu zerschlagen.

Erfolgloser Druck

Er kann mit einem Begriff aus dem Schachspiel bezeichnen werden, dem „Zugzwang“: So nennt man die Position, in der jeglicher Zug eines Spielers unabwendbar zu einer Verschlechterung seiner Position führt. In genau dieser Lage befindet sich die amerikanische Politik in Syrien. Der genannte Brief der Mitarbeiter des State-Departments ist ein vorsätzlich organisiertes Informations-Leck, um noch mehr Druck auf Russland auszuüben. Denn in Syrien fällt es den Amerikanern zunehmend schwerer, ihre Interessen umzusetzen und sie müssen etwas dagegen tun. Da sie ihre unglückliche Situation nicht gern eingestehen wollen, versuchen sie zu zeigen, dass sie bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen. Das heißt, sie versuchen Russland einzuschüchtern (und damit zu stoppen).

Dafür spricht auch eine andere nicht unwichtige Äußerung: Diesmal vom obersten amerikanischen Diplomaten, dem Leiter des Department of State John Kerry: „Russland muss verstehen, dass unsere Geduld nicht unendlich ist. Eigentlich ist sie inzwischen sehr begrenzt in Bezug darauf, ob Assad zur Verantwortung gezogen wird oder nicht“, sagte der US-Außenminister. Und John Kirby erhärtete die offiziellen Erklärungen in dieser Art: „Wir treten nicht mit leeren Drohungen auf. Es war zutiefst ernst gemeint“.

Auch das ein Versuch, Druckauf Russland auszuüben. Viel stärker als zuvor, aber mit dem gleichen Zweck, dass Russland seine Aktivitäten reduziert oder gar beendet. Ich denke aber, dass es sehr schwierig würde, dies zu erreichen.

Offenes Ultimatum der Europäer

In der gleichen Zeit werden echte Schläge auf Russland ausgeteilt. Wenn auch, Gott sei Dank, in nicht militärischer Richtung, aber das sind genau solche Schläge:

  • auf den Sport durch hysterische Anti-Doping Kampagnen
  • auf russische Vermögenswerte im Ausland, wie es die jüngste Kampagne im Namen von Aktionären von Yukos zeigte
  • per regelmäßiger sogenannter „Offshore“ Skandale und
    auf die nationale Reputation, als die nicht edelsten Auftritte russischer Fußball-Fans im Ausland sehr einseitig parteiisch gezeigt wurden.
  • Der Druck erfolgt nicht nur im Rahmen der „Syrien“ Gesamtproblematik, sondern auf den gesamten russischen Außenbereich, vor allem auf Russlands europäische Grenzen. Der Druck wird auf nahezu allen Gebieten ausgeübt.

Darüber hinaus verbreitete sich unter den Politikwissenschaftlern die Auffassung, dass die angeblich wohlwollende Aussage des Ex-Präsidenten Frankreichs Nicolas Sarkozy, in der er Russland als einem wahrhaft starken Land vorschlagen hatte, als Erster einen Schritt in Richtung Europa zu machen und seine Kontra-Sanktionen zurückzunehmen eigentlich ein Versuch ist, seine „Bedingungen des Friedens“ zu diktieren. Sarkozy kam auch nicht von selbst, er kam mit einer Botschaft Dritter, die eigentlich nicht freundlich nett konstruktiver Vorschlag zur Güte, sondern offenes Ultimatum ist.

Das ist keine abstrakte Argumentation über irgendwelche Menschenrechte oder Demokratie, das ist eine ganz pragmatische Formulierung dessen, was die europäischen Länder von Russland an resignierendem Einknicken erwarten. Ihre Position ist sehr deutlich formuliert: Eine Diskussion über die Aufhebung der Sanktionen wäre nur möglich, nachdem Russland die seinen aufgehoben hätte. Andernfalls drohte der Chef der europäischen Kommission Jean-Claude Juncker, die Sanktionen beizubehalten und umriss deutlich die Wahrscheinlichkeit, sie sogar weiter zu verschärfen.

Beliebtes Chaos-Management

Durch die Beurteilung im Kontext dessen, was derzeit Beobachtbares in der Welt geschieht, sollte man sich auf eine neue Welle der Verschlechterung der Beziehungen des Westens mit Russland vorbereiten. Anfangs wurden gegen Russland Sanktionen verhängt, dann wurde es aus verschiedenen internationalen Organisationen vertrieben, anschließend wurde ein starker Druck in vielen weitere Richtungen aufgebaut.

Aber dann stellte sich heraus und wird täglich immer offensichtlicher, dass es keine der gewünschten Ergebnisse russischer Kapitulation und Zusammenbruches gibt, sondern das genaue Gegenteil:

Eine zweckmäßige Anpassung, erfolgreiche Gegenmaßnahmen, geschickte Neuorientierung und eine irreversible, gewinnbringende Ausrichtung Russlands hin nach Asien. Nicht Ersatz, sondern Neuordnung. Deswegen die derzeitige Hysterie im Westen! Aufgrund der Tatsache, dass alle bisherigen Versuche politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Druckaufbaus keine gewünschte Wirkung ergaben! Der Westen plant, droht mit und realisiert die Verlängerung der Sanktionen, aber Russland bleibt ruhig. Daraus resultiert die Wut und die Suche nach neuen Mitteln der Druckausübung (Anm. d. Übers.: reibt sich das Schwein furchteinflößend an der Eiche).

Aber im Großen und Ganzen ist von all den gewaltigen Drohungen und Sanktionen nicht viel geblieben, zumindest vom üblichen, nichtmilitärischen Arsenal. Was bleibt also über? Einzig, laut und tapfer auf der eigenen Brust zu trommeln, einschüchterndes Siegesgeschrei auszustoßen und einen Knüppel zu schwingen. In der Luft. Nichts Anderes ist übrig, als zu versuchen, Russland per militärischer Machtdemonstration als vorletztem Mittel zu disziplinieren.

Was für Ergebnis sehen wir? Symptome und Reflexion wachsenden geopolitischen Konfliktes. In der Tat, eines Krieges. Noch vorerst eine nur schwelende, aber es ist eine Kriegs-Projektion auf die ganze noch friedliche, aber schon ziemlich raue Oberfläche der globalen Geopolitik. Vor allem gemäß der von den US-Analysten heiß geliebten Chaos-Management, derzufolge auch alle nicht miteinander verbundenen Ereignisse im Endeffekt Glieder einer Kette seien.

In der Welt entsteht eine höchst gefährliche Situation. Es könnte zu bewaffneten Zusammenstößen kommen. Und auf die muss man vorbereitet sein, will man keine unliebsamen Überraschungen erleiden statt sie zu erleben und zu überleben.

Quelle: www.riss.ru – Übersetzung: fit4Russland

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Kreml Propaganda.
    Aber reden wir doch mal über die Ermordung des kritischen Journalisten Pawel Scheremet.
    Oder über die Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja. Oder über die Ermordung von Alexander Walterowitsch Litwinenko. Oder über die Ermordung von Boris Nemzow. Oder über die Besetzung der Krim. Oder über die Zerstörung der Ostukraine. Oder über die massive Propaganda. Oder über Cyberangriffe. Oder über Einschüchterungen von russischen Geschäftsleuten, die nicht zum Putin-Club gehören. Oder über kriminelle, gewaltätige russische Schlägertrupps in Frankreich.
    …..