in Politik

Im Dezember 2012 wurde der NBC-Journalist Richard Engel und sein Team in Syrien entführt – mitten im Bürgerkrieg. Eine Bewaffnung der sogenannten „Freien Syrischen Armee“ durch die USA wurde damals zwar diskutiert, wohl aber noch nicht praktiziert. Für die ‚Rebellen‘ stand also viel auf dem Spiel. Zwei Jahre lang wurde mit großem Medienaufgebot behauptet die Entführer seien Assad-treue Truppen gewesen die amerikanischen Staatsbürger wären von FSA-Kämpfern befreit worden. Nun kam heraus, dass die Entführung inszeniert wurde und die Befreier und Entführer auf der selben Seite kämpften. Die NBC hatte – mehreren Quellen zufolge – davon wohl gewusst, die Information aber bewusst zurückgehalten. Eine Tragödie mit Tragweite.

Am 13. Dezember 2012 ist der Bürgerkrieg in Syrien noch voll im Gange. Von Luftschlägen war noch nicht die Rede. Jedoch wurde bereits heftig diskutiert wie die Opposition in Syrien unterstützt werden könnte. John Kerry, der damalige Vorsitzende im Ausschuss für Außenpolitik, forderte offen eine Hilfe der USA für die Rebellen, um einen Regimewechsel in Syrien herbeizuführen. Der demokratische Senator Joe Lieberman sprach sich für die möglichst umfassende Unterstützung der „Freien Syrischen Armee“ aus. Die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton wünschte sich, dass die Bemühungen zur Unterstützung der Opposition in Syrien verdoppelt werden. US-Präsident Barack Obama hatte eine geheime Unterstützung der syrischen Rebellen autorisiert.[1]

Damals überquerte auch der US-Amerikanische Journalist Richard Engel und sein vierköpfiges Team die türkisch-syrische Grenze um aus dem Bürgerkriegsgebiet zu berichten. Laut eigenen Angaben waren sie in Begleitung von syrischen Rebellen und auch hier Aufenthaltsgebiet war unter Kontrolle der sog. FSA. Am 13. Dezember dann sprangen 15 schwer Bewaffnete Männer aus den Büschen und entführten die Journalisten und Rebellen in einem bereitstehenden Truck. Auf der Fahrt wie auch während der fünftägigen Entführung wurden den Journalisten die Augen verbunden.[2]

Die Journalisten wurden mehrfach bedroht und unter Androhung von Gewalt dazu aufgefordert ein Video zu drehen, in dem sie das Ende der westlichen Einmischung in Syrien fordern mussten. An den Wänden hinter den Entführungsopfern waren pro-Assad-Slogans gesprüht. Die Entführer machten aus ihrer Unterstützung für den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad keinen Hehl und den entführten Journalisten wurde erklärt, dass sie gekidnappt worden seien, um den Austausch mit sechs Gefangenen der Rebellen zu erzwingen.[3]

Später wurden sie mit einem Minivan weitergefahren, da das Safe House wohl nicht mehr sicher war um die Journalisten als Gefangene aufzubewahren. Während der Fahrt kamen sie zu einem Kontrollpunkt der Ahrar al-Sham Brigade, einer Rebellengruppe. Die Entführer begannen aus dem Minivan heraus zu schießen und zwei von ihnen wurden getötet, unter ihnen der Kopf des Entführungsteams. Den Rebellen gelang die Befreiung der Journalisten .[4] In den Tagen nach seiner Befreiung behauptete Engel, seine Kidnapper wären Angehörige der regierungstreuen Shabiha-Miliz gewesen.[5]

Nun gab es eine radikale Wende in dem Fall von 2012.  Die New York Times kontaktierte Engel und informierte ihn, dass ihren Journalisten Hinweise vorliegen würden, dass die Entführer nicht die gewesen sind die sie vorgegeben haben zu sein. „Daraufhin recherchierte Engel selber und veröffentlichte eine neue Darstellung der Ereignisse. Engel erklärt, die Entführer hätten ihnen gesagt, sie seien Schiiten der Shabiba-Miliz und unterstützten Assad. Sie sprachen mit einem entsprechenden Akzent, spielten schiitische Lieder von ihren Handys und servierten sogar den Kaffee in Tassen, die mit schiitischen Symbolen verziert waren. In Wirklichkeit waren die Entführer aber eine sunnitische Verbrecherbande mit wechselnden Allianzen. Zudem hatten sie eine Verbindung zu den Befreiern der Entführungsopfer. Engel schließt seine aktuelle Darstellung der Entführung: „Es ist uns nicht gelungen, eine definitive Darstellung des Geschehens in dieser Nacht (der Befreiung) zu erhalten. Aber allen Berichten zufolge ist es klar, dass wir von einer Verbrecherbande für Geld entführt worden und aus Propaganda-Zwecken befreit worden sind.““ so „Hintergrund„. Es steht nun also fest, dass die Entführer und Befreier unter einer Decke steckten und die ganze Entführung zwar stattfand, in ihrer Darstellung und den propagierten Motiven jedoch völlig inszeniert war. Befreier und Entführer kämpften offenbar beide gegen Assad.[6]

Nun wäre das ja nicht so schlimm, hätten die Journalisten diesen Zusammenhang einfach nicht erkannt oder wären der Täuschung obliegen. So einfach ist es jedoch nicht. Damals, im Dezember 2012, wurde bei der Untersuchung der persönlichen Gegenstände von Richard Engel ein Notsignal ausgelöst, das der NBC ermöglichte das Safe House in Syrien aufzuspüren. Die Koordinaten waren von nun an ziemlich exakt bekannt. NBC wusste ab diesem Zeitpunkt auch, dass dieser Ort von der Rebellen-Gruppe um Ezzo Qussab kontrolliert wurde. NBC schickte einen Araber, der an dem Safe House vorbeifuhr und die Gegend erkundete, wie mehrere Quellen der New York Times berichteten. Ein weiterer Rebellenführer, der bei der Suche half, erklärte in einem Interview, dass Qussab die Entführung der Journalisten zugegeben habe, so die New York Times. Die Zeitung präzisiert zudem, dass die Entführer nicht nur eine kriminelle Bande waren, die öffentlich auch mit regierungsfeindlichen Rebellen kooperierte, sondern sie waren auch an die „Freien Syrischen Armee“ angegliedert.[7]

Mehrere Rebellen, die über ein detailliertes Wissen der Entführung verfügen, haben der Zeitung gegenüber bestätigt, dass die Befreiung inszeniert wurde, als klar geworden war, dass die Entführung die Bemühungen um eine militärische Unterstützung der USA gefährden würde. Abu Hassan, der bei den Bemühungen beteiligt war, die Journalisten zu befreien, berichtet, die Kidnapper hätten realisiert, dass alle anderen Rebellen in der Region an der Befreiung arbeiten würden und sich daher entschieden, die Befreiung zu inszenieren und die Schuld dem syrischen Präsidenten in die Schuhe zu schieben.[8]

Der NBC war also durchaus bekannt, dass eigentlich Rebellengruppen hinter der Entführung standen und die ganze Aktion ein geopolitisches Manöver war um westliche Unterstützung zu bekommen. Denn gerade in den USA erfuhr der Fall große Aufmerksamkeit. Engel war nach seiner Befreiung in vielen Talkshows um von seiner Entführung und der generellen – heroisch anmutenden – Lage der Freien Syrischen Armee zu berichten. Diese Falschdarstellung lies die Zeitung wissentlich so stehen.

Der ganze Fall offenbart seine Tragweite erst in diesen Tagen. Sollten sich die Recherchen der NYT bestätigen, ist klar, dass die NBC hier bewusst die Rolle eines Propagandisten eingenommen hat, der – zugunsten der FSA – so eine Bewaffnung beschleunigte.

Literatur

Quellen

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Kommentar

  1. Die Propaganda für FSA/Alkaida
    war umfassend .
    In den MSM waren täglich Berichte ,
    die keinen anderen Zweck hatten als den Krieg gegen Syrien in Gang zu bringen .
    In Bilderbergerblättern wie „der Standard“
    bekam , bei üblicherweise strenger Zensur der postings , die Postergruppe um „go free Syria“ freie Bahn um für den Krieg gegen Syrien Kriegshetze zu verbreiten .