in Politik

Der Rubel rollt – jedoch weit nach unten. Die russische Währung ist auf Talfahrt und die Wirtschaft ist stark angeschlagen. Doch das ist nicht nur ein Ergebnis des Sanktionskrieges zwischen dem „Westen“ und Russland, sondern ein Symptom eines weitreichenden und unbemerkten Ölkrieges. Die Auswirkungen, Methoden und die (fehlende) mediale Beachtung sind einmalig.

Russlands Ölpreisabhängigkeit

Öl und Gas im Wert von 350 Milliarden US-Dollar exportierte die russische Förderation im Jahr 2013. Davon 174 Milliarden US-Dollar an reinem Rohöl. Diese Produktion ist das wichtigste Standbein der russischen Wirtschaft. Rechnet man dazu noch die Rohölprodukte im Wert von 109 Milliarden US-Dollar ist man bereits bei 54% der russischen Exportleistung. Dazu kommt jedoch eine hübsche freiwillige Regelung vorwiegend westlicher Staaten, dass der Gaspreis ebenfalls an den Ölpreis gebunden ist. Addiert man diese Verknüpfungen wird einem schnell klar, dass von einem einzigen Chart 68% der russischen Exporte abhängen. Das heißt ca. 15% der Wirtschaftsleistung besteht aus Öl- bzw. Gasexport.

Politisch motiviert

Betrachtet man nun diesen enorm wichtigen Kursverlauf dürfte einem einiges auffallen. Seit Juli 2014 geht der Rohölpreis auf Talfahrt. Und erreichte ein neues 2-Jahres Tief. Das müsste jedem erst einmal komisch vorkommen. Der sogenannte „Islamische Staat“ überrennt wichtige Öl-Exporteure und übernimmt deren Förderstätten, Der Fracking-Boom in den USA geht zurück und schließlich wird es in den Hauptverbraucherländern Winter. Wie kommt also dieser Verfall? Und ist er vielleicht politisch motiviert?

Die USA verhandelten über Monate mit Saudi-Arabien, bevor sie im September Syrien bombardierten. Das sunnitische Saudi-Arabien unterstützte die US-Angriffe gegen den ebenfalls sunnitischen Islamischen Staat (IS). Denn es bleibt eine Priorität der Saudis, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aus dem Amt zu entfernen. Im Rahmen dieser Verhandlungen erreichte Saudi-Arabien außerdem die Zusicherung der USA, die Ausbildung von Kämpfern gegen Assad zu verstärken, berichtete das Wall Street Journal. Die strategische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA scheint wieder intakt zu sein. Vor einem Jahr war Saudi-Arabiens König Abdullah noch wütend darüber gewesen, dass die USA damals einen Rückzieher machten und Syrien nach wochenlangen Drohungen dann doch nicht bombardierten.

Wäre es also möglich dass der größte Erdölexporteur – in Zusammenarbeit mit den USA – den Ölpreis absichtlich drückt? „Saudi-Arabien wird den Ölpreis drücken, um politischen Druck auf den Iran und Russland auszuüben“, so zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Präsidenten des Zentrums für Saudi-arabische Ölpolitik und Strategische Aussichten, Rashid Abanmy zuletzt. Um Russlands Einstellung zu Syrien zu verändern, wird Saudi-Arabien in Asien und Nordamerika Öl zu einem Preis von 50 bis 60 Dollar pro Barrel verkaufen, so Abanmy. Auch der massive Rückgang des Ölpreises in den vergangenen drei Monaten sei durch Saudi-Arabien verursacht worden. Am Freitag sagte Saudi-Arabien, dass es seine Öl-Produktion im September um 107.000 Barrel auf 9,7 Millionen Barrel erhöht hat, berichtet das Wall Street Journal. Die Produktion der zwölf OPEC-Staaten insgesamt erhöhte sich im September auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Der Ölpreis scheint den USA sowie Saudi-Arabien wieder ein gemeinsames Ziel gegeben zu haben. Zumindest decken sich beide Interessen wieder. Saudi Arabien hat also die Öl-Produktion massiv ausgeweitet und damit dem Drängen der USA nachgegeben, bzw. eigene Interessen entdeckt. Deswegen ist der Ölpreis seit Anfang Juni dieses Jahres um 20 Prozent gesunken. Mit dieser Maßnahme soll vor allem Russland geschadet werden, das vor allem durch Export von Öl und Gas Geld verdient. Ein Zusammenhang, den westliche Leitmedien nicht erkennen können – so scheint es.

QUELLEN:

Anadolu, Saudi-Arabien will Ölpreis senken: http://www.aa.com.tr/en/economy/402343–saudi-arabia-to-pressure-russia-iran-with-price-of-oil
Aariva, Ölpreis Entwicklung: http://www.ariva.de/oelpreis-brent_crude-kurs/chart?boerse_id=126&t=year
Zeit, Russlands Exportabhängigkeit: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-07/export-gas-erdoel-russland
Zeit, „Russlands Wirtschaftswachstum bricht ein“: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-08/russland-wirtschaftswachstum-ukraine-krise
Focus, „warum der Gaspreis vom Ölpreis abhängt“: http://www.focus.de/finanzen/boerse/tid-10918/energie-warum-gas-am-oelpreis-haengt_aid_314305.html
Die Presse, Saudi-Arabien produziert 2014 deutlich mehr: http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/3884646/Lost-USA-Preiskrieg-mit-der-Opec-aus/index.do

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14 Kommentare

  1. Das Spielchen mit dem Ölpreis, kennt man ja schon seit dem Zerfall der Sowjetunion, das war einer der Hauptgründe für den Zerfall, als die USA damals die Saudis überredet haben den Markt mit Öl zu überfluten um den Preis zu drücken.
    Was ich nicht verstehe, die Amerikaner schneiden doch ins eigene Fleisch, wenn die an dieser Aktion mitmachen, den deren Frackinggas ist sehr teuer in der Förderung, die würden doch nur Verluste machen, wenn der Ölpreis sinkt.

    • Die USA benötigen keine Haushaltkontrolle, wichtig ist denen, dass alle in Abhängigkeit vom Öldollar bleiben. Und sie haben die Lizenz zum Geld drucken und können damit grenzenlos den Markt fluten, solange der Dollar die de facto Leitwährung bleibt. China sitzt wohl inzwischen auf 3,5 Billionen ausgegebenen Kredit-Dollars, die bekommt es doch nie wieder rein, auch Russland hat inzwischen einen Dollar-Überschuss von wohl 150 Milliarden. Verliert der Dollar weltweit seine Glaubwürdigkeit und damit den Status einer Weltleitwährung bricht das ganze US-amerikanische System wie ein Kartenhaus zusammen.

  2. Russland kennt das Spiel und systematisch arbeitet man deshalb im engen und erweiterten Kreis der BRICS-Staaten an einer Loslösung der eigenen Wirtschaft vom Petrodollar. Kein Wunder, dass man diesen Staaten jede Krise herbeireden möchte (neuester Goldman Sachs Report) und alles tut um Diese zu destabilisieren. Da sind doch die Unruhen in Hongkong kein Zufall! Auch Venezuela und Brasiien kommen deshalb einfach nicht zur Ruhe. Es wird aber die Entschlossenheit der BRICS-Staaten erhöhen, den Weg weg vom Dollar konsequent weiterzugehen. Und die Bindungen zwischen Russland und China werden noch enger, das wird ein mächtiger wirtschaftlicher und militärischer Gegenspieler.

    • unruhen in hongkong? da gehts um wahlen und die einflussnahme von china auf hong kong.
      es geht darum die freiheit vor der chinesischen diktatur zu bewahren in hong kong
      das sind keine wirtschaftsunruhen.

      • Die “Occupy Central”-Führer wurden am Jahresanfang in den USA vorstellig, sie genießen die aktive Unterstützung von NGOs die der US-Regierung nahe stehen, so dem National Endowment for Democracy (NED), sowie die NED-Tochter National Democratic Institute (NDI).Das Zentrum für Vergleichendes und Öffentliches Recht (CCPL) an der University of Hong Kong wird vom NDI gefördert. Der „Occupy Centrals”-Führer, Benny Tai arbeitet eng mit dem CCPL zusammen, war dort sogar zwei Jahre Vorstandsmitglied. Und wenn Du Dir die Mühe machst, wirst Du noch viel mehr Verbindungen entdecken. Deshalb: Nö, dort geht es keinesfalls um Demokratie, sowenig wie in Libyen, Syrien…

        • na und? was hat das damit zu tun das du die unruhen von hong kong als wirtschaftsunruhen bezeichnest und damit völlig falsch liegst?
          deine unterstellungen sind nur haltlose vermutungen für den internetstammtisch.

          • Sorry, aber das Wort „WIRTSCHAFTSunruhen“ hast nur Du erwähnt. Da keimt in mir der Verdacht, dass Du gar nicht an einer wirklich sachlichen Diskussion interessiert bist…

  3. Es ist ein doppeltes Spiel, als man merkte, daß der „Krieg gegen den Terror“ durchsichtig wurde, erinnerte man sich, daß man Rußland wieder als „bösen Feind“ aufbauen konnte. Der Ölpreis wurde vervierfacht, um Rußland als Staat wieder erstarken zu lassen – bis 2004 hatte man das Land ausgeplündert. Seit dem wurde es wieder als „Machtzentrum“ und böser, böser Feind etabliert. Das ist aber nur ein Fake, da auch Rußland eine private Rothschild-Zentralbank hat, die den gleichen Leuten, wie die in den USA gehört. Es ist ein Spiel was gespielt wird, so wurden früher die Kriege organisiert, indem man beide Seiten steuerte.

  4. In einem vernetzten Wirtschaftssystem haben solche Maßnahmen nicht nur eine Auswirkung.

    Senken usa und Saudi-Arabien den Ölpreis, sinkt die Nachfrage nach Dollar, da das Öl in Dollar gehandelt wird.

    Sinkt aber der Dollarkurs, steigen die Preise für die usa beim Einkauf in China, was bei dem Außenhandelsdefizit ausgesprochen ungünstig für die Staatsfinanzen der usa sein dürfte. Für die dortigen Bürger sinkt also der Lebensstandart noch weiter.

    Die Frage ist, wer das Spiel länger aushält. Rußland und China können das Spiel noch anheizen, indem sie ihre Dollarreserven auf den Markt werfen. Dann tanzt auf den Devisenmärkten der Bär.

    Für mich sieht das wie eine Verzweiflungsaktion mit Bumeranggefahr aus.

  5. Ped 43z – Aber Sie hätten (haben) ja noch ihre Atomwaffen und davon ca. 1800 bei uns in über 270 Stützpunkten eingelagert !
    Deswegen benötigen Sie ja auch den Schutzschirm bis direkt vor die russ. Grenzen. Das es die Atomwaffen gibt, ist das große Glück für die Amis, denn normale
    Kriege und wenn der Gegner noch so klein und schwach ist, können sie ja nicht gewinnen und den Atomkrieg können sie nicht riskieren, es sei denn man schmeißt sozusagen die Jubiläumsbombe nach 70Jahren Japanverbrechen irgendwie ab…

    Erich Richter

    • Also, ich bin Keiner, der so eine Theorie gleich in Bausch und Bogen verdammt. Sicherheitshalber sollten wir aber lieber erstmal davon ausgehen, dass es die Atomwaffen gibt! Die US-Administration plant bis zum Jahr 2029 übrigens den massiven Ausbau ihrer Nuklearmacht mit dem Budget von 1 Billion $.