in Politik

Das Deutsche Wirtschaftswunder ging in die Weltgeschichte ein. Grundlage dieser Wunders: Das Konzept Soziale Marktwirtschaft. Aus Flüchtlingen, Vertriebenen und Spätheimkehrern, aus Menschen, die Karl Marx noch als Proletarier bezeichnet hätte, wurden anerkannte Bürger in der Mitte unserer Gesellschaft. Allein von 1950 bis 1962 stiegen in der alten Bundesrepublik Deutschland die durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 2911 DM auf 7285 DM.

Ganz anders – die Realität 2012: Weltweite Kriegsgefahr. Angst vor Zusammenbruch des Dollar- und Euroraums. Zunehmende Verarmung der arbeitenden Bevölkerung im gesamten EU-Raum. Was ist passiert?

I. Ein Blick zurück

Um den Verfall der Sozialen Marktwirtschaft zu verstehen, werfen wir einen kurzen Blick in die Vergangenheit.

20. Juni 1948: In den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands wird die Deutsche Mark (DM) eingeführt. Der auf Vorschlag der FDP zum ‚Direktor der Verwaltung für Wirtschaft’ ernannte Ludwig Erhard gibt noch am Tag der Einführung der Deutschen Mark (DM) die Preise frei. In den einschlägigen Quellen aus der damaligen Zeit wird von einem anschließenden Gespräch zwischen dem amerikanischen Militärgouverneur General Clay und Erhard berichtet. Clay soll Erhard vorgeworfen haben, seine Vorschriften abgewandelt zu haben. Erhard soll darauf geantwortet haben, er habe die Vorschriften nicht abgewandelt, er habe sie abgeschafft.

21.Juni 1948: Bereits einen Tag nach Einführung der Deutschen Mark sind die Schaufenster wieder gefüllt. Die Menschen haben Vertrauen in die neue Währung und bieten ihre (bis dato gut versteckten) Waren zum Kauf an. Dieses Ereignis kennen wir heute als Das Schaufensterwunder!

29. August 1948 : Wirtschaftsminister Erhard auf dem CDU-Parteitag in Oberhausen: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir die schweren Probleme, vor denen wir stehen, .. lösen können, wenn es uns gelingt, mit der Marktwirtschaft nicht etwa nur einzelne Schichten zu begünstigen, sondern der Masse unseres Volkes durch höchste Anstrengung und immer mehr gesteigerte Leistung einen würdigen Lebensstandard zu sichern und diesen fortlaufend zu bessern.“

16.Juni 2005: Die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 60-jährigen Bestehen der CDU zu ihren Parteifreunden: „… wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und Soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“

II. Das Konzept Soziale Marktwirtschaft

Nur wenige Menschen verstehen das einfache und geniale Konzept unseres ersten Wirtschaftsministers, Professor Ludwig Erhard.

Es müssen zunächst vier Bedingungen erfüllt werden:

1. Freie Preisbildung
2. Freie Arbeitsplatzwahl
3. Stabile Währung
4. Wirksame Bekämpfung von Kartellierung, Korruption und Lobbyismus

Was einfach aussieht, ist tatsächlich einfach – leider nur theoretisch!

III. Ziel der Sozialen Marktwirtschaft

Ludwig Erhard 1972: „Mir wurde seinerzeit immer wieder gesagt, meine Aufgabe wäre es, die Not und die Armut gerecht zu verwalten. Meine Antwort darauf war stets, den Teufel werde ich tun, ich werde Not und Armut nicht verwalten, sondern ich werde alles tun, um sie zu überwinden.“

Das Erhardsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft soll die Armut bekämpfen.Der Ausgleich von Angebot und Nachfrage erfolgt über den Konsum. Der Leistungsanreiz ist somit gewaltig. Die Spätfolgen dieser einseitigen Konzeption sind leider verhängnisvoll.

 

 

IV. Die Störfaktoren in der Sozialen Marktwirtschaft

Das auf Armutsbekämpfung ausgerichtete Konzept Soziale Marktwirtschaft war so erfolgreich, dass man von einem Wirtschaftswunder sprach. Die Schwachpunkte des Konzeptes zeigten sich erst später in diversen Störfaktoren:

Störfaktor 1:

Leistungszwang

Das „Soziale“ an der Sozialen Marktwirtschaft liegt an der leistungsgerechten Entlohnung von Unternehmern und (!) Arbeitnehmern. Dies stachelt alle Beteiligten zu Höchstleistungen an. Man nennt das Leistungszwang! Dazu Ludwig Erhard: „Der Kampf gegen die Leistungsgesellschaft ist der Kampf der Trägen und Untüchtigen, denen die Leistung einfach zu unbequem ist, und die darum deren Unschicklichkeit erklären.“

Insbesondere die so genannte 68-iger-Generation lehnte diesen Leistungszwang zunehmend ab.

Störfaktor 2:

Konsumterror

„Der Zustand einer in Permanenz ausgelasteten Wirtschaft, die zugleich auch die Wachstumskräfte lebendig halten und im Fortschritt bleiben will, setzt allerdings eine dynamische und im Grunde konsumfreudige Bevölkerung voraus.“ – Zitat aus Wohlstand Für Alle von Ludwig Erhard.

Erhard war das Problem bewußt: Gesättigte Nachfrage führt im besten Fall zum Exportboom und anschließend unweigerlich zu Konjunkturstörungen. Zusätzlich wird das einzelne Unternehmen zu massiven Einsatz von Marketing und Werbung regelrecht gezwungen. Jeder kämpft um seinen Anteil in gesättigten Marktsegmenten – also um seine Existenz!

Mit Beginn der Siebziger-Jahre sahen immer mehr Menschen keinen Sinn darin, immer mehr Dinge zu konsumieren, die Ihnen die Werbung aufschwatzte.  Der Begriff  „Konsumterror“ war geboren.

Störfaktor 3:

Sinnkrise: Die Achillesferse der Sozialen Marktwirtschaft

Erhard kannte auch dieses Problem seines Konzeptes: „Die Wirtschaft ist vielleicht das Primitivste, aber sie ist auch das Unentbehrlichste; erst auf dem Boden einer gesunden Wirtschaft kann die Gesellschaft ihre eigentlichen und letzten Ziele erfüllen.“ Und genau hier war sie: Die Achillesferse der Sozialen Marktwirtschaft!  Denn merke: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Soziale Marktwirtschaft Erhardscher Prägung bekämpft die Armut, nicht mehr. – Das führte unmittelbar zur Sinnkrise.

Immer mehr zu arbeiten, um immer mehr von dem zu konsumieren, was einem die Werbung aufschwatzte, das wollten viele Menschen nicht. Das ehemalige Wirtschaftswunder wurde jetzt mit den Begriffen Leistungszwang und Konsumterror verbunden.

Störfaktor 4:

Die Notenpresse

Das Überangebot an Waren und Dienstleistungen wurde erst ungefähr ab 1970 von vielen Bürgern zunehmend als Konsumterror wahrgenommen. Die Bereitschaft solide Arbeitsleistungen zu erbringen, sank ebenfalls. Damit war der Konsens der damaligen Wohlstandsgesellschaft in seinen Fundamenten gefährdet.

Die Antwort der Politik:  Staatliche Ausgaben und Sozialtransfers ersetzen private Nachfrage. Die Finanzierung  erfolgt über die – von vielen Ökonomen ungern so benannte – Inflationssteuer.

Bundeskanzler a.D. und Wirtschaftsminister a.D. Ludwig Erhard warnte vergebens (Soziale Marktwirtschaft -Manifest 72 C 1972 – Ullstein / Seite228): „Dass die Inflation auch gesellschaftspolitische Wirkungen hervorrufen kann, dass sie zu ökonomischen Verhaltensstörungen bei den Wirtschaftssubjekten führen kann, …, wird übersehen.“

Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft war eingeläutet.

V. Ende der Sozialen Marktwirtschaft

Es wird immer wieder geleugnt: Wir leben schon lange nicht mehr in einer Sozialen Marktwirtschaft. Längst hat der staatliche Sektor den privaten Konsum in den Schatten gestellt.

Bailout oder Konsumterror

Die Zeiten des so genannten Konsumterrors sind Geschichte. Keine europäische Volkswirtschaft gleicht heute Angebot und Nachfrage primär über den Konsum der Bürger aus. Im Gegenteil: Die Menschen, die ihr Brot mit Arbeit verdienen, müssen fast ausnahmslos den Gürtel immer enger schnallen. Der Konsumterror ist einer wachsenden Armut in ganz Europa gewichen – und nicht nur da.

Der Wohlstand der Deutschen wie auch der Europäer wird über staatliche Bailouts auf vielen Umwegen an international agierende Banken und Spekulanten übertragen. Das Wort „Bailout“ wird tunlichst vermieden. Meist wird es verschämt durch das Wort „Rettungsschirm“ ersetzt.

Jüngeren ist das Wort „Konsumterror“ kein Begriff mehr.

Alternativlosigkeit

Tatsache: Weit und breit ist kein Politiker in Sicht, der eine Alternative zu dieser politisch vollkommen verfahrenen Situation anbietet. Frau Merkel spricht somit nicht zu Unrecht immer wieder von „alternativlosen“ Politikansätzen.

So hat sich die deutsche Politik eindeutig gegen den Konsumterror und für eine höhere Belastung der Bürger entschieden. Dafür haben wir jetzt mit unserem Geld so genannte „Rettungsschirme“ aufgespannt. Politisch korrekt müsste man sagen: „Wir haben unser Geld in die Zukunft Europas und des Euros investiert.“

Uns wird suggeriert, dass diese Form der Geldverschwendung alternativlos ist. Fakt ist leider, dass die etablierte Politik tatsächlich keine – mir bekannten – Alternativen aufzeigt. (Anm.: Die Euro-Diskussion lasse ich hier bewußt aus.)

VI. Alternative – Geopolitisches Großprojekt

Weltlandbrücke – geniales geopolitisches Konzept?

Was sehen Sie auf der Weltkarte? Sie sehen  Europa, Russland, China, Indien, den Nahen Osten, Afrika, Nordamerika und Südamerika. Alle diese Länder / Regionen sind auf dem Landwege miteinander verbunden.

Und jetzt lassen Sie uns gemeinsam träumen: Diese Landmassen werden durch eine hypernationale Infrastruktur aus Eisenbahnen, Pipelines, Stromtrassen, Strassen, Tunneln und Brücken – im Rahmen eines ausgefeilten und international ausgehandelten – Konzeptes so miteinander verbunden, dass praktisch alle Regionen am internationalen Warenaustausch und Reiseverkehr für kleines Geld beteiligt werden. Stellen Sie sich weiter vor, dass die hier lebenden Menschen in Volkswirtschaften mit Wettbewerbscharakter (analog der Sozialen Marktwirtschaft) so organisiert sind, dass jede dieser Volkswirtschaften zwangsläufig erhebliche Überschüsse produziert.

Und jetzt das absolute Novum: Diese Überschüsse werden nicht wie im Nachkriegsdeutschland für sinnlosen, durch Werbung und Marketing erzeugten Konsum verschleudert. Diese Überschüsse werden auch nicht in Rüstungsprojekte gesteckt.  Es ist unglaublich: Diese Überschüsse werden in den Aufbau eben dieser Infrastruktur, von der wir gerade noch geträumt haben, investiert!

Das können Sie sich nicht vorstellen? – Ganz ehrlich, bis jetzt kann ich das auch nicht. Aber es wäre großartig! Es ist das Konzept des amerikanischen Ausnahmepolitikers Lyndon La Rouche.

Lyndon La Rouche feierte am 8. September 2012 seinen neunzigsten Geburtstag. Er genießt das seltene Privileg sowohl von rechten wie auch von linken Politikern vehement angegriffen und angefeindet zu werden. La Rouche darf wohl zu Recht als genialer Querdenker angesehen werden. Er hat ein bewegtes Politikerleben hinter sich. Schon mehrfach hat er sich für die amerikanische Präsidentschaft beworben. Er ist Wortführer und Anführer der nach ihm benannten La Rouche Bewegung. In Deutschland leitet seine Ehefrau Helga Zapp-La Rouche die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (www.bueso.de) und das Schiller-Institut in Berlin (www.schiller-institut.de). Beide Organisationen sind der internationalen La Rouche Bewegung zuzurechnen

Glauben Sie mir, es lohnt sich unbedingt sich mit dem optimistischen Konzept Weltlandbrücke von Lyndon La Rouche zu beschäftigen:

www.bueso.de/wlb

VII. Nachtrag: Historie

Halford Mackinder warnte schon 1904 in dem Buch „Democratic Ideals and Reality“ seine britischen Landsleute vor genau so einer bzw. einer ähnlichen Entwicklung.

Mackinder betrachtete dabei die Welt aus militärstrategischer Sicht. In seiner Heartland-Theorie formulierte er die Befürchtung, das die Herrschaft über das „Herzland“ (gemeint war Eurasien) gleichzeitig der Schlüssel zur Weltherrschaft wäre. Die Entwicklung des „Herzlandes“ sah er deshalb konträr zu britischen Interessen. Die Theorien Mackinders werden bis heute kontrovers diskutiert.

Das Konzept Weltlandbrücke von Lyndon La Rouche ist also mehr als eine Utopie – es ist Gegenstand politischer Auseinandersetzung. Und das, wenn auch in unterschiedlicher Form, schon sehr lange.

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  1. Der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ stammt von dem Freiwirtschaftler Otto Lautenbach, der im Januar 1953 die ASM gründete. In enger Zusammenarbeit mit dem späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard sollte erstmalig eine „freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ verwirklicht werden. Im Juli 1954 verstarb O. Lautenbach, die ASM zerfiel. Für die makroökonomische Grundordnung der BRD wurde ein von der so genannten „katholischen Soziallehre“ beeinflusstes Konzept von A. Müller-Armack übernommen, eine „sozial gesteuerte Marktwirtschaft“ (kapitalistische Marktwirtschaft mit angehängtem „Sozialstaat“), für die sich später der Begriff „soziale Marktwirtschaft“ einbürgerte.
    http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf

    • Josef, Den Begriff Soziale Marktwirtschaft kannst Du in dem 1946 (!) erstmals aufgelegten Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ Autor Müller-Armack, finden. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Teil II: Soziale Marktwirtschaft. Anm.: Das Buch liegt vor mir – habe extra nochmals nachgesehen.