in Politik

Die näch­ste Pri­va­ti­sie­rungs­wel­le rollt auf das von er­drü­cken­den Schul­den ge­knech­te­te und zer­mürb­te Eu­ro­pa zu. Zu­nächst bran­det sie- an Eu­ro­pas süd­öst­li­che Kü­ste. Al­so an die von Grie­chen­land. Ziel ist der Ha­fen von Pi­rä­us. Doch das ist erst der An­fang.

Pri­va­ti­sie­rung – wa­rum über­haupt?

Aus gu­tem Grund – nicht zu­letzt zur Mi­ni­mie­rung wirt­schaft­li­cher oder gar exi­stenz­iel­ler Ri­si­ken – ge­hör­ten bis­lang Kern­be­rei­che der Grund­ver­sor­gung et­wa mit Trink­was­ser und Ener­gie, Ent­wäs­se­rung und Ab­fall­be­sei­ti­gung, die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur mit­samt der öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel so­wie wei­te­re Be­rei­che wesentlich zu den staat­li­chen Ho­heits­auf­ga­ben. Wie kommt es nun zu der Idee, die­se Be­rei­che in pri­va­te Hän­de zu le­gen?

Zum ei­nen ist da das Pro­blem der Schlam­pe­rei und Vet­tern­wirt­schaft bei Mo­no­pol­be­trie­ben. Wo es kei­nen Markt und da­mit auch kei­ne Kon­kur­renz gibt, ist die Ver­su­chung groß, sich selbst zu be­die­nen. Ist dann auch noch die öf­fent­li­che Kon­trol­le man­gel­haft oder er­folgt im Rah­men von po­li­ti­schen Seil­schaf­ten, so sind Mau­sche­lei­en Tür und Tor ge­öff­net. Die­ses Ar­gu­ment be­trifft al­ler­dings staat­li­che wie pri­vat­wirt­schaft­lich or­ga­ni­sier­te Mo­no­pol­be­trie­be glei­cher­ma­ßen. Nicht Pri­va­ti­sie­rung, son­dern ei­ne Öff­nung des Mark­tes für Kon­kur­renz­un­ter­neh­men kann hier Ab­hil­fe schaf­fen.

Als wei­te­rer Grund für Pri­va­ti­sie­run­gen wird ei­ne ho­he Staats­ver­schul­dung an­ge­führt. Wenn die öf­fent­li­chen Kas­sen leer und der Ver­schul­dungs­grad hoch ist, so wer­den Kre­di­te und da­mit In­ve­sti­tio­nen schwieriger zu rechtfertigen und tendenziell teu­rer. Die Ein­füh­rung von Höchst­quo­ten für die Ver­schul­dung und von Schul­den­brem­sen be­gren­zen den Spiel­raum end­gül­tig.

Hohe Staats­schul­den ent­ste­hen dann, wenn Kre­dit­auf­nah­me nicht al­lein für Zu­kunfts­in­ve­sti­tio­nen er­fol­gt, die sich ir­gend­wann amor­ti­sie­ren, son­dern auch der Be­strei­tung lau­fen­der Haus­halts­auf­ga­ben wie et­wa Beam­ten­ren­ten, So­zial­trans­fers oder der War­tung und Erhaltung von öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen dient. Ist dies der Fall, dann ist die Haus­halts­struk­tur nicht in Ord­nung, das heißt, es be­steht kei­ne Ba­lan­ce zwi­schen den Ein­nah­men und den Aus­ga­ben. Dann müs­sten al­so ei­gent­lich ent­we­der die Aus­ga­ben ge­kürzt oder die Ein­nah­men et­wa über Steuer­er­hö­hun­gen ge­stei­gert wer­den. Wenn man sich bei­des nicht zu tun ge­traut, so gibt es noch die Mög­lich­keit, un­ter der Hand das Ta­fel­sil­ber zu ver­scher­beln. Das ja ei­gent­lich gar nicht den je­weils Re­gie­ren­den ge­hört, son­dern der Ge­mein­schaft der Bür­ger, deren Vor­fah­ren es er­wirt­schaf­tet und den nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen zu treu­en Hän­den über­ge­ben ha­ben. So ge­se­hen könn­te man Pri­va­ti­sie­rung auch als Ver­un­treu­ung von Volks­ver­mö­gen be­trach­ten.

Staats­schulden – Kri­se in­mit­ten vom Über­fluss

Die eu­ro­päi­schen Staats­schul­den wur­den pa­ral­lel zum Auf­bau von ge­wal­ti­gen pri­va­ten Ver­mö­gen in Fol­ge der Um­ver­tei­lung vom öf­fent­li­chen auf den pri­va­ten Sek­tor so­wie von ‚flei­ßig nach reich‘ auf­ge­türmt. We­sent­li­che Ur­sa­che da­für ist die in den 1970- er Jah­ren in Eng­land (Mag­gie That­cher, ‚Thatcherismus‘) und we­nig spä­ter in den USA (Ro­nald Rea­gan, ‚Reaganomics‘) auf­kom­men­de neo­li­be­ra­le Wirt­schafts- und Fi­nanz­ideo­lo­gie. Die­se führ­te in der EU und welt­weit bei den Un­ter­neh­mens­steu­ern, den Steu­ern auf Ka­pi­tal­ein­künf­te und den Spit­zen­steuer­sät­zen zu ei­nem ruinösen Steu­er­sen­kungs­wett­lauf der Staa­ten und Un­ter­neh­mens­stand­or­te so­wie zur De­re­gu­lie­rung der na­tio­na­len wie in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­te, wel­che schließ­lich die Fi­nanz­kri­se 2007 her­vor­rie­fen. Kor­rup­tion, Lob­by­is­mus, Miss­wirt­schaft und Steu­er­ge­schen­ke von um ih­re Wie­der­wahl be­sorg­ten Po­li­ti­kern an ihr spe­zi­fi­sches Klien­tel oder ei­nschlä­gi­ge Wäh­ler­grup­pen taten ein übriges.

Um sicher­zu­ge­hen, dass die er­las­se­nen Steu­ern auch den Weg zu den rich­ti­gen Adres­sa­ten fanden, sorg­te die im Zu­ge der Glo­ba­li­sie­rung seit den 1990- er Jah­ren ein­set­zen­de wach­sen­de Kon­kur­renz auf dem Ar­beits­markt so­wie der for­cier­te Stand­ort­wett­be­werb der Pro­duk­tions­stät­ten nicht zuletzt auch in Deutsch­land für eine der­­art ge­rin­ge Stei­ge­rung der Ar­beits­ein­kom­men weit un­ter­halb der Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs­ra­ten, dass kaum ein ge­wöhn­li­cher Ar­beit­neh­mer in die Ver­le­gen­heit kam, Über­le­gun­gen dar­über an­stel­len zu müs­sen, wie er über­schüs­si­ge Ein­künf­te an­le­gen sol­le.

Schließ­lich ver­setz­te die Fi­nanz­kri­se ab 2007 mit diversen, zig Mil­liar­den teu­ren staat­li­chen Ban­ken­ret­tun­gen den be­reits an­ge­spann­ten öf­fent­li­chen Haus­hal­ten den Knock out. Denn zu den auf­grund der Ret­tungs­ak­tio­nen ei­gent­lich lo­gi­scher­wei­se na­he­lie­gen­den Ver­staat­li­chun­gen der be­trof­fe­nen Ban­ken, die mit­tel- und lang­fri­stig den Staats­haus­hal­ten möglicherweise wie­der hät­ten auf die Bei­ne hel­fen kön­nen, kam es dann ir­gend­wie doch nicht.

Public Private Partnership

Und so ste­hen wir in­zwi­schen ei­ni­ger­ma­ßen rat­los vor enor­men Un­gleich­ge­wich­ten zwi­schen verarm­ten öf­fent­li­chen und von Geld­mit­teln über­quel­len­den pri­va­ten Haus­hal­ten ei­ni­ger we­ni­ger Ver­mö­gen­der und et­li­cher pri­va­ter Fonds und Fi­nanz­häu­ser. An­ge­sichts der sich dar­aus er­ge­ben­den Per­spek­ti­ven könn­te man sich glatt fra­gen, ob die­se Staats­schul­den­kri­se in­mit­ten ei­nes ge­wal­ti­gen Über­flus­ses an Geld nicht so­gar ge­wollt ist und ganz be­wusst er­zeugt wur­de.

Denn wie ge­ru­fen kommt nun wie­der die vor ei­ni­ger Zeit noch we­gen et­li­cher un­er­freu­li­cher Er­fah­run­gen zu den Ak­ten ge­leg­te Idee der ÖPP’s bzw. PPP’s (Öf­fent­lich Pri­va­te Part­ner­schaf­ten bzw. Pri­va­te Pub­lic Part­ner­ships) ins Spiel. Und wie es aus­sieht, wird die­se gran­dio­se Idee ver­mut­lich auch in Deutsch­land dem­nächst eine Re­nais­san­ce er­le­ben: Schließ­lich gibt es kaum ei­ne ele­gan­te­re Me­tho­de, wert­lo­ses Com­pu­ter­geld ri­si­ko­los in wert­vol­len Staats­be­sitz ein­zu­tau­schen.

Öf­fent­lich- Pri­va­te Part­ner­schaft – das hört sich ja ei­gent­lich erst­mal gar nicht so übel an. Bes­ser je­den­falls als die Vo­ka­beln Pri­va­ti­sie­rung oder gar Ver­staat­li­chung, die ja doch ein Ge­schmäck­le haben. In ei­ner ÖPP wird auch nicht unbedingt das Ei­gen­tum an der In­fra­struk­tur über­schrie­ben, son­dern oft­mals le­dig­lich auf Zeit ver­pach­tet oder ver­least. Das ist zugegeben immerhin schon mal bes­ser als ein Ei­gen­tums­über­trag, finde ich. In an­de­rer Hin­sicht aber ist ÖPP durch­aus so­gar mehr als Pri­va­ti­sie­rung:

Der Trick bei den ÖPP’s ist, dass nicht ein­fach nur Volks­ver­mö­gen an Pri­vat über­ge­ben und dann in den Wett­be­werb der frei­en Märk­te ent­sandt wird, wie das et­wa bei der Pri­va­ti­sie­rung der Post, der Te­le­kom und von ei­ni­gen Flug­hä­fen der Fall war und bei der Bun­des­bahn ge­plant ist, son­dern dass zu den Be­trie­ben die Kund­schaft gleich mit­ge­lie­fert wird: Die ehe­mals staat­li­che und – wie schön – in al­ler Re­gel auch noch voll­kom­men kon­kur­renz­lo­se In­fra­struk­tur, be­ste­hend etwa aus Stra­ßen, Brü­cken, Elek­tri­zi­täts­wer­ken, Klär­an­la­gen, Ver­kehrs­be­trie­ben und viel­leicht so­gar Was­ser­wer­ken wird, so­bald sie sich in Pri­vat­be­sitz be­fin­det, so­gleich von der Öf­fent­li­chen Hand zu ei­ner so gut wie ga­ran­tier­ten Ren­di­te von schät­zungs­wei­se 5 – 10% oder so – die Ver­trä­ge wer­den dem Zeit­geist ent­spre­chend selbst­ver­ständ­lich nicht öf­fent­lich sein – zurück­ge­mie­tet. Ein per­fek­tes Ge­schäft al­so – auf Ko­sten der Bür­ger und Steu­er­zah­ler, ver­steht sich, wel­che nun über Steu­ern, Ge­büh­ren und Ab­ga­ben zur Si­che­rung des Un­ter­hal­tes, zur Fi­nan­zie­rung neu­er Pro­jek­te und zu­sätz­lich nun auch noch zur Er­wirt­schaf­tung der Ge­win­ne her­an­ge­zo­gen wer­den.

Es mag durchaus Fälle geben, in denen es dem einen oder anderen staatlichen Monopolbetrieb ganz gut tun würde, wenn mal ganz privat ein wenig frischer Wind durch die öffentlich- rechtlichen Amtsstuben und Materiallager weht. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich die ÖPP’s als Lotterbett erweisen, im dem sich Bürokratie mit Gewinnsucht paart, ist nach allen Erfahrungen, die wir in diesen Tagen machen, leider sehr viel größer als jeder Glaube an die Vision von einer Lustwiese, auf der sich Unternehmergeist mit sozialer Verantwortung vereinigt.

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Kommentar

  1. Schlimm genug, was inzwischen bereits Privaten an öffentlichen Aufgaben überantwortet worden ist. Aber natürlich kann das noch viel schlimmer werden. In den USA liegt sogar die Münzhoheit bei privaten Bankern (FED) – wenn ein Präsident mal dagegen redet, wird er zurückgepfiffen (Obama) oder stribt (Kennedy). In Europa gehört das Geld der EZB, die zwar nicht demokratisch legitimiert ist, aber wenigstens noch nicht direkt zu Goldma & Sachs gehört.

    Es scheint übrigens eine Korrelation zwischen der Höhe der Steuern und Abgaben und der Weggabe öffentlicher Aufgaben in Privathand zu geben. Je weniger der Staat leistet, desto mehr Ged nimmt er den Bürgern aus der Tasche!

    • Der EZB Führer M. Draghi
      ist ehemaliger Chef von Goldman & Sachs Europa .
      Unter Draghis Führung wurde Griechenland per Manipulation durch Goldman & Sachs in den Euro gebracht .

  2. Völlig irr .
    Die Fed hat über Jahre , nun macht es die EZB ,
    ohne irgendeinen Gegenwert annähernd 1 Billion $ /Jahr gedruckt .
    Billionen , die letztendlich dem Steuerzahler als reale Arbeit abverlangt werden .

    Die Öffentlichkeit wurde systematisch verarmt , in Schulden gebracht und im gleichen Atemzug entmachtet .
    Die Politik ist , auch wenn es vereinzelt noch guten Willen im Sinn von Demokratie gibt ,
    völlig entmachtet (siehe Griechenland) .
    Die Politiker sind Handlanger des internationalen Kapitals und solange die Politiker , wie auch alle anderen Handlanger , sich der Diktatur des Kapitals beugen , ihrer Privilegien sicher .