in Politik

Der neue nigerianische Präsident Muhammadu Buhari setzt mit neuem militärischen Führungsstab und mehr Transparenz Zeichen im Kampf gegen die Terrormiliz „Boko Haram“. Dabei spielt anscheinend auch jede Menge Propaganda eine wesentliche Rolle, denn ob die von Regierungs-und Militärseite gemachten Angaben stimmen, lässt sich aufgrund der oft undurchsichtigen Lage nur schwer von anderer Stelle bestätigen.

Jahrelang wurde der Norden Nigerias von Kämpfern „Boko Harams“ heimgesucht. Überfälle, Selbstmordanschläge, Plünderungen waren die Folge. Die Entführungen ganzer Schulklassen von Mädchen erregten die Aufmerksamkeit der Welt. Am letzten Dienstag verkündete nun das nigerianische Militär, dass es gelungen sei mehr als 300 Entführungsopfer, die meisten Frauen und Kinder, in einem abseits gelegenem Waldgebiet aus den Händen der Terrormiliz zu befreien. Mehr als 30 „Boko Haram – Kämpfer“ seien dabei getötet worden. Waffen und Munition konnten sichergestellt werden.

Die nigerianische Bevölkerung hatte die Nachricht mit großer Erleichterung aufgenommen. „Boko-Haram“ hatte in einem sehr abgelegenen Gebiet im äußersten Nordosten des Landes operiert, doch selbst Regierungsbeamte in der nächsten größeren Stadt Maiduguri konnten die Befreiungsaktion gegenüber unabhängigen Reportern nicht bestätigen. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Meldungen über Planungen und Aktionen des nigerianischen Militärs, die sich dann nicht bestätigen ließen, doch hatte man erwartet, dass unter dem neuen Präsidenten eine zuverlässigere Informationspolitik Einzug halten würde.

Auch die neuen Meldungen werden von Experten eher als Propaganda eingestuft, um die Moral der Bevölkerung zu stärken und die neue Regierung in ein besseres Licht zu rücken. Erst vor wenigen Tagen schlug „Boko Haram“ im Südosten von Niger, direkt an der nigerianischen Grenze erneut zu, plünderte ein Dorf und tötete 14 Menschen. „Das fehlende Vertrauen in das nigerianische Militär, rührt vor allem aus der Vergangenheit, entstanden aus fehlender Information und Desinformation“, sagt Elizabeth Donnelly, eine erfahrene Mitarbeiterin der Afrika Forschungsgruppe des Catham Houses in London und ausgewiesene „Boko-Haram“- Expertin.

„Boko-Haram“ beschränkt seine Aktivitäten fast immer auf die ländlichen und entlegenen Gegenden. Laut Donnelly ist es aber wahrscheinlich, dass es dem nigerianischen Militär in letzter Zeit gelungen ist, Entführungsopfer der Miliz zu befreien, da die Intensivität und der Einsatz von Truppenverbänden enorm verstärkt wurde.

Laut Amnesty International wurden bei Angriffen und Überfällen durch „Boko Haram“ etwa 17.000 Menschen getötet, davon allein 1600 in den letzten vier Monaten. US-Präsident Obama sagte zuletzt zu Truppenteile in das Nachbarland Kamerun zu schicken, um von dort aus den Kampf gegen die Miliz zu unterstützen. Auch im angrenzenden Tschad häufen sich die Attacken der Islamisten. Bei Gefechten starben 11 Soldaten und 37 Extremisten. Die Anzahl der entführten Mädchen und Frauen wird mit etwa 2000 angegeben.

Einem Bericht UNICEFs zu Folge, sind etwa 1,2 Mio. Menschen vor „Boko Haram“ auf der Flucht, über 800.000 davon seien minderjährig. Zu „Boko Haram“ gehören diverse Splittergruppen; einige von Ihnen kämpfen bereits seit Jahren im Namen des Islam. Die Gründung der Miliz wird auf das Jahr 2002 datiert. Die Gruppe formierte sich im Norden Nigerias, wo die Verhältnisse durch religiöse und ethnische Zersplitterung, Armut und Arbeitslosigkeit, besonderen Nährboden bereitete, anfangs noch völlig gewaltlos. Eine erhebliche Radikalisierung begann 2009, womit der bewaffnete Kampf gegen den nigerianischen Staat einherging.

*Quellen: The New York Times, Africa Program for Catham House, Amnesty International, Wikipedia, Zeit-online, UNICEF
Bild: Miliz Nigeria 2015 free Flickr Pix (ohne Lizenz)

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Kommentar

    • Gestern führte ich eine Diskussion mit einem Kameruner über die Boko Haram, die ja bekanntlich inzwischen in Kamerun an manchen Orten für Tod udn Elend sorgen.
      Der Kameruner meinte dass Boko Haram eine Terror- Armee der Franzosen sei. Es gab wohl einen Vorfall 2014, in dem Boko Haram Terroristen lebendig geschnappt wurden. 9 von ca. 30 Geschnappten Boko Haram Leuten waren ehemalige Französische Elitesoldaten.
      Die Lokalzeitungen in Kamerun hatten angeblich sogar darüber berichtet.
      Das Ziel sei es Kamerun unter die Kontrolle von Framkreich und Islam zu bringen ähnlich wie den gesamten Norden von Afrika…
      Das waren seine Worte

  1. Zuerst einmal ist Boko Haram eine Widerstandsbewegung gegen das US-nahe Regime von Nigeria . Nun sind Befreiungsbewegungen nicht schon moralisch sakrosankt.
    Fakt ist aber , dass die vergangene Regierung unter J. Goodluck begonnen hat , Familienmitglieder von Boko Haram Kämpfern zu entfühern und diese zu erpressen .
    Erst dann begann Boko Haram mit „Gegenentführungen“ um ihre entführten Familienmitglieder freizupressen .