in Naher Osten

AMMAN/BERLIN (IPS) – Aus seiner Heimat Jordanien zog Mohammed Dalaeen in die Ukraine, um Medizin zu studieren. Dort geriet der Sohn eines Parlamentsabgeordneten unter den Einfluss der radikalen Terrormiliz Islamischer Staat. Schließlich brach der 23-Jährige zu einer tödlichen Mission auf und sprengte sich Ende September bei einem Selbstmordanschlag im Irak in die Luft.

„Mohammed wurde von einem Paar aus Aserbaidschan rekrutiert, das in Charkow im Nordosten der Ukraine lebte“, sagte der Vater Mazen Dalaeen dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira. Die Anwerber hätten ihn offensichtlich einer Gehirnwäsche unterzogen. In Osteuropa suchten sie gezielt nach jungen muslimischen Studenten, die die Reihen der IS-Miliz in Syrien und im Irak verstärken sollten.

Gemeinsam mit einem tschetschenischen und einem tunesischen Paar schlossen sich Mohammed und seine zum Islam konvertierte ukrainische Frau den Extremisten an, wie der Vater berichtete. Mit seiner Ehefrau fuhr er bereits im vergangenen Februar in den Irak. Im Juni machte sich das Ehepaar abermals auf den Weg und kam über die Türkei ans Ziel.

Mazen Dalaeen, der sich zu dem Zeitpunkt selbst in der Ukraine aufhielt, bemerkte nichts von den Plänen seines Sohnes. „Erst einen Tag später erfuhr ich, dass er in die Türkei gefahren war. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ihn aufgehalten“, sagte er dem Sender.

Radikalisierung im Laufe weniger Monate

Binnen weniger Monate hatte sich der Sohn von einem scheinbar normalen jungen Mann zu einem Extremisten gewandelt. Anfang des Jahres, als Mohammed zu Besuch nach Jordanien kam, beteiligte er sich noch an einem Solidaritätsmarsch für einen Piloten, der von Mitgliedern der IS-Miliz bei lebendigem Leib in einem Käfig verbrannt worden war. Muath Kassasbeh stammte wie die Familie Dalaeen aus der Stadt Ai im Süden Jordaniens.

In den folgenden Monaten begann sich Mohamed zu verändern. Mazen Dalaeen, der Verdacht schöpfte, drängte ihn, rasch seine Studien abzuschließen und wieder nach Jordanien zurückzukehren. Drei Mal versuchte er vergeblich, den Sohn nach Hause zurückzubringen. Dieser antwortete ihm per SMS, dass er sich der IS-Miliz anschließen werde. Seine Eltern sollten das Gleiche tun und ihr „unislamisches Leben“ aufgeben.

Als Mazen Dalaeen seinen Sohn zum letzten Mal im Juni in der Ukraine sah, erkannte er ihn kaum wieder.

„Sein Verhalten hatte sich völlig verändert. Er lebte von anderen isoliert und trug plötzlich einen langen Bart“, sagte er Journalisten.

Vater als ‚Ungläubiger‘ beschimpft

Nach einem heftigen Streit machte er sich in Richtung Türkei auf, ohne seinem Vater etwas zu sagen. Mazen Dalaeen fuhr ihm bis an die Grenze zu Syrien nach, ohne ihn zu finden. Später teilte ihm Mohammed über das soziale Netzwerk Facebook mit, dass er inzwischen im Irak angekommen sei.

„Er benahm sich mir gegenüber auf eine so brutale Art und Weise, als wäre er gar nicht mehr mein Sohn“, sagte er der Agentur AP. „Er nannte mich einen ‚Ungläubigen‘ und warf mir vor, im Parlament gegen den Islam zu arbeiten.“

Am 20. August ließ Mohammed seinen Vater wissen, dass er sich nie wieder melden würde und als Freiwilliger den Märtyrertod suchen wolle.

Laut dem Extremismus-Experten Hassan Abu Haniyeh kämpfen derzeit schätzungsweise 2.000 Jordanier auf Seiten der IS-Miliz und der rivalisierenden al-Nusra-Front. Etwa 350 Männer seien bereits in Syrien und im Irak getötet worden. Daran zeigt sich, dass die Werbekampagnen der Islamisten sogar bei Jugendlichen aus einem Land Erfolg haben, das die USA im Anti-Terror-Kampf gegen die Islamisten unterstützt.

„Der Islamische Staat kann alle Familien über das Fernsehen und das Internet erreichen“, sagte Mazen Dalaeen. „Dabei hatte mein Sohn alles – eine Familie, Geld, ein Studium. Und doch wurde er von schlimmen Gedanken beherrscht.“

Auf Fotos der IS-Miliz identifiziert

Von Mohammeds Tod erfuhr er durch Berichte in verschiedenen Medien, die der IS-Miliz nahestehen, und durch einen Fernsehsender mit Sitz in der irakischen Provinz Anbar. Selbstmordattentäter hätten drei Autobomben in Baracken der irakischen Armee nahe Ramadi, der Hauptstadt von Anbar, gezündet, erfuhr er. Auf einer IS-Website erkannte er dann auf Fotos der mutmaßlichen Attentäter seinen Sohn, der den Kampfnamen ‚Abu Baraa, der Jordanier‘ trug.

Auch Omran al-Abadi, Sohn des jordanischen Parlamentariers Mohammed al-Abadi, fand als Terrorkämpfer den Tod. Der in Ägypten ausgebildete Arzt schloss sich der al-Nusra-Front an und wurde im Januar bei einem Gefecht gegen die syrische Armee getötet. Sein Vater verzichtete auf die traditionelle Trauerzeremonie, um sich von den Taten seines Sohnes zu distanzieren.

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Dein Kommentar

Kommentar

    • @ Serkan. Wenn das so ist , dann frage ich mich, wie es sein kann, dass sich so viele Muslime radikalisieren und glauben in völliger Harmonie mit ihrer heiligen Schrift zu handeln. Unsere Kanzlerin meint, die Muslime kennen den Koran sehr viel besser, als die Christen die Bibel. (Da will ich ihr außnahmsweise mal recht geben). Um so mehr ist es doch erstaunlich, dass Muslime überhaupt Selbstmordattentate vollziehen und andere Menschen mit in den Tod nehmen. Oder bezieht sich das Verbot zu töten nur auf „Unschuldige“ ? Sagt Allah nun, dass Andersgläubige nur deshalb Schuldige sind, oder nicht ? Wenn ja, dann versteh‘ ich deinen Einwand nicht !

  1. Die Christen verstießen viele Jahrhunderte gegen ihre eigene Religion, indem sie Andersgläubige verfolgten, überfielen, und bei deren Weigerung zum Christentum zu konvertieren, auf bestialische Weise folterten und umbrachten. Sie haben lange gebraucht um diesen Wahnsinn als Solchen zu erkennen und fanden zu einer Glaubenstoleranz. Wenn es der Stolz der Muslime zuläßt, wäre es da nicht klug und weise, Allahs Söhne vor sich selbst und Andere vor Allahs Söhnen zu schützen, und zu einer gleichen Toleranz zu finden ? Muss das Blut vieler Menschen denn immer wieder für den selben Wahnsinn vergossen werden ? Ich meine, der Fehler der Christen muss nicht wiederholt werden. Er wird dadurch nicht glaubhafter oder glaubhaftig !

    • leider falsch gedacht!
      Das Christentum ist per seiner Intoleranz ans heutige Ziel der overkill-Vernichtung gekommen.
      Der Islam nicht (und will das auch gar nicht -!).
      Gleich-Wertung bzgl. Konfessionen ist historisch unkorrekt!
      Zu denken geben muss vor allem, dass es ja eben auch besonders intelligente Personen sind, die sich engagieren – d.h. Personen, die das ‚Big Picture‘ besser erkennen als unsereiner mit seinem naiven Universaltoleranzideal – wo aber ja die Zeitbombe der Overkill-Arsenale tickt.- und die West-Zivilisation genau davon (immer noch!) angetrieben wird.
      So herum muss das gesehen werden!
      Trotzdem wuerde ich niemandem raten bei der IS mitzumachen – bei allem Respekt vor der Einsatzbereitschaft dieser Personen!