USA in syrischer Fallgrube

In der Tat erschallt schon dieser Ruf, der sofort im Netz aufgegriffen wurde. Eigentlich kein Wunder nach Putins geschicktem Schachzug, der dazu führte, dass die Leute in Moskau schon Schlange stehen, um mit dem ach so isolierten Putin zu reden. Selbst Steinmeier und Merkel wollen mit ihm reden, Gabriel und CSU machen Knickse, nur Washington erkennt nicht die Zeichen an der Wand, denn dort scheint es rein gar niemanden mehr zu geben, der noch eines vernünftigen Gedankens fähig ist.

Obama will zwar auch mit Putin reden, aber vorerst sind ihm nur ein paar Pöbeleien eingefallen, was deutlich zeigt, auf welchem Niveau seine „Gedanken“ sich bewegen. Nachdem der Westen die Karre in Syrien gründlich in den Dreck gefahren hat, mit Hilfe der reaktionärsten Fundamentalisten-Regime im Nahen Osten, hat Putin einen vernünftigen Ausweg gezeigt, der tatsächlich in manchen Hirnen etwas bewegt hat.

Dass die Kanaillen Netanyahu, Abbas und – Erdogan, ja der auch – schnurstracks nach Moskau flitzten, ist verständlich, denn die sehen ihre Felle davonschwimmen. Abbas und Erdogan hatten außerdem einen legitimen Anlass – die Neu-Einweihung der größen Moschee Russlands und Europas. Danach kamen Erdogan und Putin zur Sache. Offenbar ist es Putin gelungen, Erdogan mit seinen Argumenten auf bessere Gedanken zu bringen, als Assad stürzen zu wollen.

Vielleicht ist er ja auch selber auf die Idee gekommen, dass noch mehr Millionen Flüchtlinge im eigenen Land nicht vorteilhaft wären. Und seine Idee von einer no-fly-Zone über Nordsyrien konnte er auch schnell begraben, angesichts der russischen Flieger auf der anderen Seite. Seine Retour-Kutsche an die Europäer, die Tore der Lager mit zwei Millionen Flüchtlingen aus dem gesamten Nahen Osten zu öffnen, für die er von den Europäern nicht einen Pfennig Hilfe erhielt, kann er nicht auf Dauer fahren.

Ich kann mir sogar denken, dass Putin innerlich schmunzelte über diesen Geniestreich, der immerhin auch dazu beigetragen hat, dass die Dummköpfe im Deutschen Paradies plötzlich zum Nachdenken angeregt wurden. (Ähnlich sieht das im übrigen auch Israel Shamir in ‚Russia Returns to the Middle East‚.)

Also wird Erdogan vorsichtig auf Putins Linie einschwenken. Dabei kam nebenbei auch wieder der tot geglaubte Plan des South Stream oder ‚Turkish Stream‘ auf den Tisch. Nein, der sei nicht tot, sagt Erdogan, aber erst müsse er seine neu ausgeschriebenen Wahlen gewinnen. Die hat er zwar mit hinreichend Terror sehr gut vorbereitet, aber der Ausgang mit einer erhofften absoluten Majorität für ihn ist noch keineswegs gesichert.

Nun habe ich mir gerade Putins Rede vor der UNO angehört. Sie hatte wie alle seine Reden eine enorme Bandbreite. Er griff alle die Themen auf, die er immer aufs neue wiederholt, obwohl er sich mittlerweile fragt, „Ob jemand uns überhaupt zuhört?“ Er ist kein charismatischer Redner, aber aus ihm spricht die Stimme der Vernunft, der Logik und Folgerichtigkeit.

Dazu gehört, dass er in den überall stattfindenden Stellvertreterkriegen mit Hilfe rabiater Islamisten, die allerdings nichts mit dem Islam zu tun haben, wie er bei der Eröffnung der Moschee in Moskau deutlich sagte, eine große Gefahr für Russland selbst und die Welt sieht. Deswegen ist er in die Höhle des Löwen gegangen, um der ISIS, einem Zentrum des Terrors den Garaus zu machen. Diesen Kampf sieht er als notwendig an, gerade weil ihm am Frieden gelegen ist, an echter und aufrichtiger Zusammenarbeit – das Potential dazu sieht er ganz klar – aber unter der wichtigen Bedingung des gegenseitigen Respekts selbst dann, wenn man anderer Meinung ist. Er will mit allen Mitteln eine mögliche globale Konfrontation vermeiden, will ein prinzipienfestes und friedliches Miteinander, das aber Gefühle der Überlegenheit und Auserwähltheit ausschließt.

Reaktionen auf diese Rede habe ich noch nicht gelesen oder gehört. Aber wir können uns ansehen, was mittlerweile vor Ort in Syrien passiert ist. Zum einen haben die USA Russlands Vorschlag, die IS auf die Terrorliste der UNO zu setzen, glattweg abgelehnt, mit dem lahmen und unlogischen Argument, man wolle vermeiden, dass sie wegen der Expansion der IS angeklagt werden. Gerade umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn sie jetzt die Hand über die IS halten, wird sich doch jeder vernünftige Mensch sagen, das geschehe aus alter Gewohnheit. Und das weiß, außer dem Publikum in den USA, die ganze Welt.

Sehr ernst ist hingegen eine andere Sache. Die ISIS hat die russische Basis in Syrien angegriffen. Dabei wurden mehrere Islamisten getötet und einige gefangen genommen und bei denen fand man – man höre und staune – „detaillierte Pläne und Satellitenbilder mit markierten militärischen Schlüssel-Positionen“. Im Artikel wird die Frage gestellt „Wer hat die ISIS mit dieser Art Informationen versorgt?“ Rhetorisch und trotzdem blöde, wenn es nur eine Macht gibt, die seit langem die ISIS mit Satellitenbildern versorgt – die USA.

Dieser Vorfall zeigt, wie weit die USA gehen, um Russland auszureizen. Und was haben sich die dämlichen Terroristen eigentlich gedacht? Dass die Russen in ihren Betten liegen und mit keinem Atemzug an solch eine Möglichkeit gedacht haben? Nun, sie haben sich eine blutige Nase geholt und den Russen wertvolle Informationen geliefert. Und was haben sich die Pentagon-Auftraggeber dabei gedacht? Mal rasch auf billige Art und Weise einen Teil der neuen modernsten Kampfjets zu zerstören? Es wäre zu schön gewesen. Doch auch die russischen Militärs wissen, dass sie mit 1000 üblen Tricks zu rechnen haben, die Putins Vorschlag einer Lösung dieser enormen Krise zunichte machen könnten.

Genau das würde Washington allzu gerne tun, wenn sie nur wüssten wie. Nur eines was man dort ganz genau: Die Russen sind wieder präsent im Nahen Osten, wie Israel Shamir schreibt. Und zwar mehr denn je.