Tränengas auf dem Weg zur Schule – ein Recht auf Bildung?

Im israelisch besetzten Westjordanland sind viele Menschenrechte für Palästinenser relativ, theoretisch sollten sie zwar universelle Gültigkeit besitzen, tatsächlich sind sie für Palästinenser aber häufig ein weit entferntes Ideal, Rechte, die der palästinensischen Bevölkerung häufig vollständig verwehrt bleiben.

In al-Khalil (Hebron), häufig als ‚Mikrokosmos‘ der israelischen Besatzung bezeichnet, wird Kindern selbst das grundlegende Recht auf Bildung vom israelischen Militär verwehrt.

Auf dem Weg zur Schule sind palästinensische Schulkinder dazu gezwungen durch israelische Militär-Checkpoints durchzulaufen – vorbei an schwer bewaffneten israelischen Soldaten. Trotz der allgegenwärtigen Militärpräsenz in nahezu jedem Lebensbereich, haben manche Kinder deutlich Angst und werden von Müttern oder älteren Geschwistern durch die Checkpoints zur Schule begleitet.

Kinder ebenso wie Lehrer laufen auf dem Weg zur Schule und zurück nach Hause aber auch Gefahr, vom israelischen Militär für längere Zeit festgehalten oder verhaftet zu werden. Auch wenn es – selbst nach israelischem Recht – illegal ist, Kinder unter 12 Jahren zu verhaften, ist dies nicht selten. Israelisches Zivilrecht wird im militärisch besetzten Westjordanland allerdings nur auf Siedler in nach internationalem Recht illegalen Siedlungen angewendet – die palästinensische Bevölkerung hingegen ist dem Militär-‚Recht‘ unterworfen. Wenn Kinder nicht oder spät von der Schule zurück nach Hause kommen, sorgen sich Eltern, ob diese verhaftet wurden, denn Angehörige werden selbst wenn es sich um Minderjährige handelt nur in seltenen Fällen von einer Verhaftung informiert.

Das israelische Militär greift Schulkinder aber auch direkt mit Blendgranaten und Tränengas an. Die Salven von Tränengas, die sich in den Straßen ausbreiten, greifen die Atemwege an und machen es nahezu unmöglich zu atmen und brennen in den Augen. In den letzten Wochen in al-Khalil (Hebron) war Tränengas eine nahezu tägliche Gefahr auf dem Schulweg. Zusätzlich zu den Checkpoints sind die Kinder dann gezwungen, die Tränengaswolken, die je nach Windverhältnissen in den Strassen verweilen, auszuweichen oder von diesen wegzurennen, um nicht von dem Gas bewusstlos zu werden. Eine Studie zu den Langzeitschäden von Tränengas, insbesondere auf Kinder, deren Lungen sich noch entwickeln, liegen bisher noch nicht vor.

Palästinensische Kinder, auf dem Weg zur Schule, aber auch im alltäglichen Leben, ob in der Schule, auf der Straße und sogar daheim im Haus sind konstant der israelischen Militärbesatzung ausgeliefert. Eine Kindheit, das Recht auf Spielen, ein Recht auf Bildung – all das ist für Kinder im besetzten Westjordanland oft nur eine Farce.

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