in Naher Osten

Was 2011 im Rahmen des sog. Arabischen Frühlings mit friedlichen Demonstrationen begann, wurde zum Bürgerkrieg zwischen der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee und den Regierungstruppen von Präsident Bashar Hafez al-Assad. Was mit Feuergefechten begann wurde zum Einsatz von Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung. 2019, gut 8 Jahre nach dem Beginn der friedlichen Demonstrationen herrscht in Syrien in ausgedehnter und komplexer Stellvertreterkrieg. 7 Nationen wollen unter anderem auch geopolitische Voherrschaft im Nahen und Mittleren Osten erreichen. Und Syrien gilt dabei als eines der Kernkriterien.

Der syrische Schauplatz von Sunniten gegen Schiiten
Russland, Iran, Israel, Türkei, Saudi-Arabien, Frankreich und die USA. Diese Nationen haben alle eines gemeinsam: sie griffen oder greifen weiterhin aktiv in den Syrien-Konflikt ein. Von gemeinsamer Linie kann hier jedoch nur bedingt die Rede sein. Was einst als Bürgerkrieg begann und internationale Großmächte zum Einschreiten verleitete, ist nunmehr ein Stellvertreterkrieg bei dem es um wirtschaftliche Abkopplung, geopolitischen Machterhalt oder -ausweitung und/oder um die Schwächung vermeintlicher Gegner geht. Der Deckmantel des internationalen Handelns in Syrien, zum Schutze der Bevölkerung gegen die Gefahren des eigenes Regimes unter der Führung von Präsident Assad und Terrororganisationen wie den Islamischen Staat (IS), ist dabei mehr als durchsichtig geworden. Nicht erst seit gestern oder heute! Auf der einen Seite stehen die USA, Israel und die sunnitischen Staaten der Saudi-Arabischen Emirate mitsamt Bahar, Katar und Kuwait), auf der anderen Seite steht der schiitische Iran, mitsamt dem alawitischen Regime Syriens, der Hisbollah und der Regierung im Südirak. Russland stellt sich dabei hinter Präsident Assad in Damaskus und somit auf die Seite der Iran-Fraktion. Alleine schon der Fakt, dass sich hier zwei bzw. drei muslimische Glaubensrichtungen gegenüber stehen zeigt schon, wie wichtig die geopolitische Macht über Syrien ist. Während Israel gemeinsam mit der USA seit Jahrzehnten versucht die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten zu erlangen, hat der Iran dasselbe Ziel. Auch gerne mit Unterstützung einer international anerkannten Terrorgruppierung im Libanon.

Irgendwie sieht das alles nach einem doppelten Kalten Krieg aus: die Großmächte im Nahen und Mittleren Osten, die USA und Russland. Doch was gibt es denn zu holen für die einzelnen Staaten? Syrien ist ein bürgerkriegsgebeuteltes Land oder? Wenngleich Syrien in der Tat bürgerkriegsgebeutelt ist, vor allem für Russland spielt das Land nicht nur eine geopolitische Rolle. Russland braucht Einnahmen, denn die zahlreichen Konflikte sind teuer. Erdgas ist eines der größten Exportgüter des Landes und das größte Erdgasvorkommen der Welt liegt vor der Küste von Katar. Eine Pipeline Von Katar und Saudi-Arabien durch Syrien in die Türkei würde genug Erdgas liefern um ganz Europa zu versorgen. Das wirtschaftliche Risiko für Russland ist also groß. Da der ehemalige Flickenteppich an Fronten in Syrien über die letzten Jahre hinweg aber zu einer deutlichen Front zwischen der sunnitischen und schiitischen Achse wurde – mit keinerlei Aussicht auf eine schnelle Lösung des Konflikts – wird diese Pipeline so, bis auf Weiteres, nicht bestehen. Moskau hat geschickt Stellvertreterkriege für sich entdeckt. Die Ukraine ist ein weiteres Beispiel: solange das Land destabilisiert und konfliktbehaftet bleibt, kann es weder der EU, noch der NATO beitreten. Putin hat also ein gewisses Interesse, das über geopolitische Motivationen hinausgeht, Konflikte in bestimmten Staaten aufrechtzuerhalten. Assad selbst hat hierbei keine Wahl, denn Russland und der Iran sind die einzigen, die ihn schützen.

Deutschland nicht unbeteiligt, Türkei mit bloßen Eigeninteressen
Frankreich kann hier rausgerechnet werden, ebenso die Türkei. Wenngleich die Regierung in Ankara sowohl mit Russland, als auch dem Iran liebäugeln, den Türken geht es lediglich um die Eindämmung einer vermeintlichen Gefahr durch die kurdischen Truppen der YPG, welche zur PKK gezählt wird. Die YPG jedoch war maßgeblich am Erfolg über den IS in Syrien beteiligt, an der Seite der USA. Der angekündigte Truppenabzug von US-Präsident Donald Trump löste die Angst aus, dass die tükischen Truppen, welche bereits marschbereit sind, nun noch tiefer in Syrien vordringen. Vorerst jedoch, will Washington den Schuz der YPG nicht aufgeben und auch der Iran hat anscheinend kein Interesse an noch mehr türkischer Militärpräsenz im Norden Syriens. Es wird gemunkelt, dass pro-iranische Söldner aus dem Irak in die gefährdeten Gebiete der YPG wollen – zu deren Schutz!

Deutschland ist im Syrienkrieg durchaus auch präsent. Zum einen zählt die Bundesrepublik zu den Top-5-Ländern, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht, zum anderen lieferten deutsche Rüstungsunternehmen fortlaufend Waffen, unter anderem auch an die Türkei während der ersten großen Offensive gegen die Kurden in Syrien. Aber nicht nur dorthin: Topabnehmer für deutsche Waffen sind Algerien, Ägypten, aber auch Länder wie Saudi-Arabien. Der Krieg in Jemen und die weiteren Verletzungen der Menschenrechte durch unter anderem auch diese Staaten wird also teils auch durch deutsche Waffenexporte gefördert. Um das klarzustellen: Berlin hat kein Interesse daran Kriege zu finanzieren, zu unterstützen oder zu entfachen. Dennoch ist sind kritische Stimmen um die Waffenexporte Deutschlands nicht unbegründet, wenn die Zustände z.B. im Jemen näher betrachtet werden. Deutsche Leopard-Panzer machen hier nicht den besten Eindruck.

Ein weiteres, trauriges Kapitel der “globalen Gemeinschaft”?
Syrien ist zum Schauplatz von Konflikten anderer Staaten geworden. Es herrscht ein zuletzt kalter, aber fortwährender und ausgedehnter Stellvertreterkrieg, bei dem sich Großmächte mit unterschiedlichen Interessen gegenüber stehen. China hat sich zwar rein weltpolitisch bislang auf Seiten Russlands gestellt, doch in Syrien selbst nichts unternommen. Laut Experten bleibt es fraglich, wie stark Peking an Einfluss im Nahen und Mittleren Osten interessiert ist. Auch ohne China bleibt der Konflikt in und um Syrien heikel und aktuell. Es bleibt zu hoffen, dass die globale Gemeinschaft in Syrien nicht den gleichen Fehler begeht wie im Fall Jemen: einfach wegsehen, anstatt gemeinsame Lösungen finden und vor allem Frieden finden.

Autor: Thomas Schmied

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. @NEOPresse
    Kann ich in 2 Pkt. aushelfen!?
    Der sog. „arabische Frühling“ war wohl kein Frühling, sondern ein von westl. Geheimdiensten forcierter Putsch gegen die Regierungen der einschlägigen Länder wegen wirtschaftl. Interessen. Verschwörungstheorie? Kaum!
    Und der „Einsatz chem. Waffen gegen die eig. Bevölkerung“ ist auch eher ein Märchen aus 1001-Nacht, da immer wieder suggeriert wird, das „Assad-Regime“ sei der Verursacher gewesen. Es gibt genügend Indizien, dass genau die Gegner Assad’s dahinter stecken.
    „Beweise“ für die Schuld Assad’s, geliefert von NGO’s? Wer sind diese NGO’s, wer steckt dahinter, wessen Interessen vertreten sie, wer bezahlt sie? Im Fälschen von Beweisen sind gewisse Kreise sehr geübt, sollte man seit Powell wissen!

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  • NP : Russland und Israel? Wie der Iran in Syrien bald alleine dastehen könnte – Freier Unabhängiger Dienstleister 27. Januar 2019

    […] und damit auch Zusammenarbeit erkennen. Das Land wird seit 8 Jahren vom Krieg heimgesucht, einst Bürgerkrieg, heute Stellvertreterkriege gleich mehrerer Nationen. Russland ist schon lange mit dabei, als Unterstützter von […]