Syrien: Die Masken sind gefallen

Die USA haben in Syrien das Kriegsbeil wieder ausgegraben. Nachdem Russland gedroht hat, die geheimen Verträge zu veröffentlichen, sind die USA vorgeprescht und haben Teile des Vertrags öffentlich gemacht, um damit Russlands teuflische Natur zu beweisen. Eine Einladung für Russland, seinerseits den kompletten Text offen zu legen. Was war von dieser Veröffentlichung erwartet worden:

Wenn alle sehen, wozu sich die USA gegenüber Russland im Detail verpflichtet haben, sehen alle, wie weit die USA bereits vom Olymp herabgekullert sind. Die USA haben von Russland das Bild des Teufels gezeichnet, dessen Wirtschaft in Fetzen gerissen ist. Wenn die USA sich nun verpflichtet haben, ihre geheimdienstlichen Quellen für Russland sprechen zu lassen, ihre Flüge an Russland zu melden und sich für dies und jenes erst eine Zustimmung von Russland einholen zu lassen… (…) Nun, das alles wird nicht gerade als Zeichen von Stärke gedeutet werden.

Genau das hat das Dokument aufgedeckt. Die USA haben sich verpflichtet, IS und Nusra in Zusammenarbeit mit Russland auszulöschen und sie haben sich diesbezüglich auf eine Reihe von sehr konkreten Schritten verpflichten lassen. Darunter der Austausch aller verfügbaren Geheimdienstinformationen über die Positionen der Terroristen, ihrer Waffenlager, Stäbe, Versorgungsrouten usw.

Darunter das Erstellen einer gemeinsamen Karte, auf der Russland und USA die Regionen eintragen, in denen Nusra konzentriert ist. Diese Arbeit sollte im Rahmen eines gemeinsamen Ausführungszentrums bis zum siebten Tag der Waffenruhe vollzogen werden, damit ab dem achten Tag der Waffenruhe Russland und USA gemeinsam und koordiniert mit der Zerbombung der eingetragenen terroristischen Ziele beginnen sollten. Genau dazu haben sich die USA vertraglich verpflichtet, Kerry hat im Namen der USA seine Unterschrift unter das Dokument gesetzt.

Die gemeinsamen Luftschläge sollten koordiniert erfolgen. Beide Seiten müssen sich die gegenseitig erarbeiteten Ziele bestätigen. Es dürfen keine anderen Flugzeuge oder Hubschrauber über den betroffenen Regionen in der Luft sein (auch nicht syrische) außer denjenigen, die im Rahmen des Vertrages Angriffe auf Nusra und IS fliegen. Das wäre praktisch eine beschränkte Flugverbotszone, allerdings nicht unter alleiniger US-Kontrolle. Das hat sich die Kriegstreiberfraktion anders vorgestellt.

Das große Problem für die USA bei all diesem Vorgehen ist neben vielen anderen Aspekten die Offenheit des Prozesses. Erfassung der Ziele und ihre Zerstörung müssen laut Dokument ausschließlich mit gegenseitiger Zustimmung erfolgen. Nicht miteinander abgestimmte Ziele dürfen laut Vertrag nicht angegriffen werden. Die USA wären nicht mehr in der Lage, einfach mal eine Stellung der syrischen Armee dem Erdboden gleich zu machen und dann alles auf einen unglücklichen Zufall zu schieben. Die gegenseitige Kontrolle hätte solche Zufälle ausgeschlossen. Der böse Wille hätte sich offenbart und wäre nicht mehr schön zu reden, nicht mal gegenüber den Zombies. Dieser Vertrag ist böse, denn er nimmt das Böse in die Klemme!

Die Arbeit zur Erfassung und Zerstörung von terroristischen Zielen sollte ununterbrochen sein. Außerdem sollte ein Monitoring über die Effektivität der Angriffsoperationen durchgeführt werden. Schlecht für die USA, in jeglicher Hinsicht. Sie hätten enthüllen müssen, wie effektiv oder ineffektiv sie sind, sie hätten eingestehen müssen, wie effektiv oder ineffektiv Russland ist. Dem Gerede von dummen russischen Bomben wäre ein schnelles Ende bereitet worden. Düstere Aussichten im Propaganda-Krieg auf allen Fronten.

Der Vertrag regelt außerdem die Modalitäten der Waffenruhe. Was müssen syrische Armee und Rebellen wie weit von welchen Orten und Straßen abziehen. Wie ist die Durchfahrt der Hilfskonvois geregelt. Unter welchen Bedingungen dürfen Rebellen Aleppo ungestört verlassen.

Der Vertrag vom 9. September regelte die Zerstörung von Nusra und IS. Es ist ein sehr korrekter Vertrag, der den größtmöglichen Schutz von Unbeteiligten und eine effektive Liquidierung von Terroristen garantiert. Genau das macht den Vertrag so schmerzhaft für die USA. Er widerspricht ihren Zielen.

Laut Vertrag mussten die Vorbereitungen für die Bildung des gemeinsamen Ausführungszentrums vom ersten Tag der Waffenruhe an beginnen. Nach Ablauf von einer Woche sollte das Ausführungszentrum schon arbeitsbereit sein, so dass unmittelbar mit gemeinsamen Luftschlägen gegen Nusra begonnen werden konnte. Wir erinnern uns dagegen, wie Pentagon-Vertreter am fünften Tag der Waffenruhe die Nase rümpften und der Welt verkündeten, dass sie sich nicht sicher seien, ob sie Lust hätten, die Vereinbarungen zu erfüllen. Das war Befehlsverweigerung und Vertragsbruch in einem.

Die geduldige Arbeit der russischen Diplomaten hat die USA nicht gezwungen, gegen den Terrorismus zu kämpfen. Aber diese Arbeit hat den USA die Maske vom Gesicht gezerrt. Der „Krieg gegen den Terror“ entpuppt sich nunmehr ganz offiziell als Unterstützung des Terrors. Natürlich hat es schon jeder vorher wissen können. Jetzt werden es auch viele erkennen, die es gar nicht wissen wollten und die an das Gute in den USA glaubten. Es sterben nicht nur Menschen in Syrien, es stirbt auch der Heiligenschein der USA, der in mühsamer jahrzehntelanger Propaganda in die Gehirne der Menschheit eingebrannt wurde. Ein schwerwiegender strategischer Verlust.

Der schwere Luftangriff der USA auf die syrische Armee kurz vor Ablauf der Wochenfrist hat die Gemüter hochkochen lassen, war aber nicht genug, um den Vertrag zu kippen. Welch glücklicher Zufall, dass in der Nacht zum 20. September ein UN-Hilfskonvoi zerstört wurde. Am 12. September begann die einwöchige Waffenruhe, am 19. September war eine Woche verstrichen, am 20. September hätte die gemeinsame Arbeit zur Vernichtung der Nusra beginnen müssen.

Stattdessen wurde ein Hilfskonvoi zerstört und die Westpresse füllte den gesamten Planeten mit wilden Anschuldigungen gegenüber Russland. In diesem Lärm ließ man den Vertrag vom 9. September und seine Nichterfüllung durch die USA untergehen.

Was die Zerstörung des Hilfskonvois angeht, hat die westliche Presse Russland beschuldigt, es mit seiner Luftwaffe zerbombt zu haben. Russland hat das dementiert. Die USA lieferten wie üblich keine Beweise. Von russischer Seite hat sich das Verteidigungsministerium zu Wort gemeldet und mehrere Beweisstücke vorgelegt.

Zuerst ein Video, welches zeigt, dass neben dem Konvoi ein Minenwerfer der Rebellen vorbeifuhr:

Und kurze Zeit später präsentierte das russische Verteidigungsministerium Beweise dafür, dass eine US-Kampfdrohne vom Typ Predator zum Zeitpunkt der Zerstörung des Konvois über dem Tatort kreiste:

Russland weiss sicherlich viel mehr, als es verrät. Und Russland verrät nur so viel, wie zu Verteidigungszwecken im Informationskrieg notwendig ist. Was übrigens ein Beispiel dafür ist, wie Russland den USA hilfsbereit unter die Arme greift, um für einen möglichst sanften Fall des Hegemons zu sorgen. Ungeachtet all der Gülle, die über Russland ausgeschüttet wird und ungeachtet all der vorhandenen Beweise, die Russland auf die USA loslassen könnte, beschränkt sich Russland auf gerade so viele kleine Andeutungen, um klar zu machen, dass Russland nicht schuld ist. Die Frage, wer dann Schuld hat, lässt Russland freundlicherweise offen.

Nehmen wir das erste Video, das den Minenwerfer am Konvoi zeigt. Erstens sind die USA dafür verantwortlich zu machen, dass ihre Rebellen Kriegsgerät im Schutz des Konvois transportieren. Zweitens darf man sich fragen, warum zum Teufel der Hilfskonvoi nachts unterwegs ist, in einem Kriegsgebiet mit brüchiger Waffenruhe. Nachts sieht man nicht, ob das ein UN-Laster ist oder ein weiterer Laster aus der Türkei, der Nachschub für Nusra nach Aleppo bringt. Und wenn Minenwerfer der Rebellen als Eskorte dabei sind, erscheint ein Hilfskonvoi nicht gerade wahrscheinlich. Der Angriff könnte demnach gut und gerne von der syrischen Artillerie vollzogen worden sein, in der plausiblen Annahme, dass die Rebellen wie gewohnt auf die Waffenruhe scheißen und Kriegsgerät und Munition nach Aleppo einführen. Wem wäre die Schuld in diesem Fall anzulasten? Der syrischen Armee, die geschossen hat? Oder den USA, die ihre Rebellen provozierend unmittelbar am Hilfskonvoi platzierten? Oder der UN, die ihren Konvoi nachts losgeschickt hat?

Die Sache mit dem Predator ist noch direkter. Eine Kampfdrohne der USA direkt über dem Tatort. Der Beweis wird nicht von einer unverbindlichen Presse mit ihren nicht genannten Quellen präsentiert, sondern verbindlich vom russischen Verteidigungsministerium vorgetragen. Haben die USA dementiert, dass ihre Predator-Drohne dort war? Mir ist kein Dementi untergekommen, aber vielleicht hat es eins gegeben. Wenn nicht, gibt das wirklich zu deken.

In jedem Fall wählt Russland seine Beweise so, dass die Schuld von Russland oder Assad sehr in Zeifel gezogen wird, aber gleichzeitig die USA nicht direkt beschuldigt werden. Selbst im Fall der Drohne behauptet der Sprecher nicht, dass sie auf den Konvoi geschossen hat und sagt explizit, dass er das nicht behauptet. Die USA mögen sich bitte selbst dazu äußern.

Naja, man weiss nie, wofür harte Beweise noch gut sein werden. Man kann sie gegen etwas eintauschen oder sie für einen Notfall aufbewahren. Im Moment ist kein Notfall. Die USA tun selbst mehr als genug, um ihr wahres Gesicht zu zeigen.

So etwa am 27. September, auf der täglichen Pressekonferenz des US-Außenministeriums:

QUESTION: A Reuters article – co-authored by Arshad, by the way – cites U.S. officials who believe the Gulf states may soon begin to arm Syrian rebels with MANPADs to shoot down aircraft. One U.S. official was quoted as saying, “The Saudis have always thought that the way to get the Russians to back off is what worked in Afghanistan 30 years ago: negating their air power by giving MANPADS to the Mujahideen,” end quote. About two weeks ago, U.S.-backed rebels drove U.S. Special Forces out of the town of Al-Rai, shouting, “Infidels, crusaders, dogs, pigs” at them – their words. In light of the fact that some rebels are quite openly anti-American, are you worried that these MANPADS could one day be used to shoot down U.S. planes?

MR TONER: So first of all, I’m not going to confirm what anonymous U.S. officials may or may not have said. I think I’ll just answer your question more broadly by saying that we cannot dictate what other countries – and I’m not naming names – but may or may not decide to do in terms of supporting certain groups within Syria.

Reuters hat also vermeldet, dass Golfstaaten die Lage in Syrien eskalieren wollen, indem sie die Rebellen mit leistungsfähigen tragbaren Luftabwehrsystemen ausstatten. Diese haben sich im Afghanistan-Krieg als sehr effektiv gegen die Sowjetunion erwiesen und das Kalkül ist, diese Taktik zu wiederholen und Russland damit große Verluste zuzufügen. Der Sprecher will das nur so weit kommentieren, dass die USA ihren Partnern nicht vorschreiben, was sie nach Syrien liefern. Aus dem diplomatischen übersetzt: „Hey, ihr Golfstaaten, jetzt dürft ihr an eure Terroristen liefern was ihr wollt, unser Verbot auf die Lieferung von Manpads ist aufgehoben“. Er hätte auch sagen können, dass das US-Außenministerium solche Schritte nicht begrüßen würde, weil sie nur zu einer Eskalation der Lage führen und man sich doch einig sei, den Konflikt politisch zu lösen. Das hat er aber nicht gesagt.

Es wird interessant sein zu beobachten, ob die Golfstaaten sich hinreißen lassen. Sie alle haben im letzten Jahr sicher nicht umsonst etliche male bei Putin auf der Matte gestanden. Ägypten ist schon zu sehr auf Russlands Seite. Die Türkei hat sich auch von den USA abgewandt und sich an Russland angelehnt. Saudi-Arabien hat mit Russland am 28. September einen Deal zur Eindämmung der Ölproduktion vereinbart. Ebenfalls am 28. September hat der US-Senat bewilligt, dass Saudi-Arabien von US-Bürgern wegen des 11. Septembers verklagt werden kann. Damit haben die USA Saudi-Arabien zum Abschuss freigegeben. Die Beziehungen zwischen USA und Saudi-Arabien verschlechtern sich seit geraumer Zeit so sehr, dass es der Öffentlichkeit nicht verborgen bleiben kann. Ob Saudi-Arabien unter diesen Umständen der Aufforderung der USA folgt, sich gegen Russland zu wenden? Insbesondere in einer Situation, wo Saudi-Arabien sich im Krieg gegen den Jemen verzockt hat und dort von Russland und Iran an den Eiern gehalten wird? Blieben noch die kleinen Golfstaaten. Werden sie im Alleingang gegen Russland angehen und Manpads nach Syrien schicken?

Wenn man sich den heutigen Nahen Osten betrachtet, stellt man fest, dass alle großen Spieler auf die ein oder andere Weise von Russland abhängig (geworden) sind und es sich nicht leisten können, Russland zu verärgern. Wozu der Abschuss eines einzigen Flugzeugs führen kann, wurde am Beispiel der Türkei eindrucksvoll demonstriert. Das bedeutet nicht, dass alles schon geregelt ist. Aber die Erlaubnis der USA, Manpads nach Syrien zu liefern, wird ein guter Indikator dafür sein, wie viel Einfluss die USA im Nahen Osten noch haben.

Der Journalist sagte noch etwas erwähnenswertes: „U.S.-backed rebels drove U.S. Special Forces out of the town of Al-Rai, shouting, ‚Infidels, crusaders, dogs, pigs‘ at them“. Nicht irgendwelche saudischen oder katarischen Rebellen, sondern die hauseigenen Rebellen der USA haben US-Spezialkräfte beschimpft und vertrieben. Die Zustimmung im Lager der eigenen Rebellen sinkt offenbar. Die oben beschriebene Veröffentlichung des US-Russland-Deals, in dem die USA sich offiziell verpflichtet haben, ihre Rebellen unter Moskaus Kontrolle abzuschlachten, wird ihren Teil dazu beitragen, dass die Rebellen in Syrien das Vertrauen in ihren Paten weiter verlieren.

Am 28. September dann, mit Kirby als Sprecher, wurde das US-Außenministerium noch deutlicher:

QUESTION: (…) But what I don’t think we have heard here is, so what are the consequences for Russia if this agreement falls through beyond some interagency discussions about options that have not yet been chosen? What are the consequences for Russia other than Secretary Kerry won’t talk to them on this particular issue going forward?

MR KIRBY: The consequences are that the civil war will continue in Syria, that extremists and extremists groups will continue to exploit the vacuums that are there in Syria to expand their operations, which will include, no question, attacks against Russian interests, perhaps even Russian cities, and Russia will continue to send troops home in body bags, and they will continue to lose resources – even, perhaps, more aircraft. The stability that they claim they seek in Syria will be ever more elusive, and it’s hard to imagine how a continued war – not just a civil war now, but increasingly more violent extremist activity in Syria – can be in the interest of a nation that says, that claims, and has claimed publicly time and time again that what they want to see is a whole, unified, pluralistic Syria and a stable Syria, a secure Syria, a Syria where they want to continue to have a defense relationship and a presence. So that’s what’s in it for them.

Die Frage war, welche Konsequenzen Russland drohen, wenn der Vertrag vom 9. September scheitert. Dazu sagt Kirby, der Sprecher:

Die Konsequenzen sind, dass der Bürgerkrieg in Syrien weitergehen wird, dass Extremisten und Extremistengruppen das Machtvakuum in Syrien nutzen werden, um ihre Operationen auszuweiten. Das wird fraglos Angriffe gegen russische Interessen einschließen, möglicherweise sogar gegen russische Städte. Russland wird weiter Soldaten in Leichensäcken nach Hause schicken und sie werden weiter Ressourcen verlieren, vielleicht sogar mehr Flugzeuge. Die Stabilität, die sie in Syrien angeblich bewirkt haben, wird sich noch mehr als Illusion erweisen, und es ist schwer vorstellbar, wie die Fortsetzung des Krieges, jetzt nicht mehr nur des Bürgerkrieges, sondern zunehmend von gewalttätiger extremistischer Aktivität in Syrien, wie das im Interesse einer Nation sein kann, die behauptet, und immer wieder öffentlich behauptet hat, dass sie ein vereintes pluralistisches und stabiles Syrien anstreben, ein sicheres Syrien, ein Syrien, in dem sie weiter militärisch präsent sein wollen und mit dem sie eine militärische Zusammenarbeit pflegen wollen. Das ist für sie drin.

Die Übersetzung ist von mir. Das Zitat muss man sich mehrmals auf der Zunge zergehen lassen, da steckt sehr viel drin. Kirby kündigt da im Namen des US-Außenministeriums die Fortsetzung des Krieges in Syrien an. Er weiss, was die Rebellen tun werden, er kündigt es an. Er weiss, was die USA tun werden, er kündigt es an. Sie werden den Krieg nicht zu verhindern suchen. Und die Rebellen werden ihre terroristische Aktivität vermehren. Woher kann er das wissen? Woher kann er wissen, dass die Rebellen den notwendigen Nachschub an Waffen, Munition und Personal bekommen werden, um ihren Krieg zu intensivieren? Er weiss es eben. Er weiss sogar, dass die Rebellen Russland angreifen werden. Russische Flugzeuge (eine Ergänzung zur Pressekonferenz vom Vortag, wo Manpads für die Terroristen angekündigt wurden), aber auch russische Städte! Kirby, der ehemalige Admiral, hat seinen Terroristen den Befehl erteilt, russische Soldaten, Flugzeuge und sogar russische Städte anzugreifen.

Erinnern Sie sich, wie US-Verteidigungsminister Carter zu Beginn der russischen Operation in Syrien russisches Blut angekündigt hat? Kurz darauf wurde ein russisches Passagierflugzeug in der Luft gesprengt. Das US-Außenministerium geht jetzt noch weiter, ist noch konkreter in seinen Drohungen. Selbst das Mindestmaß an diplomatischer Höflichkeit ist über Bord geworfen worden. Wie soll man das in Worte fassen? Der Dämon kreischt hysterisch, verliert die Fassung. So kann man keine Seelen einfangen, aber der Dämon ist so sehr im Überlebenskampf verstrickt, dass er seine Maske der Verführung nicht mehr aufrecht erhalten kann und sein wahres Gesicht zeigt. Ich weiss nicht, wie man das sonst beschreiben soll. Wie soll man eine komplett von Moral und Ethik befreite Aggressivität beschreiben, die nicht mal mehr mit dem Anschein moralischen Handelns verdeckt wird? Wir reden hier nicht von normalen Menschen, die ihren Emotionen freien Lauf lassen, wir reden vom Außenministerium der Weltmacht, von Spitzendiplomaten. Solche Entgleisungen dürfen einfach nicht passieren. Aber sie passieren, wiederholt.

Die Journalisten konnten ihren Ohren auch nicht glauben und haben noch mal nachgehackt, wie Kirby das gemeint hatte. Aber er hatte das genau so gemeint, wie er es gesagt hatte und wiederholte es noch mal:

MR KIRBY: Well, again, those are decisions they have to make as a sovereign country. My point is the question was what’s in it for them to comply with this – what’s in it for them to meet their obligations, to move forward with a JIC, and get the cooperation that they want? What’s in it for them in terms of – or what happens to them if they don’t do that is that they’ll end up being, yeah, more deeply involved in this, and the war won’t stop. Opposition groups are certainly not going to pull back, extremist groups are likely going to expand and take advantage of the chaos, and the war will continue. And more Russian resources will be expended, more Russian lives will be lost, more Russian aircraft will be shot down, and they – and this will go on.

(…)

MR KIRBY: — we have – the policy is we continue to support a diplomatic solution to this rather than a military one. But that doesn’t mean that as a government – and certainly, I can only speak for the State Department and Secretary Kerry – that we – that doesn’t mean that we aren’t still discussing other options and alternatives that might be available to us. It’s just that we continue to believe that none of them are better than trying to get a diplomatic solution to this. Obviously it’s been elusive, and it has been extraordinarily frustrating to see it be so elusive, which is why the Secretary made this phone call to Foreign Minister Lavrov today. But I’m not going to speculate about if, then what, and what might happen going forward.

Moscow has a decision to make. They have had many decisions to make over many, many months, of course, but right now they have a decision to make, and the Secretary laid that decision before them.

Noch mal die gleichen Drohungen. Moskau soll sich fügen. Das US-Außenministerium ist nicht auf diplomatische Lösungen versteift und kann auch anders. Wie, hat Kirby ja schon zwei mal erläutert. Mehr Krieg in Syrien und Terror gegen Russland, selbst auf russischem Territorium.

Russlands Top-Diplomaten werfen den USA inzwischen offen die Unterstützung von Terrorismus vor. Das ist eine Zeitenwende. Selbstverständlich haben alle schon immer gewusst, wer wen unterstützt, aber zur Politik gehört ein Schauspiel, in dem viele Dinge nicht offen ausgesprochen werden dürfen. Offiziell hat Russland den USA immer Hilfe im Anti-Terror-Krieg angeboten. Dem bisherigen diplomatischen Wortlaut nach haben die USA also den Terror bekämpft und alle Welt hat sich angeboten, dabei zu helfen. Die Beendigung dieses Theaters ist keine Nebensächlichkeit, das ist ein politisches und diplomatisches Erdbeben. Wir sind an dem Moment angelangt, wo der Ruf „Der König ist nackt!“ erschallt. Alle haben es vorher schon gesehen, aber niemand wagte es auszusprechen und weil es niemand auszusprechen wagte, mussten alle so tun, als ob alles anders wäre.

Russlands Verteidigungsministerium hat m 29. September geantwortet:

Das russische Verteidigungsministerium kommentiert den Auftritt des Sprechers des US-Außenministeriums, John Kirby, der im Rahmen einer Pressekonferenz angekündigt hat, dass im Fall einer Fortsetzung des Bürgerkrieges in Syrien die Terroristen Schläge gegen russische Interessen und russische Städte verüben werden und Russland weiterhin Soldaten in Leichensäcken nach Hause schicken wird, Ressourcen, und womöglich Flugzeuge verlieren wird:

Wir sind sicher, dass John Kirby, der vor kurzem die Uniform des Konter-Admirals aus dem Pentagon, gegen den Anzug eines offiziellen Sprechers des US-Außenministeriums getauscht hat, sich der Folgen seiner Worte voll bewusst ist.

Seine Worte sind das offenherzigste Eingeständis der US-Seite, dass die angeblich am „Bürgerkrieg“ in Syrien beteiligte „Opposition“ in Wirklichkeit eine US-kontrollierte multinationale terroristische „Internationale“ ist.

Besonders beeindruckend an Kirbys Eingeständnis ist, dass der direkte Einfluss der USA auf die Tätigkeit der Terroristen global ist. Und unter anderem bis nach Russland reicht.

Die Masken sind Gefallen, geehrte Herren?

Was die Drohungen Kirbys hinsichtlich der Verluste russischer Flugzeuge und des Heimschickens russischer Soldaten in „Leichensäcken“ angeht, sagen wir das folgende.

Wir wissen gut, wo genau in Syrien, unter anderem in Aleppo, verdeckte „Spezialisten“ tätig sind, die die taktische Planung und Leitung der Rebelleneinsätze organisieren, und wir wissen, wie viele es sind.

Natürlich kann man weiter erzählen, dass sie dort hartnäckig, aber erfolglos damit beschäftigt sind, die Terroristen von An Nusra von der „Opposition“ zu trennen.

Allerdings ist nicht gesagt, dass im Falle eines Versuchs, die Drohungen gegen Russland und die russischen Streitkräfte in Syrien zu realisieren, die Kämpfer Leichensäcke und genug Zeit zum Davonlaufen finden werden. Deshalb sollte man nach dem Wechsel der Admiraluniform gegen einen Anzug die Offiziersehre nicht vergessen.

Wir sagen es erneut: Wir sind voll bereit, den Dialog mit der US-Seite fortzusetzen und gemeinsame Aktionen zur Bekämpfung von Terroristen in Syrien zu erarbeiten.

Allerdings darf dieser Dialog nicht mal andeutungsweise Drohungen gegen unsere Soldaten und russische Bürger beinhalten. Was den Schutz russischer Bürger angeht, egal wo sie sich aufhalten, gibt es nichts zu verhandeln. Das ist unsere höchste und bedingungslose Priorität.

Übersetzung von mir. Auf zwei Elemente der Botschaft möchte ich aufmerksam machen. Zum einen der Appell an die Offiziersehre. Das ist keine vergebene Liebesmüh. Die US-Armee besteht nicht nur, und nicht mal hauptsächlich, aus radikalen Vollidioten. In der US-Armee gibt es viele echte US-Patrioten, deren Ziel es ist, die USA zu schützen, und die genug Ehrgefühl haben, es nicht dadurch zu tun, dass man Terroristen gegen russische Zivilisten ins Feld schickt. Diesem Teil der US-Armee streckt Russland die Hand aus. Und gerade dieser Teil der US-Armee sehnt sich nach Anerkennung und Würdigung, denn im letzten Jahrzehnt bekleckerte sich die US-Armee nicht mit Ruhm und Ehre. Es wird den ehrbaren Offizieren der US-Armee gut tun zu sehen, dass Ehre noch irgendwo im Kurs steht. Es wird sie hoffentlich zusätzlich ermutigen, gegen die Kriegstreiber in den eigenen Reihen zu opponieren.

https://www.youtube.com/watch?v=Gq1ChJAIGfc

Das zweite ist die Drohung Russlands, Spezialkräfte der USA in Syrien auszulöschen, wenn die USA sich dazu herablassen, Kirbys schändlichen Worten Taten folgen zu lassen. Die Drohung ist mit einer diplomatischen Enthüllung verbunden. Das russische Außenministerium hat die USA offen der Unterstützung des Terrorismus beschuldigt und das russische Verteidigungsministerium hat konkret benannt, wie diese Unterstützung aussieht. Die „syrische Opposition“, bestehend aus Söldnern aus aller Welt, stellt die Fußsoldaten, Planung und Kommando liegen in der Hand verschiedener US Special Forces. Unausgesprochen dürfen sich auch die Briten, Israelis, Franzosen, Deutschen, Saudis, Türken und alle anderen angesprochen fühlen, die mit ihren Spezialkräften die „Opposition“ in Syrien unterstützen.

Am 3. Oktober haben die USA ihren Rückzieher vom Vertrag des 9. September verkündet. Russland hat diesen Schritt bedauert. Das Lager der Radikalen hat die Schlacht um diesen Vertrag gewonnen. Den Interessen der USA hat es geschadet. Den Radikalen ist das nicht so wichtig, denn sie sind die Finanzinternationale. Und so wie für die kommunistische Internationale zu Beginn des letzten Jahrhunderts Russland nicht die Heimat, sondern nur ein geeigneter Ort war, um sich zu entfalten, so sind die USA für die Finanzinternationale nicht die Heimat, sondern nur ein bequemer Ort, von dem aus man operieren und seine Macht entfalten kann. So wie die Trotzkisten bereit waren, Russland „im Feuer der internationalen Revolution zu verbrennen“, so ist die Weltfinanz bereit, die USA zu verbrennen. Wenn Russland und die übrige Welt den USA unter die Arme greifen, tun sie das auch mit Blick auf diejenigen US-Eliten, die am Wohl der USA selbst interessiert sind und die bereit wären, von innen heraus gegen das radikale Lager vorzugehen.

Und während die moderaten US-Eliten die USA noch nicht gerettet haben, tut Putin, was er tun muss und was er die ganze Zeit schon tut. Er sucht diplomatische Lösungen. Wann immer eine solche Lösung gekippt wird, zieht er die Daumenschrauben ein bisschen enger und in der nächsten Verhandlungsrunde stehen die Partner schon schlechter da. Sie ärgern sich, können nur einen schlechteren Deal für sich aushandeln, zerstören diesen erneut selbst und bekommen im nächsten Anlauf noch schlechtere Bedingungen. So war es in der Ukraine mit den Minsk-Verträgen, so ist es in Syrien mit den US-Deals, so war es mit der Türkei, so ist es mit der EU, was die Sanktionen angeht. Im Westen pflegt man Zurückhaltung mit Schwäche zu verwechseln. Jahr um Jahr lässt der Westen Gelegenheiten für einen großen Deal verstreichen, Jahr um Jahr ist Putin zu immer weniger Zugeständnissen bereit – aber immer bereit für einen Deal. Der Deal wird kommen, und je länger sich der Westen dagegen sträubt, desto schlechter wird die Position des Westens in diesem Deal sein.

Die Folgen des Vertragsbruchs treten bereits ein. In Damaskus wird die russische Botschaft aus Minenwerfern beschossen. Vertreter von USA, Großbritanien, Deutschland, Frankreich und Italien wollen sich am 5. Oktober treffen, um eine politische Lösung für den Syrienkonflikt zu erarbeiten. Die USA werden diese Gelegenheit nutzen, um die abtrünnigen Vassalen wieder um sich zu scharen, im Kampf gegen den bösen Putin. Die EU hat in Syrien nicht mehr viel zu sagen. Vielleicht wird es beim Treffen gar nicht um Syrien gehen. USA und EU haben gerade andere Probleme miteinander.

Am 3. Oktober, am gleichen Tag, an dem die USA ihren Ausstieg vom Vertrag verkündeten, ordnete Putin den Ausstieg Russlands aus einam anderen Vertrag an, dem „Plutonium Management and Disposition Agreement„. Im Jahr 2000 haben die USA und Russland beschlossen, jeweils 34 Tonnen waffenfähiges Plutonium zu vernichten, indem daraus Brennstäbe für Atomkraftwerke hergestellt und verbrannt werden. Auf diese Weise würde das hoch angereicherte radioaktive Material wirklich aus der Welt verschwinden. Während Russland die notwendige Technologie für dieses Unterfangen erarbeitet hat und zur Umsetzung bereit ist, waren die USA zu blöd dafür (oder wollten zu blöd sein) und haben stattdessen angekündigt, ihr Plutonium zu vergraben. Aber Vergraben ist natürlich keine Vernichtung, man kann es jederzeit wieder ausgraben und einsetzen. Da die USA ihren Teil der Abmachung nicht erfüllen und das auch in Zukunft nicht vorhaben, hat Putin jetzt also angeordnet, dass Russland sich ebenfalls vom Vertrag zurückzieht, ganz offiziell. Das Timing ist selbstverständlich kein Zufall. Dieser Schritt ist die nächste Drehung der Daumenschrauben. Russland bewahrt sich sein volles Potential für einen etwaigen Atomkrieg. In der nächsten Verhandlungsrunde mit Russland wird der Westen erneut mit etwas schlechteren Karten da stehen. Und so wird es weitergehen, bis der Hochmut ausgetrieben ist und die Ernüchterung einkehrt. Der Vertrag vom 9. September wird nach einer Abkühlung der Gemüter wahrscheinlich reaktiviert werden. Vielleicht sogar mehr als einmal. Natürlich jedes mal zusammen mit einem neuen Vertrag, mit zusätzlichen Bedingungen.