in Naher Osten

Al-Araqa ist ein Dorf von etwas über 2000 Einwohnern westlich von Jenin ganz im Norden Palästinas und nicht weit von der israelischen Apartheid-Mauer enfternt. Diejenigen die Glück haben, pflegen und hegen ihre Olivenhaine und produzieren Olivenöl, oder haben irgendwo in Jenin eine Arbeit gefunden.

Gerade unter den Jugendlichen aber herrscht eine grosse Arbeits- und Perspektivlosigkeit, die durch die israelische Besatzung herbeigeführt wurde. Sie sind wie in einem Freiluftgefängnis eingesperrt – nicht unähnlich der Situation im Gaza-Streifen – weil sie sich nur im Umkreis von wenigen Quadratkilometern bewegen können, bevor sie auf feste Checkpoints (von den fliegenden Checkpoints gar nicht erst zu reden) der israelischen Besatzer stossen und die Weiterreise ohne gültige Genehmigung abbrechen müssen.

In Al-Araqa lebten auch zwei 15-jährige Jugendliche, Nihad Raed Waked und Fuad Marwan Waked, die am „blutigen Sonntag“ vom 14. Februar 2016 von israelischen Soldaten erschossen wurden.

Laut israelischen Angaben haben die zwei Jugendliche israelische Fahrzeuge mit Steinen beworfen, als dann die Armee mit Fahrzeugen eintrafen, wurden sie von den Jugendlichen unter Feuer genommen. Die Armee erwiderte daraufhin das Feuer und verwundete sie schwer. Ein Krankenwagen des Palästinensischen Roten Kreuzes befand sich zwar in der Nähe, wurde aber von den Soldaten gehindert Erste Hilfe zu leisten.

Leider ist der Tod der beiden jungen Palästinenser zum normalen Alltag in der Beziehung zwischen eines immer agressiver auftretenden Israel auf der einen Seite, und auf der anderen Seite die im gleichen Maße gesteigerten Verzweiflungstaten der Palästinenser gegen ihre Unterdrücker. Ob sich der Vorfall in Al-Araqa tatsächlich so zugetragen hat wie es die offizielle israelische Version gerne hätte, dass „Terroristen“ das Feuer auf die Soldaten eröffnet haben und sie deshalb erschossen wurden, ist im Grunde belanglos.

Es gab dutzende dokumentierte Fälle, wo israelische Soldaten nachweislich auf Steine werfende Palästinenser geschossen haben, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Nicht einmal dann, wenn sich Soldaten als Palästinenser ausgaben und ebenfalls Steine auf ihre Kollegen warfen um so die Gruppe zum mitmachen animierten, um sie dann anschliessend anzugreifen und gefangen zu nehmen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Ende Januar zum ersten Mal eindeutig das Recht auf Widerstand bestätigt, als er zu der Situation in Israel und Palästina folgendes sagte:

„Messerattacken, Fahrzeugattacken und Schüsse von Palästinensern auf israelische Zivilisten – das alles verurteile ich – und Zusammenstösse zwischen Palästinensern mit israelischen Sicherheitskräften, haben weiterhin Leben gefordert. Aber Sicherheitsmassnahmen alleine werden die Gewalt nicht stoppen. Sie können das ausgeprägte Gefühl der Entfremdung und Verzweiflung, die insbesondere junge Palästinenser empfinden, nicht ansprechen. Die volle Kraft des Gesetzes muss für alle angewandt werden die Verbrechen ausüben, mit einem System der Gerechtigkeit das für Israelis und Palästinenser gleichermassen ausgeübt wird.

(Die) palästinensische Frustration wächst unter dem Gewicht von einem halben Jahrhundert unter Besatzung und der Paralyse im Friedensprozess. Einige haben mir aufgetragen diese unbestreitbare Wahrheit auszusprechen. Wie es unterdrückte Völker seit ewiger Zeit demonstriert haben, ist es die menschliche Natur die auf die Besatzung reagiert, die oft als potenter Brutkasten von Hass und Extremismus dient.“

Es liegt also in der Natur des Menschen, dass er sich gegen Besatzung und Unterdrückung zur Wehr stellt. Und das klingt doch ganz anders als das israelische Narrativ von „muslimischen“ oder „arabischen Terroristen“, denen die „Gewalt in der DNA liegt„,  die seit Jahrzehnten aufgetischt wird.

Was aber im Fall der zwei getöteten Jungs aus Al-Araqa bemerkenswert ist und ihn deshalb von den meisten anderen israelischen Tötungen unterscheidet, ist der offensichtliche Sadismus der von den Soldaten ausgelebt wurde.

Nachdem sie Nihad und Fuad erschossen haben, haben die Soldaten die Leichen ausgezogen um in sozialen Netzwerken (hier und hier) damit zu prahlen.

 

Was wirklich mit diesem Akt der Schändung beabsichtigt wurde, ist die Erniedrigung der Opfer selbst über den Tod hinaus. Einige wirklich erschütternde Kommentare die sich über dieses Verbrechen lustig machen, gehen auch genau in diese Richtung. So schreiben einige „dass sie sich besser rasieren sollten bevor sie Märtyrer werden“, oder „dass sie sich bei den 72 Jungfrauen nicht mehr ausziehen brauchen“.

Sie wissen ganz genau, dass sie damit auch die Familie der Opfer bestrafen und erniedrigen. Solch ein Sadismus geht über die Befriedigung eines Verlangens weit hinaus. Sowas ist nur möglich, wenn man „den anderen“ nicht als gleichwertigen Menschen sieht, sondern als eine Form von „Unter-Menschen“ um den aus dem Nationalsozialismus und in Israel selbst geläufigen Begriff zu benutzen.
Hat man diese Grenze erst einmal überschritten, indem man andere Völker als sub-formen menschlicher Spezies betrachtet, fällt es solchen Menschen auch nicht mehr sonderlich schwer sadistische Verbrechen zu begehen wie im Falle von Fuad und Nihad Waked. Ebensowenig die Kommentare die die Verbrechen auf sozialen Netzwerken erhalten, obwohl sie auch in Israel (noch) verboten sind. Obwohl die Verfasser von diesen hässlichen Kommentaren namentlich bekannt sind, müssen sie ebenso wenig irgendwelche Konsequenzen befürchten wie die Soldaten die Palästinenser umbringen.

Diese überschrittene Grenze des israelischen Problems mit dem grassierenden Rassismus – Präsident Reuven Rivlin nannte die israelische Gesellschaft als krank – führt dann auch zu solchen Szenen, wo israelische Soldaten einen behinderten Mann aus seinem Rollstuhl stoßen. Oder wo eine ex-IDF-Sprecherin und aktuelle Ministerin für Kultur und Sport, Miri Regev, offen in einem TV-Interview erklärt das sie „froh ist eine Faschistin zu sein“ und afrikanische Migranten als „Infiltratoren, die Krebs in Israels Körper sind“ bezeichnet. In einer Gesellschaft die solche Probleme nicht hat, wären solche Vorfälle nur sehr schwer vorstellbar.

https://www.youtube.com/watch?v=DDjy03l0YJM

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24 Kommentare

    • Ach wirklich? Bitte per Copy&Paste mal zeigen. Oder meinten Sie den Rassismus gegen die Palästinenser? Denn da haben sie Recht. Das verhalten von uns und den Rest der Welt in dieser Hinsicht (Die Ausnahmen führe ich mal nicht auf) ist zutiefst erschreckend.

      Das Volk der Juden hat viel leid durch Rassismus erfahren. Durch uns und andere. Doch Israel beweist, dass sie aus der Geschichte noch weniger gelernt hat als wir. Die Israelische Regierung trägt die Schuld an unfassbar großen Leid und gehört umgehend in die Sanktionsspirale geschubbst, in die sie seit Jahrzehnten andere Länder und Völker hineinstoßen werden.

      Das ist kein Rassismus. Das ist ein erster Schritt um das Konfliktpotential im nahen Osten zu reduzieren.

  1. wieso empfinden die menschen empathie mit opfern, welche vor 70-80 jahren eine grosse tragödie erlebt haben, während gegenwärtige massaker vor den augen der öffentlichkeit stillschweigend hingenommen werden. wo ist die moral, wie passt das zusammen. unsere hochgehaltenen werte menschen/völkerrecht haben ihre glaubwürdigkeit schon lange verloren. und niemand weiss wie man diese ungerechtigkeit stoppen kann, empathie alleine hilft den opfern nun mal auch nicht!

  2. Das ist furchtbar. Man muss fragen, wie konnte es dazu kommen? Man muss auch fragen, wie oft kann man die Karre gegen die Wand fahren, ehe sie so kaputt ist, dass eine Reparatur nicht vorstellbar ist. 50+ Jahre haben die Israelis gewartet, dass die Palästinenser eine Einstellung von Frieden, von Vernunft, von Kooperation entwickeln. Die Ernte? Wüste Attacken. Jetzt haben einige Israelis aufgegeben und die Einstellung gewonnen, dass ihre Gegner nie zur Menschlichkeit finden werden. Und so meinen sie, dass sie die dann auch unmenschlich behandeln könnten. DAS IST FALSCH! Wie unmenschlich der Gegner auch ist, man darf sich nie auf die glitschige Bahn zur Unmenschlichkeit ziehen lassen.
    Unterdessen verfolgt der Staat Israel Solches streng!

  3. Warum keiner Israel verurteilt? Ganz einfach: Schaut euch mal im Westen um, wem die die Größten Banken gehören. Wer den Mund aufmacht, dem wird das Geld abgedreht. Zum zweiten, wenn die Bilder mit den Leichen echt sind, von dem Ich ausgehe.War das eine Exikution!! Auf dem einen Bild ist sogar das Einschussloch im Genick zu sehen, auch auf dem Zweiten Bild sind keine Wunden am Körper sichtbar, sondern nur eine Blutlache beim Kopf. Die haben nicht aus der Geschichte gelernt wie man es nicht macht, sondern wie man es macht!!