in Naher Osten

Am vergangenen Dienstag, den 17. Februar, begann die syrische Armee in den frühen Morgenstunden eine große Offensive gegen terroristische Gruppen, die den Norden Aleppos (Helab) einschnüren. Der Erfolg der militärischen Offensive wäre ein entscheidender Schritt bzw. die Voraussetzung für die Befreiung der Stadt und des türkisch-syrischen Grenzgebiets von den terroristischen Banden der al-Nusra, dem Islamischen Staat und ihnen verwandten Terrorgruppen.

Aleppo, einst mit über zwei Millionen Einwohnern Syriens zweitgrößte Stadt, war ein bedeutendes Wirtschafts- und Finanzzentrum. Viele halten sie für die älteste, durchgehend besiedelte Stadt der Welt. Wie viele syrische Städte hatte es einen besonderen Flair, der aus einer Mischung im Zusammentreffen westlicher Kultur mit der arabischen Welt entstand. 1986 wurde die Altstadt Aleppos von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, unvergesslich ein Besuch des Souk der Stadt. 2006 erhielt sie den Titel ‘Kulturhauptstadt des Islam’. Rund 20% der Bewohner waren Christen, unübersehbar die Anzahl der schönen orthodoxen Kirchen. Im Sommer 2012 eroberten Terroristen zahlreiche Stadtteile, der alte Souk wurde von ihnen zerstört, die Scharia eingeführt. Aleppo ist heute zweigeteilt. Im terroristisch beherrschen Teil sind es vor allem die al-Nusra Front (syrische Al-Qaida), die tonangebend sind, neben einigen anderen Gruppen wie dem Hazm Movement und Restverbänden der FSA (Freie Syrische Armee), die vor allem für den Fluss westlicher Waffen und Gelder in die eigenen Taschen und Richtung Dschihadisten sorgen. Der IS (Islamische Staat) hat derzeit nur in einigen Teilen Aleppos Einfluss, sein Einflussgebiet beginnt in den östlichen Landesteilen hinter Aleppo.

Die jetzt begonnene Offensive der SAA (Syrische Arabische Armee) verfolgt mehrere Ziele:
Zum einen soll der Kordon der syrischen Armee um die Stadt endgültig geschlossen werden, um den Nachschub der Terroristen aus der nahe gelegenen Türkei zu unterbinden. Die Säuberung der jetzt angegangenen nördlichen Gebiete würde al-Nusra und andere Terroristen von diesem lebensnotwendigen Nachschub abschneiden und letztlich die endgültige Befreiung Aleppos von den Terrorbanden erleichtern.

Zum anderen sollen konkret die Belagerungsringe der al-Nusra Terroristen um die mehrheitlich schiitisch bewohnten Ortschaften Nubol und al-Zahraa gesprengt werden. Beide Orte liegen nahe einer wichtigen Transferstraße zwischen Aleppo und der Türkei, über die bisher die Banden versorgt wurden.

Zugleich steht die syrische Regierung in Verhandlungen mit dem UN-Sonderbevollmächtigten Stefan de Mistura über einer Waffenruhe (freeze) zwischen den Terroristen und der Armee in Aleppo, um humanitäre Hilfslieferungen zu ermöglichen. In Gesprächen mit dem Präsidenten Assad hat dieser prinzipiell die Bereitschaft Syriens zu einem solchen Vorgehen erklärt. Wenn man auch zugestehen muss, dass de Mistura, im Gegensatz zu vielen völlig verrannten westlichen Politikern, zumindest verbal anerkennt, dass es „ohne Assad“ keine Lösung gebe, ist das plötzliche Bemühen um einen „freeze“ Waffenstillstand in Aleppo in gewisser Weise typisch: Immer dann, wenn die syrische Armee in entscheidender Weise Fortschritte gegen die terroristischen Gruppen macht, wird nach einer Waffenruhe geschrien. Die SAA hat an mehreren Fronten in den letzten Monaten Fortschritte erzielt, im Westen im Grenzgebiet zum Libanon, an den Golanhöhen, im Süden um Da’ara und sie hat den Belagerungsring um Aleppo zugezogen, mit dem Ziel die Stadt vom Terror zu befreien. Die syrische Regierung ist damit einverstanden durch humanitäre Hilfslieferungen das Los der Bevölkerung in der Stadt zu bessern, wird aber nicht zulassen, dass darüber der Terror von al-Nusra & Co. Nachschub erhält und erstarkt, denn das würde nur die humanitäre Katastrophe verlängern.

Die jetzt angelaufene Offensive der SAA dient dem Ziel, die Kontrolle über Lieferungen aus der Türkei, über die die Hilfslieferungen laufen werden, zu erhalten und zu verhindern, dass unter ihrem Deckmantel und Schutz Waffen und Terroristen weiter nach Aleppo und Umgebung gelangen.

Türkei greift in die Kämpfe ein

Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen ist es nach dem Beginn der Offensive am 17. Februar zu sehr schweren Gefechten zwischen Armee und Terrorbanden mit hohen Verlusten auf beiden Seiten gekommen. Die al-Nusra Front soll laut der libanesischen Zeitung ‘al-akhbar’ 32 SAA-Soldaten gefangen genommen haben, Dutzende Armeesoldaten wurden offensichtlich getötet. Der syrischen Armee stehen auf der anderen Seite neben der al-Nusra Front vor allem die al-Shamia Front und Hazm Movement gegenüber. Sie werden ergänzt von verschiedenen Banden, die aus anderen nahegelegenen Landesteilen zur Hilfe geeilt sind.

Nach anfänglichen sehr raschen Fortschritten, musste sich die Armee nach starkem und effektivem Widerstand zum Teil auf vorher eroberte Stellungen zurückziehen. Sie hat aber dennoch ihr erstes großes Ziel, die strategisch wichtige Straße in die Türkei zu kontrollieren, erreicht.

Beobachter der Kämpfe, nicht nur aus Syrien, erklären den harten Widerstand gegen den Vormarsch der SAA und ihre hohen Verluste mit einem direkten Eingreifen seitens der Türkei. Neu wäre das absolut nicht: Das NATO-Mitglied Türkei ist ein offener Unterstützer des islamistischen Terrors gegen Syrien: Die libanesische Zeitung al-akhbar schreibt, die Blockade der Straße zur Türkei durch die syrische Armee, verhindere nicht das ständige Einsickern von „starken Kräften“ und Nachschub auf anderen Wegen aus der Türkei in die nördliche Aleppo-Provinz. Die Grenze beim Übergang Bab al-Salam sei „weit offen“, über sie gelangten Kämpfer und Material nach Syrien und Verwundete Nusra-Terroristen in türkische Hospitäler. Augenzeugen aus Azaz, einer nahe der Grenze gelegenen syrischen Stadt, berichteten von einem „einzigartigen Fluss“ von Menschen und Material über die türkisch-syrische Grenze.

Es wird auch über ein direktes Eingreifen türkischer Elitesoldaten spekuliert, da die in dem Kampfgebiet operierenden Terrorgruppen gar nicht zu einem derartigen disziplinierten militärischen Vorgehen in der Lage seien.

Ob dem wirklich so ist, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Ausgeschlossen ist es beileibe nicht. Die Türkei unter Erdorgan hat immer wieder aktiv auf Seiten der Terroristen interveniert: Sei es als Schleuser für Terroristen, Trainingslager, Rückzugsgebiet, Nachschublieferant, durch medizinische Versorgung der Islamisten. Sie unterstützte offen die Erstürmung und Besetzung der armenisch geprägten syrischen Stadt Kasab, die Bestürmung und Belagerung der kurdischen Stadt Ayn al-Arab (Kobane) durch den Islamischen Staat. Die türkische Armee greift die syrische Armee bei der Verfolgung von Terrorbanden an, beschießt ihre Camps und Operationen gegen Terroristen mit Artillerie und schoss Flugzeuge der syrischen Luftwaffe über syrischem Territorium ab. Das alles – vergessen wir es nicht – unter dem militärischen Schutzschirm der deutschen Bundeswehr, die diese Aggressionen mit ihren hundert Kilometer entfernt stationierten Patriot-Raketen deckt und ermöglicht.

Es passt in dieses Bild, dass am Sonntag (22. Februar) die türkische Armee mit 600 Elitesoldaten syrisches Territorium intervenierte, um den Erdorgan „heiligen“ Sarkophag eines vermeintlichen osmanischen Reichsgründers in die Türkei zu sicherzustellen.

Die türkische Regierung unter Erdorgan hat immer wieder klar gemacht, dass sie lieber gestern als heute direkt in Syrien einmarschieren will, um ihre Gebete in den Moscheen Aleppos und Damaskus’ zu sprechen, oder zumindest – für den „Anfang“ – eine „Pufferzone“ genanntes Gebiet (No-Fly-Zone nach libyschen Muster) errichten will, um dem Terror ein sicheres Aufmarsch- und Rückzugsgebiet zu verschaffen.

Diese Unterstützung des dschihadistischen Terrors hat die Türkei von Anfang an gnadenlos gegen das syrische Volk betrieben. Man kann wohl sagen, ohne die Türkei Erdorgans wäre Syrien heute wieder ein schöneres und vor allem sicheres Plätzchen auf dieser Erde – so, wie es das einmal war.

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Kommentar

  1. Der Blackwater-Nachfolger hat ca. 200 000 Söldner unter Vertrag und den finanziellen Backround seitdem Monsato und Bill Gates dort eingestiegen sind.

    • Es gibt da also noch eine Zeit zu kämpfen. Das Ziel, daß Syrien eine private Rotschild-Zentralbank bekommt, ist bereits erfüllt. Jetzt dürfte es nur noch um die geplante Aufteilung des Landes und das geplante Bevölkerungsreduktionsprogramm gehen.

  2. danke für den tollen Artikel. Es gibt noch Licht im Dunkel in der deutschen Medienlandschaft. Was Syrien mit Verlogenheit angetan worden ist, ist unglaublich. Dass sich deutsche Journalisten nicht in den Boden schämen, unfassbar.

    Ich kann auch sehr die Reportagen von Karin Leukefeld empfehlen, die seit Jahrzehnten Reportagen vor Ort macht und eine echte Syrienexpertin ist, nicht wie diese Grmpf im deutschen Fernsehen. http://leukefeld.net/?cat=6

    Von Anfang an wurde mit allem auf Syrien draufgegangen was möglich war. Bitte beschäftigt Euch mit dem Thema. Hier existieren extrem viele Lügen und Verdrehungen. Auch einmal die syrische Nachrichtenagentur Sana besuchen.