in Naher Osten

Wenn du nicht in Israel lebst, hast du nicht das Recht zu kritisieren. Wenn du in Israel lebst, aber nicht in der isreaelischen Armee dienst, hast du nicht das Recht zu kritisieren. Du darfst keine israelischen Sprecher abwürgen – glaubst du nicht an die Redefreiheit?

Von Larry Derfner – Du darfst Israel nicht boykottieren – komm stattdessen und lass dich ein auf uns, komm und führe einen Dialog mit uns!

Diese Ermahnungen sind von Sprechern für Israel, professionellen wie Amateuren, seit Jahrzehnten wiederholt worden. Und sie waren sehr erfolgreich beim Ausschalten von angehenden Kritikern der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.

Aber stellen wir doch diese israelischen „Prinzipien” der Behandlung gegenüber, die Netanyahu und seine Handlanger, oder in diesem Fall Handlangerinnen, früher in dieser Woche der Organisation Breaking the Silence („Das Schweigen brechen“) angedeihen ließen. Netanyahu weigerte sich, den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel zu treffen, als letzterer darauf bestand, auch mit der NGO der Soldaten gegen die Okkupation- (und mit der Antiokkupations-Menschenrechts-NGO B’Tselem) zusammenzutreffen. Dann sagte die stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely (Likud) im Armeerundfunk, dass Breaking the Silence „ein Feind ist, der Israel schadet. Eindeutig.“ Dann forderte die Kulturministerin Miri Regev (Likud) den Bürgermeister von Haifa auf, ein Treffen mit Breaking the Silence in der lokalen Kunstgalerie zu untersagen.

Das ist nur die letzte der ständigen Schikanen von Breaking the Silence durch die Regierung, welche versucht, die NGO aus der Knesset, der Armee, den Schulen, den Gemeindezentren zu jagen, sie aus ihrer Existenz zu jagen, per Gesetz, per Verordnung, per Bescheid.

Breaking the Silence ist eine Organisation, die von israelischen Soldaten der Reserve gegründet worden ist und Zeugenaussagen von über 1.000 Soldaten der Kampftruppe des israelischen Militärs über die Verstöße der Armee gegen die Palästinenser, die sie gesehen haben, gesammelt hat.

Leben sie in Israel?

Dienen sie in der israelischen Armee?

Sind sie israelische Sprecher?

Ja, ja und ja, und die israelische Regierung, gehorsam gefolgt von den Massenmedien und dem größten Teil der jüdischen Öffentlichkeit, hasst Breaking the Silence, wie sie keine andere Anti-Okkupationsbewegung hasst.

Sie hasst sie nicht nur, weil sie gegen das höchste Heiligtum des Landes, die Armee losgehen, sondern weil sie das mit unanfechtbarer Glaubwürdigkeit tun. Sie sagen, was sie mit ihren eigenen Augen gesehen und mit ihren eigenen Händen getan haben. Sie haben ihren Patriotismus unter Beweis gestellt – sie haben ihr Leben für Israel riskiert. Sie haben keinen Grund zu lügen. Und es gibt mehr als 1.000 von ihnen.

Breaking the Silence bietet einen Lackmustest für den Charakter Israels, einen Test, bei dem dieses Land immer noch schlechter abschneidet. Wenn Israel nicht auf die Wahrheit von Breaking the Silence hören kann, kann es auf niemandes Wahrheit hören – aber Israel kann nicht nur nicht auf Breaking the Silence hören, Breaking the Silence ist, was Israel am verrücktesten macht.

Nein, es spielt keine Rolle, ob du in Israel lebst, ob du in der Armee dienst, ja nicht einmal ob du Kampfsoldat für die Okkupation gewesen bist – wenn du ernsthafte moralische Kritik an der Art anbringst, wie dieses Land Palästinenser behandelt, dann bist du in den Augen dieses Landes ein Verräter und Feind. In der Tat bist du der größte Verräter, wenn du ein Kampfsoldat bist und gegen die Okkupation aussagst, schlimmer als die jüdischen Liberalen in der Diaspora und unsere goyischen „Freunde.“

Du darfst Israel nicht boykottieren – stattdessen komm und lass dich auf uns ein, komm und führe einen Dialog mit uns! Wirklich? Schau, wie Israel seine eigenen kämpfenden Männer und Frauen behandelt, die sich engagieren und den Dialog mit ihm suchen. Ziehe deine Lehre daraus – nimm auch am Boykott teil! Wenn Israel dich einen Verräter oder Feind nennt, dann wirst du in guter Gesellschaft sein, in der Tat in der besten.

Quelle: larryderfner.com – Übersetzung: Klaus Madersbacher

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Larry Derfner ist mir mit seinen recht linken Kommentaren in der Jerusalem Post („Rattling the cage“) bestens bekannt. Er versucht halt, den Nahostkonflikt durch triefenden Humanismus zu lösen. Wie friedlich die Palästinenser sind, weiß man seit der Übergabe des Gazastreifens an die palästinensische Autonomie, und die wachsende Medienmacht von NGOs, zumal gesponsort von Milliardären, möchte ich bei aller Pressefreiheit auch nicht in meinem Land haben…

    • Den Rassismus und die Gewalt eines ganzen Staates mit der Gewalt weniger zu vergleichen ist wie alle Ost-Deutschen für die paar Nazis zu verurteilen.

      Es ist im Grundsatz falsch!

      Warum die Palästinenser so reagieren sollte Ihnen auch bekannt sein.
      Aberkennung wichtiger Grundrechte
      Hunderte zerstörter Häuser jedes Jahr
      Keine Baugenehmigungen
      Kein Zugang zur Küste
      Siedlungsprojekte auf Palästinänser Gebiet

      Muss ich diese Liste fortsetzten?

    • Solange Is…. (besser Pünktchen sonst ist der Post im Nirvana. Kenn ich von früher) nicht bereit ist auch nur einen Gedanken an eine zwei Staatenlösung zu verschwenden wird es keinen Frieden geben.
      Netanyahu und seine Schergen, wollen aber keine. Die wollen ALLES für sich!
      Wer Land raubt, Menschen im KZ hält und andere Kriegsverbrechen begeht ist unterm Strich kaum bis garnicht besser als die Nazis in D.
      Aber bei Bedarf schnell in die Opferrolle hüpfen und Kritiker als Antisemit, Feind, Verräter und sonst was beschimpfen.
      Schon komisch/traurig das ausgerechnet Is… so unterwegs ist.
      Haben die nichts gelernt aus der Geschichte?
      Herr Netanyahu. In meinen Augen sind sie ein Nazi!

  2. Netanjahu hat ein großes Vorbild, nämlich die USA im Vietnamkrieg, die ebenfalls jede Kritik an ihren Verbrechen inkriminierte.

    Unsere Politik mault zwar, dass Gabriel wegen des geplanten Kontakts mit Israels eigenen Kritikern ausgeladen wurde. Ohne Genehmigung der USA wird das aber keine Konsequenzen haben.