in Naher Osten

„Wir sind die Opfer“ spricht er dramatisch, aber dennoch klar ins Mikrofon. Seine Präsidentschaft ist zu Ende, Ruhe findet er nicht; „Afghanistan ist ein vom Krieg geplagtes Land, ein Opfer eben“ – Das ehemalige Staatsoberhaupt hält seine Abschlussrede, eine Rede an die Nation und die Weltöffentlichkeit. Und wahrlich, Hamid Karzai übergibt seinem Nachfolger einen Trümmerhaufen. Die Afghanen haben genug.

Afghanistan – ein „failed State“ würden wahrscheinlich die großen außenpolitischen Think-Tanks schreien. Ein zerstörtes Land, mit einem schlechten Ausblick in die Zukunft. Doch die Vergangenheit ist deutlich schlechter. Sowjet-Einmarsch, Widerstandskämpfe, Taliban-Herrschaft, Nato-Intervention, schleppender Wiederaufbau; 35 Jahre Krieg. „Einigermaßen in Takt“  – so könnte man die Stabilität des Staatsapperates in dem Jahr beschreiben, in dem sich die Nato-Mächte fluchtartig auf dem Land zurückziehen. Es ist ein Rückzug, kein Ende.

So bewertet auch der langjährige Präsident Hamid Karzai die Lage. Am vergangenen Dienstag hält er eine Rede in Kabul – seine letzte Rede. Zum Abschluss gibt es dramatische Rhetorik an die Nation und auch an die Weltöffentlichkeit. „Die USA wollen keinen Frieden in Afghanistan, da sie ihre eigenen Ziele verfolgen“, sagt er in die Kamera, an sein Volk gerichtet fügt er hinzu: „Der Krieg in Afghanistan ist nicht unser Krieg, er wurde uns auferlegt und wir sind die Opfer.“ Es werde keinen Frieden im Land geben, wenn Amerika oder Pakistan dies nicht wollten. Der neuen Regierung empfahl Karsai, in den Beziehungen zu den USA und dem Westen besonders vorsichtig zu sein.

Es ist ein Traupersiel für die militärisch beteiligten Westmächte. Ein Volk, das eine islamistische Schreckensherrschaft erlebt hat, lehnt neue „Unterstützung“entschieden ab. Es hat genug von ausländischen Soldaten die im Auftrag internationaler Regierungen ins Land kommen, es nach belieben verändern, nur um anschließend ein instabiles und verarmtes Land zurückzulassen. Karzai spricht aus was ein großer Teil der Afghanen bereits denkt: Was hat uns das alles gebracht? Und vorallem: wie geht es jetzt weiter? Diesen Fragen wird sich nun die neue Einheitsregierung von Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah stellen müssen. Der Westen tut das nicht mehr.

QUELLE:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/wir-sind-die-opfer-karsai-beschuldigt-usa-fuer-afghanistan-krieg/10743176.html

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Afghanistan gehört zu den drei Ländern, die ein Grundgesetz haben, wie die BRiD. Das bedeutet, diese Länder haben keinen Friedensvertrag und sind direkt abhängig. Das hat Karsai richtig erkannt. Er traut sich aber erst in der letzten Rede, das Wort auf das Thema zu lenken.

  2. Afghanistan ist seit Anfang des 19. Jh. Spielball fremder Mächte – der Briten vor Allem, aber auch Russlands.
    Siehe „The Great Game“ (Wikipedia);
    seit 2001 bekanntlich dann der USA und ihrer Vasallen.

    Kaum anzunehmen, dass das Land nun Frieden findet – die strategisch bedeutende Lage wird immer wieder zu Übergriffen führen.

    An die innere Zerrissenheit, die eigenen Stammes-Auseinandersetzungen, die ungelösten Konflikte mit Pakistan mag man erst gar nicht denken. Und erst recht nicht an die von den USA einst munitionierten Taliban, die schnell wieder mächtiger denn je sein dürften.

    Armes Afghanistan, kann man da nur sagen …

  3. überflüssiger artikel mit aus dem zusammenhang gerissenen aussagen ohne berücksichtigung der lokalen verhältnisse. kein offenbarungeid gegenüber sich selbst oder den usa. keine neuen infos. halt überflüssig