in Naher Osten

Es gibt eine Fülle von Anzeichen, daß im Iran eine regionalpolitische Umorientierung im Gang ist. Apxwn hat dazu einiges auf seinem Blog zusammen getragen, zuletzt Option Persien (Teil 3).

Letzte Woche gab es dazu sehr direkte Aussagen von Kayhan Barzegar, dem Direktor des Instituts für Strategische Studien des Nahen Osten (IMESS) in Teheran und Vorsitzenden der Abteilung für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen am Wissenschafts- und Forschungs-Zweig der Islamischen Azad-Universität. Seinen Titel „Verschiebung in der Natur der iranischen Regionalpolitik“ veröffentlichte Die Evidenz auf deutsch.

In diese Reihe gehören jüngste Äußerungen von Ali Akbar Velayati, einem Berater von Ayatollah Khamenei, der auch als Präsidentschaftskandidat gehandelt wird. Er bekräftigte, was dem Iran ohnehin unterstellt ist:

Der Schwerpunkt unserer Syrienpolitik ist es, einem Zerfall des Widerstandes gegen Israel vorzubeugen. Stürzt Präsident Bashar al-Assad, wird die Front des Widerstandes gegen Israel aufgebrochen.

Der Gehalt dieser überflüssigen Mitteilung liegt in einer merk-würdigen Entgegensetzung. Die iranische Unterstützung für Assad bedeute nicht, zitiert ABNA Barzegar weiter, daß Teheran seinem regionalpolitischen Ziel das „Recht der syrischen Nation“ unterordne, „seine Gesetzgeber selbst zu wählen„.

Wir glauben, daß in Syrien Reformen nötig sind, die den Forderungen der syrischen Nation Rechnung tragen, ohne daß zu diesem Zweck auf Gewaltmaßnahmen und Unterstützung durch die USA zurück gegriffen wird.

Soweit fast alles, wie gehabt, wenn wir von der Kombination der Themen „Widerstand gegen Israel“ und „syrischer Selbstbestimmung“ absehen.

Die Nachricht, die ABNA daraus macht, besteht in einer identischen Wortwahl des Aufrufes von Kayhan Barzegar und des syrischen Außenministers Walid al-Muallem, der die „nationalistische“ (patriotische) Opposition aufgefordert hatte, die Waffen niederzulegen und Gespräche mit dem Ziel aufzunehmen, „eine neue Regierung zu bilden„.

Nehmen wir jetzt noch hinzu, daß die zionistische Führungsclique, die seit dem erfolglosen Libanonfeldzug 2006 alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, die USA zu einem vernichtenden Angriff auf den Iran zu bewegen, jüngst damit begonnen hat, eine „Mauer“ nach dem Muster der libanesisch-israelischen Grenze auf dem völkerrechtswidrig annektierten Golan zu errichten, wird einigermaßen deutlich, an wen diese Botschaften gerichtet sind: An die israelischen Opponenten gegen diesen buchstäblich wahnsinnigen Zirkel innerhalb der herrschenden zionistischen Militäroligarchie.

Wie wahnsinnig er ist, das enthüllte letzten November der ehemalige israelische Generalstabschef Gabi Ashkenazi. Er berichtete, Netanyahu und Ehud Barak hätten ihm 2010 die offene Mobilmachung zu einem Angriff der israelischen Luftwaffe auf iranische Atomanlagen befohlen, offenbar mit der Absicht, iranische Präventivmaßnahmen zu provozieren, die den fehlenden Vorwand zu dem Angriff geliefert hätten.

Ashkenazi verweigerte mit Rückendeckung des seinerzeitigen Mossad-Chef Meir Dagan, dem Direktor des Shin Bet Yuval Diskin und dem Staatspräsidenten Shimon Peres den Befehl (Haaretz). Der Bau der Golan-Befestigung ist gegen die Provokationen gegenüber dem Iran ein Fliegenschiß, aber er folgt demselben Muster. Wie immer der Krieg gegen Syrien beendet wird, und sei es auch – was so gut wie ausgeschlossen ist – mit einem sogenannten „Sieg“ der Führungsriege um Assad – abgesehen davon, daß Assad bis zur Operation Cast Lead geheime Friedensgespräche mit dem damaligen israelischen Premier Olmert unter türkischer Vermittlung führte! – die Syrer haben hernach anderes im Kopf und zu tun, als irgendwelche revisionistischen und revanchistischen Politiken gegen Israel zu verfolgen.

Die Diplomatie von Kayhan Barzegar besteht demnach darin, gutwilligen Zuhörern in der zionistischen Elite mitzuteilen:

Wenn ihr euch dem Erhalt der territoialen Integrität Syriens nicht (länger) in den Weg stellt, dann bescheiden wir uns mit diesem Minimalziel. Mehr kann ein Mann wie Kayhan Barzegar wohl nicht tun, um das hergebrachte Muster der „strategische Allianz“ des Iran mit Syrien zur Disposition zu stellen.

Einen indirekten Hinweis auf die Haltbarkeit dieser Deutung lieferte bereits am 2.Jan. die israelische Desinformations-Crew von Debka.file. Sie sah sich veranlaßt, horrible Szenarien über einen demnächst blutig ausartenden Machtkampf zwischen einem plötzlich zum Reformer und Kämpfer gegen Korruption beförderten Ahmadinejad und der „Führungsclique“ um Ayatollah Ali Khamenei auszumalen – natürlich mit der Vorhersage, daß er „unvermeidlich“ mit einem Sieg des radikalsten, militantesten, kurz bösartigsten Flügels der iranischen Eliten enden werde. Offenbar sehen da einige Leute ihre liebsten Feinde abhanden kommen.

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