in Naher Osten

„Du sollst nicht töten“. Jeder kennt dieses Gebot, unabhängig davon ob aus der Bibel, den modernen sozialen Rahmenbedingungen des Zusammenlebens, oder schlicht und ergreifend weil es das staatliche Gesetz nicht erlaubt. Und doch wird getötet. Jeden Tag, statistisch gesehen zu jeder Stunde und sogar fast zu jeder Minute, wird ein Mensch irgendwo auf der Welt umgebracht. Und dabei sind Opferzahlen durch Kriege, Naturkatastrophen etc noch nicht einmal eingerechnet.

Der „Judenstaat“ (nach Theodor Herzl, dem „Erfinder“ des modernen Zionismus) Israel bildet dabei keine Ausnahme. Ironischerweise begründen Zionisten ihr „Recht“ auf das „Heilige Land“ nach dem biblischen Versprechen, das Gott den Hebräern das Land geschenkt habe wenn sie seine Gebote einhalten. „Du sollst nicht töten“ ist eines von den 613 Geboten die gläubige Juden laut Bibel einhalten müssen. (Ebenso wie alle anderen Weltreligionen; es ist bezeichnend das christliche Länder die Mordstatistik anführen.)

Dennoch erleben wir in Israel kaltblütige Morde durch Soldaten der sich selbst bezeichnenden „moralsten Armee der Welt“, durch jüdische Siedler in der West Bank oder durch Palästinenser. Meistens hören wir nur etwas davon, wenn Palästinenser die Täter sind. Wenn es aber Israelis sind, hören wir entweder gar nichts, oder nur wenn der Mord durch eine Kamera aufgenommen wurde. Wie im Falle des 19-jährigen El-Or Azarya, der vor laufender Kamera einen bereits am Boden liegenden und verwundeten Palästinenser aus nächster Nähe in den Kopf schoss (siehe mein Bericht). Und wie er anschliessend zu Baruch Marzel, dem berüchtigten Siedler und Anführer der faschistischen und in Israel verbotenen Kach-Organisation, hingeht und ihm die Hand schüttelt.

Seitdem lässt mich dieser Fall nicht mehr los. Nicht nur wegen der Tat an sich, sondern fast noch mehr wegen dem ganzen „drumherum“. In meinem letzten Artikel habe ich die Reaktionen der politischen Führung Israels beschrieben, wie Ministerpräsident Benjamin Netanyahu seine Positionen wechselte, gerade so wie er es für den Moment opportun hielt.

Sein letzter offizieller Standpunkt ist, dass er der Armee wieder grünes Licht zum „Angriff ohne Hemmungen“ erteilt hat, wie es seine Mitteilung (natürlich nur auf hebräisch) auf Twitter vom 6. April zeigt.
Seit Wochen beschäftigt dieser Mord nun die Menschen in Israel und in der West Bank, aber aus jeweils anderen Motiven. Während die Israelis die Welt nicht mehr verstehen können, dass ihr „Held“ El-Or Azarya tatsächlich verurteilt wurde (nicht wegen Mordes, wegen Totschlags), sehen sich die Palästinenser einmal mehr der Tatsache bestätigt, dass bei Mord mit zweierlei Mass gemessen wird.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein offener Brief einer Frau, die in der illegalen Mega-Siedlung von Maale Adumim lebt. Hier einige Passagen aus ihrem Brief, die die Gedankenwelt vieler Israelis wiederspiegelt:

„Totschlag? Weil er etwas getan hat was er für richtig hielt? Wenn sein eigener Kommandeur zugibt, dass der Terrorist nicht neutralisiert wurde und dass er Angst davor hatte der Terrorist könnte mit einer Bombe bewaffnet sein? Totschlag? Liebe Armee, bittet sendet meinen Kampfsoldaten (in Israel wird unterschieden ob ein Soldat in einer Kampfeinheit oder sonstiger Einheit ist/Anm.) nach Hause. Er ist kaum 20 Jahre alt und wenn ihr nicht zu unseren Söhnen stehen wollt, sendet meinen nach Hause. … Ihr habt kein Recht sie so jung aufzunehmen, wenn ihr nicht akzeptiert, dass sie am Ende des Tages 19 oder 20 Jahre alt sind. Sie gehen nicht wie ihre amerikanischen Gegenstücke jeden Abend trinken und in Bars abhängen, sie werden nicht schwanger und treiben ab, ohne überhaupt zu wissen wer der Vater ist, oder wachen am Morgen auf und können sich nicht einmal an ihren Namen erinnern. … In meinem kleinen Land ist mein Sohn irgendwo an einem Kampfplatz, einem Checkpoint, irgendwo in Israel.“

Diese paar Zeilen einer Mutter von drei israelischen Soldaten, zeigen wo das Problem liegt. Sie sind die Palästinenser als Fremde an, als Eindringlinge in „ihrem kleinen Land“ Israel. Einem Israel, das vom Mittelmeer bis zum Jordan reicht. Deshalb lebt sie auch nicht irgendwo auf israelischem Staatsgebiet, sondern hat sich bewusst dafür entschieden in einer Siedlung zu leben. Für sie ist das natürlich keine Siedlung, und erst recht keine illegale Siedlung. Für sie ist alles Israel, in der es keine Palästinenser geben sollte. Alles ist ein Kriegsschauplatz, durchzogen von israelischen Checkpoints. Es spielt für sie keine Rolle, dass Kampfsoldaten ausschliesslich in den besetzten Gebieten dienen, wo sie für die Unterdrückung der Palästinenser ausgebildet werden. Für sie ist das aber Krieg.

Deshalb kann es auch nicht überraschen, dass am 19. April tausende Israelis gegen die Inhaftierung von El-Or Azarya demonstrierten. Gegen ihre eigene Militärführung demonstrierten und den Rücktritt ihres einstigen Kriegshelden forderten: von Verteidigungsminister Moshe „Boogie“ Ya`alon. Sein Kardinalfehler war es, aus Sicht der tausenden Menschen am Rabin Square in Tel Aviv, dass er sich als Verteidigungsminister gegen die Rufe nach einer Entlassung und für eine Verurteilung von Azarya aussprach.

Ob sich diese Israelis auf dem Rabin Square überhaupt der tragischen historischen Ironie bewusst waren? Sie standen auf dem selben Platz, wo vor über 20 Jahren hunderttausende Israelis für einen Frieden mit den Palästinensern demonstrierten. Und wo der damalige Ministerpräsident Yitzak Rabin dafür mit dem Leben bezahlen musste. Und heute demonstrieren sie wieder, mit „Tötet sie alle“ und anderen Plakaten. Damit meinten sie natürlich in allererster Linie Palästinenser, aber auch jeden Juden der sich für Menschenrechte, Gleichheit oder gegen Rassismus einsetzt. So wie sie zum Beispiel einen Aktivisten der israelischen Menschenrechtsorganisation B`Tselem angriffen und dieser von der Polizei eskortiert werden musste, oder wie den israelischen Journalisten David Sheen verprügelten bis ihm ebenfalls die Polizei zu Hilfe kam. Man stellte ihn allerdings zur Wahl, ob er sofort nach Hause geht oder sie ihn für eine Nacht verhaften sollen weil er wieder die Protestaktion weiter dokumentieren wollte. Eine Kamera ist im heutigen Israel zu einer mächtigen Waffe geworden.

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Dein Kommentar

Kommentar

    • Die hatten A.H. ja auch finanziert und an die Macht gebracht. Finanziert durch die GoldmanBank, vermittelt durch den Bush-Clan!

  1. die absolut wichtigste Frage lautet, woher nahmen die Juden überhaupt das Recht zu Gündung Israels? In 1880 und Tausende Jahren vorher ist der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Palestina nie über 5% gestiegen. Erst die forsierte Migration bis 1918 (9%) und nachher hat es verändert, allerdings hatten diese Juden aus Europa nie ihre Vorfahren in Palestina. Ein Anspruch auf Grund einer religiösen Fantasterei, angeblich vom Gott verprochenes Land, ist völlig absurd.

  2. Auf dem Schildchen, welches die speckige Frau trägt, ist sicherlich, und so hoffe ich doch auch, ihren Artgenossen gewidmet. A.H. wusste ganz genau warum er diese Ratten inhaftieren lies. Der H.C. ist sowieso eine Lüge der J. Elite, damit diese sich sodann darauf berufen können und das ganze mit Antis. betiten können. Sie müssen weg!!!!!!!

  3. Eine sehr traurige empörend und gefährliche Entwicklung.
    Traurig vorallem wegen den ehrlichen ganz normalen Juden auf der ganzen Welt , die das ausbaden müssen! Denn es gibt Juden , die verurteilen diesen Staat Israel und akzeptieren ihn nicht, weil sie eben echte gläubige Juden sind. Auch die werden von den Zionisten und radikalen Israelis verfolgt !

    • geh auf die strasse und protestiere dagegen, wie so einige unserer artgenossen es von den muselmenschen erwarten, gegen den IS auf die strasse zu gehen. ersteres bezieht sich auf einen krimminellen kindermeuchelden J-staat. zweiteres eher auf krimminelle söldner im auftrage der amerikaner und saudis.

  4. Liebe Zensoren,
    habt ihr schon wieder euren eigenen Slogan vergessen.
    „Unabhängig, Frei, Unzensiert.“
    Oder hackt die Bertelmanngruppe eure Seite?