in Naher Osten

Die Sicherheitskonferenz in München hat nochmals aufgezeigt, wie schlecht es momentan um die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen bestellt ist.

Die Vorgehensweise der NATO mit ständigen Provokationen und einseitigen Schuldzuweisungen in Richtung Russland, haben in keinster Weise zu einer Beruhigung der Situation beigetragen. Auch der kürzlich stattgefundene Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofers in Moskau fand in München deutliche Nachwirkungen. Die angereiste US-Delegation boykottierte aus Protest ein festliches Dinner. „Hartliner“, wie US-Senator John McCain, empfanden Seehofers Besuch bei Putin, als eindeutiges, falsches Signal.

Falsche Signale scheint es derzeit reichlich rund um den Syrienkonflikt zu geben. Während nach Jahren unübersichtlicher Kämpfe, Bombardierungen und der Eskalation im Schatten der extremistischen Gruppierungen, wie dem „Islamischen Staat“, nun das Assad Regime, durch das Eingreifen Russlands wieder die Oberhand gewinnt, sollen nun die Waffen aus humanitären Gründen, sofort schweigen. Ungeachtet davon führt das NATO-Mitglied Türkei seinen Feldzug gegen die Kurden fort und ein vom Westen massiv unterstütztes Saudi-Arabien zerbombt im Jemen fast alle Teile der kärglichen Infrastruktur.

In seiner Münchener-Rede machte Russlands Premier Dmitrij Medwedew deutlich, dass Syrien noch vor 6 Jahren ein friedliches Land war. Erst mit dem massiven Eingreifen des Westens sei die Lage entsprechend eskaliert. Zugleich wies Medwedew alle Vorwürfe zurück, dass Russland in Syrien hauptsächlich Zivilisten bombardiere und forderte die Opposition in Syrien zu Gesprächen mit Präsident Assad auf. Genau diese wesentlichen und wichtigen Oppositionsgruppen, die auch den Friedensgesprächen innerhalb der Syrienkonferenz fern geblieben sind. Die von den USA nur allzu gern als „gemäßigte Rebellen“ eingestuften Kämpfer, wie John Kerry es in München wieder formulierte und darauf verwies, dass Russland eben diese mit den Bombardierungen extrem treffen würde.

Die vom Krieg so stark in Mitleidenschaft gezogene Stadt Aleppo, zuletzt massives Ziel russischer Kampfjets, steht kurz vor dem Fall an die Regierungstruppen Assads und könnte als eine Art Gradmesser für die Vereinbarungen von München gelten. Die USA und Russland hatten beschlossen binnen einer Woche zu einer Waffenruhe innerhalb Syriens zu kommen, wobei es durchaus noch unklar erscheint, ob dieses Vorhaben auch umgesetzt wird. Während der russische Premier Medwedew von einer neuen Eiszeit, einem neuen kalten Krieg sprach, stellte Außenminister Lawrow das Dokument zur Waffenruhe in Frage, da es augenscheinlich nur darum ginge die russischen Bombenangriffe zu beenden, obwohl die russische Seite auch die Terrormiliz des „IS“ bekämpfe, was ja auch im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten liegen würde. Medwedew hatte weiter angemahnt, wie wichtig eine internationale Zusammenarbeit wäre, statt wie momentan einen Konfrontationskurs zu betreiben.

Bei allem diplomatischen Geplänkel und Säbelrasseln ist die Lage in Syrien schlichtweg katastrophal. Eine „Task-Force“ der Vereinten Nationen soll nun sicherstellen, dass humanitäre Hilfe geleistet werden kann. Ein absolutes Himmelfahrtskommando, denn wirklich niemand kann gewährleisten, dass nicht auch die UN-Kräfte und Hilfslieferungen von am Krieg beteiligten Gruppierungen, gleich welcher Art, angegriffen werden. Einige Verbände, die zuvor gegen Assad kämpften, haben sich nun den Regierungstruppen angeschlossen. Auch ein von Damaskus durchgeführtes Amnestieprogramm, was tausenden Kämpfern der „syrischen Opposition“ die Freiheit ermöglicht hat, zeigt Wirkung. Auch hier sind viele auf die Seite der Regierung übergelaufen. Auf der anderen Seite, gab es im gesamten Zeitraum des Syrienkonfliktes immer wieder wechselnde Bündnisse der Anti-Asssad-Koalitionen. Viele dieser Gruppierungen haben nicht nur gegen die Regierungstruppen gekämpft, sondern auch gegen andere Gruppierungen, sei es aus Überzeugung, aus Profit oder aus territorialen Gründen.

Ein Beispiel sind die Volksverteidigungseinheiten der kurdischen YPG. Diese kurdischen Milizen halten Gebiete im nördlichen Syrien und einige Viertel von Aleppo. Ihr unterstehen auch einige kämpfende Brigaden, die nur aus Frauen bestehen. Am letzten Freitag haben die kurdischen Kämpfer die strategisch wichtige Menagh-Air Base, nördlich von Aleppo, in der Nähe der türkischen Grenze, eingenommen. Durch die geografische Lage, erhielten die Kurden eine wichtige Kontrolle über die Route zur Türkei hin. Zu den siegreichen Gruppierungen gehörten auch die SDF (Syrian Democratic Forces), die im Oktober letzten Jahres im Nordosten Syriens gegründet wurden und aus Teilen der YPG und der „freien syrischen Armee“ besteht. In ihren Reihen dienen Christen, Moslems und etwa 500 ausländische Kämpfer. Sie verfügen auch noch über Einheiten, die sich in Aleppo und Idlib befinden.

In der Gesamtbetrachtung jedoch, zerfallen die Anti-Assad-Kräfte in Syrien und es ist eine Art Panik auszumachen, in welcher jede Gruppierung versucht seine Haut zu retten oder am Ende doch noch auf der Gewinnerseite zu stehen. In der Geschichte ist dieses Phänomen bei einer unregelmäßigen Kriegsführung durchaus bekannt. Die USA fürchten genau jetzt um ihre Ziele in Syrien und das ist der Hauptgrund, warum sie Russland beschuldigen, in Aleppo hauptsächlich zivile Einrichtungen zu bombardieren. Die russische Seite konnte ihrerseits Radaraufzeichnungen vorlegen, die belegen, das zwei A-10 Warthogs (US-Erdkampfflugzeug), aus dem türkischen Luftraum kommend, Ziele in Aleppo angegriffen haben.

Die Ankündigung Saudi-Arabiens Bodentruppen nach Syrien zu schicken, kann man indes als äußerst unwahrscheinlich betrachten. Zum einen müssten diese Truppen eine reine „Söldnerarmee“ sein, da die Saudis nicht über geeignete, eigene Bodentruppen verfügen. Zum anderen hat diese Ankündigung eine massive Drohung Russlands hervorgerufen und würde die Gesamtsituation unkontrollierbar zur weiteren Eskalation treiben. Der türkische Präsident Erdogan ignoriert einmal mehr die in München beschlossenen Pläne und sogar die Weisungen des NATO-Verbündeten USA. Derzeit beschießt vermehrt türkische Artillerie Stellungen der kurdischen YPG, im Norden Syriens. Die Türken befürchten offenbar, dass die kurdischen Einheiten die Stadt Azaz, knapp 8 Kilometer vor der türkischen Grenze, einnehmen könnten. Während die USA einen Stopp der türkischen Angriffe auf die kurdischen Verbündeten forderten, protestierte auch die Regierung in Damaskus das Vorgehen der Türkei als „offene Einmischung in syrische Angelegenheiten“ und als Völkerrechtsbruch.

Erdogan dürfte dieses eher kalt lassen. Die Türkei werde mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, dass eine starke, zweite kurdische Präsenz wie im Nordirak in der Region Fuß fassen kann. Ankara behauptet, dass sich kurdische Angriffe auch gegen „freie syrische Rebellen“ richten würden und hierbei im Grenzgebiet auch die Türkei beschossen wurde. Eine beweissfähige Grundlage gibt es für diese Behauptungen nicht. Das Gebiet und die Menagh-Air-Base waren vorher unter der Kontrolle der Al-Nusra-Front. Die Türkei bekräftigte ebenfalls nochmals, dass türkische- und saudische Truppen für eine Bodenoffensive in Syrien bereit stehen würden. Auch wurden bereits saudische F-15 Kampfjets auf den Luftwaffenstützpunkt Incirlik verlegt.

Erdogan spielt also wieder auf „Messers Schneide“, aber weiß um seine wichtige Rolle. Die USA und die EU sehen die Kurden der YPG als unabhängige Kämpfer gegen den „IS“ und gegen das Assad-Regime, während Ankara die YPG als verlängerten, bewaffneten Arm der PKK ansieht. Offen stellte Erdogan letzte Woche die USA vor die Entscheidung, sich für eine Seite zu entscheiden und geht damit erneut auf Konfrontationskurs. So oder so. Die Situation in Syrien steht kurz vor einer Entscheidung. Die nächsten Wochen werden die Richtung weisen.

„Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.“ (Otto von Bismarck)

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20 Kommentare

    • In der postmodernen Gesellschaft gibt es keine Völker im herkömmlichen Sinne mehr mit bestimmter Identität und einem von der Mehrheit getragenen Anliegen. Es gibt stattdessen eine Vielzahl unterschiedlicher sozialer Milieus und Parallelgesellschaften, die sehr wenig miteinander zu tun haben, mit Ausnahme ihrer Eigenschaft als Wirtschaftssubjekte im Handeln um Erwerb und Konsum. Sie alle vereint allein ein gemeinsamer Pass mit einer bestimmen Staatszugehörigkeit. Sie alle sind nicht mehr als Verfügungsmasse für die politischen Akteure dieser Welt, egal ob in Krieg oder Frieden.

  1. Das sind die Einheiten, die von der Türkei in Marsch gesetzt werde:

    3rd Tactical Infantry Division
    28th Mechanized Infantry Brigade
    58th Artillery Brigade
    1st Commando Brigade
    2nd Commando Brigade
    5th Armored Brigade
    39th Mechanized Infantry Brigade
    106th Artillery Regiment
    34th Border Brigade
    16th Mechanized Brigade (Diyarbakır)
    20th Armored Brigade
    70th Mechanized Infantry Brigade
    172nd Armored Brigade
    2nd Motorized Infantry Brigade
    6th Motorized Infantry Brigade
    3rd Commando Brigade
    107th Artillery Regiment
    Erdogans Kanonenfutter!

    • Im Prinzip : Amerikanisches Kanonenfutter !
      Die Tatsache, dass Erdowahn das anders sieht, ändert nichts daran, das die US-Administration mit ihm – genau wie mit uns – seine Spiele treibt !

    • Wenn es denn stimmen sollte warum zerrt er Russland dann nicht vor die UN? Beim kleinen Koreaner ging es doch auch. Die sehen doch nur ihren Einfluss schwinden und haben Angst Putin klaut ihnen ein Stück vom Kuchen.????

  2. Sehr guter Artikel! Danke dafür!

    Europa sollte endlich aufhören, gegen seine Interessen dem Kriegstreiber Nr.1 auf der Welt hörig zu sein.
    Was kann die USA uns denn bieten? Der Russe hingegen ist das rohstoffreichste Land der Erde und benötigt dringend Technik und Know How.
    Wir sollten nach Osten schauen und Eurasien zur friedlichen Blüte treiben. Was gehen uns die Psychopathen jenseits des Atlantiks an?
    Ein Embargo gegen die wahren Kriegstreiber Türkei, VEA und die Saudis und im nu wäre Ruhe.

    Wir sollten uns die Politiker und Schmierfinken gut merken, die uns in den Abgrund treiben wollen. Die Abrechnung kommt…

    • „Was kann die USA uns denn bieten ?“
      Das fragen sich im Moment sehr, sehr viele Menschen in Europa, und die Deutschen ganz besonders.
      Sie bieten uns in Zukunft die totale wirtschaftliche Ausbeutung mit Ceta & TTIP. Damit einhergehend den Niedergang aller Sozialsysteme. In Europa werden in weniger als 20 Jahren schlimmere soziale Verhältnisse herrschen als heute in den USA. Sie zwingen uns über die Nato in Stellvertreterkriege, die wir nicht wollen und planen ihren größten Krieg in unserer Heimat. Sie machen den vollkommen durchsichtigen Verbraucher aus uns, spionieren uns aus und überwachen uns wie Verbrecher. Sie zwingen uns Flüchtlingsströme aufzunehmen und wollen unsere Identität zerstören.
      Freunde sehen anders aus !!!

    • Europa soll aufhören….! Wunsch und Realität!
      „Unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit hat die EU eine wichtige Weichenstellung getroffen: Künftig kann das umweltschädlich geförderte Fracking-Gas in die EU importiert werden. Die Entscheidung ist ein wichtiger Meilenstein, die es den USA ermöglichen, Russland den europäischen Energiemarkt abzujagen.
      Beim Fracking pumpt man Flüssigkeiten mit hohem Druck in den Boden. Dabei entstehen kleine Risse im Schiefergestein, die wiederum Erdgas freisetzen. Das Verfahren gilt als umweltschädlich. In den USA fördert man auf diese Weise fast die Hälfte des Erdgases (47 Prozent). Satelliten zur Emissionsmessung zeigen, dass die Methankonzentration in vielen großen Gasförderregionen der USA in…

    • Das macht die Aktionen von George Soros sehr verständlich. Er befürwortet und unterstützt die Flüchtlingsströme mit enormem Finanzaufkommen.
      Also das ist der Plan: alle Araber raus, damit Platz genug ist. für das auserwählte Volk! Die Thora läßt grüßen!