in Politik

Nach der Entmachtung und dem Tod von Diktator Muammar al-Gaddafi, nach dem Bombardement vor allem durch französische-und amerikanische Luftstreitkräfte; zerfiel das Land nach kurzem Siegestaumel in einen immer noch andauernden, blutigen Bürgerkrieg.

Hierbei den Überblick der einzelnen Konfliktparteien und Beteiligten zu behalten, fällt selbst erfahrenen Beobachtern schwer. „Faktisch gibt es in Libyen keinen Staat als solchen mehr“, so die Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union, Nkosazana Dlamini-Zuma.  Auf der einen Seite steht die Regierung von Abdullah Thenni, der im August zurücktrat, mit dem Übergangspräsidenten Aguila Saleh Issa, mit ihrem Regierungssitz in Tobruk, die weite Gebiete des Ostens unter ihrer Kontrolle hat. Auf der anderen Seite existiert die islamistische Gegenregierung des ehemaligen Präsidenten Nuri Buhsamein und dem Ministerpräsidenten Khalifa al-Ghawi, welche ihren Sitz in Tripolis hat. Im äußersten Westen des Landes herrschen Tuareg-Stämme, die mit dem Nationalkongress von Buhsamein sympathisieren.

Dazwischen gibt es unzählige Milizen und weit im Land versprengte Interessensgruppen. Die Stadt Sirte und deren weitere Umgebung ist in den Händen des „Islamischen Staates“ und der salafistischen Ansar-Al-Scharia Miliz. Im Herbst des letzten Jahres rief der IS in Libyen ein Emirat aus, bekämpft beide Regierungsseiten und hat seine Schreckensherrschaft in Sirte stark gefestigt. Die meisten Erdölquellen-und Felder werden von der Regierung in Tobruk, der Allianz der Nationalen Kräfte, kontrolliert und gehalten. Deren militärischer Arm sind Milizen und Brigaden, die Nationale Libysche Armee, Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate und der Ägyptischen Luftwaffe.

Außerdem erhält sie die Unterstützung von Russland, Weißrussland und Saudi-Arabien.  Die Gegenregierung in Tripolis operiert mit Truppen der Libyschen Armee, einem Zusammenschluss diverser Milizen, der einflussreichen Miliz „Morgenröte“, die unter anderem die wichtige Küstenstadt Misurata kontrolliert, der Muslimbruderschaft und zahlreichen Berber-und Tuareg Stämmen. Unterstützung erfahren diese aus der Türkei, dem Sudan, Katar und der Ukraine. Das Engagement und Eingreifen Ägyptens in den Konflikt hat innen-und außenpolitische Gründe, da man um jeden Preis eine Ausweitung der Muslimbruderschaft und des Islamischen Staates, auch im Hinblick auf eine Art „Zweifronten-Krieg“ vermeiden möchte.

Russlands und Weißrusslands Interessen sind vorrangig wirtschaftlicher Natur, da man bereits vor dem Konflikt einen guten Absatzmarkt für Waffen und Munition in der Region vorfand. Die türkische Regierung von Recep Erdogan gilt seit dem arabischen Frühling als stetiger Förderer islamistischer Bewegungen, welches auch für Katar und den Sudan zutrifft. Die Rolle der Ukraine gilt hingegen als sehr unklar, dürfte aber auch im wirtschaftlichen Interesse begründet sein. In diesem Konstrukt und der im Land nahezu unüberschaubaren Lage, wird es zusehends schwieriger verlässliche Angaben zu erhalten. Es wird davon ausgegangen, dass sich im Land etwa 450.000 Binnenflüchtlinge befinden und etwa 1 Mio. Menschen das Land Richtung Tunesien verlassen haben.

Da das Land als „Drehkreuz“ für die Flucht nach Europa über das Mittelmeer gilt, befinden sich nochmals etwa 250.000 weitere Flüchtlinge im Land, so dass Hilfsorganisationen und die UN von 2 Mio. Menschen ausgehen, die humanitäre Unterstützung benötigen. Seit Februar dieses Jahres gibt es verstärkte Bemühungen eines Friedensplanes der Vereinten Nationen. Der Versuch besteht darin eine Einheitsregierung zu schaffen, um das Land zu stabilisieren. Nur so könnte auch ein gezieltes und erfolgreiches Vorgehen gegen den Islamischen Staat realisiert werden. Diese Lösung wird besonders von den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland angestrebt. Moralische Verpflichtungen und das Umsetzen des angestrebten Friedens sind hierbei natürlich ein begrüßenswerter und frommer Wunsch, doch die Realität sieht anders aus.

Durch die bereits lang andauernden Verhandlungen nutzt vor allem der Islamische Staat die Gunst der Stunde und verstärkt seine Macht in der Region. Der italienische Außenminister Paolo Gentiloni warnt nicht ganz unbegründet vor einem ’neuen Somalia‘ , während der britische Botschafter für Libyen, Peter Millet, bereits wieder nach einer westlichen Militärallianz verlangt, die Luftschläge gegen den IS durchführen solle.  So setzt sich die Spirale des Bürgerkriegs, der ausländischen Intervention, der dauerhaften Gewalt und des Leidens immer und immer weiter fort.

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Dein Kommentar

Kommentar

  1. Nachdem Gaddafi solange an der Macht war und ermordet wurde! Ist ein Machtvakuum entstanden das jeder der nur irgendwelche Interessen in diesem Land verfolgt versucht die Macht an sich zu reißen ! Da das sehr lange dauert wird die Waffenlobby sehr gut daran
    verdienen !

Webmentions

  • Does Anybody Remember Libya? - Business Recorders Russia News 8. Oktober 2015

    […] article originally appeared at Neo Presse. Translated from the German by […]