in Lateinamerika

Von Robert F. Kennedy Jr.* – White Plains [IPS] – Am gleichen Tag im November 1963, als John F. Kennedy ermordet wurde, traf sich einer seiner Gesandten heimlich mit [dem damaligen kubanischen Staatschef] Fidel Castro am Strand von Varadero, um über die Bedingungen für ein Ende des US-Embargos gegen Kuba zu verhandeln und den Entspannungsprozess zwischen beiden Ländern einzuleiten.

Das ist nun schon mehr als 50 Jahre her, und endlich nimmt US-Präsident Barack Obama den Verhandlungsprozess wieder auf, indem er die diplomatischen Beziehungen wieder herstellt, und JFKs Traum doch noch wahr werden zu lassen.

Die Geheimverhandlungen in Castros Sommer-Präsidentenpalast am Strand von Varadero waren bereits seit Monaten im Gang und entwickelten sich nach der Beilegung der Kubakrise von 1962 parallel zu Bemühungen, die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion zu verbessern.

Im Verlauf der Kubakrise hatten JFK und der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow, die mit ihren jeweiligen Hardlinern im Militär zerstritten waren, einen gewissen Respekt füreinander entwickelt. Ein von ihnen geschlossenes Geheimabkommen stellte die Weichen für den Abzug der sowjetischen Mittelstreckenraketen aus Kuba und der US-Jupiter-Raketen aus der Türkei, was beiden Seiten erlaubte, ihr Gesicht zu wahren.

Fidel Castro hatte sich über die russische Entscheidung geärgert, die Raketen ohne vorherige Rücksprache mit ihm von der Insel abzuziehen. Nach Beilegung der Kubakrise lud Chruschtschow den über den Alleingang erbosten Fidel nach Russland ein, um ihn zu besänftigen.

Castro und Chruschtschow verbrachten sechs Wochen miteinander. Der russische Regierungschef versuchte auf Fidel einzuwirken, mit Präsident Kennedy seinen Frieden zu machen und zu einer Entspannung der Beziehungen beizutragen. Chruschtschows Sohn Sergej schrieb später, dass „mein Vater und Fidel eine Lehrer-Schüler-Beziehung entwickelten“. Chruschtschow wollte Castro davon überzeugen, dass JFK vertrauenswürdig sei.

Castro selbst schilderte, wie Chruschtschow „mir stundenlang Botschaften von Präsident Kennedy vorlas, Botschaften, die manchmal durch [JFKs Bruder] Robert Kennedy überbracht worden waren“. Castro kehrte mit dem festen Annäherungswillen nach Kuba zurück.

Die CIA spionierte damals alle Parteien aus. In einem Top-Secret-Memorandum vom 5. Januar 1963 warnte Richard Helms [der 1966 neuer CIA-Chef werden sollte] seine Mitagenten, dass „dass Castro unter dem Einfluss von Chruschtschow mit dem Vorsatz nach Kuba zurückgekehrt sei, dessen Annäherungskurs gegenüber der Kennedy-Regierung bis auf weiteres fortzuführen“.

JFK war offen für solche Entwicklungen. Im Herbst 1962 hatten er und sein Bruder Robert den New Yorker Anwalt James Donovan und den Freund und Berater meines Vaters Robert Kennedy, John Dolan, losgeschickt, um von Castro die Freilassung von 1.500 kubanischen Häftlingen zu erwirken, die im Zusammenhang mit der [misslungenen] US-Invasion der Schweinebucht in kubanischen Gefängnissen einsaßen.

Donovan und Nolan entwickelten freundschaftliche Gefühle für Castro, der sie auf Rundreisen durch das Land mitnahm. Fidel führte sie dorthin, wo die Kämpfe ín der Schweinebucht stattgefunden hatten, und nahm sie als seine Gäste zu vielen Baseball-Spielen mit. Das hat mir Nolan erzählt und geschworen, sich nie wieder ein Spiel anzusehen.

Als Castro an Heiligabend 1962 die letzten 1.200 Gefangenen freiließ, fragte er Donovan nach der weiteren Vorgehensweise, um die Beziehungen zu den USA zu normalisieren. Darauf antwortete ihm Donovan, das Ganze ebenso vorsichtig anzugehen, „wie Stachelschweine, wenn sie Liebe machen“.

Mein Vater Robert und Robert waren extrem gespannt, was Donovan und Nolan über die Person Castro zu erzählen hatten und forderten eine detaillierte Beschreibung.

Die US-Presse hatte Fidel verschiedentlich als Trunkenbold, schmutzigen, launenhaften, gewalttätigen und undisziplinierten Menschen, dargestellt. Doch Nolan erklärte seinen beiden Zuhörern:

„Unser Eindruck entspricht nicht der üblichen Darstellung. Castro war nie gereizt, nie betrunken und nie schmutzig gewesen.“

Er und Donovan beschrieben den kubanischen Führer als weltoffen, witzig, neugierig, gut informiert, gepflegt und als fesselnden Gesprächspartner.

Nach den ausgedehnten Rundreisen mit Castro und den spontanen Huldigungen, die Castro in Begleitung seines kleinen aber professionellen Sicherheitsteams zuteil wurden, bestätigten sie die internen CIA-Berichte, denen zufolge er vom kubanischen Volk geliebt wurde.

JFK brachte der Kubanischen Revolution eine intuitive Sympathie entgegen. Sein Sonderreferent und Biograph Arthur Schlesinger schrieb, dass „Präsident Kennedy eine natürliche Sympathie für die lateinamerikanischen Underdogs hegte und sich der Ursachen der verbreiteten Ressentiments gegen die USA bewusst war“.

Wie er weiter erklärte, habe sich Castro in einer Zeit, in der er sich dem Westen hätte zuwenden können, aufgrund der langen Geschichte von Missbrauch und Ausbeutung gegen die USA und für die Sowjets entschieden. Kennedy habe sich lediglich daran gestört, dass sich Kuba als Werkzeug und Plattform für eine Ausweitung der sowjetischen Einflusssphäre hergegeben und in ganz Lateinamerika Revolutionen und die Expansionsgelüste der Sowjets unterstützt habe.

Castro hatte eigene nationalistische Gründe, die Abhängigkeit von den Sowjets insbesondere nach der Kubakrise zu begrenzen. Diesen Wunsch nach Annäherung [an die USA] verdeutlichte er während privater Gespräche mit der ABC-Journalistin Lisa Howard, die ebenfalls als informelle Abgesandte Vermittlerin zwischen JKF und Fidel fungierte.

Howard berichtete dem Weißen Haus, dass Castro „in unseren Gesprächen klar und deutlich erklärt hat, dass er zu Gesprächen über die Anwesenheit von sowjetischem Personal und militärischer Ausrüstung, die Entschädigung für enteignete US-Immobilien und Investitionen und die Rolle Kubas als regionaler Stützpunkt für revolutionäre Aktivitäten bereit ist“.

Nach der Freilassung der kubanischen Gefangenen war JFK ernsthaft daran gelegen, einen Neuanfang der Beziehungen zu Castro zu wagen. Diese Anwandlung trieb ihn in ein gefährliches Fahrwasser. Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 1964 barg allein schon der Gedanke an eine mögliche Entspannungspolitik mit Castro politischen Sprengstoff.

Barry Goldwater [den die Republikaner als ihren Kandidaten für die Wahlen 1964 nominiert hatten, Richard Nixon [Vizepräsident unter Dwight D. Eisenhower und JFKs Rivale im Wahlkampf 1960] und Nelson Rockefeller [Goldwaters Rivale vor der Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat] betrachteten Kuba als das größte politische Kapital der Republikaner.

Gewisse mordgierige und gewaltbereite Exilkubaner und ihre Verbündeten bei der CIA lehnten jedes Gespräch über die Ko-Existenz der USA und Kuba als einen zum Himmel schreienden Verrat grundsätzlich ab.

Im September 1963 wandte sich JFK still und leise an William Attwood, einen ehemaligen Journalisten und US-Diplomaten bei den Vereinten Nationen, und bat ihn, mit Castro geheime Verhandlungen aufzunehmen. Atwood kannte Castro seit 1959, als für das Magazin ‚Look‘ über die Kubanische Revolution berichtet hatte, bevor sich Castro gegen die USA stellte. Im selben Monat forderte mein Vater Attwood auf, einen sicheren Ort für Verhandlungen mit Fidel zu finden.

Im Oktober begann Castro mit den Vorkehrungen für die heimliche Ankunft auf einem entlegenen kubanischen Landeplatz, um mit den Gesprächen über die Entspannung zu beginnen. Am 18. November 1963, vier Tage vor der Ermordung von JFK in Dallas, hörte Castro mit, wie sein Referent Rene Vallejo telefonisch mit Attwood die Eckpunkte für das Treffen festlegte.

Am gleichen Tag bereitete JFK seine für die Öffentlichkeit bestimmte Rede vor, die der Annäherung den Weg ebnen sollte. Gegenüber dem Interamerikanischen Presseverband im Zentrum der kubanischen Exil-Gemeinde in Miami erklärte er, dass es nicht Sache der US-Politik sei, irgendeinem Land den Wirtschaftskurs vorzugeben.

„Jedem Land steht es frei, die eigene Wirtschaft in Übereinstimmung mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu gestalten.“

Einen Monat zuvor hatte JFK einen weiteren geheimen Gesprächskanal über den französischen Journalisten Jean Daniel, Redakteur der sozialistischen Zeitung ‚Le Nouvel Observateur‘, geschaffen. Auf dem Weg zu einem Interview mit Fidel in Kuba am 24. Oktober 1963 besuchte Daniel das Weiße Haus, wo sich JFK über die US-kubanischen Beziehungen ausließ.

In einer für Castros Ohren bestimmten Botschaft kritisierte JFK Castro für dessen Rolle in der Kubakrise. Dann wechselte er den Ton und sprach Kuba wie schon dem russischen Volk in seiner Rede vom 10. Juni 1963 an der ‚American University‘, als er das Atomtestverbotsabkommen mit den Sowjets ankündigte, sein Mitgefühl aus.

Kennedy setzte bei dieser Gelegenheit zudem zu einem Vortrag über die lange Geschichte der US-Beziehungen zu dem korrupten und repressiven Regime von Fulgencio Batista an. JFK erklärte Daniel, dass ihn Castros ‚Manifest der Sierra Maestra‘ zu Anfang der Kubanischen Revolution angesprochen habe.

Zwischen dem 19. und dem 22. November1963 führte auch Castro etliche Gespräche mit Daniel. Er erläuterte dem Franzosen dezent und ausführlich sämtliche Aspekte seines Treffens mit JFK und insbesondere dessen positiven Formulierungen im Zusammenhang mit der Kubanischen Revolution.

Dann hüllte sich Castro in Schweigen, um die bedächtigen Worten zu formulieren, von denen er wusste, dass sie JFK so sehr erwartete:

„Ich glaube, dass Kennedy aufrichtig ist. Ich glaube auch, dass der Ausdruck seiner Aufrichtigkeit von politischer Bedeutung sein könnte.“

Dann folgte eine weitläufige Kritik an den Regierungen Kennedys und Eisenhowers für ihre Kritik an der kubanischen Revolution „lange bevor es den Vorwand und das Alibi des Kommunismus gab“. Gleichwohl fügte er hinzu:

„Ich kann nachvollziehen, dass [Kennedy] ein schweres Erbe angetreten ist; ich denke nicht, dass ein Präsident der USA jemals wirklich frei sein kann, und ich denke, dass Kennedy derzeit die Folgen dieses Mangels an Freiheit zu spüren bekommt. Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass er sich inzwischen klar geworden ist, wie sehr er fehlgleitet wurde, besonders mit Blick auf die kubanische Reaktion auf die Invasion in der Schweinebucht.“

Ferner betonte er gegenüber Daniel:

„Ich kann nicht umhin zu hoffen, dass sich in Nordamerika ein Führer hervortun wird (Warum nicht Kennedy, für den vieles spricht!), der bereit ist, der Unpopularität standzuhalten, Konzerne anzugehen, die Wahrheit zu sagen – und, was besonders wichtig ist – die unterschiedlichen Staaten nach eigenem Gutdünken handeln zu lassen. Noch könnte Kennedy dieser Mann sein.“

Castro erklärte weiter:

„Noch wäre er geschichtlich gesehen in der Lage, zum größten Präsidenten der USA zu werden, der Führer, der endlich versteht, dass selbst in den Amerikas eine Koexistenz zwischen Kapitalisten und Sozialisten möglich ist. Dann wäre er sogar ein noch größerer Präsident als [Abraham] Lincoln.“

* Dies ist der zweite Beitrag einer dreiteiligen Serie, in dem sich der Sohn des verstorbenen US-Generalstaatsanwalt Robert [Bobby] F. Kennedy und Neffe des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy mit den Beziehungen zwischen den USA und Kuba während des 54-jährigen Embargos Washingtons gegen den karibischen Inselstaat befasst.

Der erste Beitrag des Juristen, Umweltschützers und Buchautors ist unter dem Titel‘ KUBA: US-Embargo ein ‚monumentaler Fehlschlag‚ erschienen.

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  1. Diese Eliten haben wesentlich mehr Menschen auf dem Gewissen als des Dritte Reich und Stalin zusammen. Diese Menschen Rothschild, Goldman & Co. glauben, sie sind Gott. In Wirklichkeit sind es erbärmliche Figuren, die ihr Lebensziel in ihrem dreckigen Geld sehen und Machterweiterung. Sie tragen rein garnichts zum Wohl der Menscheit bei, sie sind im Gunde der Müll der Menschheit.

  2. Kennedy – übrigens Ritter von Malta – traf sich mit seinem Hochgradfreimaurerkollegen und Jesuitenschüler Castro und die lachten beide laut, darüber was man für Spielchen mit der Welt machen kann.