in Politik

Die niedrigen Zinsen in Deutschland – und in der EU – lassen sich nach Meinung von Kritikern nur dadurch durchsetzen, dass wir alle uns „freiwillig“ enteignen lassen. Wer sein Geld auf Bankkonten belässt, würde, so meinen Beobachter, ja immer noch die Alternative haben, andere Anlagen zu wählen. Offiziellen Statistiken zufolge horten wir 1,5 Billionen Euro auf den Geldkonten dieser Republik. Aber: Ist die Enteignung „freiwillig“?

Enteignung ist unfair

Die Enteignung ist lediglich formal freiwillig. Die Notenbanken, namentlich die Europäische Zentralbank EZB, hat die Zinsen mit verschiedenen Instrumenten gesenkt und mittlerweile in den Minusbereich getrieben. Dies trifft jedoch nicht nur die Sparer auf Bankkonten, dies trifft auch Sparer, die in Versicherungsunternehmen Partner für Versicherungen gesehen haben – die ihrerseits allerdings auch das Geld ihrer Kunden anlegen. Dies betrifft die Einzahler in sogenannte „Pensionskassen“. Dies betrifft Vereinsmitglieder, Kunden größerer Unternehmen (die kaum noch Zinserträge erwirtschaften können) und so fort.

Und dies betrifft uns alle, weil die niedrigen Zinsen die Geldflut steigen lassen. Die Geldflut hat beispielsweise die Immobilienpreise explodieren lassen. Dies wiederum trifft Immobilieneigentümer, die deutlich höhere Kredite aufnehmen müssen als vergleichbare Haushalte in den vorhergehenden Jahrzehnten. Dies betrifft aber auch private Mieter, die inzwischen auf den staatlich verordneten Mietendeckel setzen müssen und sogar uns als Konsumenten. Denn gewerbliche Mieter müssen trotz länger laufender Verträge ebenfalls permanent steigende Mieten und Pachten hinnehmen. Notwendig also steigen die Handels- und teils auch die Produktionskosten.

All dies trägt zur Enteignung bei – in dem Sinn, dass Ihr Einkommen und Ihr Vermögen in Geld als Kaufkraft gemessen immer weniger wert sein wird. Insofern ist die Enteignung vor allem unfair – denn die niedrigen Zinsen hat nicht der Markt als Gesamtheit aller Entscheidungen vollbracht, sondern der Staat hat sie faktisch angeordnet. Eine staatlich verordnete Enteignung – die sich allerdings nur schleppend vollzieht.

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Kommentar

  1. Passend dazu der Hauptartikel bei T-online:

    #Staatsdefizit explodiert
    Wie Trump die USA immer mehr zum Schuldenstaat macht

    Dazu noch der letzte unglaubliche Satz:
    Zitat t-online Schreiber:
    „Die Kongressbehörde CBO veranschlagt, dass der Schuldenberg der US-Regierung bis 2029 auf 95 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigt“

    Die USA haben aktuell ein DEBT/GDP Ratio von 114%
    Quelle: Worlddebtclocks
    Ist die Schuldenuhr schneller gewesen oder ist der Artikel
    irgendwie älter?

  2. Und noch besser ist das folgende Zitat von Josef Braml:

    „Die USA können sich ihre hohen Rüstungsausgaben und das Leben auf Pump nur so lange leisten, wie das Ausland auf eigenen Konsum und Investitionen verzichtet und in die US-Märkte investiert – beispielsweise in Anleihen, über die sich der US-Staat refinanziert“, führt Braml aus.

    Quelle t-online

Webmentions

  • Lassen wir uns alle „freiwillig enteignen“? – Die Welt 18. Januar 2020

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