in D/A/CH

Die Einheit Deutschlands ist immer noch nicht vollzogen, so die Quintessenz der Beiträge des IW in Halle. Die Forscher sind der Meinung, die Probleme des Ostens müssten anders als bislang gelöst werden. Naturschutzgebiete sollten dort entstehen, wo heute Dörfer sind. Eine „Lösung“, die weniger radikal als maximal gefährlich und unsozial ist, wie Kritiker meinen.

Produktivität – der rechnerische Maßstab

Grundlage der Forderung ist die fehlende Produktivität in östlichen Gebieten, vor allem auf dem Land. Die Produktivität soll insgesamt im Osten bei 80 % der Produktivität im Westen liegen. Gemessen hier am „Bruttoinlandsprodukt“. Seit den „späten 90er“-Jahren, so heißt es in dem zusammenfassenden Bericht der „Welt“, stagniere diese Produktivität noch. Selbst das Saarland, im Westen das Flächenland mit der geringsten Produktivität, sei produktiver als das produktivste Flächenland im Osten.

Die Produktivität in den Städten sei erheblich größer. Daher gehöre es zu einem wirtschaftlich vernünftigen Programm, die Städte zu fördern und die Dörfer zu vernachlässigen. Die Ökonomen fordern letztlich, die Dörfer sogar brach liegen zu lassen. Investitionen etwa in die „5-G“-Frequenzen lohnen sich dort nicht so sehr wie in den Städten.

Ist die Analyse nachvollziehbar? Nach Meinung dieser Redaktion nicht. Sie ist fast unökonomisch. Die Produktivität bemisst tatsächlich den wirtschaftlich messbaren Output, und der ist in den Städten auf Basis der dort schon vorhandenen Produktionsmöglichkeiten größer. Diese These muss noch nicht einmal überprüft werden.

In der langfristigen Entwicklung, auch Aufgabe der Ökonomie, ist das Produktivitätswachstum dort, wo die Produktivität schon hoch ist, dennoch vergleichsweise teuer. Die Wachstumsraten werden geringer – bis auf Ausnahmen und Ausnahmezeiträume. Hier hat das Land im Osten deutlich mehr zu bieten.

Kostengünstiges Bauland. Bei Subventionen auch kostengünstige technische Infrastruktur. Bei Subventionen auch Arbeitskräfte, die verblieben sind. Und dasselbe Schulsystem, also den letztlich vergleichbaren Bildungsstand. Und so sind die Wachstumsraten in den ostdeutschen Ländern bei richtigen Subventionen deutlich höher – die relativen Wachstumsraten bezogen auf den Ist-Zustand. Dies ist genau das, was Investoren suchen. Der Fehler, der bei den Subventionen gemacht wurde und wird: Die Basis für eine hohe Produktivität fehlt vielerorts. Der Staat hat Flächen bereitgestellt, um Einkaufszentren zu errichten. Wohin das Auge reicht. Öffentliche Dienststellen in den Osten geschafft. Scheinbar Arbeitsplätze errichtet.

Entscheidend wird am Ende sein, technologische Infrastruktur bereitzustellen, die eine Basis für Produktivitätssteigerungen ist. Es wurde schlicht 30 Jahre lang falsch subventioniert.

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  • Die KW 10/2019 im Link-Rückblick | artodeto's blog about coding, politics and the world

    […] Die Blockpartei zeigt wieder, dass sie nicht für das Volk arbeitet. – Stadt bezahlbaren Wohnraum und ordentliche Infrastruktur im gesamten Bundesgebiet zu schaffen, will man sich noch mehr auf die Verdichtung der Städte konzentrieren. Wir sehen ja in andern Ländern wie gut das funktioniert … zumindest für die Immobilienhändler. […]