Kommentar: Gerhard Schröder und ein Stückchen Normalität

Um es vorweg zu sagen: ich mag weder Schröder noch Putin. Es sind Egozentriker, und der „lupenreine Demokrat“, welcher in beiden angeblich steckt, duldet bestenfalls eine demokratische Legitimation der Oligarchien.

Dennoch: das Säbelrasseln dieser Tage lässt solche persönlichen Animositäten zweitrangig und Gerhard Schröder wie einen kleinen Friedensengel erscheinen. Wenn er seinen Freund Wladimir umarmt, plustern sich die Diplomatokraten hierzulande tüchtig auf: Wie kann man bloß, wo doch die ganze Nation, ganz Europa, ja der ganze Westen versucht, in seinen infantilen Drohgebärden gegen Putin glaubwürdig zu wirken. Dass die Stimmung im Volk eine ganz andere ist, wurde dieser Tage viel diskutiert. Altkanzler Helmut Schmidt sagte dazu in einem Zeit-Interview:

Das deutsche Volk will keinen Kalten Krieg. Die politischen Eliten entfernen sich im Westen möglicherweise schneller von der friedlichen Gesinnung ihrer Völker.

Das ist schon bemerkenswert. Umso dankbarer muss man sein für jeden erfahrenen Politiker, der sich um Normalität bemüht, für den der 1945 begründete Konsens noch prägend war, wonach der Friedenserhaltung alles Andere unterzuordnen ist.

Auf Zeit online schrieb ein Kommentator „Schröder hat die falschen Freunde. Frau Merkel hat gar keine Freunde. Das ist der Unterschied.“

Viel mehr weiß ich auch nicht zu sagen, deshalb ist dieser Beitrag so kurz geraten. Aber das Prinzip Hoffnung sagt mir: in diesen Tagen könnten Freundschaften wichtiger sein als rituelle Machtspiele.