in Politik

Egal wie man es drehen oder wenden mag, die Ereignisse rund um die Ukraine und deren Auswirkungen auf die globale Weltpolitik werden zwar versucht irgendwie in Worte zu fassen, aber so wirklich überzeugend ist keine dieser Erklärungen. Hält man sich ausschließlich an die harten Fakten und vor allen Dingen an die zeitliche Abfolge dieser Fakten, dann erhält man durchaus einen sehr guten Einblick in die Antwortfindung weshalb Moskau so handelt wie es eben handelt. Die Frage nach dem faktischem Warum habe ich bereits versucht zu beantworten, aber im Laufe der weiteren Entwicklung in und um die Ukraine reicht diese faktische Analyse nicht mehr aus.

Natürlich ergeben die geopolitischen und -strategischen Erwägungen und Pläne einen Sinn (ob man diese nun diese für gut oder schlecht befindet spielt keine Rolle). Natürlich ergibt es Sinn das die Europäische Union bis jetzt zumindest unfähig und völlig hilflos jeder grossen internationalen Krise gegenüberstand, und der Vorwurf nicht einfach so von der Hand zu wischen ist, dass dann am Ende Brüssel doch als Juniorpartner der Vereinigten Staaten von Amerika dastand.  Und natürlich ergeben die jeweiligen propagierten Narrative für das Zielpublikum einen Sinn, andernfalls müssten sich die sogenannten Spin Doctors einen anderen Job suchen.

Aber all diese Fakten und Analysen beantworten für mich immer weniger die Frage nach dem Warum. Deshalb möchte ich mit diesem Artikel einen persönlichen, rein subjektiven Erklärungsansatz wagen der natürlich mit Fakten garniert ist, nichtsdestotrotz aber einfach einen Versuch darstellen soll, diese historische Umwälzung die wir erleben besser begreifen zu können. Man muss weder einer Meinung sein noch diesen Ansatz als das nonplusultra verstehen. Aber wenn damit eine Diskussion entstehen kann, wenn sich die Leserinnen und Leser im Freundeskreis darüber unterhalten und ihre Meinungen austauschen, dann hilft das vielleicht auch gegen die vorgegebene staatliche Richtlinie – dem vom Auswärtigen Amt herausgegebenen „Realitätscheck“ einen dezidierteren Stand einzunehmen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass nur kurz nach der Erteilung dieser staatlichen Richtlinie die LINKE Partei einen Fragekatalog an die Bundesregierung zusammengestellt hat, in dem genau die gleichen Unklarheiten und Beweise angeführt werden die auch in den Alternativen Medien gestellt werden.

Die Angst vor Russland

Wer schon mal im Osten Deutschlands unterwegs war und sich mit den Menschen unterhalten hat, wird früher oder später entdecken, dass es gewisse anti-russischen Ressentiments gibt. So gibt es beispielsweise den Spruch: Iss eh die Russen kommen. 

Damit hat jene Generation ihre Kinder zum Essen aufgefordert, die in der damaligen DDR geboren und aufgewachsen ist und selbst noch Kinder in den letzten Jahren der Deutschen Demokratischen Republik bekommen hat.

Woher dieser Spruch oder diese Angst kommt ist mir nicht bekannt, die Menschen mit denen ich gesprochen habe führten es auf den Umstand des kommunistisch beherrschten Regimes der DDR zurück. Doch gerade die deutsche Geschichte (in allen ihren vor-republikanischen Facetten und Konstrukte) ist mit der russischen untrennbar miteinander verwoben (im Guten wie im Bösen möchte man fast anmerken). Deutschland war das Machtzentrum des kontinentalen Zentraleuropa, mal zu stark und dominierend und mal schwach und eher verletzlich. Aber unabhängig davon in welchem Zustand sich Deutschland gerade befand, die Entwicklung der Nachbarländer beeinflusste es jedesmal.

Dagegen stand ab dem 16. Jahrhundert ein russisches Zarenreich als Machtzentrum im äussersten Osten Europas, welches die gleichen Feinde mit Deutschland teilte. Es kam zu einem regen wirtschaftlichen Austausch zwischen dem Zarenreich und den verschiedenen deutschen politischen Entitäten, stellenweise war es sogar der grösste und wichtigste Absatzmarkt für deutsche Produkte. Selbst eine der berühmtesten Persönlichkeiten der russischen Zarengeschichte war eine Deutsche: Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, oder in die Geschichtsbücher eingehend als Kaiserin Katharina die Grosse.

Einer der mächtigsten und grössten Feinde von beiden kontinentaleuropäischen Ländern war die Supermacht Großbritannien. Von der britischen Insel bis nach Neuseeland übte das britische Königreich ihre Macht aus und unterhielt zahlreiche Kolonien. Die deutsch-russischen Ambitionen kamen London`s Krone immer wieder in die Quere und sorgten für Spannungen. Egal ob das in der Nordsee war, im Rennen um den afrikanischen Kontinent oder um die Ausdehnung britischer Herrschaft von Indien nach Zentralasien, überall und immer wieder kam zu Auseinandersetzungen entweder mit den Deutschen, den Russen oder beiden gleichzeitig.

Auch wenn heute die Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland als The Great Game bezeichnet wird, so waren es aber Großbritannien und Russland die sich unter dieser Beschreibung einen unsichtbaren Kampf um die Vorherrschaft in Zentralasien über hundert Jahre lang lieferten. Die Amerikaner können höchstens als Nachfolger der Briten diesen Mantel übergezogen haben, und zwar nicht um den Kampf um territoriale Besitztümer, sondern um den Ausbau loyaler Absatzmärkte und Rohstofflieferanten.

Diese mehr als hundert Jahre währende Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und Russland hat natürlich Spuren hinterlassen. Das gilt insbesondere für die Briten, deren egalitäre Denkweise im 18. und 19. Jahrhundert die verschiedenen Völker in Rassenstufen unterteilte. Auf oberster Stufe rangierten natürlich die Briten, zusammen mit den angelsächsischen Amerikanern, Franzosen und den Deutschen. Die Juden teilte man wahrscheinlich je nach Bedarf in die oberste oder zweite Stufe ein. Die Russen aber teilten sich die dritte Stufe zusammen mit den „zurückgebliebenen, despotischen und barbarischen Asiaten“, was viel über die Sichtweise verrät wie das russische Reich betrachtet wurde. Noch unter den „barbarischen“ Asiaten und Russen fungierten die „wilden, kriegerischen und grausamen Araber und Türken“, während auf der untersten Skala dieser Rasseneinteilung die Stämme Afrikas und Indiens landeten. Eine gewisse Ähnlichkeit also zum indischen Kastensystem kann nicht verleugnet werden, wo die untersten Schichten von der obersten Schicht, den Brahmanen, völlig vernachlässigt und nicht als ebenbürtige Menschen angesehen werden.

Obwohl man aus britischer Sicht zwar Franzosen, Deutsche und teilweise die Juden aus diesen genannten Ländern aus rassischer Betrachtungsweise als am weitest entwickelt und ausschließlich dazu befähigt ansah, die Menschheit voranzubringen, so galten Ende des 18. Jahrhunderts die angelsächsischen Amerikaner und Briten doch als die Spitze dieser Rassenpyramide.

Briten und Amerikaner kamen aus dem gleichen Kulturkreis, mit dem Unterschied dass die amerikanischen Kolonisten nur die ihrer Meinung nach positiven Strukturen und Traditionen aus dem britischen Mutterland mitnahmen, und die Feudalsysteme als Hindernis zu ihrer idealen Vision eines neuen Staates zurückliessen.

Entstehung der angelsächsischen Anglosphäre

Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus naturgemäss zwei unterschiedliche Länder mit jeweils eigenen Interessen. Während das britische Reich an ihren Besitztümern in Übersee – und an der entsprechenden Selbstwahrnehmung als das einzigartige  Reich – bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges festhielt, übten sich die Vereinigten Staaten von Amerika ebenfalls am Kolonisierungsprojekt ihres ehemaligen Mutterlandes. Man besetzte fremdes Land, schlachtete zu zehntausenden die Ureinwohner Amerikas ab, führte Kriege gegen Nachbarn (Mexiko) und Truppen von weiter entfernt liegenden Herrscher um „ihr“ Land auf dem amerikanischen Kontinent, und ging auf Eroberung ausserhalb des Kontinents (Hawaii, Kuba, Philippinen).
Als sich die politische Landkarte weltweit nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg veränderte und ehemalige Kolonien in die Unabhängigkeit gelassen wurden, liess sich trotz aller Unterschiede zwischen diesen Ländern insbesondere bei den angelsächsischen Ländern eine Gemeinsamkeit erkennen. Was die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und Großbritannien (und zu einem geringeren Teil auch in Australien und Neuseeland) hervorbrachten war eine neue Kultur, und glaubt man der Meinung des US-Autors James C. Bennett, sogar eine neue Zivilisation.

Diese neue angelsächsische Zivilisation braucht laut Bennett keine geografischen Grenzen noch irgendeine Herrschaftsform, was sie verbindet ist diese neue Kultur und Weltanschauung, deren Werte und Interpretation sie in ihren Schulsystemen (USA und Großbritannien) erlernen. Da sie keine physischen Grenzen benötigen, wird der Raum den sie aber dennoch allein durch ihre physische Präsenz einnehmen als Anglosphäre genannt.
In dieser Anglosphäre fanden sämtliche Errungenschaften der einzelnen Nationen Eingang, die man für die Verbreitung der Zivilisation nach ihren Maßstäben für förderlich hielt und nach wie vor hält. Der britische Rassismus fand daher genauso seinen Weg in die Anglosphäre wie der amerikanisch inspirierte Kapitalismus oder der kanadische Liberalismus. Das beliebteste Mittel zur Verbreitung dieser „idealen“ Zivilisationsform war und ist der Weg des Geldes, nicht die Demokratie. Demokratie ist zwar förderlich, aber in erster Linie ist es das Geld mit welchem man den gutklingenden American Way of Life exportiert. In Ländern wo die Demokratie entweder abgelehnt oder aus anderen Gründen nicht angenommen wird (oder angenommen wird, aber nicht die gewünschten Personen oder Parteien dadurch an die Macht kommen), hat die Anglosphäre nicht die geringsten moralischen Probleme auch mit den schlimmsten Despoten der Welt anzubandeln, solange eben das Geld stimmt.

Erst in der letzten Dekade ist man vom Export der Demokratie weggekommen, nachdem man durch Lügen und Betrügereien zu den schlimmsten Verbrecher der Gegenwart verkommen ist. Seitdem hat man nur die Worte „Demokratie“ mit der Begründung „R2P“ (Right to Protect = das selbsterteilte Recht militärisch einzugreifen um ein in Bedrängnis geratenes Volk zu beschützen) ersetzt, um die gleichen Ziele zu erreichen.
Betrachtet man sich nur die Interventionen der immer im Tandem agierenden USA und Großbritannien`s seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wird man feststellen können, dass diese Interventionen immer dem gleichen Muster folgen. Der ausgemachte Feind den es zu beseitigen gilt, ist immer jemand der a) der erdrückenden Übermacht der USA und Großbritanniens militärisch nichts entgegenbringen kann,  b) der aber trotzdem regional eine Einflusssphäre besitzt, und c) dessen Einflusssphäre den Plänen der Anglosphäre diametral entgegen steht.

Ob das der Irak 1990/91 war, Jugoslawien 1999, Afghanistan 2001, Irak 2003, Pakistan 2004, Jemen 2009, Libyen 2011 oder auch indirekt im Libanon 2006, Syrien 2011 und Mali 2013; sie allen waren den diversen US/Britischen Streitkräften nicht im Geringsten ein wirklicher Gegner und sie alle standen den Plänen der Anglosphäre im Weg. Begründet wurden mit Ausnahme Afghanistans 2001 sämtliche Interventionen mit den Begriffen Demokratie und R2P, dienten jedoch gänzlich anderen Zwecken als die angegebenen.

Es ist nicht Gegenstand dieses Artikels die genauen Zwecke dieser verschiedenen Interventionen seit 1990 zu benennen, sondern es soll verdeutlicht werden dass die Anglosphäre sich auf der Suche nach einem neuen Feindbild befand den es zu bekämpfen galt. Die internen Zwistigkeiten insbesondere in den USA zu der Frage ob sich die Vereinigen Staaten von Amerika überhaupt an solchen Interventionen beteiligen sollen oder nicht, wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich gelöst. Nicht wirklich deshalb, weil es die herrschende Elite in Washington – die ausschließlich aus sogenannten WASPS`s (White Anglo Saxon Protestant = Weisser angelsächsischer Protestant), Neocons und Zionisten besteht die allesamt in der Ivy League geschult wurden – geschafft hat, den Grossteil der amerikanischen Bevölkerung mit der Illusion der „unersetzlichen Nation“ zu besänftigen, und dass dieser Logik entsprechend auch die Welt nach amerikanischen Werten und Idealen zu formen ist. Konsequenterweise bedeutet das, dass wenn sich die amerikanische Nation für unersetzlich hält, eben andere Nationen durchaus ersetzbar sind. Und was ist das anderes als Rassismus?

Bei uns wird dieses Gerede von einer „unersetzlichen Nation“ als politische Rhetorik abgetan und nicht wirklich ernst genommen. Das unheimliche daran ist aber, dass diese für die US-Bevölkerung geschaffene Illusion es auch in die Anglosphäre geschafft hat. Zwar kann es darin nicht mehr in den engen Grenzen einer Nation betrachtet werden, nichtsdestotrotz fühlt sich aber die Anglosphäre aufgrund der „unersetzlichen Nation“ als Teil des Ganzen den anderen gegenüber für überlegen. James C. Bennett beschreibt es als ein „organisches Konstrukt das aber nicht genetischen, sondern memetischen Ursprungs ist.“
Die Länder der Anglosphäre (Großbritannien, USA, Kanada) müssen natürlich zuallererst im Interesse ihrer eigenen Nationen handeln, was unweigerlich zu Spannungen innerhalb dieser Sphäre führt. Aber sobald es um supranationale Angelegenheiten geht, wie zum Beispiel Krisen, dann werden die einzelnen nationalen Unterschiede ohne Probleme fallen gelassen und es übernimmt sozusagen die Anglosphäre das Kommando. Der moderne Begriff der „Koalition der Willigen“ besteht immer in allererster Linie aus den USA und Großbritannien, und in letzter Zeit gesellt sich auch Kanada immer mehr dazu. Der Grund weshalb Kanada erst in jüngerer Zeit dazu gestossen ist, liegt in der Besonderheit der französischsprachigen Provinz Quebec, die ihren Ursprung nicht in der angelsächsischen Kultur hat und somit auch nicht wirklich etwas mit der Anglosphäre anzufangen weiss. Durch die Regierungszeit von Stephen Harper aber ist Kanada sehr schnell von der liberalen Richtung abgekommen und hat sich den USA und Großbritannien in sehr vielen Fragen angepasst.

Russland im Fokus der Anglosphäre

Und was hat das jetzt alles mit Russland zu tun fragen Sie sich? Betrachtet man sich die Landkarte wo die letzten Interventionen aus „humanitären“ Gründen oder der gewaltsamen Oktroyierung der „Demokratie“ erfolgte, lässt im ersten Moment nicht auf Russland schliessen. Erst mit dem Putsch in der Ukraine rückt Russland ins Blickfeld als mögliches Ziel, auch wenn natürlich vordergründig behauptet wird dass die EU nichts weiter tut als den Willen der ukrainischen Bevölkerung zu respektieren.
Schaut man etwas genauer hin, lassen sich die Linien in manchen Fällen sehr gut erkennen die nach Russland führen. Blickt man aber etwas weiter zurück in die Geschichte und betrachtet diese Entwicklung seitdem durch die Linse der Anglosphäre, dann ergibt das plötzlich durchaus Sinn.
Während der Herrschaft der Zaren in Russland war es in allererster Linie die britische Elite die durch ihren Rassismus den Zaren, das russische Volk und schliesslich das ganze Land selbst als äusserst Rückständig und den eigenen Plänen im Wege stehend betrachtete. Immer wieder versuchte London auch militärisch gegen die Russen vorzugehen, schaffte es aber selten in der Geschichte ihrer kriegerischen Auseinandersetzungen ernsthafte Niederlagen zu bereiten. Das lag hauptsächlich daran, dass Großbritannien zwar eine Supermacht war, aber diese Macht hauptsächlich auf den Weltmeeren projizieren konnte. Russlands Stärke lag aber auf dem Land.

Während dem Ersten Weltkrieg stand Russland zwar auf der Seite der Alliierten, aber die Folgen des Krieges führten 1917 zur „Oktoberrevolution“ die das Ende der Zarenherrschaft einläutete. Die Bolschewiken schwangen sich unter der Führung von Vladimir Lenin an die Macht, den die Deutschen eigens aus dem schweizerischen Exil heimlich nach Petrograd brachten um den Aufstand gegen den Zar zu leiten. Den anschliessenden Bürgerkrieg in Russland zwischen den „Rotrussen“ und Weissrussen“ feuerten die Westmächte mit der Unterstützung der „Weissrussen“ nur weiter an, was zu unnötigen und zusätzlichem Leid für die Bevölkerung führte.

Dieser Sieg der Bolschewiken über die vom Westen unterstützten „Weissrussen“ bedeutete gleichzeitig auch ein Sieg über den Westen, was zur Bildung des ersten „kollektiven“ Hasses der Anglosphäre gegenüber Russland führte. Natürlich wurde es so nicht kommuniziert, sondern massiv die Angst vor dem „roten Kommunismus“ geschürt. Dabei spielte ihnen natürlich Lenin selbst in die Hände der die „kommunistische Revolution“ propagierte und eisern verfolgte.

Als deshalb Adolf Hitler sich und die Nationalsozialistische Partei 1933 in Deutschland an die Macht brachte, wurde er vom Westen unterstützt. Er sollte das europäische Gegengewicht zum russischen Kommunismus spielen, um bloss keine amerikanische Truppen zu binden da sich die USA in einer schweren Wirtschaftskrise befanden. In den USA war es primär die Geschäftswelt die den Faschismus in Europa durch ihre Investitionen und Finanzierungen förderte. Erst durch den Kriegsbeginn wurden die meisten dieser Verbindungen gekappt, aber eben nicht alle.

Während des Zweiten Weltkrieges waren es wohl dutzende Länder die im Krieg involviert waren, aber im europäischen Krieg zwischen den Achsenmächten und den Alliierten waren es in allererster Linie die Sowjets die sich Nazideutschland entgegenstemmten. Sie waren es schliesslich auch die die Entscheidung auf den Kriegsschauplätzen herbeigeführt haben, mit Unterstützung der Alliierten Truppen und vor allen Dingen ihren Luftwaffen.

Diese Fakten spiegeln sich auch in der Opferbilanz wieder: ca. 20 Millionen Todesopfer in der Sowjetunion, gegenüber 400`000 Todesopfern bei den amerikanischen und 326`000 Todesopfern bei den britischen Truppen.
Es geht nicht darum um die Leistungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zu schmälern, sondern es geht darum die Realität ins richtige Bild zu rücken welches heute massiv verzerrt wird.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen die westlichen Alliierten sofort nach der Konferenz von Yalta auf der Krim-Halbinsel die teilweise in Ruinen liegende Sowjetunion als Gefahr darzustellen, derentwegen die NATO gegründet wurde.

Bereits 1945 entwickelten die USA einen Plan – Operation Plan Totality – der zur Verteidigung der US-Streitkräfte in Zentraleuropa die Auslöschung von 20 sowjetischen Städten mit Atombomben vorsah, und Winston Churchill wollte am 1. Juli 1945 endlich seinen Hass auf die Kommunisten in Russland mit der Operation Unthinkable in die Tat umsetzen (Angriff auf die Sowjetunion mit 117 Divisionen).
Bis zum Niedergang der Sowjetunion 1989 ging diese Zeit als der Kalte Krieg in die Geschichte ein, und führte zu diversen Stellvertreterkriegen zwischen den zwei dominierenden Weltmächten USA und UdSSR. Mit dem Niedergang der Sowjetunion begrub man auch den Kommunismus, was zurecht weltweit gefeiert wurde.
Doch für die Anglosphäre, und insbesondere dabei für die USA, sollte dieser Zeitpunkt einen Wendepunkt bedeuten weil man plötzlich und völlig ohne jegliche Vorbereitung nicht nur den grössten Feind verloren hat, sondern etwas überspitzt gesagt auch den Existenzgrund der Supermacht USA.
Paul Wolfowitz, ein jüdisch-amerikanischer Neocon der es unter der Administration von George W. Bush bis zum Stellvertretenden Verteidigungsminister schaffte, entwarf 1992 die sogenannte „Wolfowitz Doctrin“ die bis heute ihre Gültigkeit besitzt. Der erste Entwurf war auch gleichzeitig der ehrlichste, da die offizielle Version dem Zeitgeist der 1990er Jahre entsprechend keine scharfe Position zu Russland beziehen sollte. Deshalb gebe ich hier den ersten Entwurf von 1992 wieder, der von all jenen Neocons die es in die George W. Bush Administration geschafft haben gutgeheissen wurde, aber von der Bill Clinton Administration als zu scharf formuliert beurteilt wurde:

„Unser erster Ziel muss sein, das Wiederauftreten eines neuen Rivalen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder woanders zu verhindern, der eine Gefahr darstellen könnte wie es die Sowjetunion getan hat. Dies ist eine der neuen regionalen Verteidigungsstrategie zugrunde liegende Berücksichtigung, die alles erfordert um eine feindliche Macht daran zu hindern eine Region zu dominieren, deren Ressourcen unter konsolidierter Kontrolle genügen würden, um eine globale Macht generieren zu können.“

Genau darum geht es überall. Ob das der Mittlere Osten ist, Afrika, Zentralasien, Eurasien oder Südostasien: es geht um die Kontrolle der Ressourcen unter US-Führung. Als Russland in den 1990er Jahren unter dem als Trunkenbold berüchtigten Präsidenten Boris Yeltsin zum Schatten seiner selbst verkam, stellte das an Ressourcen reiche Land natürlich keinerlei Gefahr dar. Im Gegenteil, die Oligarchie wurde insbesondere von der Anglosphäre gefördert um extreme Reichtümer anzuhäufen.
Als aber Vladimir Putin an die Macht kam und anfing die Oligarchie zu bekämpfen und ein neues Russland aufzubauen, welches zwangsläufig nicht dem Russland entsprach dass sich die Anglosphäre vorgestellt hatte, zog er relativ schnell den ersten Hass auf sich auf. Aufgrunddessen dass sich die USA und Großbritannien in den Kriegen in Afghanistan und Irak verrannt haben und dort ihr Geld in den Sand steckten, musste der gekränkte Stolz der Anglosphäre hilflos zuschauen wie Putin in kürzester Zeit ein ganz anderes Russland aufgebaut hatte, als man es in Erinnerung noch 2001 in Erinnerung hatte bevor man in den Krieg nach Afghanistan zog.
Den grössten Coup landete Putin aber 2013 als er den lange geplanten Feldzug gegen Syrien kurzerhand vereitelte. Bereits 2007 offenbarte der ehemalige NATO-General Wesley Clark, dass die USA in sieben Ländern die vorherrschenden Regime stürzen will. Auch Syrien und der Iran waren auf dieser Liste.

Damit zog sich Putin die geballte Kraft des Hasses der Anglosphäre auf und steht seitdem ohne Unterbruch als Zielscheibe für die übelsten Beschimpfungen und Verdächtigungen, bis sich die Möglichkeit auftat nach 2004 (Orangene Revolution) erneut in der Ukraine aktiv zu werden. Was wir seitdem erleben ist eine regelrechte Hetzjagd gegen Russland und an erster Stelle gegen Putin. Erst diese Woche verabschiedete der US-Kongress eine Resolution, die Präsident Obama auffordert endlich Waffen (nebst denen die bereits geliefert wurden) in die Ukraine zu liefern. Desweiteren findet sich in dieser Resolution eine Geschichtsverdrehung ähnlichen Kalibers wie jener des Putschisten Arseniy Jatsenjuk, in der es heisst:

„Das Versäumnis die Aggression der russischen Föderation gegen die Ukraine, … (und) die unilaterale Absicht die international anerkannten Grenze der Ukraine neu zu ziehen, untergräbt die Basis der internationalen Ordnung die nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten gegründet und mit hohen Kosten verteidigt wurde.“

Die internationale Ordnung wurde also gemäss dieser Resolution des US-Kongresses unter hohen Kosten durch die USA und ihrer Verbündeten gegründet und verteidigt. Das ist ein Schlag und Verachtung allerhöchster Güte gegenüber den Millionen von Todesopfern in der Sowjetunion die sich der Kriegsmaschinerie des Adolf Hitler entgegenstemmten und ihr Land verteidigten.
Nicht weniger zeigte auch Angela Merkel ihre Verachtung als sie vor kurzem ihre Teilnahme für die 70. Weltkriegsgedenkfeier in Moskau absagte, und damit Vladimir Putin und das ganze Land brüskierte. Aber die letzten Wochen zeigten ihnen auch, wie ernst die Lage tatsächlich ist. Und was fast noch wichtiger ist: es zeigte ihnen wieviel Angst die Anglosphäre vor starken Männern und Nationen haben.

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15 Kommentare

  1. zweimal war in der ukrine geputsch, es ist immer hinter der putsch Cia GESTANDEN;MIT GLEICHE LEUTE!ES WAR AUSSREDEM MIT RECHTS RADIKALE GESTEUERT! ES IST NICHTS GELUNGEN! GEGENTEIL! SIE HABEN DAMIT KRIM VERLOREN UND DAS LAND GETEILT!DARUM DER HASS AUF PUTIN!!!!SYRIEN GEHÖRT DAZU!!!!

  2. Es geht nicht um Angst, es geht nur um Pfründe sichern und aneignen. Imperialismus eben. Und Putin verteidigt sein Land, so gut er kann, ohne über das Ziel hinaus zu schießen. Meine Tendenz: Halten wir es wie die Russe und seien wir hart zu den Amis. So kann man deren Wirtschaft zwar am Leben halten, aber nur ohne jegliche Moral. Und die sehe ich derzeit eher im Osten als im Westen.

  3. Nimmt man die Wolfowitsche Doktrin als Nachweis für das postulieren des russischen Feindbildes so müßte man doch umso mehr eben diese angelsächsischen Imperialambitionen als Motiv für das Feindbild Deutschland 1914 identifizieren.

    War doch D wirtschaftlich wie technologisch weitaus potenter als selbst heute Rußland. Hinzu kam noch, dass D England auf dem Weltmarkt immer mehr Kunden abspenstig machte – von wegen Made in Germany. Und dann waren da noch die Kolonien…

    Offensichtlich müßte man heute eine Wiederholung der Geschichte von 1914 erkennen – nur diesmal gegen Rußland.

    Deutsche Alleinkriegsschuld? Die Geschichtsschreibung bedarf erkennbar einer Revision!

  4. Sehr umfangreicher und guter Artikel. Allerdings kann ich der Aussage nicht zustimmen, dass die Ostdeutschen ständig Angst vor den Russen hatten. Ich lebe seit 68 Jahren in besagter Region. Den Spruch „iss bevor die Russen kommen“ kenne ich nicht. Habe ich da eine Bildungslücke?

    • DAS HAT MIT DEM LÜGE IN UNSERE MEDIEN ZU TUN! SIE WISSEN IMMER BESSER WIE DAS LEBEN IN DDR WAHR! OBWOHL FAST KEINE VON SCHURNALISTEN DORT GELEBT HABEN! BRAWO!

    • Ich kenne den Spruch auch nicht und nach kurzer umfrage bei Onkels und Tanten auch keiner.
      Kommt bestimmt eher von den Menschen die hinter dem Zaun gelebt haben in der Tri-Zone. Bei denen stand doch 40 Jahre lang der russische Bär vor der Tür
      und wollte bis zum Atlantik marschieren. Den Kindern wurde doch solcher Mist erzählt, hat sich ja auch zu heute nicht viel geändert.

  5. bald kommt der 15.april 2015 , putin gibt dann die deutschen ostgebiete einschliesslich ddr ihre souverenität zurück , mal sehen was dann die angelsachsen und die usa machen werden . deutschland erneut bekriegen , weil kein friedensvertrag besteht . die rothschilds sollen sich endlich verpissen , dieser abschaum der menschheit und die queen of fucking england gleich mit

  6. Ein peinlicher sachlicher Fehler ist mir aufgefallen: Das Denken der Briten war nicht „egalitär“, sondern ganz im Gegenteil: „elitär“. Sonst würde die Aussage nicht zum Rest des Abschnitts passen.

    Ich glaube, es waren vor Allem zwei Dinge, mit denen Putin Obamas Hass auf sich zog: Erstens sein Artikel 2013 in der New York Times, in dem er die USA aufforderte, nicht jeden Konflikt mit Bomben beheben zu wollen und wieder mehr auf das Völkerrecht zu achten, und zweitens das Asyl für Snowden. Die USA haben damals ja unmissverständlich davor gewarnt, ihm Asyl zu gewähren. Alles weitere ist die Umsetzung dieser Drohung. Dass dabei Tausende ums Leben kommen, und ein Land vernichtet wird, ist für Obama offenbar nicht besonders wichtig.

  7. Ich denke es ist gut so wie es jetzt läuft .
    Und es läuft eh schon , es läuft schon sehr lange .
    Für die englische “ Armada “ , diesmal allerdings unter amerikanischer Führung , wird es wennes denn kommt
    die allerletzte Schlacht werden . Meinem Gefühl nach .
    Auf der Angelsägsichen Seide stimmt eh nichts mehr
    -auser der vermeindlich überlegenen Bewaffnung .
    Warten wir es ab , es wird spannent bleiben .
    Wenn wir Glûck haben gibt es zum Schluß wieder was zu richten nach dem Recht der Ùberlegenen .
    Es ist der Ewige Kampf der Vernunft – gegen das natürliche Karma des Mensch .