Finanzkrise, alle Optionen liegen auf dem Tisch: Inflation, Enteignung, Krieg

Das Kreuz mit Brüssel: Wie sagt man so gern in der Kanonenboot-Diplomatie? Alle Optionen liegen auf dem Tisch. In diesem Falle, bei der Bewältigung der voranschreitenden Finanzkrise, ist das nicht so ganz richtig. Es liegen nur die Optionen auf dem Tisch, die man der Mehrheit der Menschen, entgegen besserer Erkenntnis, überhelfen möchte. Alle anderen Optionen, jene die einen friedlicheren und für die Mehrheit der Menschen vorteilhafteren Ausgang dieser absehbaren Krise bieten würden, die werden seit Jahrzehnten hartnäckig nicht öffentlich diskutiert und liegen deshalb außerhalb der aktuellen Optionen, deren Spektrum in der Überschrift fast schon erschöpfend erwähnt ist.

Dieses System hat nun offensichtlich sein Endstadium erreicht, nicht nur in Europa, sondern global. Sind die Bürger individuell mit Krediten maximal verschuldet und brechen zudem die Staaten unter der Last der Schulden reihenweise zusammen, dann ist das Spiel vorbei. Ohne Kreditnehmer keine neuen Kredite. Ohne Kredite keine wachsende Geldmenge und damit keine gesicherten Zinsen mehr für die international angelegten Milliardenvermögen der oberen Zehntausend. Die möglichen Auswege, dieses kaputte Spiel zu verlängern, lauten: Enteignung der Bürger (Modell Zypern), Systemneustart per Inflation oder eben Krieg. Übrigens: Nichts erzeugt mehr Nachfrage nach Kredit wie die totale Zerstörung. Siehe Wirtschaftswunder Deutschland. Nur sollten wir uns ein erneutes Wunder dieser Art wünschen?

Warum die sogenannte „Gläubigerbeteiligung“ gar keine ist

Wenn man versucht den Menschen etwas einzureden, was so in der Form gar nicht der Fall ist, dann dürfen wir von einer Märchenstunde reden. Wenn das Ziel solcher Einreden ist, an die Ersparnisse der Menschen zu kommen, dann muss man es auch als das werten was es ist: ein Betrugsversuch. Im Falle Zypern womöglich schon vollendeter Betrug. Im geringeren Fall ist es aber wenigstens als Täuschung zu sehen. So geschehen durch unsere Bundesregierung, vertreten durch den Finanzminister Schäuble. Ganz stolz scheint man im Finanzministerium auf die sogenannte Gläubigerbeteiligung bei der Zypern-Rettung zu sein. Warum diese Aussage blanke Lüge ist, erklärt das folgende Zitat:

Ja, so funktioniert unser Geldsystem. Wer am Zahlungsverkehr teilnehmen oder Geld ohne Kursschwankungsrisiko aufbewahren will, muss den Banken einen Kredit geben – ob er will oder nicht. Formal sind Halter von Bankguthaben Gläubiger der Banken, obwohl sie eigentlich der Bank kein Geld leihen wollen. Sie wollen nur ihre Zahlungsmittel sicher und liquide aufbewahren. Weil Spar- und Girokonteninhaber formal Gläubiger der Banken sind, ist es formal korrekt, dass bei dem Plan, die Einlagenkunden der zyprischen Banken per Sondersteuer zu schröpfen, von Gläubigerbeteiligung an der Bankenrettung geredet wurde.
Norbert Häring im “Handelsblatt” vom 25. März 2013

Darüber hinaus, wir hatten es bereits beschrieben, hat der Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem diese Rasur-Methode auch noch zum neuen Standard in vergleichbaren Fällen erhoben. In diesem Zusammenspiel sollten die Europäer nun endgültig gewarnt sein. Wer jetzt nicht anfängt sich seine eigenen Gedanken zu machen, der kann es auch bis zum Schluss unterlassen und dann beim Scherben kehren mitmachen, sofern ihm noch welche bleiben.

Der eigentliche Fehler in dieser Sache scheint aber weniger zufällig als stillschweigend gewollt zu sein. Mit der zuvor beschriebenen Methode werden dem Grunde nach nur die richtig großen Kapitaleigner geschont. Da man es offenbar nur auf liquide Mittel abgesehen hat, nicht aber auf Aktien, nicht auf Anleihen und anderweitige Wertpapiere, trifft es genau diejenigen, die ihre liquiden Mittel bei der Bank stapelten. Sei es als eigene Rente, Sparguthaben oder was auch immer. Das Großkapital ist nur zu sehr geringen Prozentsätzen mit liquiden Mitteln dabei. Und wenn sie dabei sind, dann hat man in Zypern wunderbar erleben können, dass diese Leute schon zeitig genug vorgewarnt wurden und ihre Mittel abzogen. Dies auch noch während die Banken geschlossen waren. Übrig blieben jene zu schröpfenden Wesen, denen es an solchen Möglichkeiten und Verbindungen fehlte.

Nicht verhandelbare Optionen

Die weitere Erörterung der im Titel genannten Optionen kann an dieser Stelle sicherlich unterbleiben, weil jeder selbst genügend Vorstellungskraft hinsichtlich deren Wirkweise besitzen wird. Wenigstens sollten einige weitere Optionen einfach mal angerissen werden, um die Diskussion darum weiter zu befördern. Zu den einzelnen Punkten kann man im Internet hinreichend fündig werden.

Rückbau des schadhaften Geldsystems: Hierbei ist das zentrale Thema das exponentielle Wachstum der Geldmengen, zumeist auch noch außerhalb der Kontrolle der Zentralbanken. Es wuchert gemäß der Zinseszinsformel ungehemmt vor sich hin und kann nur durch aktive Umverteilung von unten nach oben bedient werden. Die Geldschöpfung gehört nicht in die Hand von Privaten, der zentralste Fehler des Systems der abgeschafft werden muss.

Thema Enteignung, aber anders: Wenn wir über Enteignung reden, dann sollte es nicht die der unteren 90 Prozent sein, sondern die der oberen 10 Prozent. Nur muss man dort ans Eingemachte gehen und nicht nur über liquide Mittel fabulieren. Selbst das Grundgesetz sieht entsprechendes vor (Verpflichtung des Eigentums zum Gemeinwohl), nur wird wohl auch das noch falsch ausgelegt werden und die Masse des Volkes vorgeblich für sein angebliches eigenes Wohl enteignet werden. Nein, auch hier sind jene gefragt die sich die Volksausbeute des letzten halben Jahrhunderts in die Tasche steckten.

Trennbankensystem: Darüber wird ab und an mal philosophiert, nur konkrete Schritte in diese Richtung hat es und wird es wohl in der jetzigen Konstellation auch nicht geben. Die Aufspaltung der Banken in Investmentbanken und reine Zahlungsverkehrsbanken, eben jene die tatsächlich nur das Geld der Kunden aufbewahren. Genau dagegen wehren sich die Banken, könnten sie doch dann nicht mehr ungefragt mit Kundengeldern zocken gehen.

Vollgeldsystem: Diese System beruht im Kern darauf, das Geld der Kunden eben nicht als mehr als Einlage einer Bank zu betrachten, sondern als reinen Verwahrungs- und Verwaltungsgegenstand, der damit auch nicht mehr abhanden kommen kann und auch in keinem Risiko steht und dadurch auch für nichts haftet, entgegen dem jetzigen System. Zypern lässt grüßen. Weitergehend und endgültig entzieht dieses System auch die Geldschöpfung dem privaten Sektor.

Schwundgeld: Dies ist eine ganz andersartige Philosophie und wie der Name schon sagt, ist es genau das Gegenteil von dem was unser Zinseszins basiertes Geldsystem bislang produziert. Es wurde ersonnen, um das Geld im steten Fluss zu halten und dessen Hortung zu unterbinden. Geld, welches nicht fließt, sich nicht bewegt, schwindet dann ganz von alleine. Durchaus auch ein Ansatz, wenngleich wohl nicht besonders chancenreich.

Regionalgeld: Solches gibt es bereits in diversen Facetten, aber kaum einer mag sich wirklich damit anfreunden. Es bietet diverse Vorteile und kann völlig losgelöst von anderen Systemen betrieben werden. Ob es im größeren Maßstab dann auch brauchbar wäre ist eine andere Frage, aber auch hier ließen sich sicherlich einige Elemente diskutieren. Manch ein erfolgreicher Regionalgeldversuch wurde übrigens von der Regierung gestoppt, so geschehen Anfang des letzten Jahrhunderts in Österreich, als sich ein solches System zur echten Bedrohung des herrschenden Geldsystems während der Wirtschaftskrise zu entwickeln drohte.

Es stinkt nach Verrat

Besieht man sich die Ereignisse der letzten Wochen genau, wie auch viele weitere Maßnahmen die den kleinen Mann und die Mittelschicht einkreisen, dann mag man durchaus erahnen wer den Politikern souffliert. Da kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Zuarbeiter unserer Regierung schon wissen wen sie ausplündern wollen und die von ihnen vertretene Klientel dabei nicht hinten anstellen werden. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die unzähligen Beratungsleistungen großer Kanzleien für das Finanzministerium?

Jetzt bleibt abermals eine Frage im Raume stehen. Sind unsere Politiker tatsächlich so unfähig dies alles korrekt zu durchblicken? Sind sie schlicht nur doof und unintelligent? Sind sie wirklich nur blökendes Fraktions-Stimmvieh ohne eigenen Plan und Verstand? Oder sind es einfach nur Leute die gerne auf Kosten der Wähler chillen wollen? Wenn nicht, dann müssen sie tatsächlich gekauft worden sein.

Hätten nicht alle Politiker diese seltsame Immunspritze bekommen, gäbe es darüber hinaus ein paar couragiertere Staatsrechtler und Staatsanwälte die sich selber noch ernst nehmen, dann wäre durchaus zu prüfen ob hier nicht längst ein Verstoß gegen den §266 StGB (Untreue) vorliegt. Denn wer derart sträflich das Volksvermögen versemmelt und ganz offenkundig irgendwelchen Einflüsterungen der Lobbys folgt statt dem eigenen Verstand, die Staatsknete damit in die falschen Kanäle bugsiert, der sollte sich dafür verantworten müssen. In jedem größeren Konzern hätte die Innenrevision schon zugeschlagen, sofern nicht bestochen.

Nie war die Diskrepanz zwischen Wählerauftrag und Politikerhandeln größer als in den letzten Jahren. Für jedermann offensichtlich, der sich auch nur oberflächlich in die Themen hinein versetzen mochte. Aber man sollte auch den Volksverblödungsapparat nicht unterschätzen und wissen wem der gehört. Hinter allen großen Verlagen stehen auch große Geldgeber und damit auch große monetäre Interessen. Und wenn man schon eine Flöte oder ein großes mediales Orchester sein Eigen nennt, dann lässt man dort auch seine eigene Melodie ertönen. Damit bekommt man sogar vereinzelte Buh-Rufe von den Pöbel-Plätzen aus dem Auditorium noch locker übertönt.

Zum unguten Ende

Es ist mit Händen zu greifen, dass die öffentliche Debatte nur in eine Richtung manipuliert wird, in jene, die den wenigen Geldbergseignern dienlich ist. Alle alternativen Systeme, alle Ansätze, die zum Wohle der Menschheit in Sachen Geldsystem diskutiert werden müssen, kommen in der Diskussion nicht nur zu kurz, sie kommen schlicht nicht vor. Und während wir uns noch wundern, wird auf ganzer Strecke radikal unten abgeräumt und final nach oben verteilt. Das kann kein ausschließliches Versagen der Politik sein, da sind größere Schweinereien im Gang.