in Lateinamerika

Die Türkei will auch ein wenig mitspielen. So zumindest macht es den Anschein, denn die türkische Politik und die Medien reden sehr viel über Venezuela, Maduro und die möglichen Entwicklungen dort. Das generelle Bild dabei sieht sehr „Pro-Maduro“ aus. Stimmt Präsident Recep Tayyip Erdogan die Türkei auf einen neuen, großflächigeren Anti-Amerikanismus ein?

Vereint durch das Feindbild „USA“

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan haben auf jeden Fall eines gemeinsam: sie beide haben ein durchaus zerrüttetes Verhältnis zu den USA. Wenngleich diese belastete Beziehung unterschiedliche Ursachen hat, beide halten in Zeiten der Krisen solidarisch zuammen. So hört man aus Ankara immer wieder über Venezuela und die türkischen Medien stimmen mit ein.

Der Anti-Amerikanismus ist vor allem in weiten Teilen des Nahen und Mittleren Ostens verbreitet. Aber auch in weiten Teilen Südamerikas herrscht nicht gerade das beste Bild von den USA. Maduro steht Washington nicht gerade freundlich gegenüber, u.a. weil US-Präsident Donald Trump jüngst den sich selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó offiziell als venezolanischen Staatschef anerkannte. Erdogan auf der anderen Seite, ist nach wie vor empört über die Verweigerung der Amerikaner, Fethullah Gülen auszuliefern.

Der Islamprediger und ehemalige Freund Erdogans lebt in der USA im Exil und wird von Ankara für den Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 verantwortlich gemacht. Angeblich habe Washington Gülen dabei grünes Licht gegeben oder ihn gar unterstützt. Nur so könne sich Ankara vorstellen, wie der Islamprediger einen Putschversuch hätte überhaupt auf die Beine stellen können. Und auch der angekündigte Abzug von US-Truppen aus Syrien lief nicht nach Erdogans Geschmack, hat er doch immer noch keine freie Bahn die Rebellen der YPG anzugreifen. Diese sollen laut Ankara Teil der verbotenen Arbeiterpartei PKK sein.

Erdogans Unterstützung für Maduro kommt keinesfalls überraschend

Jedenfalls steht die Türkei mitsamt ihrem Staatschef Erdogan dem, mehr und mehr unter Druck geratenden, venezolanischen Präsidenten Maduro zur Seite. In seinem Land herrschen schwere Unruhen, die Opposition unter der Führung von Juan Guaidó will die Regierung stürzen und demokratische Neuwahlen, jüngst dreht sich selbst das Sentiment im Militär langsam gegen Maduro.

Diese Unterstützung käme keinesfalls überraschend, meint Politikwissenschaftler Burhanettin Duran, wie er jüngst in einem Kommentar für die regierungsnahe Tageszeitung „Daily Sabah“ schrieb. Erdogan gäbe lediglich die Solidarität zurück, welche Maduro selbst nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 zeigte. Duran holt aber auch gegen die USA aus und unterstellt, dass Washington kein Problem habe, „einen weiteren Putsch zur langen Liste militärischer Interventionen in Südamerika hinzuzufügen.“

Die Türkei scheint aber noch andere Interessen zu verfolgen. Neben dem Schüren des ohnehin schon weit verbreiteten Anti-Amerikanismus in der Türkei, gehe es auch um den Handel mit venezolanischem Gold. Dies zumindest gehe aus einem Bericht der BBC hervor. Der Westen befürchte, dass das wertvolle Edelmetall über Ankara in den Iran gelange. Ein weiterer Staat, zu dem Erdogan die Nähe sucht mit ausgeprägtem Anti-Amerikanismus im Land. Ein deutlicher Anstieg der Goldexporte aus Venezuela in die Türkei unterstreichen diese Annahme, so heißt es.

Der Goldhandel bleibt undurchsichtig und die Annahme auf einen Handel mit dem Iran von Ankaras Seite aus bisweilen spekulativ. In jedem Fall würde ein solcher Handel aber gegen US-Sanktionen verstoßen und Ankara sei deshalb auch bereits gewarnt worden. US-Senator Marco Rubio ging noch einen Schritt weiter, als er Maduro über den Kurznachrichtendienst Twitter des Diebstahls bezichtigte. Angeblich solle Maduro mindestens 10% der landeseigenen Goldreserven gestohlen haben und Rubio hoffe sehr, dass die Türkei kein Komplize dabei gewesen sei.

Türkischer Journalist kritisiert Medien und Teile der Linken

Solche Äußerungen helfen nicht den Kurs gegen die USA oder den Westen zu ändern. Wenn solche Anschuldigungen ohne die Vorlage von beweisen erhoben werden, dann unterstützen sie viel mehr die Stimmung, die von Maduro und Erdogan in ihren jeweiligen Ländern verbreitet wird. So sieht das unter anderem auch der türkische Journalist Cengiz Candar, der „Al-Monitor“, einer Nachrichtenseite im Internet, Teile der türkischen und deutschen Linken kritisierte.

Sowohl in der Türkei, als auch in Deutschland würden sich manche Sozialisten auf die Seite von Maduro schlagen. Diese Leute würden dabei vergessen, dass der venezolanische Präsident bei seinem Türkeibesuch im Spätsommer 2018 in einem besonders teuren Steak-Restaurant zu Abend aß. Und das, obwohl in Teilen der eigenen Heimat Hungernot herrsche. Zudem würden die türkischen Medien absichtlich Pro-Maduro-Nachrichten verbreiten, zugleich aber anti-amerikanische Stimmung.

So verbreiten türkische Nachrichten unter anderem, dass es Wahsington ohnehin bei all dem Engagement in Venezuela nur um das Öl ginge, als auch um den Sturz von Maduro selbst. Dabei werden mit keinem Wort China und Russland erwähnt, zwei Länder, welche ebenfalls im Machtzerren um Venezuela beteiligt sind. Die Medien und Teile der Linken vergessen hier scheinbar auch, laut Candar, dass es sich um ein autokratisches oder diktatorisches Regime handele. Aber das sei „uninteressant“. Hauptsache gegen die USA. Denn das braucht Erdogan im eigenen Land mit Hinblick auf die Kommunalwahlen Ende März.

Autor: Thomas Schmied

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