Elfenbeinküste – Terror in Westafrika weitet sich aus

Algerien, Mali, Burkina Faso und jetzt die Elfenbeinküste. Die Terrororganisation „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf, GSPC) weitet ihren Kampf und ihr Einsatzgebiet aus. Nach Medienberichten aus dem westafrikanischen Land gleicht der jüngste Terrorakt den Anschlägen auf die Pariser Zeitung „Charlie Hebdo“ vor 14 Monaten. Bei dem Attentat, welches sich am vergangenen Sonntag ereignete, kamen 22 Menschen ums Leben. Neben 16 Zivilisten starben auch 2 Polizisten und 4 der Attentäter. Unter den Todesopfern waren viele Europäer, darunter auch eine Deutsche, die Leiterin des Goethe-Instituts in Abidjan.

Der Angriff von „Al-Qaida MI“ im äußersten Süden des Landes kam dabei sehr überraschend, da die Regierung schon vor Jahren den Kampf gegen die Dschihadisten zu einer der wichtigsten Aufgaben erklärte und die Armee verstärkt, besonders im Norden des Landes eingesetzt wurde, um ein Durchsickern von Kämpfern aus Mali oder Burkina Faso zu verhindern. In der 40 Kilometer östlich von der Hauptstadt entfernten Stadt Grand-Bassam hielten viele Touristen die Schüsse zunächst wohl für ein Feuerwerk. Die Küstenstadt gehört aufgrund ihrer gut erhaltenen Häuser aus der französischen Kolonialzeit seit 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe und ist bei einheimischen- und ausländischen Urlaubern sehr beliebt.

Überlebende des Massakers schilderten gegenüber BBC und RTL Radio grausame Szenen. Die vermummten Angreifer kamen um die Mittagszeit zum Strand. Sicherheitsbeamte hatten noch versucht die Situation zu beruhigen und zu beschwichtigen, in dem diese in Panik geratenen Besuchern mitteilten, dass Kollegen lediglich Warnschüsse abgeben würden, um randalierende Jugendliche vom Strand fern zu halten. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits mehreren Restaurantbesuchern von den Angreifern gezielt in den Kopf geschossen, darunter auch einem Kind. Die Belgierin Charline Burton versteckte sich mit ihrer kleinen Tochter zwei Stunden auf einer nahegelegenen Toilette. „Sie waren überall um uns herum und wir hörten die andauernden Schüsse“, sagte sie zu einem Reporter der BBC.

Andere Augenzeugen berichteten weiter, dass auch die Deutsche, Henrike Grohs, Leiterin des Goethe-Instituts Cote d’Ivore in Abidjan, die sich mit Kollegen zum Zweck einer Gala für „Children of Africa“ in Grand-Bassam aufhielt, gezielt getötet wurde. Die 51jährige leitete das Institut seit 2013 und galt auch unter Einheimischen als geschätzte Liebhaberin der ivorischen Kultur.

Die schwer bewaffneten Angreifer stürmten insgesamt drei Strandhotelanlagen. Nach Angaben des ivorischen Innenministers Ahmed Bakayoko und der zuständigen Behörden, gab es neben den zahlreichen Toten mindestens 22 Verletzte. Die Identität der Täter konnte zunächst nicht festgestellt werden. Erst später übernahm „Al-Qaida MI“ auf dem der Terrormiliz nahestehenden Nachrichtenportal Al-Akhbar die Verantwortung für den Anschlag. Der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Quattara, der noch am Tag des Anschlages nach Grand-Bassam fuhr, sagte: „Diese schändlichen Anschläge der Terroristen werden in der Elfenbeinküste nicht toleriert.“

Nach vielen Jahren des Bürgerkriegs innerhalb der Elfenbeinküste, gilt das Land nun als politisch stabil, obwohl Sicherheitskräfte und Armee nicht alle Teile des Landes unter Kontrolle haben. Teilweise haben sich Waffenstillstandsabkommen und Friedensverträge zwischen Regierung und Rebellengruppierungen als brüchig erwiesen. Der nun durch „Al-Qaida MI“ verübte Anschlag ist schon der dritte dieser Art binnen kurzer Zeit im westafrikanischen Raum. Im November des letzten Jahres nahmen zwei Terroristen in Malis Hauptstadt Bamako 170 Gäste des Radisson-Blu-Hotels als Geiseln. Bei dem Angriff und der anschließenden Stürmung des Gebäudes durch Sicherheitskräfte, wurden 20 Hotelgäste und die beiden Terroristen getötet.

Im Januar dieses Jahres stürmten Männer von „Al-Qaida MI“ zwei Hotels und ein Restaurant in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Bei dem Angriff wurden etwa 30 Menschen getötet, darunter 3 Terroristen. Mehreren Milizionären gelang die Flucht. Hauptmotiv der Terroristen war immer der Einfluss Frankreichs in der Region, was in diversen Bekennerschreiben zum Ausdruck kam. Viele Angriffe der letzten Monate werden der Gruppierung „al-Murabitun“ zugeordnet, die von dem einäugigen Dschihadisten Mokhtar Belmokhtar kommandiert wird. „Al-Murabitun“ hatte sich Ende des vergangenen Jahres offiziell „Al-Qaida MI“ angeschlossen und Belmokhtar, gebürtiger Algerier, wurde bereits mehrfach für tot erklärt, zuletzt nach einem US-Angriff in Libyen, doch offenbar entsprachen die Angaben der libyschen Stellen nicht der Wahrheit. Stattdessen ist es der Terrorgruppierung unter seiner Führung offensichtlich gelungen, ihr Operationsgebiet und die logistischen Einsatzoperationen deutlich zu vergrößern.

Quellen: Handelsblatt, BZ, BBC, Deutsche Welle, Telepolis, tagesschau.de, Spiegel