Die ukrainischen Rollkommando der Nazis

Johanna Weichselbaumer – Stepan Bandera, OUN und UPA waren Kollaborateure der Nazis und in die grausame NS-Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie integriert. Heute sind sie Kultikonen der neuen prowestlichen Machthaber in der Ukraine.

Stepan Bandera (1909-1959) entstammte einer religiösen Familie. Sein Vater war griech.-kath. Pfarrer. Er studierte in Lemberg Agrarwissenschaften und war bereits ab dieser Zeit eng mit dem ukrainischen Nationalismus verbunden. Schon in jungen Jahren leitete er das Propagandareferat der „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN) und stieg rasch zu einem der wichtigsten Funktionäre auf. Mit 25 wurde er Führer des Gremiums der OUN.

Die OUN konstituierte sich nach langer Vorbereitung Anfang Februar 1929. An der Gründungsveranstaltung in Wien nahmen etwa 30 Delegierte westukrainischer, nationalistischer Gruppierungen teil. Die Mitglieder der OUN waren ausschließlich ukrainischer Nationalität. Damals waren polnische Kolonialherren Besitzer der großen Ländereien in der Westukraine, während viele Ukrainer kaum genug zum Leben hatten. Auch wenn dieser soziale Gegensatz nicht ethnischen Ursprungs war, sondern mit Klassen- und Eigentumsfragen zusammenhing wurde dieses Problem von den Nationalisten instrumentalisiert. So erhielten sie regen Zulauf.

Die OUN wollte jedoch nicht nur polnische Kolonisten, sondern vor allem auch Juden, Russen und andere ethnische Minderheiten vertreiben bzw. ausrotten. Ähnlich dem Bestreben Großdeutschlands einer reinen arischen Rasse, war ein rein ukrainisches Volk das Ziel der ukrainischen Faschisten.

Bereits vor der Machtübertragung an die Nazis Großdeutschlands knüpfte die OUN Kontakte zur NSDAP. Einer ihrer Führer, Riko Jary, traf bereits 1931 mit Adolf Hitler in München zusammen. Mikola Schiborsky besprach 1932 mit dem SA-Chef Ernst Böhm die Schulung von OUN-Mitgliedern durch die faschistische SA. Es existiert auch ein Bericht der polit. Abteilung des deutschen Auswärtigen Amtes aus dem Jahr 1933, aus dem hervorgeht, dass die OUN vom Auswärtigen Amt finanziell unterstützt wurde.

Regelmäßig kamen Kuriere und Abgesandte aus Polen, der Westukraine und Danzig nach Berlin um Informationen für die deutsche Abwehr zu liefern. Berichte, die aus der Westukraine kamen und mit „Starik“ („der Graue“) unterschrieben waren, stammten von Stepan Bandera.

Von Gewalt begleitete Demonstrationen gegen die ukrainische KP, Angriffe auf sowjetische Einrichtungen und Attentate gab es bereits ab 1929/30. Die Polizei registrierte bereits ab dieser Zeit eine wachsende Zahl von Übergriffen auf Juden. Wie in Nazideutschland wurden ihre Geschäfte boykottiert und Häuser angezündet. Auch Ukrainer, die sich weigerten, an diesen OUN-Aktionen mitzumachen wurden Opfer ihres Terrors.

Der wohl bekannteste Anschlag der OUN war die Ermordung des polnischen Innenministers Bronislaw Pieracki, der am 15. Juni 1934 von HrycMaceyko in Warschau erschossen wurde. Daraufhin wurde nahezu die gesamte Führungsebene der OUN verhaftet und verurteilt. 1939 wurden sie von den faschistischen Okkupanten befreit.

An der Seite der deutschen Faschisten

Im Jänner 1934 schlossen Polen und Deutschland ein Abkommen über die Nichtanwendung von Gewalt. Damit sollte den Völkern suggeriert werden, dass das Dritte Reich friedfertig sei. Dies war der Nebelschleier hinter dem Aufrüstung und Kriegsvorbereitung liefen. Zu diesem Zwecke wurden auch die Verbindungen zur OUN minimiert und konnten wiederum im Zuge des Einmarsches reanimiert und für deutsche Operationen im Osten geschult und organisiert werden. Die OUN wurde nun direkt in die geheimdienstliche Strategie gegen Polen und die Sowjetunion eingebunden.

1938 konstituierte sich in der Karpato-Ukraine ein nationalistisches Regime unter Augustin Woloshin. Das Woloshin-Regime gestattete der OUN auf ihrem Territorium zu wirken. Das war ganz im Sinne des deutschen Geheimdienstes. Der stellte der OUN einen Radiosender in Wien zur Verfügung, der bis weit in polnische Gebiete empfangen werden konnte.

Beim Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen kam die eigentliche Bestimmung der OUN zum Tragen. Die OUN-Gruppen wurden in Polen als Rollkommandos eingesetzt. Nach der Zerschlagung des polnischen Staates begann die rassistische und antisemitische Besatzungs-, Ausplünderungs- und Vernichtungspolitik an deren Ende der Tod von 6 Mill. Polen und mehr als 3 Mill. Juden zu beklagen war.

Krakau wurde zur Hauptstadt des am 6. Oktober 1939 gebildeten deutschen Generalgouvernements ausgerufen und wurde auch Zentrum der OUN. Dort sammelten sich die ukrainischen Nationalisten, dorthin strömten viele Exilukrainer aus Deutschland und Österreich. Etwa 30.000 Personen ukrainischer Herkunft sollen sich damals in Krakau aufgehalten haben.

Ein seit der Gründung der OUN schwelender Konflikt spitzte sich 1939 zu und führte zur Spaltung der OUN. Die Gruppe, die sich um den Führer Andreij Melnyk scharte, verfolgte eine eher gemäßigte, kompromissbereite Politik. Die Anhänger von Stepan Bandera verfolgten eine militante, ultraradikale und auf Gewalt beruhende Politik. Die OUN teilte sich in die OUN-M (Melnykisten) und OUN-B (Banderisten). Die OUN-M wurde von den Banderisten als Gegner der wahren OUN erklärt und bekämpft. Bei dieser Konferenz ging es auch um die zukünftige Rolle, die die OUN-B bei der Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit spielen wollte. Nach ihrer Vorstellung sollte die Ukraine von Polen, Juden, Russen und anderen Minderheiten „befreit“ werden. In dieser Zeit setzten sich unter den Banderisten zur Abgrenzung gegenüber anderen nationalistischen Gruppen der ukrainische Dreizack, der faschistische Gruß mit den begleitenden Worten „Ruhm der Ukraine“- „Ruhm den Helden“, die rot-schwarze Fahne (rot für vergossenes Blut, schwarz für die Erde) als Symbole durch. Im Frühjahr 1941 liefen die Vorbereitungen für das „Unternehmen Barbarossa“, der Überfall auf die Sowjetunion auf Hochtouren.

Oberst Erwin Stolze instruierte die beiden Führer getrennt über die ihnen zugedachten Aufgaben. Die Legion ukrainischer Nationalisten wurde in 2 Bataillone aufgeteilt. Das Bataillon „Nachtigall“ wurde bei Liegnitz/Schlesien formiert, das Bataillon „Roland“ auf dem Truppenübungsplatz Saubersdorf (St. Egyden am Steinfelde) bei Wiener Neustadt. Die Kommandostrukturen der beiden Bataillone waren so gegliedert, dass sie eine deutsche Befehlsebene und eine ukrainische Verantwortungsebene besaß. Ferner gehörte zur Führung von „Nachtigall“ Roman Schuchewytsch (ein glühender OUN-B Mitstreiter) und Oberleutnant Theodor Oberländer (Oberländer machte nach dem Krieg Karriere in der CDU, vom Vertriebenenminister bis in den Bundestag).

Mordorgien

Eine der größten Mordorgien fand nach dem Rückzug der Roten Armee in Lemberg (Lviv) statt. Das Bataillon der „Brandenburger“ und das Bataillon „Nachtigall“ ermordeten bis zu 7000 Juden und Kommunisten in und um Lemberg. Vom Säugling bis einschließlich der alten Menschen wurden ganze Familien (auch von der aufgewiegelten Bevölkerung) brutalst erschlagen, Hetzjagden, Spießrutenläufe, Folter, Demütigungen, Massenhinrichtungen, unvorstellbare Gräueltaten. Die Blutspur vom Bataillon „Nachtigall“ und dem „1.Brandenburger-Bataillon“ zieht sich nun von Ort zu Ort. Nachtigall wurde bis dahin hauptsächlich für Säuberungs- und Vernichtungsaufgaben eingesetzt. Das Bataillon „Roland“ war vorwiegend für Sabotageaufgaben zuständig. Aufgrund des schnellen Vormarsches der deutschen und rumänischen Truppen wurde es zur Säuberung in Städten und große Ortschaften und zur Aufstellung ukrainischer Milizen herangezogen.

Im Juni 1941 ließ Bandera die Wiedererrichtung einer unabhängigen Ukraine verkünden. Die Staatsproklamation nahm Jaroslaw Stezko, der sich als neuer Regierungschef vorstellte, vor. In der Erklärung hieß es unter anderem: „Die ukrainische Regierung wird eng mit Großdeutschland unter dem Führer Adolf Hitler zusammenarbeiten, der eine neue Ordnung in Europa schaffen wird.“ Da Berlin eigene Pläne hatte wurden Bandera und Stezko von der SS verhaftet. Sie kamen ins KZ Sachsenhausen in einen Sonderblock als prominente Häftlinge in Ehrenhaft. Reichskommissar Erich Koch begründete diese Vorgangsweise mit folgenden Worten: „Es gibt keine freie Ukraine. Das Ziel unserer Arbeit muss sein, dass die Ukrainer für Deutschland arbeitet und nicht, dass wir das Volk hier beglücken. Die Ukraine hat das zu liefern, was uns fehlt.“ Und weiters: „Für die Deutschen im Reichskommissariat ist maßgebend, dass wir es mit einem Volk zu tun haben, das in jeder Hinsicht minderwertig ist“, erklärte er in Herrenmenschenmanier.

Mit der Begründung, die Bataillone Nachtigall und Roland seien wegen Unzuverlässigkeit, Ungehorsam und Ignorierung von Befehlen nicht mehr frontverwendungstauglich, wurden sie in ihre Heimatkasernen transportiert, wurden dort als Schutzmannschaftsbataillon 201 zusammengeführt und neu bewaffnet. Diese Einheit, nunmehr der SS unterstellt wurde nun auch in Belorussland zur Partisanenbekämpfung, gegen die Zivilbevölkerung und zum Teil im KZ Trostinez bei Minsk eingesetzt.

UPA – Ukrainische Partisanen Armee

Die UPA war der verlängerte Arm der OUN-B. Die UPA ging ab dem Frühjahr 1943 zu gezielten Mordaktionen gegen Polen (ganze Familien) und sowjetischen Partisanen über. Die von der UPA ausgeführten Mordzüge kosteten etwa 100.000 Polen das Leben. Sie führten praktisch die zweite Phase der ethnischen Säuberung durch. Zuvor war in der Westukraine die fast vollständige Vernichtung der Juden erfolgt. Im März desertierten mehrere Tausend ukrainische Polizisten zur UPA, die zuvor an Massenerschießungen von Juden in Wolhynien beteiligt gewesen waren. Ihren Gipfel erreicht die antipolnische Aktion im Juli 1943, als in 3 Landkreisen polnische Dörfer umstellt und die gesamte Bevölkerung brutal ermordet wurde.

Nach Mikola Lebed wurde Roman Schuchewytsch oberster Befehlshaber der UPA. Die UPA erreichte eine Stärke von mehr als 30.000 Mann. Die „Goldene Kompanie“ war eine Eliteeinheit der UPA, über deren Existenz nur die höchsten Kommandeure informiert waren. Die strenge Personalauswahl erfolgte unter folgenden Bekenntnissen: Blutig die Ziele der UPA zu verfolgen, jeden Befehl auszuführen und als Märtyrer zu sterben. Die „Goldene Kompanie“ wurde für die blutigsten Terroraktionen eingesetzt, selbst Leichen wurden noch verstümmelt.

Im Sommer 1944 kam es in einem Waldgebiet in Wolhynien zu einer der größten militärischen Kampfhandlungen zwischen Roter Armee und UPA. In diesem und darauf folgenden Gefechten erlitt die UPA schwere Verluste. Einige Restgruppen zogen sich in die Karpaten zurück. Im Oktober 1944 brachte die Rote Armee das gesamte Gebiet der Karpaten unter ihre Kontrolle. Damit war auch das letzte Rückzugsgebiet der UPA erledigt. Am 5. März 1950 starb der Oberkommandierende der UPA Roman Schuchewytsch in einem Kampf mit NKWD-Spezialeinheiten in Lviv.

Im September 1944 kam Bandera wieder frei. Er gründete mit Melnyk das Ukrainische Komitee, das als alleiniger Vertreter des ukrainischen Volkes von den Faschisten anerkannt wurde mit dem Ziel waffenfähige Ukrainer zum gemeinsamen Kampf gegen den Bolschewismus zu mobilisieren. 1945, als die Rote Armee an den Grenzen des Nazireiches stand war Bandera mit seiner Familie, offensichtlich mit Hilfe von Nazifreunden, längst untergetaucht. 1946 ließ er sich in Bayern nieder und meldete sich in München als Schriftsteller unter dem Namen „Stefan Popel“ an. Nach dem Krieg konzentrierte sich die ukrainische Emigration in München und Frankfurt/Main. Bandera alias Popel schuf die Zentralvertretung der Ukrainer in Deutschland. Im Jahr 1959 wurde auf Banderaein tödliches Attentat verübt.

EU- und US-Freunde verehren Nazi-Kollaborateure

Im Jahr 2007 wurde Roman Schuchewytsch, im Jahr 2010 Stepan Bandera jeweils der Orden „Held der Ukraine“ vom damaligen prowestlichen Präsidenten Wiktor Juschtschenko mit Unterstützung der damaligen von EU und USA umschwärmten Premierministerin Julia Timoschenko verliehen. Die Schuchewytsch-Ehrung wurde von einem Gericht in Donezk als unrechtmäßig wieder aberkannt. Die Bandera-Ehrung wurde auf Betreiben des Präsidenten Wiktor Janukowytsch gerichtlich wieder aberkannt. Bandera und Schuchewytsch sind seither zu Kultikonen in der Westukraine erhoben worden. Die jährlichen Aufmärsche, Veranstaltungen zu deren Gedenken und fanatischen Verehrung häufen sich. „Swoboda“ mit ihrem Parteichef Oleg Tjagnybok vertritt diese faschistische Tradition in seinem Programm.

Johanna Weichselbaumer – Erschienen bei SOLIDAR WERKSTATT
Recherchen und Auszüge aus dem Buch von Helmut Wagner „Rechte in der Rada – Swoboda, Nationalismus und Kollaboration mit Faschisten in der Ukraine und in Europa“, 2013

Dass das österreichische Außenministerium NS-Kollaborateure wie Stepan Bandera verharmlost und – im Rahmen der EU-Politik – neofaschistische Kräfte in der Ukraine unterstützt, die in der Tradition von Stepan Bandera, OUN und UPA stehen, hat die Solidarwerkstatt zu einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft veranlasst, betreffend Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz.

Aufmarsch der neofaschistischen ukrainischen Partei „Swoboda“ zum „Heldengedenken“ an Stepan Bandera. Der Auswärtige Dienst der EU kooperiert bereits seit längerem mit „Swoboda“, um das EU-Assoziierungsabkommen durchzusetzen. „Swoboda“ stellt in der derzeitigen Putschregierung in Kiew höchste Regierungsvertreter.

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