in Politik

Teil 2 unseres exklusiven Berichts über die erschreckenden Tiefen der NATO-Strategie. Teil 1 finden Sie hier.

Henry Kissinger (geb. als Heinz Alfred Kissinger in DE-Fürth), ehemaliger Außenminister und Vize-Präsident in Personalunion unter US-Präsident Richard Nixon, schrieb folgendes über die NATO in seinem Buch Die Herausforderung Amerikas: (2001)

„Eine Verlagerung des integrierten NATO-Kommandos so nahe an Kerngebiete (Anm. Kissinger sprach zuvor über Estland) Russlands heran könnte die Chancen, dieses als konstruktives Mitglied in die entstehende neue Weltordnung einzubeziehen, mit einer schweren Hypothek belasten.“

Das bedeutet also dass der zwar umstrittene, aber dennoch als politische Legende geltende Kissinger genau davor warnt, wovon hier bei NEOPresse (z.Bsp. „Ist Russland wirklich ein Aggressor?„) und bei vielen anderen Alternativ-Medien berichtet wurde.

Die Transformation der NATO von einem rein defensiven Bündnis zu einem offensiven – manche würden sogar von einem aggressiven Bündnis sprechen – sieht Henry Kissinger in dem Abkommen von Rambouillet von 1999.

Verkauft wurde dieses Abkommen als eine diplomatische Beilegung des Kosovo-Konflikts, welches aber damals vom übriggebliebenen Rumpfstaat Jugoslawien abgelehnt wurde.

Prompt meldeten unsere Medien das Jugoslawiens Diktator Slobodan Milosevic nicht an einer friedlichen Lösung interessiert ist und deshalb den Vertrag von Rambouillet abgelehnt hat.

Nur kurze Zeit später fing die NATO mit der Bombardierung von Serbien an, wo die Allianz zum ersten Mal in ihrer Geschichte als Aggressor auftrat, und dies mit der heute nur zu bekannten Phrase „Verhinderung von Massakern an der Zivilbevölkerung“ rechtfertigte.

Doch der Vertrag von Rambouillet war alles andere als eine diplomatische Lösung des Krise. Die NATO agierte hier in einem völligen politischen Vakuum und ohne jegliche Autorisierung durch die Vereinten Nationen, indem sie der jugoslawischen Regierung einen Vertrag nach dem Motto „friss oder stirb“ präsentierte, einer völligen Kapitulation Belgrads und Übergabe der Souveränität an die NATO forderte.

Um es mit anderen Worten auszudrücken: Entweder sollte Belgrad einer NATO-Besatzung zustimmen, oder die Konsequenzen einer Ablehnung zu spüren bekommen.

Henry Kissinger beschrieb diese Vorgänge von 1999 in seinem oben genannten Buch mit folgenden Worten:

„Die Forderungen von Rambouillet bedeuteten einen Wendepunkt in der Geschichte der Allianz, weil sie auf den Willen zum Krieg hinausliefen, obwohl die beteiligten Nationen ihr Bündnis stets damit gerechtfertigt hatten, dass es allein der Verteidigung diene. Und dies umso mehr, als die NATO soeben wiederholt ihren defensiven Charakter betont hatte, als es darum ging, Russland zur Hinnahme der NATO-Erweiterung zu bewegen.“

Diese Zeilen aus Henry Kissinger`s Buch sind enorm wichtig da sie sämtliche Beteuerungen seitens der NATO, ein rein defensives Bündnis zu sein oder das keine NATO-Erweiterung in Richtung Russland stattgefunden hat, als Lüge entlarven. Selbst in jenen Momenten also, als man versuchte sich mit Russland zu einigen, log die NATO den Russen ins Gesicht.

Das selbe gilt auch heute noch. Wie ich im ersten Teil dieses Berichtes über die Eröffnung der grössten NATO-Truppenübungen seit dem Kalten Krieg im sizilianischen Trapani geschrieben habe, wurde man vom NATO Vize-Generalsekretär bis zu den Kommandeuren nicht müde zu behaupten, dass das Bündnis eine rein „defensive und proportionale“ Allianz sei.

Das mag vielleicht in der Wahrnehmung und Zweckdefinition für die meisten Mitgliedstaaten korrekt sein, aber aus diesen Schuhen ist die NATO als Organisation schon längst herausgewachsen wie es Alexander Vershbow in einem Interview nur einen Tag vor der Eröffnungszeremonie in Trapani zugegeben hatte (siehe Teil 1). Das bedeutet während sich die Verteidigungsminister/innen der Mitgliedstaaten weiterhin der Illusion hingeben dass ihre Länder einem rein defensiven Bündnis angehören, wurde diese Illusion vom Vize-Generalsekretär Vershbow persönlich zum Platzen gebracht.

Und wenn wir uns nochmal kurz in Erinnerung rufen wie das US-Pentagon die NATO sieht, als „primäres Instrument der westlichen Verteidigung und Sicherheit, als auch einen Kanal für US-Einfluss und Teilnahme an europäischen Sicherheitsfragen“, dann darf es nicht verwundern dass eine solche Organisation nach dem Verlust des raison d’être sich selbst neu definieren muss, um nicht aufgelöst und die USA dieses Instrumentes zur Kontrolle Europas beraubt zu werden.

Ende der 1990er Jahre war es der Rumpfstaat Jugoslawien; Ende 2001 war es der „Krieg gegen den Terror“, ausgefochten in Afghanistan und der bis heute noch andauert; 2011 der Luftkrieg gegen Libyen: alles Einsätze die nichts mit dem ursprünglichen Sinn und Zweck dieses Bündnisses zu tun haben.

Während der Pressekonferenz im Luftwaffenstützpunkt 37° Stormo in der Nähe von Trapani, habe ich dem Vize-Generalsekretär der NATO, Alexander Vershbow, anknüpfend auf seine Aussage dass es sich bei Libyen um einen failed-state handelt die Frage gestellt, dass das doch erst mit der Bombenkampagne der NATO der Fall ist, worauf er folgendes zu Antwort gab:

„Wir handelten nach der Resolution des UN-Sicherheitsrates (Anm. UNSCR 1973) und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir gehandelt haben um die Menschen vor Massakern zu bewahren.“

Weiter meinte Vershbow, dass die „alliierten Führer die Ersten sind die zugeben das es eine Fehleinschätzung der internationalen Gemeinschaft war“, dass die NATO das Land nach der Bombenkampagne zu schnell verlassen hat. Aber es wäre nicht der Fehler der Allianz für diese „Fehleinschätzung“ gewesen, sondern das die Verantwortung „kollektiv von den teilnehmenden Ländern getragen werden müsse“.

Es sei nur am Rande erwähnt, dass genau die gleiche Haltung auch die damalige US-Aussenministerin Hillary Rodham Clinton während ihrer in den USA vielbeachteten Stellungnahme vor dem Libyen-Ausschuss eingenommen hat. Nicht etwa die Zerstörung Libyens durch die NATO brachte das Chaos ins Land, sondern die Tatsache das „Amerika abwesend“ war.

Während also die NATO Pläne schmiedet, die, wie der Strategische Oberbefehlshaber sämtlicher NATO-Streitkräfte in Europa, General Philip Breedlove, erklärte, er in Brüssel „auf den Tisch tut und die Nationen auffordert zu besprechen“, schiebt sie bei „Fehleinschätzungen“ ganz einfach die Schuld auf die teilnehmenden Länder einer Aktion ab.

Bleibt die Frage was für Pläne die NATO eigentlich schmiedet. Natürlich kann das niemand genau sagen, aber es gibt doch ein paar Hinweise die auch während dieser Medienveranstaltung gefallen sind. Grosse Sorgen bereitet den Planern wie Philip Breedlove, den der Spiegel als „Super Falke“ bezeichnete und das Kanzleramt ihn der „gefährlichen Propaganda“ beschuldigte, die „russische Aufrüstung in Kaliningrad, im Schwarzen Meer und Syrien“.

Auch die sogenannte anti-access area-denial capability, sprich eine Verbotszone für US-Streitkräfte in Teilen Syriens die zur Einschränkung von „freier Handlung und Navigation“ (freedom of action and navigation) geführt hat, stösst in Brüssel sauer auf.

Es fielen aber auch Hinweise wie eben jene „Interessen hinter unseren Grenzen“ der NATO (siehe Teil 1), oder aber einige kurze Anmerkungen das Afrika und die Afrikanische Union sehr wichtig für die NATO sind. Wieso sollte aber Afrika oder die Afrikanische Union für ein Verteidigungsbündnis interessant sein, dessen Mitglieder mehrheitlich aus europäischen Ländern bestehen und dessen Zweck die Verteidigung dieser Mitglieder ist?

Nicht nur den Vereinigten Staaten von Amerika missfiehl die Absicht des libyschen Staatsführers Muammar al-Gaddafi, auf Afrika die „Vereinigten Staaten von Afrika“ zu machen. Auch andere ehemalige Kolonialherren Afrikas, allen voran Frankreich, sahen in diesem Plan eine Schwächung ihrer Ausbeutung von Ressourcen und möglicherweise Verstaatlichung der diversen Unternehmen und Konglomerate.

Auch wenn die Länder Afrikas eher skeptisch gegenüber den Plänen Gadaffi`s standen, so reichte es nur schon aus überhaupt am Status Quo zu rütteln, dass man anfing Pläne zur Absetzung von Gaddafi zu machen.

Dementsprechend dachte in der NATO auch niemand ernsthaft an die Zeit danach, sondern man meinte mit lokalen Warlords neue Marionetten in Tripolis einsetzen können. Deshalb auch jetzt das Eingeständnis einer „Fehleinschätzung“.

Die USA selbst sind in den meisten Ländern Afrikas auf die eine oder andere Weise militärisch aktiv. Schaut man sich auf der Karte an wo das alles stattfindet, dann wird man feststellen können dass es sich bei diesen Gebieten entweder um geostrategisch wichtige oder um Ressourcenreiche Gebiete handelt.

Nicht zuletzt sind es auch vielfach jene Gebiete, in denen entweder Islamisten die Gewalt ausüben oder aus denen sich Jihadisten auf den Weg nach Syrien oder andere HotSpots machen.

Wenn Afrika und die Afrikanische Union für die NATO wichtig sind, wie es ja bei der Eröffnungszeremonie von Trident Juncture hiess, dann kann es nur als kollektives Bündnis zur Sicherung amerikanischer Interessen auf dem Kontinent sein.

Unter diesem Aspekt betrachtet, macht sowohl der Krieg gegen Libyen 2011 Sinn, als auch die Ernennung des französischen Luftwaffengenerals Denis Mercier zum Strategischen Oberbefehlshaber sämtlicher NATO-Streitkräfte zur Transformation derselbigen, der unter anderem den französischen Einsatz 2013 in Mali geleitet hat.

Demnach antwortete Alexander Vershbow auf eine Frage eines italienischen Journalisten, weshalb es sich die NATO so schwer macht zuzugeben dass Russland das prinzipielle Feindbild dieser Übungen ist, ganz korrekt als er folgendes sagte:

„Ich glaube nicht das es korrekt ist zu sagen dass Russland der wahre Gegner dieser Truppenübungen ist. Es ist ein fiktiver Gegner. Ich würde nicht die gleichen Rückschlüsse ziehen die Sie über den richtigen Gegner geschlossen haben.“

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„kleine Airshow“ / eigenes Bild

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General Philip Breedlove in Pilotenuniform vor einem Eurofighter / eigenes Bild

Nichtsdestotrotz bereitet sich die NATO auch für einen Ernstfall gegen Russland vor, um Moskau „davor abzuschrecken nicht einmal daran zu denken irgendeine Aggression gegen die NATO vorzunehmen“, so Vershbow. Auch der Tatsache dass es einfach zu viele Kriegstreiber in der politischen Elite in den USA und Europa gibt, die Russland nicht freundlich gesinnt sind, müssen die Planer der NATO in Brüssel Rechnung tragen.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Leider interessiert sich der bürger für die NATO genau NULL, so dass diese Herren relative Narrenfreiheit haben. Viel würde man ohnehin nicht erfahren, alles gut getarnt.
    Der Krieg gegen Jugsolawien wird wohl dereinst anders in den Geschichtsbüchern stehen, als die heutige offizielle Version. Oder auch nicht! Das werden die nächsten Monate entscheiden, wer was wie in die Geschichtsbücher schreibt. Denn das wissen wir immerhin: Geschichtsschreibung ist immer die Version des Siegers. Oder wie Churchill sagte: Da ist immer noch die wahre Geschichte – hinter der offiziellen !

  2. § 1 Abs.1 Hohe Menschenordnungsgesetze

    Hiermit verbiete ich, in der Ausübung Kraft meines Amtes als weise Frau, die, über den vorgegeben Grenzwert hinaus, Produktion, des unheilvollen Hormons Testosteron, in männlichen Lebewesen der Gattung Mensch. Eine Überproduktion ist unter allen Umständen und für alle Zeit, mittels geeigneter Maßnahmen zu unterbinden.

  3. Laut Abshenass erwirtschaftet der IS durch den Handel mit menschlichen Organen „kolossale Einnahmen“. Die Organe würden „Ungläubigen“ und ideologischen Gegnern entnommen und an Schmuggler verkauft.

    Weitere Einkommensquellen des IS seien historische Wertstücke und Artefakte aus Syrien und dem Irak, Kidnapping sowie Menschen- und Drogenhandel, so der Experte weiter. „In den von den Terroristen kontrollierten Gebieten ist der Handel mit Drogen Alltag.“ Abshenass erinnerte an die Festnahme des saudischen Prinzen Abdel Mohsen Bin Walid Bin Abdulaziz am Flughafen Beirut: In den Koffern des Prinzen und seiner Begleiter wurden gut zwei Tonnen Amphetamin und Kokain entdeckt. Laut dem Experten war auch dieser Drogentransport für die Finanzierung…

  4. Amerikas militärisches Engagement gegen den „Islamischen Staat“, das schon vor mehr als einem Jahr begonnen hatte, habe weder die Terrormiliz noch deren Ölproduktionskapazitäten geschwächt, Im Gegenteil: Seit Beginn der US-Operation ist der IS sogar gewachsen.“

    Die russischen Luftangriffe hingegen hätten schon in nur drei Wochen mehr erreicht: „Wir beobachten eine bedeutende Abschwächung des IS und von dessen Finanzkapazitäten. Daraus folgt, dass die Russen den IS wirklich attackiert haben.“

  5. Nach der Einschätzung des Experten bekommen die Terroristen von denjenigen Rückhalt, „die an einer Fortsetzung des Syrien-Krieges interessiert sind“: die USA und die Golf-Monarchien.

  6. Überdies verstrickte sich Deutschland in den gegenwärtigen Krieg – diesmal an der Seite von Großbritannien und Frankreich –, indem es den Vorsitz der Versammlung der „Arbeitsgruppe für den Wiederaufbau und die Entwicklung“ der „Freunde Syriens“ an einen hohen Diplomaten, nämlich Clemens von Goetze, übergab. Der teilte im Juni 2012 während einer Versammlung in Abu Dhabi die Reichtümer Syriens zwischen den Staaten auf, die eine Sabotage der Genfer Konferenz akzeptierten. Ohne überhaupt die Arabische Republik Syrien gestürzt zu haben, verteilte man schon die Konzessionen zur Förderung seiner Gasvorkommen. Finanzminister Wolfgang Schäuble schuf eine dauerhafte Geschäftsstelle, ausgestattet mit einem Budget von 600.000 Euro, um die Plünderung…