in Politik

Der feuchte Traum türkischer Militärstrategen ist schnell umrissen – Großturkestan. 60 Millionen, vorwiegend turksprachige, Muslime an der Südflanke Russlands verbunden mit dem immensen Energiereichtum des kaspischen Meeres, bei Fragen, um die Hintergründe des gescheiterten Militärputsches in der Türkei und der jetzigen russisch-türkischen Annäherung, liegen hier die Ursachen.

Die Ausgangslage

Es liegt auf der Hand, dass die Türkei in einer Konföderation mit Aserbaidschan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Turkmenistan sowie Teilen von Tadschikistan und Afghanistan aus der Liga der Regionalmächte, in die Klasse der Großmächte aufsteigen würde.

Dies liegt einerseits an den Erdgas und Erdölreserven um das Kaspische Meer und andererseits am Islam. Die Führungsrolle innerhalb der islamischen Staaten ist nach wie vor umstritten. Die Türkei, der Iran, Ägypten und Saudi-Arabien sind mögliche Anwärter, auf sich gestellt, allerdings nicht stark genug sich durchzusetzen.

Blicken wir dabei auf die Saudi-Arabien und den Iran. Im Iran werden die Hauptölfördergebiete von arabischen Muslimen bewohnt, unter denen der saudische Geheimdienst versucht Einfluss zu gewinnen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Golfes ist es umgekehrt.

Sowohl die Hauptölfördergebiete Saudi-Arabiens wie auch Bahrain besitzen schiitische Bevölkerungsmehrheiten unter denen sich wiederum der iranische Geheimdienst um Einfluss bemüht.

Möchten wir dabei wissen, wie eine indirekte militärische Konfrontation der beiden Staaten aussieht, müssen wir nur auf Syrien blicken und sehen das militärische Patt, das alle Beteiligten zermürbt.

Der Plan

Zentralasien ist reich an Erdgas und Erdöl und die Türkei ist das nicht. Gleichzeitig bietet die eng verwandte Sprache und Kultur einen Ansatz, um den Fuß in die Tür zu bekommen.

Der ehemalige türkische Botschafter in Österreich, wurde einmal auf einer Veranstaltung gefragt, ob ihn der zunehmende chinesische Einfluss in Zentralasien nicht Sorgen bereite. Die kurze Antwort war

Eigentlich nicht, da sich die chinesische Kultur von der zentralasiatischen so grundlegend unterscheidet.

300 Jahre Konflikte in Europa zeigen uns, dass sich Menschen unterschiedlicher Sprachen nicht sonderlich gut verstehen und eine militärische Besetzung, bei feindlicher Bevölkerung, in der Regel zu aufwendig und teuer ist und an dieser Stelle kommt die Gülen-Bewegung ins Spiel.

Umsetzung und Konflikt

Die schlechteste Art Einfluss auszuüben, ist durch militärische Konfrontation und die beste Art sind Stipendien, Schulen, soziale Programme und die Medien. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist genau das passiert.

Die türkische Regierung vergab Stipendien für Kasachinnen, mehrsprachige Fernsehsender wurden eingerichtet und die Gülen-Bewegung begann mit Schulgründungen in ganz Zentralasien, die mitunter Türkisch als Unterrichtssprache führten. Alles ganz im Sinne der türkischen Regierung und zwar bis die Regierung wechselte und damit die Prioritäten verschoben wurden.

Mit der neuen AKP-Regierung kam die Fraktion der „Osmanen“ an die Macht, allen voran Erdogan und Davutoglu, die, statt Internationalismus einer Fokussierung auf die Länder innerhalb des ehemaligem osmanischen Reiches Vorzug gaben und bei begrenzten finanzielle Mittel vorwiegend auf Bosnien und Albanien setzten. Damit war die Grundlage für den Konflikt gelegt.

Das Militär bevorzugte Investitionen in Zentralasien, die Gülen-Bewegung wollte ihre Schul- und Universitätsstandorte sichern und ausbauen, während die Regierung Erdogan lieber am Balkan investierte. Aus amerikanischer Sicht, ist es besser russische Kräfte in Zentralasien zu binden und die Türkei als Kooperationspartner zu sehen. Während russische Sicherheitsexperten ausländische Einflüsse im „nahen Ausland“, Länder der ehemaligen Sowjetunion, traditionell skeptisch sehen.

Das böse Erwachen

Wir sehen gerade, wie der Internationalismus scheitert. Der Wahlerfolg Donald Trumps, die Wahlumfragen in Österreich und Frankreich zeigen alle, dass Menschen sich für die eigene Nachbarschaft und vergangene Größe mehr interessieren als für Weitfortistan und transnationale Abkommen. Das ist in der Türkei nicht anders.

Osmanisch Kurse verzeichnen Rekordumsätze, „Süleyman der Prächtige“ ist eine der beliebtesten Fernsehserien. In Russland ist es die Nostalgie nach Sowjettagen und eine gänzlich andere Wahrnehmung der orthodoxen Kirche und der Romanows. Das Scheitern des Putsches und die türkisch-russische Annäherung sind Resultat des weltweiten Umdenkens.

Die Zukunft der islamischen Welt

Mit dem Ausscheiden der Türkei als Einflussfaktor in Zentralasien werden die zentralasiatischen Staaten wieder in die russische Einflusssphäre zurückkehren. Die Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion durch Russland, Weißrussland und Kasachstan sowie der spätere Beitritt Kirgistans sind Beispiele dafür. Tadschikistan und Syrien zeigen sich am Beitritt zumindest interessiert.

Gleichzeitig zeichnet sich immer mehr ab, dass sich Saudi-Arabien als islamische Führungsmacht nicht durchsetzen kann und die finanziellen Mittel knapp werden. Aktuell geht es um den Teilprivatisierung des staatlichen Ölunternehmens Aramco dessen Verstaatlichung der eigentliche Gründungsmythos Saudi-Arabiens ist. Das entspricht in etwa dem Versuch, die Einrichtung zu verkaufen, um die Miete zu bezahlen.

Mittelfristig werden wohl die Erdölfördergebiete im Osten stärker unter iranischen und die heiligen Stätten im Westen unter türkischen Einfluss fallen. Die Frage, um die führende islamische Nation stellt sich anschließend zwischen diesen beiden.

Auswirkungen auf Deutschland Österreich und die Schweiz

Die türkischen Verbände genießen im Moment in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine privilegierte Stellung. Das hat politische und demographische Gründe. Die Flüchtlingsströme aus Nahost bedeuten, dass die relative demographische Mehrheit der türkischstämmigen Muslime enden und eine eigenständige türkische Außenpolitik außerhalb etablierter Bündnisstrukturen bedeutet, dass auch das politische Klima rauer wird.

Die DITIB hat in Reaktion angekündigt von der Türkei unabhängiger zu werden, was sie als Dienststelle der türkischen Religionsbehörde Diyanet nicht kann und entsprechend massiv an Einfluss verlieren wird. Gleichzeitig wird der iranische Einfluss, siehe Islamisches Zentrum Hamburg stärker werden.

Durch anhaltenden staatlichen Druck und ausbleibende finanzielle Unterstützung aus Saudi-Arabien, werden die salafistischen Bewegungen ebenso an Einfluss verlieren. Bleiben wird ein weit mehr kommerziell ausgerichteter Islam mit Predigern, die sich die finanziellen Mittel auf dem freien Markt selber verdienen müssen und eine größere Vielfalt kleinerer, islamischer Gruppen.

Zusammenfassung

Der gescheiterte Putsch in der Türkei und die Annäherung zwischen Ankara und Moskau signalisieren einen Epochenwechsel in der Geopolitik. Wir sehen im Moment den Zusammenbruch des Internationalismus und das Entstehen mehrerer unabhängiger Regionalmächte. Die Welt wird 2020 weit mehr nach 1920 als 2000 aussehen.

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16 Kommentare

  1. Antitürkischer Nonsense. als hätte die türkische Regierung die Deutschen Grenzen für die Massenzuwanderung geöffnet und die Türkei Truppen von Afghanistan bis Mali stehen.

    • Wie ich finde, im Großen und Ganzen eine interessante Analyse. Wie weit sie zutrifft muss man wohl noch näher (länger) beobachten. Im Moment scheint mir zu viel im Fluss für klare Vorhersagen. Auf jeden Fall wird es „spannend“ bleiben und werden. Die Idee des Rückschritts nach 1920-ern (so weit sich Geschichte wiederholen kann), ist auch hier in Deutschland bestens und an zahllosen Stellen zu beobachten.

      • Die deutsch Politik hat unter dem Einfluss des Transatlantischen Neoliberalismus die Türen des Hauses eingetreten.
        Für jeden mit ansatzweise Verstand für das Funktionieren einer Gesellschaft sollten die Folgen klar sein.
        Diese Massenzuwanderungen sind die Basis für die Zerrüttung von Gesellschaften. Für die Massenzuwanderung ist die eigene Politik verantwortlich. Angesichts der Angriffskriege und Okkupationen des Westens ist die militärische und gesellschaftliche Ambition der Türkei vernachlässigbar.

        • Da haben wir es wieder „der Westen“ ist es nicht! Oder habenPortugal und Griechenland dort interveniert?
          Bei aller Kritik an den Neocons, für das türkische Großmachtstreben sind sie nun wirklich nicht verantwortlich!
          Die „Osmanen“ sind inder Türkei wieder am Ruder wollen das Osamanische Reich 2.0. nur größer, schöner und reicher. Türkischen/osmanischen Chauvinismus gibt es seit Jahrhunderten. Da gabs weder Manchester-Kapitalismus, Liberalismus noch die Idee von Neoliberalismus, weil alles noch gar nicht die Welttribüne betreten hatten!
          Bei allem Verständnis für Kritik, aber bitte nicht alles durcheinanderwerfen! Erdogan interessiert Neobliberalismus nicht dei Bohne, geschweige denn, er weiß was das sein soll!

          • Das türkische Grossmachtstreben als Angst- und Ablenkungs Propaganda sehe ich, aber nicht die Fakten dazu.
            Die türkisch Regierung lehnt die weitere Bevormundung durch die USA ab. Entsprechend ist die Propaganda in den Westmedien gegen die Türkei.
            Und auch wenn ich mich wiederhole :
            Die Massenzuwanderung, hauptsächlich Muslime, ist ein Problem- aber nicht Muslime haben diese Massenzuwanderung propagiert und orgaisiert und unter Gesetzesbruch durchgesetzt.
            Die Frage ist : Wer hat das akribisch geplant, organisiert und durchgeführt durchgesetztdurchgesetzt ? Wem nützt das , wenn Christen und Muslime gegeneinander aufgehetzt werden?

          • ach brücke, sie leben auf der falschen seite des bosporus und nicht’mal das scheinen sie zu bemerken, wie auch der grössere rest der flies/fremdarbeiter_ziehlinge.
            was für ewigflaschen haben unsere sozialsysteme hier kreiert……

          • Kennst du den Erdogan persönlich. Weil wenn nicht, ist einfach dumm etwas über jemanden zu schreiben, den man nur aus den Medien kennt. Egal wer es ist.

  2. Moment mal, ich sehe von den „Westemedien“ keine besondere Propaganda gegen die Türkei. Wo ist denn der Aufschrei der deutschen Medien gegen Erdogans territoriale Ansprüche gegen Irak, Syrien und Griechenland? Da ist kollektives Schweigen im Blätterwald. Im Gegenteil ich sehe eher eine gefährliche Unterwerfung und Appeasement gegenüber den Türken. Die mögliche Flutung von 3 Mio zusätzlichen Flüchtlingen ist m.E. ein Kriegsverbrechen. Erdogan hetzt seine muslimischen Brüder auf Nimmerwiedersehen ins winterliche Mittelmeer! Wo bleibt der Aufschrei? Er ist ein Anti-Moslem, Anti-Demokrat und Chauvinist der schlimmsten Sorte. Die Neocons können ihn doch gar nicht mehr instrumentalisieren, aber sie sind natürlich für die Kriege verantwortlich!

    • Das ist Bullshit, es gibt keine territoriale Ansprüche, die Türkei ist von 3 seiten von Krieg und elend umringt und muss sich schützen, das geht nur wenn man die freien bereiche in Ländern wie Syrien und Irak besetzt weil diese staaten diese bereiche nicht selber schützen können, und das hat mit territorialer Verschiebung nichts zu tun, dieses land muss sich schützen gegen pyd, pkk, isis und co. also Bitte nicht so einen Bullshit schreiben. Was wäre den wenn Italien im Krieg wäre und an den Grenzen leben Gerrilia die auch deutschland attackieren? würde Deutschland sagen na macht mal oder was? Europa sollte noch der Demokratie schauen alle Europäischen Länder rücken immer mehr nach rechts und nicht Erdogan.

        • die türken und schirmherrschaft…..
          die halbe türkei sucht ihr glück im ausland, gell dogross.

          „im frei erfinden“ seit’s die unumstrittene nr.1

          • Nicht unbedingt. Du kannst zwar gerne an Wiederaufbau-Türken glauben, tatsächlich war es eine Notwendigkeit die sozial Systeme eines NATO-Partners zu stabilisieren.

            Kann sein, dass du die Transfer von deutschen in türkische Krankenkassen nicht magst, die Zielsetzung war aber die „Roten“ draußen zu halten.

            Heute wechseln alle auf die kurdische Seite, weil Türkinnen eben 1,8 Kinder bekommen und Kurdinen 4. M.E. wird Irak, Türkei, Iran langfristig an die Wand gefahren und Kurdistan gegründet.

            Das ist aber das längerfristige Bild, dann wirst du Türken aus Deutschland sehen, die in den Konflikt ziehen. War am Balkan nicht groß anders…

  3. Schon eine hochinteressante Darstellung! Im Hintergrund der völkischen Interessen der Türkei stehen die rd. 10 Millionen Uiguren im chinesichen Sinkiang. Deren Volksmassen gehören zwar nicht zu den Turkvölkern, wohl aber ihre Herrscharkaste, die sich mit ihnen mischte. Für China ist diese unruhige völkische Minderheit ein ewiger Grund zur Besorgnis. Bei Bestrebungen zur Einigung der Turkvölker wäre mit ihrer Einbeziehung zu rechnen.

    • Unwahrscheinlich. Die Uiguren sind stark mit Kasachen vermischt, das bedeutet, da hat Kasachstan seine Hand drauf. Und wenn du dir das kasachische Offizierkorps ansiehst im wesentlichen Russland. Russland hat kein Interesse China zu destabilisieren, nicht mit Tartaren und Baschkiren, auch muslimische, turk Minderheiten so nahe an der Wolga.

  4. Etwas über den Schreiber des Artikels: „Dominik Gross geboren 1985 in Wien. Lehramtstudium Universität Wien, Risikomanagement Pioneer Investments, Akademie der Wissenschaften Duschanbe, Stipendium der Russischen Förderation TPU Tomsk. Hat insgesamt etwas über 2 Jahre in Russland, der Türkei und Zentralasien gelebt, studiert und gearbeitet und kennt die Region.“
    Also ich habe auch 2 Jahre in Istanbul gelebt und es hat nicht ausgereicht, um ganz Istanbul kennen zu lernen. Wie hat der Schreiber denn das Geschafft??!! Schwachsinnige Propaganda und gewollte Irreführung eines Österreichers. Der ganz offenkundig ein Türkei Gegner zu sein scheint und keinerlei Fakten aufweisen kann.

    • Wenn ich der Türkei schaden wollte, würde ich sagen, dass jede Entscheidung super, toll und richtig ist. Weil das der schnellste und effektivste Weg ist jemanden in Richtung Untergang zu führen.

      Aber tu dir keinen Zwang an, lauf durch die Welt und erzähl jedem wie viel besser du als alle Anderen bist und schau was passiert…