in Politik

Meldungen der vergangenen Wochen zeigen: Der wahre Feind der Anti-IS-Koalition ist Baschar al-Assad. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung agieren USA, Türkei, Israel, Großbritannien und Saudi-Arabien militärisch in Syrien und kämpfen stärker als je zuvor gegen Assad.

Vor drei Jahren noch, im turbulenten 2012, gab es in den medialen und politischen Kanälen der Internationalen Politik kaum ein größeres Thema als das vom „Arabischen Frühling“ vollkommen zerrüttelte Syrien. Von der Ostgrenze der Europäischen Union über Berlin und London bis nach Washington gab es in diesem Konflikt nur ein Ziel: Der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Zwei Jahre später geriet diese Zielsetzung in den Hintergrund, denn der „Islamische Staat“ erschien auf der Bildfläche und entpuppte sich als schlagkräftige und skrupellose Terrormiliz, deren Bekämpfung fortan als oberstes Gebot galt. Und so kam es wie es kommen musste: Barack Obama rief die „Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat“ aus. 12 Monate später wird nun immer deutlicher:  Der Westen und seine auserkorene Koalition gaben ihr Ziel, Assad endlich zu stürzen nie auf. Nein, vielmehr perfektionierten sie ihr vorgehen. Die Anti-IS-Koalition ist ein Kriegsverbund gegen den syrischen Präsidenten; Der Kampf gegen die IS-Milizen ist bestenfalls eine Begleiterscheinung.

Wer verstehen will, wie es zu dieser Gemengelage kommen konnte, muss begreifen, welche Priorität dem Anti-Assad Kampf in so mancher westlicher und arabischer Regierungshauptstadt eingeräumt wird. Syrien unter Assad bildet gemeinsam mit dem Iran eine antiwestliche Achse in der arabisch-nordafrikanischen Region und stehen damit in sämtlichen lokalen Konflikten sowohl der Türkei, als auch der EU, den USA, Israel und Saudi-Arabien im Weg. Die iranischen Theokraten und Diktatoren haben ihr Land samt Bevölkerung fest im Griff; umso erfreulicher für deren beider Feinde war es, als 2012 Baschar al-Assads Machtgefüge durch die Revolutionäre des „Arabischen Frühlings“ bedroht war.

Es folgten Waffenlieferungen an Revolutionäre, politisch-wirtschaftliche Isolierung Syriens und schließlich – nach dem vermeintlichen „Überschreiten der Roten Linie“ – auch Bereitschaft des Westens mittels Luftschlägen wie in Libyen zu intervenieren. Ohne dem Eingreifen Russlands, der fast schon befehlsverweigernden Haltung des US-Militärs und der Gehorsamverweigerung des britischen Parlaments wäre es auch zu NATO-Bombardements gekommen, und damit wohl auch zu einem schnellen Sturz des syrischen Machthabers. So war es eine Niederlage für Barack Obama und die anderen Regierungs- und Staatschefs, die Assad gerne aus dem Präsidentenamt getrieben hätten.

Klar, das Anti-Assad Vorgehen ging weiter: Weiterhin gab es Waffenlieferungen und selbst die Entstehung des Islamischen Staates nahm man in Washington bewusst in Kauf, mit der Hoffnung, sie könnten zum Sturz Assads beitragen. Auch die Türkei unterstützte den „IS“ passiv, mittels Reisefreiheit, Nachschubmöglichkeiten und finanzielle Kanäle. Aus Saudi-Arabien flossen massiv regierungsnahe Gelder.

All das fand in den letzten 12 Monaten ein Ende, so glaubte man. Denn der IS hatte sein Einflussgebiet auf den Irak ausgeweitet und bedrohte die gesamte Region sowie auch den Westen. Barack Obama berief die „Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat“ ein und schwörte dessen Mitglieder, darunter Großbritannien, Israel, Saudi-Arabien und die Türkei, auf den Kampf gegen den IS ein. Spätestens seit der Kehrtwende der Türkei vor einigen Wochen, glaubte man all diese Staaten auf Anti-IS, statt Anti-Assad Kurs gebracht zu haben.

Doch dass dies weiterhin nicht Primärziel jener Staaten ist, zeigen Berichte der vergangenen Woche: Weiterhin bleibt Assad der Hauptfeind der Anti-IS-Koalitionäre. Der offene Kampf gegen den IS steht dabei nun nicht mehr dem Anti-Assad Ziel im Wege, sondern ermöglicht im Gegenteil viel effizientere Mittel im Kampf gegen Syrien – unter dem Deckmantel des Anti-IS Krieges.

So praktiziert es auch Großbritannien. Unter dem offiziellen Auftrag man müsse die Strukturen des „Islamischen Staates“ auch in Syrien, das als Rückzugsort desselben gilt, spionieren um effektiver gegen ihn vorgehen zu können, schleuste die Cameron-Regierung mehr als 120 Special Forces der britischen Luftwaffe in die Reihen des „Islamischen Staates“ um dort gegen Assad-Truppen zu kämpfen. Das titelt die britische „Sunday Express“ vor zwei Wochen. Konkret: „Mehr als 120 Mitglieder des Elite-Regiments befinden sich bereits in dem vom Krieg zerrissenen Land, sind in schwarz gekleidet und schwenken die Fahnen des ‚Islamischen Staates‘. Sie sind Teil der sog. „Operation Shader. – Was nichts anderes bedeutet, als dass diese britischen Elitetruppen Angriffe auf syrische Ziele unter dem Vorwand der Bekämpfung des ‚Islamischen Staates‘ führen sollen.“ Laut Sunday Express sind ferner über 250 Spezialisten aus Großbritannien (und vermutlich auch aus USA) an der Operation beteiligt, um die Kommunikation zwischen den Spezialeinheiten zu unterstützen. Die Zeitung zitiert dazu eine Aussage des britischen Verteidigungsministers Michael Fallon: „Die britischen Maßnahmen und Überwachungstätigkeiten sollen es anderen Ländern ermöglichen, Kapazitäten für den Kampf gegen Syrien freizumachen.“ (Quelle: Sunday Eypress, info direkt.)

Auch Israel verfolgt mit Blick auf den IS eine Doppelstrategie, die Vorgehen gegen Assad ermöglicht.  Vor einigen Tagen brachte die Times of Israel folgende Meldung: „Verteidigungsminister Moshe Ya‘alon erklärte am Montag, dass Israel den syrischen Rebellen Hilfe leiste, um es dadurch den in Syrien lebenden Drusen zu ermöglichen, sich aus unmittelbarer Gefahr herauszuhalten.“ Das offizielle Israel hatte zuvor niemals eine derart eindeutige Bestätigung abgegeben und sprach lediglich davon, man würde Kräfte unterstützten, die für den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kämpften. Laut Ya‘alon werde den syrischen Rebellen, von denen einige vermutlich der der Al-Kaida nahestehenden Al-Nusra-Front angehören, unter zwei Bedingungen medizinische Hilfe gewährt: dass sie sich von der syrisch-israelischen Grenze fernhalten und dass sie die Drusen nicht angreifen.“ Wiederum Vorwand dieser Strategie: Die Rebellen seien wirksam gegen die Ausbreitung des „Islamischen Staats“. (Quelle: Times of Israel, info direkt.)

Auch die Türkei, als Todfeind Assads, nutzt den Anti-IS-Kampf zu ihren Gunsten. Denn zwischen Assad und den syrischen Kurden gab es immer wieder Annäherungsversuche. Assad wollte ihnen schon einmal Autonomie versprechen. Auch wenn es zwischen einzelnen Kurden-Milizen und Assad-Truppen auch Feindschaften gibt. Ein beruhigtes Assad-Syrien könnte immer zu einer engen Partnerschaft zwischen Kurden und der syrischen Regierung führen. Bis dahin, verhalten sie sich teilweise partnerschaftlich, größtenteils neutral und teilweise Feindlich gegenüber Assad. So oder so ist dies für eine Türkei, die einen Kurden-Staat als große Bedrohung betrachtet, ein zu verhinderndes geopolitisches Risiko. Folgerichtig stellen sich die türkischen Luftschläge der vergangenen Wochen nicht nur gegen IS-Stellungen, sondern auch gegen Kurden-Nachschublinien und Assad-Infrastruktur.

Und auch die USA sind von ihrem Anti-Assad Ziel nicht abgerückt. Ja, insgeheim kann man nun sogar seine Strategie direkt fortsetzen. Denn unter der Flagge der Anti-IS-Koalition, sowie der moralischen Rechtfertigung man müsse Kurden-Milizen und syrische Rebellen gegen den IS helfen, lässt sich auch Prima eine kleine aber wirkungsvolle Intervention gegen Syrien und dessen Machthaber Assad starten. Denn die USA schließen nun auch Luftangriffe in Syrien nicht mehr aus, die sich direkt gegen Assad-Truppen richten. „Die US-Luftwaffe werde die Einsätze der Aufständischen aus dem Pentagon-Rekrutierungsprogramm gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) unterstützen, meldeten das „Wall Street Journal“ und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Kreise. Allerdings werde man diese Einheiten nun auch gegen jeden Angreifer verteidigen – also auch gegen die Truppen des syrischen Regimes.“ (Quelle: Spiegel Online)

Und so zeigt sich: Die Anti-IS-Koalition mag sich teilweise wirklich gegen die Ausbreitung des Islamischen Staates wehren, doch von Öffentlichkeit und Medien unbeachtet, verfolgt sie eine Anti-Assad Strategie, die in der From bereits seit spätestens 2012 betrieben wird. So bedeutet die angeblich strikte Bekämpfung des IS mindestens für Großbritannien, Israel, USA, Türkei und Saudi-Arabien nicht das Ende der Anti-Assad Bestrebungen, sondern die Perfektion derselben. Der Kampf gegen den IS ist in großen Teilen ein Vorwand.

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14 Kommentare

  1. Es ist doch kein Geheimnis das Assad das Hauptziel des Konflikts ist schließlich, wie du bereits richtig sagst ist er der Hauptauslöser des Konflikts.

    Du formulierst es teilweise so als wäre es wichtig dies über die IS-Miliz zu verschleiern, ist es aber nicht. Assad hat das Syrische Volk über viele Jahre unterdrückt bis es sich schließlich endlich zur Wehr gesetzt hat. Die IS hat sich vor allem durch grausame Terror Anschläge einen Namen gemacht, von denen sich sogar die Al-Kaida distanziert. Die IS führen Anschläge in Namen Assads auf die Rebellen aus.
    Also wen wunderts das Assad und die IS das Ziel der USA sind?

      • Peter hat recht !!!

        Das ganze Gerede das die Menschen unter Assad friedlich zusammengelebt haben sollen, ist eine Ertunkene Scheiße. Kurden hatten bis 2007 o. 2011 keine Existenz unter Assad – haben keine Personalausweise bekommen und waren nicht vorhanden. Nur die Elite und Intelleckt-tuellen ging es unter Assad gut… und diese Intelleckt-tuellen reißen um die Welt und erzählen Scheiße! ! !

        Hinter der ISIS stecken die Zionisten (und Assad selber steckt auch hinter der ISIS…), aber andere Staat benutzen die IS auch. Die IS sollte eigentlich dem Assad sein Orsch retten… „seht her, ich kämpfe hier gegen Terroristen“ – ist aber anders gekommen, als geplant. Assad hat noch kein einziges mal mit der ISIS gekämpft ! ! !

  2. Erst als der Westen angefangen hat den Nahen Osten nach ihrem Gut Dünken aufzuteilen ,und die Rohstoffe zu ihren Gunsten auszubeuten hat der Terror begonnen .
    Haben die Herrscher das Spiel mitgemacht ,waren sie dicke Freunde , und bekamen Waffen ohne ende , haben sie das miese Spiel durchschaut waren sie mit einem mal Terrorristen und Feinde !
    Mit den undemokratischsten Ländern werden heute noch riesige Waffengeschäfte gemacht ohne das irgendjemand nach Bürgerechten und Demokratie fragt . Man muss schon sehr naiv sein um das nicht zu erkennen.
    Bleibt die Frage ,wer braucht nur so viel Öl und wer vertritt die Waffenlobby ?
    Syrien ,Lybien ,Iran ,Irak ,Ägypten ??

    • Ja, das Ziel war Assad… aber nicht nur Assad, sonder auch Europa (die Briten stecken hinter Assad – Assad ist Mitglied in einem britischen Geheimbund… Elisabeth wird schon ein gemütliches Plätzchen für Assad und seine Sippe finden).

      Die Amis machen Pläne für 25/50 Jahre im voraus und diese Pläne sollen in die Hände von Israel gekommen sein. Das da unten sollte erst in 10-15 Jahren stattfinden… Europa und seine kranken Diktatoren sollen da unten vertrieben werden – der Ami will die Region für sich und Europa und seine Diktatoren da unten vertreiben.

      Der Türke hat dem Ami versprochen… „ah, wir kriegen das schon mit Assad hin“ – deswegen die gute Beziehung zwischen Assad und Erdogan.

      • Der Türke wollte Assad zur Durchführung von demokratische Wahlen überreden und so sollte ein friedliche Übergang stattfinden – und Assad… „wat für demokratische Wahlen, da wird isch jo net wieder gewählt“ und es hat… Boom gemacht!

        Der Russe hat nur Geopolitische Interessen da unten, Assad sein Orsch ist ihm völlig egal – Sergei Wiktorowitsch Lawrow hat auf seiner eigenen Web-Seite gesagt… „nicht MOSKAU ist der Schützling Assads, es ist LONDON ! ! !“

    • Ich denke nicht das die Amis einen 3. Weltkrieg auslösen wollen… glaube sogar, das der Putin und Obama sich Prächtig verstehen – irgend welche Rotschildspinner in EUROPA/NATO & USA wollen das.

  3. @Peterlistig: mal abgesehen davon, dass der IS – so wie die al-kaida – von niemand anderem als den usa gegründet und ausgebildet wurde – und was den IS betrifft, so wurde der gegründet, um ihn als vorwand für die invasion in syrien daherzunehmen – sollte der umstand, dass irgendwelche überseeischen ausländer auf fremdem territorium ambitionen jemanden zu „beschützen“ entfalten, ohne dessen, dass sie darum gebeten wurden, eigentlich jeden, dessen IQ über dem eines glühwürmchens liegt wundern.

  4. Wer begreifen will, was in Syrien tatsächlich abgeht und nicht nur die Phrasen der „westlichen Wertegemeinschaft“ nachplappern will, der gehe an die Quelle und zwar durch Abonnieren des newsletters von
    the real SyrianFreePress Network.