Wie die Krankenhausindustrie funktioniert: Der Blick hinter die Kulissen

Wie die Krankenhausindustrie funktioniert: Der Blick hinter die Kulissen

Die Gesundheitsindustrie floriert an sich recht gut. Die Pharmaindustrie etwa wirft höchste Gewinne ab, Eigentümer wie kleine und große Aktionäre streichen Jahr für Jahr hohe Gewinne ein. Nur Krankenhäuser scheinen derzeit große Probleme zu haben und sorgen daher auf Kosten ihrer Patienten für stetige Einnahmequellen. Dies jedenfalls geht aus einem neuen Bericht des Finanzministeriums hervor.

Unnötige Operationen…

Der Bericht, aus dem etwa der „Focus“ zitiert, erhebt schwere Vorwürfe an die Betreiber von Krankenhäusern und auch an das medizinische Personal. So würden die Kliniken nur aus dem Grund, dass sie sich über Wasser halten müssten, Operationen anordnen und vollziehen, die nicht indiziert seien.

Die fehlenden Finanzmittel, so heißt es, würden organisiert, indem die „Leistungsmenge“ ausgedehnt würde. Etwas verschwurbelt vielleicht, aber tatsächlich ist damit eine Pro-Kopf-Optimierung gemeint – Einnahmen pro Patienten. Die Operationen brächten damit nicht nur hinreichend Mittel für die den laufenden Betrieb, sondern ermöglichten auch die Investitionen für den künftigen Betrieb.

Die OECD hatte schon im Jahr 2013 festgestellt, in Deutschland würde viel operiert werden. Bei künstlichen Hüftgelenken etwa liegen wir in Europa weit vorne, es gibt zudem viele Bypässe oder auch Gallenblasenentfernungen. Dies könnte, so jedenfalls der „Focus“, am recht hohen Alter der deutschen Bevölkerung liegen. Ein etwas abenteuerlicher Schluss, so diese Redaktion – der Altersunterschied bezieht sich in der Regel auf wenige Jahre.

Das größte Problem jedoch liegt offenbar darin, dass es überhaupt zu viele Kliniken gäbe, so die vorliegende Studie. In Deutschland verfügen die Häuser pro 1.000 Einwohnern über 6,1 Betten. Weltweit ist diese Zahl mit 3,7 um mehr als 30 % geringer. Gleichzeitig ist über die Hälfte dieser Betten auf Kliniken verteilt, die klein sind – 52 % aller Häuser haben weniger als 200 Klinikbetten.

Demnach benötigen wir weniger Betten – und ein Kontrollsystem bei der Vergabe von Operationsaufträgen. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch der Gesundheit der Patienten wegen.